Aderlaß in Sachsen

Erste ostdeutsche Abwanderungsstudie

Sachsen ist mit einem Aderlaß von Hochschulabsolventen und Abiturienten konfrontiert. Das geht aus der ersten Abwanderungsstudie des Statistischen Landesamtes für ein ostdeutsches Bundesland hervor. Von mehr als 73 600 Menschen über 18 Jahren, die Sachsen 2000 und im ersten Halbjahr 2001 verlassen haben, besaßen den Angaben zufolge 37 Prozent die Hoch- oder Fachhochschulreife. Der Landesdurchschnitt liegt bei knapp 18 Prozent. Im Freistaat leben Ende 2001 rund 4,4 Millionen Menschen. Der Hauptgrund für den Weggang ist der Studie zufolge für mehr als 40 Prozent der Befragten die Suche nach einem Arbeitsplatz.

Quelle: dpa Kulturpolitik, 2. Dezember 2002

Nullrunde

MPG und DFG mahnen und warnen

Anläßlich der Jahrespressekonferenz der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin am 3. Dezember äußerten die Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Prof. Ernst-Ludwig Winnacker, und der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Peter Gruss, gemeinsam ihren Protest angesichts der geplanten Nullrunde für die Forschungsorganisationen. Wenn es dabei bliebe, daß die Haushalte der Förderorganisationen auf dem Stand von 2002 eingefroren würden, sei die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wissenschaft gefährdet. Gerade in Zeiten knapper Kassen dürfe an der Forschung und den Möglichkeiten für Nachwuchswissenschaftler nicht gespart werden, denn hier gehe es um die Gestaltung der Zukunft. Die beiden Präsidenten appellierten erneut an den Bund, aber auch an die Länder, den Beschluß vom 17. Juni des Jahres, der trotz auch damals angespannter Haushaltslage einen Zuwachs für die Förderorganisationen vorsah, nicht zu revidieren.

Quelle: DFG, 3. Dezember 2002

Nachgefragt

Kienbaum geprüft

Neues Berufungsverfahren an der Uni Bremen

An der Universität Bremen werden im Rahmen eines Pilotprojekts in Berufungsverfahren neben Leistungen in Forschung und Lehre auch Sozialkompetenz und Managementqualitäten von Bewerbern geprüft (s. F &L 12/02, S. 626). Dies geschieht durch die Kienbaum Personalberatung. Dazu drei Fragen an den Rektor der Universität, Professor Wilfried Müller:

Forschung & Lehre: Welche Fähigkeiten werden im Assessment Verfahren konkret überprüft? Wie geschieht das?

Wilfried Müller: Im Assessmentverfahren werden die sogenannten sozialen Kompetenzen, wie Teamfähigkeit, Personalführungskompetenzen etc. geprüft. Ausgangspunkt der Bewertung dieser Fähigkeiten sind die spezifischen Erwartungen, die ein Fachbereich an neu zu berufende Professoren hat. Erst auf dieser Grundlage wird Kienbaum tätig und überlegt gemeinsam mit der Berufungskommission, welches Verfahren am geeignetesten ist.

Bekommt ein exzellenter Forscher, wenn er nicht über ausreichende Sozialkompetenz und Managementqualitäten verfügt, dennoch einen Ruf?

Ja, er bekommt einen Ruf. Wissenschaftliche Exzellenz in Forschung und Lehre sind die unabdingbaren Voraussetzungen für eine Berufung. Die sozialen Kompetenzen sind wünschenswerte Zusatzqualifikationen, deshalb würde die Universität Bremen einem wissenschaftlich exzellenten Neuberufenen mit Schwächen in den sozialen Zusatzqualifikationen anbieten, diese Schwäche durch den Besuch spezifischer Weiterbildungsveranstaltungen zu beseitigen.

Ein Universitätsprofessor muß sein Fach in Forschung und Lehre auf höchstem Niveau vertreten. Lenkt die Zusatzanforderung "Managementqualitäten³ nicht von diesem Kerngeschäft ab?

Nein, denn: Forschung und Lehre findet in einem in den letzten Jahrzehnten deutlich komplexer gewordenen universitätsinternen und externen Umfeld statt, in dem Professoren ohne ausreichende soziale Kompetenz, z. B. Teamfähigkeit, große Schwierigkeiten haben werden, in Forschung und Lehre erfolgreich zu sein.

KMK uneins über Auswahlrecht

Baden-Württemberg, Hamburg und Sachsen wollen ZVS-Staatsvertrag kündigen

Baden-Württemberg bereitet nach Auskunft von Wissenschaftsminister Frankenberg die Kündigung des ZVS-Staatsvertrags und eine begleitende Klage gegen das "überregulierte Bundesrecht zur Studienplatzvergabe³ vor. Hamburgs Wissenschaftssenator Jörg Dräger kündigte ein entsprechendes Vorgehen an. Sachsen prüft eine Klageerhebung.

Auslöser war die ergebnislos gebliebene Plenarsitzung der Kultusministerkonferenz (KMK) vom 5. Dezember 2002. Im Frühjahr hatte die KMK sich zum Ziel gesetzt, bis Oktober eine Experimentierklausel zur Erprobung hochschuleigener Auswahlverfahren in den derzeit von der ZVS bewirtschafteten Studiengängen auszuarbeiten. Die hierfür eingesetzte Arbeitsgruppe hat nun konkrete Vorschläge für eine Erprobung alternativer Stu-dienplatzvergabeverfahren vorgelegt. Darin waren weitreichende Zugeständnisse enthalten, doch scheiterte ein entsprechender Beschluß am heftigen Widerstand einiger Länder. "Die KMK droht in dieser wichtigen Frage schlichtweg zu scheitern. Das Selbstauswahlrecht ist eines der zentralen Elemente der Hochschulreform in Deutschland³ sagte Jörg Dräger. "Wir können uns nicht noch länger hinhalten lassen³, bekräftigte Frankenberg. Nun sei es unumgänglich, die von der baden-württembergischen Landesregierung schon vor über einem Jahr beschlossene Kündigung des ZVS-Staatsvertrags und die begleitende Klage gegen die entsprechenden HRG-Vorschriften in die Wege zu leiten. Auch der sächsische Wissenschaftsminister Dr. Matthias Rößler bedauerte, daß "wir auf eine politische Lösung in der KMK offenbar nicht bauen können.³ Unabhängig davon bleibe man in der KMK gesprächsbereit, falls doch noch auf politischem Weg eine Lösung zugunsten interessierter Länder, ein weitreichendes Auswahlrecht der Hochschulen zu erproben, gefunden werde.

"Das Selbstauswahlrecht ist dabei kein Selbstzweck³, betonte Frankenberg. Vielmehr zeige der internationale Vergleich, daß diese Form der Studienplatzvergabe signifikant weniger Studienabbrecher, Fachwechsler und Langzeitstudierende zur Folge habe.

Quelle: Wissenschaftsministerium Baden-Württemberg, 6. Dezember 2002

Erstaunlich

Deutschland Zweiter

Bei einer internationalen Umfrage der amerikanischen National Geographic Society hat Deutschland hinter Schweden den zweiten Platz belegt. Die renommierte Gesellschaft hatte weltweit nach geographischen Kenntnissen gefragt. 36 Prozent der Deutschen konnten dabei auf einer Weltkarte den Irak und 49 Prozent Afghanistan finden. In den USA dagegen lag die Erfolgsquote nur bei etwa zwölf Prozent. Immerhin 19 Prozent wußten, wo Deutschland liegt. Trotzdem reichte es für die US-Bürger nur für den vorletzten Platz vor Mexico.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 25. November 2002

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