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Studiengebühren
 

Richard Sturn/Gerhard Wohlfahrt, Der gebührenfreie Hochschulzugang und seine Alternativen, Verlag Österreich, Wien 1999, 422 Seiten, 69,- DM.
 

Studiengebühren werden von der Monopolkommission, vom CHE und von anderen zur Förderung des Wettbewerbs gefordert. Eine der Prämissen für diese Forderung ist, daß nur so eine Subventionierung der Studierenden durch die bildungsfernen Schichten verhindert werden kann. Sturn und Wohlfahrt sehen das anders. Nach einer differenzierten Aufschlüsselung der Kosten der universitären Bildung untersuchen sie für Österreich die Auswirkungen der Hochschulfinanzierung auf allokative Effizienz, Chancengleichheit und Verteilung. Sie unterscheiden hierbei fünf idealtypische Modelle, erstens die Marktlösung, d.h. die Finanzierung der Hochschulen durch die Benutzer selbst, zweitens das gebührenfreie Hochschulstudium, drittens ein Gebührenmodell mit staatlichen Bildungskrediten, viertens vom Elterneinkommen abhängige Studiengebühren und fünftens Akademikersteuern.

Zur allokativen Effizienz fällt die Beurteilung der unterschiedlichen Finanzierungsmodelle (zwangsläufig) unterschiedlich aus. Nach dem Humankapitalansatz führen unter bestimmten idealen Bedingungen Marktlösungen bzw. marktnahe Lösungen zu den besten Ergebnissen. Werden jedoch die Bedingungen variiert und kommt es zu Marktversagen, insbesondere in Form von externen Effekten, setzt man ferner die Bildungsnachfrage nicht als konstant voraus, so sind die Marktlösungen der gebührenfreien Hochschulausbildung nicht mehr überlegen.

Bei der Chancengleichheit geht es um den Zusammenhang zwischen Einkommen und Bildungsinvestition, d.h. inwieweit durch eine staatlich finanzierte Hochschulausbildung eine bestehende ungleiche Einkommensverteilung korrigiert werden kann. Hierzu geben Sturn und Wohlfahrt einen Überblick zu den bestehenden theoretischen Ansätzen und deren empirischer Überprüfung. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, daß zur Realisierung von Chancengleichheit andere Reformmaßnahmen ergriffen werden müßten, die im wesentlichen außerhalb des Hochschulbereichs liegen. Hier dürfte die frühe Bildung in Kindergärten und Grundschulen von erheblicher Bedeutung sein. Hieraus zu folgern, daß das Instrument der gebührenfreien Hochschule nicht zur Realisierung von Chancengleichheit geeignet ist, lehnen die Autoren zu Recht ab, dies insbesondere unter dem Blickwinkel, daß alternative Finanzierungsformen in dieser Hinsicht keinerlei Vorteile aufweisen.
 

Verteilungseffekte

Zu den Verteilungseffekten unterscheiden die Autoren zwei Problemfelder, die in der Diskussion um gebührenfreie Hochschulen und Studiengebühren nicht immer sauber getrennt werden: Einerseits, inwieweit die Nichtakademiker den Akademikern das Studium bezahlen, andererseits, inwieweit das kostenlose Studium zu einer Umverteilung von den einkommensschwächsten zu einkommensstärkeren Schichten führt.

Im Rahmen einer Längsschnittanalyse auf der Basis von Lebenseinkommen überprüfen Sturn und Wohlfahrt für Österreich empirisch, ob die Subventionen aufgrund des gebührenfreien Hochschulstudiums von den Akademikern durch höhere Steuerzahlungen „zurückgezahlt“ werden. Die Autoren bejahen dies. Bei gleich hohen Lebenseinkommen zahlen die Steuerzahler, welche im Zeitablauf einen weniger „glatten“ (regelmäßigen) Einkommensstrom aufweisen, mehr Steuern als die mit einem gleichmäßigeren Lebenseinkommen. Der entgangene Glättungsvorteil, der kausal mit dem zeitlichen Muster von Bildungsinvestitionen zusammenhängt, liegt in der Größenordnung der während des Studiums erhaltenen Subventionen.

Im Rahmen einer Querschnittsanalyse untersuchen Sturn und Wohlfahrt auf der Basis von Jahreseinkommen, welche Einkommensschichten wie stark vom gebührenfreien Hochschulstudium profitieren. Für Österreich ermitteln sie entgegen der landläufigen Vermutung eine Umverteilung durch das gebührenfreie Studium von den oberen zu den unteren Einkommensschichten.

Gerade in der Herausarbeitung der Verteilungseffekte unterschiedlicher Hochschulfinanzierungsmodelle liegt der wesentliche Wert dieser Studie. Theoretisch korrekt hergeleitet und für Österreich empirisch belegt kann die These, daß bei einer staatlichen Hochschulfinanzierung bildungsferne Schichten die Studierenden subventionieren, die seit Ende der 70er Jahre als „Allgemeinwissen“ die Diskussion beherrscht, aber nie empirisch belegt wurde, in den Bereich der Folklore verwiesen werden. Die Ergebnisse sind auch für deutsche Diskussionen relevant, da sie aufgrund der ähnlichen institutionellen Struktur ohne großes Risiko übertragen werden können. Insgesamt ist mit dieser Studie ein lesenswerter Beitrag erschienen, der profundes Wissen über die Wirkungen unterschiedlicher Hochschulfinanzierungsmodelle vermittelt. Die ökonomische Methode, bei der häufig weit ausgeholt wird, um auch für Nichtökonomen verständlich zu sein, wird an vielen Stellen durch Argumente aus gesellschaftswissenschaftlichen Nachbardisziplinen angereichert.
Die Studie kann den Streit zwischen den Befürwortern und Gegnern von Studiengebühren nicht entscheiden; sie räumt aber fehlerhafte Prämissen beiseite, die zu voreiligen Schlüssen führen könnten. Die Position, wonach die bildungsfernen Schichten die Studierenden subventionieren, läßt sich jedenfalls für Österreich - und höchstwahrscheinlich auch für Deutschland - nicht halten.

Univ.-Professor Dr. Bernhard Nagel,
Universität Gesamthochschule Kassel
 
 
 
 
 
 
 

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Christiane Konegen-Grenier / Mathias A. Winde, Public Private Partnership in der Hochschullehre, Deutscher Instituts-Verlag, Köln 2000, 184 Seiten, 29,80 DM.

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Detlef H. Rost (Hg.), Hochbegabte und hochleistende Jugendliche, Waxmann-Verlag, Münster 2000, 421 Seiten, 49,90 DM.

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de.

Ulrike Vogel / Christiana Hinz, Zur Steigerung der Attraktivität des Ingenieurstudiums, Verlag Kleine, Bielefeld 2000, 208 Seiten, 36,90 DM..

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