Die Zeit ist "mehr als reif"
Allgemeiner Deutscher Fakultätentag gegründet

Der Allgemeine Fakultätentag hat sich am 13. Dezember 2000, in Jena gegründet. Als Dachorganisation der deutschsprachigen Fakultäten will er in Politik und Öffentlichkeit an der Meinungs- und Willensbildung mitwirken, um gemeinsame Ziele bei der Veränderung der Rahmenbedingungen in Lehre und Forschung an den deutschen Hochschulen zu fördern.

"Es geht uns nicht darum, die Hochschulrektorenkonferenz zu ersetzen", erläutert Prof. Dr. Reinhold Grimm, Präsident des Allgemeinen Fakultätentages, "aber wir kennen aufgrund unserer Legitimation und Struktur die Praxiserfordernisse in den Hochschulen genau und sind die einzigen, die die operativen Belange der Wissenschaft und der einzelnen Fächerkulturen vertreten können." Bei der Gründungsversammlung waren alle 16 deutschen Fakultätentage vertreten. Zu dem aufsehenerregenden Schritt in der deutschen Hochschulpolitik entschlossen sich die Fakultätentage, "weil die Debatte um dringend erforderliche Reformen unseres Wissenschaftssystems weitgehend am Kern der praktischen Erfordernisse vorbei geführt wird", moniert Prof. Dr. Peter M. Huber, Jenaer Jurist und Vizepräsident des Allgemeinen Fakultätentages. "Es geht um die Zukunftsfähigkeit unserer Universitäten, die wir nicht mit politischen Phrasen und professionalisierten Funktionärskasten sichern können." Die Zeit sei "mehr als reif für eine Bewegung von unten", ergänzt Reinhold Grimm.

So wehren sich die Fakultäten energisch gegen die pauschale Amerikanisierung des deutschen Bildungswesens. Master- und Bachelor-Studiengänge könne man zwar ausprobieren, so Huber, "aber wir wollen nicht unsere bewährten deutschen Qualitätsstandards nach dem Vorbild drittklassiger amerikanischer Provinzuniversitäten ausrichten." Auch gegen eine Abschaffung der Habilitation wenden sich die Fakultäten vehement. "Diese zweite wichtige wissenschaftliche Qualifikation ist für die Nachwuchsbildung an den deutschen Universitäten - jedenfalls in den Geisteswissenschaften - unverzichtbar", so Huber. Bestrebungen in diese Richtung, etwa der DFG, keine Habilitationsstipendien mehr, sondern statt dessen "Junior-Professuren" zu fördern, bezeichnet Huber als "ein starkes Stück".

Gegen eine leistungsgerechte Professoren-Besoldung sei "grundsätzlich nichts einzuwenden", so Grimm, "aber wie realitätsfern die Pläne der Bundeswissenschaftsministerin Edelgard Bulmahn sind, hat ihr ja erst kürzlich ein Kienbaum-Gutachten bescheinigt." Akademischer Wettbewerb und Besoldungsgerechtigkeit dürfe nicht durch Bürokratensysteme geregelt werden. "Der Hochschullehrerberuf hat unter finanziellen Gesichtspunkten längst an Attraktivität für den wissenschaftlichen Nachwuchs verloren", bemerkt Huber. Ob sich der Staat den Wettbewerb mit der Wirtschaft wirklich finanziell leisten könne, fragt Grimm und gibt auch zu bedenken, "ob wir Geistes- und Sozialwissenschaftler zu den Hungerleidern eines profitorientierten Bildungswesens degradieren dürfen". Anreize müßten vielmehr im immateriellen Bereich, etwa durch die stärkere Förderung von Lehr- und Forschungsvorhaben exzellenter Universitätswissenschaftler gesetzt werden.

Es komme jetzt darauf an, wie die Weichen in die Zukunft gestellt werden, sind sich Grimm und Huber einig. Dafür, daß diese Richtungsentscheidungen nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg gefällt werden, will sich der Allgemeine Fakultätentag einsetzen.

Quelle: Allgemeiner Deutscher Fakultätentag, 12./13. Dezember 2000

Bildungskatastrophe

Die Bundes-Direktoren-Konferenz (BDK) sagt eine "zweite Bildungskatastrophe" voraus. Bundesweit stünden schon heute für bestimmte Fächer an den Gymnasien zu wenige qualifizierte Bewerber für das Lehramt zur Verfügung. Die Zahl der Studierenden belege, daß in den nächsten Jahren in vielen Fächern ein dramatischer Mangel an Lehrkräften abzusehen wäre, da nicht einmal der Ersatzbedarf gedeckt werden könne. Es drohe der flächendeckende Einbruch des Fachunterrichts auf Grund eines strukturellen Lehrermangels.

Quelle: BDK, 17. November 2000

Nebentätigkeiten
Professoren sollen Teil der Einnahmen abgeben

Nach Vorschlag des Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Klaus Landfried, sollen Professoren einen Teil ihrer Einnahmen aus Nebentätigkeiten an die Hochschulen abgeben. Im Nachrichtenmagazin "Focus" sagte Landfried, die Rechtslage müsse so geändert werden, daß "ein Professor rund 20 Prozent des Honorars von Nebentätigkeiten an die Uni abführt". Es gebe eine steigende Zahl von Professoren, die in Bildungseinrichtungen von Firmen vor allem in der Weiterbildung tätig seien. "Die Unternehmen holen sich die besten Professoren aus den staatlichen Hochschulen und schließen mit ihnen private Verträge ab." Dies gehe zu Lasten des Steuerzahlers. "Wenn ein Jura-Professor beispielsweise für seinen Vortrag bei einer Immobilienfirma 2000 Mark am Tag erhält, sieht seine Hochschule, deren Infrastruktur er nutzt und die ihn ja sonst bezahlt, keine Mark davon."

Quelle: dpa Dienst für Kulturpolitik, 11. Dezember 2000

Sonderopfer?

E.B. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen des Berliner Abgeordnetenhauses hat einen Beschlußantrag an das Abgeordnetenhaus gestellt, nach dem sämtliche Nebentätigkeitseinnahmen medizinischer Universitätsprofessoren, die den Jahresbetrag von DM 250.000 übersteigen, zu 90 Prozent als "Solidaritäts-Sonderabgabe" bis einschließlich zum Jahre 2004 an das jeweilige Klinikum abgeführt werden müssen. Zur Begründung wiesen die Abgeordneten darauf hin, zu den "Finanzreserven der Universitätsklinika" gehörten auch "die horrenden Nebeneinnahmen der Universitätsprofessoren" in Höhe von 62,7 Mio. DM pro Jahr (Stand 1998). So weitgehend mochten sich die Parlamentarier dieser Sichtweise nicht anschließen. Der Ausschuß für Wissenschaft, Forschung und kulturelle Angelegenheiten hat am 18. Oktober 2000 über einen Änderungsantrag der Fraktionen von CDU und SPD beschlossen, nach dem die Senatsverwaltung mit der Prüfung beauftragt wird, wie die Hochschulnebentätigkeitsverordnung wettbewerbsorientiert geändert werden könne.

"Verzweifelte Etatlage"

E.B. Die Lage der Hochschulbibliotheken in Deutschland ist "verzweifelt". Dies ist das einmütige Resümee, das die Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksver-bände, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Deutsche Hochschulverband, die Goethe-Institute, die Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften u. a. Vereine und Verbände in einer gemeinsamen Resolution ziehen. Die dramatische Situation sei vor allem bedingt durch exorbitante Preissteigerungen bei wichtigen ausländischen naturwissenschaftlichen, technischen und medizinischen Zeitschriften. Seit 1997 sei eine Preissteigerung bei diesen Zeitschriften von über 50 Prozent zu verzeichnen, nicht zuletzt auf Grund der Schwäche des Euro. Allein von 1999 auf 2000 betrage die Preissteigerungsrate 17 Prozent. Dies habe in vielen Fällen zur Reduzierung der Zeitschriftenabonnements um 30 Prozent geführt. Einige Bibliotheken müßten fast vollständig auf den Erwerb von Monographien verzichten, um wenigstens in strengster Auswahl Zeitschriften anbieten zu können. Von Jahr zu Jahr führe dies zu immer größeren Lücken in den technisch-naturwissenschaftlichen wie in den geisteswissenschaftlichen Beständen. Die Hoffnung, daß die Digitalisierung von Zeitschriften Kosten senken würde, hat bislang getrogen. Ganz im Gegenteil: Die Kosten müßten aus den stagnierenden Etats zusätzlich getragen werden. Zudem verschärfe die Belastung der elektronischen Versionen von Zeitschriften bzw. elektronischer Lizenzen mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 16 Prozent die Situation. Der Wissenschaftsstandort Deutschland sei durch die dramatische Lage in den Bibliotheken entscheidend geschwächt.

Quelle: Presseerklärung vom 5. Dezember 2000

Zentrale Verwaltung
NRW-Landesregierung plant Liegenschaftsbetrieb

E.B. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen plant die Errichtung eines zentralen Bau- und Liegenschaftsbetriebes. Dem neuen Liegenschaftsamt sollen auch die Hochschulen unterworfen werden. Damit soll den Hochschulen des Landes die Zuständigkeit für ihre Immobilien entzogen werden. Ein entsprechender Gesetzentwurf soll bereits zum 1. Januar 2001 in Kraft treten. Die Rektoren der drei ABC-Hochschulen Aachen, Bonn und Köln wehren sich gegen den Entzug ihrer Gebäude und Grundflächen. Nach Presseberichten würde nach Auffassung der drei Hochschulen die zentrale Verwaltung die ortsnahe und zügige Wahrnehmung der Aufgaben in vielen Bereichen sowie die Handlungsfähigkeit der wissenschaftlichen Einrichtungen "massiv beeinträchtigen und erhebliche Reibungsverluste erzeugen". Dies werde beispielsweise auch bei Berufungs- und Bleibeverhandlungen von Professoren gelten. Das neue Gesetz werde zu Standortnachteilen für die nordrhein-westfälischen Universitäten führen.

Nachwuchs
Stifterverband schreibt "ForschungsDozenturen" aus

Für besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftler an Universitäten will der Stifterverband modellhaft eine neue Personalkategorie schaffen. Diese "ForschungsDozenturen" sind auf vier Jahre befristete C2-Stellen, deren Inhaber einen Universitätsprofessoren vergleichbaren Rechtsstatus haben werden.

Die ForschungsDozenturen sind mit jährlich 150.000 DM ausgestattet. In einer ersten Runde stellt der Stifterverband gemeinsam mit privaten Förderern Mittel für insgesamt zwölf ForschungsDozenturen zur Verfügung. Das Programm entspricht in seiner Zielsetzung der auch von der Bundesministerin Edelgard Bulmahn betriebenen Einführung von "Juniorprofessuren". Im Unterschied dazu will der Stifterverband allerdings weder die Habilitation, noch die Ämter für wissenschaftliche Assistenten und Oberassistenten abschaffen, weil er für eine Vielfalt von Qualifizierungsmöglichkeiten zum Professor eintritt. Das Förder-programm ist fachoffen; besonders erwünscht sind Anträge zur Einrichtung von ForschungsDozenturen, die im Zusammenhang mit der Etablierung neuer interdisziplinärer Forschungsgebiete stehen.

Die Ausschreibung ist im Internet unter www.stifterverband.de/presse.html abrufbar.

Quelle: Stifterverband 13. Dezember 2000

Vielfalt erhalten
Philosophischer Fakultätentag für Habilitation

E.B. Der Philosophische Fakultätentag hat auf seiner Plenarversammlung am 2. Dezember 2000 in Düsseldorf mit "großem Nachdruck" betont, die sachlich begründeten Fächerkulturen in ihrer Vielfalt zu erhalten und deshalb in den Geistes- und Sozialwissenschaften die Habilitation als Qualifikation beizubehalten. Dagegen lehne er "entschieden" die Einführung von "Juniorprofessuren" im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften ab. Der Schaffung einer wettbewerbsfähigen, flexiblen und leistungsorientierten Vergütungsstruktur stehe er aufgeschlossen gegenüber, halte allerdings das vorgelegte Konzept des BMBF für "ungeeignet". Das Ziel, Studienabschlußarbeiten in kürzerer Zeit zu ermöglichen, und die Einrichtung von Pro-motionsstudiengängen werden unterstützt. Der Philosophische Fakultätentag begrüßt alle sachgerechten Bemühungen, die zur Studienzeitverkürzung, zu einer besseren Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zum Leistungswettbewerb in und zwischen den Universitäten führen können.

"Alumni Netzwerke"

Der Stifterverband wird im Januar 2001 einen Wettbewerb "Alumni Netzwerke" ausschreiben. Damit sollen die besten Konzepte professioneller Absolventenarbeit an deutschen Hochschulen prämiert werden. Eine Jury soll drei Preisträger auszeichnen, der Gewinnerhochschule winken 100.000 DM, die 2. und 3. Sieger erhalten 75.000 und 50.000 DM. Dies kündigte der Präsident des Stifterverbandes, Dr. Arend Oetker, anläßlich eines zweitägigen Symposiums im Bonner Wissenschaftszentrum am 7. Dezember 2000 an. Der Stifterverband eröffnet mit dem Wettbewerb ein neues Förderprogramm "Alumni Netzwerke". Es ist mit insgesamt 450.000 DM dotiert. In jüngster Zeit schössen Alumni-Clubs aus dem Boden, ihre Organisationsformen, Managementstrukturen und Professionalitätsniveaus seien aber höchst unterschiedlich. "Unser Wettbewerb soll benchmarks setzen, an denen sich andere orientieren können", sagte der Präsident des Stifterverbandes.

Informationen sind über den Stifterverband erhältlich: Dr. Volker Meyer-Guckel, Tel. (0201) 8401-172 oder Dr. Angela Lindner, Tel: (0201) 8401-158

Quelle: Stifterverband, 7. Dezember 2000

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