| REZENSION Historische Wissenschaftsforschung Frank-Rutger Hausmann (Hg.), Die Rolle der Geisteswissenschaften im Dritten Reich 1933-1945, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2002, 370 Seiten, 64,80 Euro. "Die Deutschen besitzen die Gabe, die Wissenschaften unzugänglich zu machen³. Die Gültigkeit dieses Goethe-schen Diktums sieht man bestätigt, liest man am Beginn des vorliegenden Tagungsbandes von Klaus Hildebrands These, die zeitgeschichtlichen Erträge zur Lage der Universitäten im Dritten Reich seien ansehnlich, würden aber von der Öffentlichkeit nicht wirklich wahrgenommen. Der Herausgeber des Bandes, der Freiburger Romanist Frank-Rutger Hausmann unterstreicht das geringe Interesse der Öffentlichkeit für die Geschichte der Geisteswissenschaften im genannten Zeitraum. Dies hat naheliegende Gründe. Anders als das Fehlverhalten von wissenschaftlich ausgebildeten "Praktikern³ wie von Medizinern oder Juristen, so Hausmann, eigne sich das Fehlverhalten von "Theoretikern³ weniger für eine auflagenträchtige Kriminalgeschichte. Spektakulär, aber aus historisch-analytischer Sicht wenig überraschend war die Begeisterung, mit der führende deutsche Professoren den Eintritt gerade auch der Geisteswissenschaften in das Dritte Reich verkündeten. Dies macht der übergreifende Beitrag von Otto Gerhard Oexle deutlich. "Die 'Krise des HistorismusO (Ernst Troeltsch) und die 'Krise der WirklichkeitO (Ludwig Fleck) die 'Auflösung der NaturO und die 'Auflösung der GeschichteO (Gottfried Benn) - dies alles sollte nun überwunden werden durch eine 'neue WirklichkeitO, als deren Ansatzpunkt und Erfüllung die sogenannte Machtergreifung der Nationalsozialisten schien.³ Die kurze Geschichte der Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus hatte eine lange Vorgeschichte, die bis an den Beginn des 19. Jahrhunderts reicht. Die Betonung dieser Kontinuität zieht sich wie ein roter Faden durch alle Einzelbeiträge des Sammelbandes. Deutlich wird auch die Wirkung dieser Vorgeschichte weit in die deutsche Nachkrie ????A?º??jgsgeschichte hinein. Dies erstaunt wenig, konnten doch spätestens ab 1951 nahezu alle Hochschullehrer ihr Amt fortführen, wenngleich vielfach an anderer Stelle. Die "deutsche Katastrophe³ (Friedrich Meinecke) führte, wenn überhaupt, nur sehr bedingt zur kritischen Selbstreflexion. Die Forschungslage hat sich in den letzten zwanzig Jahren erheblich verbessert. Dennoch präsentiert sich der Kenntnisstand höchst unterschiedlich. Der Beitrag von Wolfgang Pape zur Ur- und Frühgeschichte macht einleitend deutlich, daß das Fach noch weit davon entfernt sei, sich im Sinne einer Analyse zu ihrer eigenen Rolle im und vor dem Dritten Reich äußern zu können. Erstmals lenkt der ausgezeichnete Beitrag von Jürgen Court auch den Blick auf die Sportwissenschaft als Geisteswissenschaft im Dritten Reich. Herausragend ist auch der Aufsatz von Clemens Knobloch über die Sprachwissenschaft. Der Tagungsband ist Frucht eines Kolloquiums, das der Herausgeber als Stipendiat des Historischen Kollegs in München durchführte. Er spornt über exzellente Einzelbeiträge zu verstärkter Detailforschung an und gibt dieser wertvolle theoretische Wegweisungen. Er drängt auf Ursachenforschung, die freilich die noch lange nicht abgeschlossene faktenorientierte Rekonstruktion zur Voraussetzung hat, und damit letztlich auf Gesamtdarstellungen der Geschichte einzelner Disziplinen und der Geisteswissenschaften insgesamt. Hier wäre der historischen Wissenschaftsforschung durchaus Mut zur Vorläufigkeit zu wünschen. Schon allzu lange ist einem breiteren Leserkreis die Thematik dieses Bandes wenig zugänglich. Denn wissenschaftliche Gründlichkeit läßt sich in intellektuell spannende Texte überführen. Die hier versammelten Beiträge sind ein gutes Beispiel dafür. Univ.-Professor Dr. Wolfgang Bergsdorf, Präsident der Universität Erfurt Bücher über Wissenschaft Rolf Griebel, Etatbedarf universitärer Bibliothekssysteme, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a.M. 2002, 190 Seiten, 54,- Euro. Bardo Heger / Klaus-Peter ????A?º??j Hufer (Hg.), Autonomie und Kritikfähigkeit. Gesellschaftliche Veränderung durch Aufklärung, Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts. 2002, 254 Seiten, 24,- Euro. Christian Falko Pokorny, Die Bedeutung der Verwaltungsverfahrensgesetze für die wissenschaftlichen Hochschulen, Peter Lang Verlag, Frankfurt 2002, 373 Seiten, 60,30 Euro. Winfried G. Schneeweiss, Petri-Netz-Bilder-Buch, LiLoLe-Verlag, Hagen 2002, 120 Seiten, 14,- Euro. Michael Tomasello, Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Zur Evolution der Kognition, Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2002, 300 Seiten, 26,90 Euro. Rüdiger vom Bruch / Rainer A. Müller, Historikerlexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart, C. H. Beck Verlag, München 2002, 394 Seiten, 19,90 Euro. Gotthart Wunberg / Lutz Musner (Hg.), Kulturwissenschaften. Forschung - Praxis - Positionen, WUV Universitätsverlag, Wien 2002, 356 Seiten, 28,90 Euro. © Forschung & Lehre 2003 | |