Rezension

Bücher über Wissenschaft

Schnellsuche
Bücher DE-Titel US-Titel
REZENSION
 

Charles Darwin

Vittorio Hösle/Christian Illies, Darwin, Herder Verlag, Freiburg 1999, 190 Seiten, 16,80 DM.

Wohl kaum ein Naturforscher des vorletzten Jahrhunderts hat unser Verständnis von der Welt so nachhaltig geprägt wie Charles Darwin. Kaum einer wurde auch, bewußt oder unbewußt, teilweise so verhängnisvoll mißverstanden, wie dies in der so unzutreffend wie gerne zitierten Übersetzung eines seiner Kern-sätze („survival of the fittest“) als „Überleben des Stärksten“ zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig weist gerade diese Fehlübersetzung auf die eminente philosophische und theologische Bedeutung hin, die sich aus diesen primär naturwissenschaftlichen Arbeiten ergeben hat. Diese Konsequenzen wissenschaftlichen Denkens und Handelns abzuschätzen, geschweige denn zu vermitteln, gelingt dem Wissenschaftler selbst oft nicht. Der Philosoph ist jedoch mangels handwerklicher oder terminologischer Kenntnisse auf dem Gebiet der Naturwissenschaften oft genausowenig in der Lage, diese Gedanken aus den trockenen Experimentbeschreibungen oder Originalarbeiten zu destillieren.

Diese Lücke wird durch die beiden Autoren Vittorio Hösle, Professor für Philosophie an der Universität Essen, und seinen Schüler Christian Illies, gleichzeitig Diplombiologe, kongenial geschlossen. Sie verstehen es, in der vorliegenden Biographie einen Einblick in das gewaltige, von einem ausgeprägt systematischen Denken durchdrungene Oeuvre Darwins zu geben, und versäumen auch nicht, auf die zahlreichen, zum Teil heftigen Rückschläge einzugehen. Es gelingt den beiden Autoren, den Leser die Entwicklung der Gedanken der Evolutionstheorie Darwins aus seinen wissenschaftlichen Befunden miterleben zu lassen und dem Leser durch ihre ausgezeichnete wissenschaftshistorische Analyse ein Gefühl von der ungeheuren Dramatik des Einbruchs der uns heute so selbstverständlichen Evolutionstheorie in die Gedankenwelt des frühen 19. Jahrhunderts zu vermitteln. 

Interdependenz zwischen Person und Werk

Daneben wird mittels einfühlsamer Einblicke in das Privatleben Darwins und seiner Familienbiographie (einschließlich des „angeheirateten Wedgewood-Vermögens) auch das Bild einer herausragenden Persönlichkeit gezeichnet, die es verstand, durch äußerst effiziente Tagesplanung berufliche Interessen wie familiäre Bedürfnisse zu vereinen und auch im professionellen Miteinander der „scientific community“ immer ein „gentilhomme“ bester Prägung zu bleiben - was offenbar bereits zu seiner Zeit nicht immer leicht war.

Es sind jedoch das fachliche wie strukturelle Hintergrundwissen und das intensive Quellenstudium der beiden Autoren dieser Biographie, die diese zahlreichen Facetten erst sichtbar werden und den Leser die enge Interdependenz zwischen Person und Werk dieses großen Wissenschaftlers erkennen und würdigen lassen. Dabei ist das Buch trotz des teilweise hohen Komplexitätsgrades der dargestellten Materie flüssig und in einer gut verständlichen, erfreulich unprätentiösen Sprache geschrieben. Zusammenfassend ist diese Biographie Darwins für Wissenschaftler und Studierende gleich welchen Fachs wie auch für interessierte Laien außerordentlich lesenswert.

Univ.-Professor Dr. Ralf U. Peter, 
Universität Ulm
 
 
 

Forschungs- und Wissenschaftsrecht

Hellmut Wagner (Hg.), Rechtliche Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung. Forschungsfreiheit und staatliche Regulierung, Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2000, 4 Bände, 1189 Seiten, 276,- DM.

Im Rahmen einer Kurzrezension das von Hellmut Wagner herausgegebene Werk „Rechtliche Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung“ angemessen zu würdigen, kommt einer Quadratur des Kreises gleich. Hellmut Wagner, langjähriger stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe, und  eine illustre Autorenschaft  - vornehmlich aus der Forschungspraxis - arbeiten in dem ca. 1200seitigen und vierbändigen Werk exakt das auf, was der Titel verspricht. Entstanden ist das Werk im Rahmen eines Forschungsvorhabens, das von 1996 - 1999 am Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer durchgeführt worden ist.

Themenvielfalt

Band 1 behandelt die Freiheit von Wissenschaft und Forschung, wobei auch brisante Schwerpunktthemen (biomedizinische Forschung) sowie ein höchst instruktiver europäischer Rechtsvergleich thematisiert werden. Band 2 beschäftigt sich mit allgemeinen forschungsrelevanten Regelungen. Angesprochen wird die in der Praxis so bedeutende Thematik des Arbeitsschutzrechts, aber auch das Ausländerrecht (das speziell von Interesse bei der Bestellung von Gastwissenschaftlern ist), das Datenschutzrecht, das gesamte Patent-, Urheber-, Erfinder- und Lizenzrecht sowie das Stiftungs- und Stiftungssteuerrecht. Band 3 schließlich hebt einzelne Forschungsbereiche hervor, die - gerade aufgrund des rechtlichen Spannungsverhältnisses, in dem sie sich befinden - einer vertieften Analyse bedürfen (u. a.: gentechnische Forschung und Tierversuche). In Band 4 werden sodann außerordentlich kompakt und mithin gerade für den Einstieg in die Materie hochpraktikabel die Ergebnisse aus den ersten drei Bänden zusammengefaßt. Besonders zu begrüßen ist in diesem Zusammenhang, daß das Werk immer darum bemüht ist, von normativen Defiziten ausgehend auch Änderungsvorschläge zu unterbreiten, die an die Verordnungs- und Gesetzgeber gerichtet sind. Ein kleines Meisterstück stellt dann der letzte Teil des Werkes dar, die Materialiensammlung. Hier finden sich nicht nur die unterschiedlichsten Definitionen der Begriffe Wissenschaft, Forschung und Entwicklung, sondern u. a. auch eine für die Praxis außerordentlich bedeutende Übersicht über Forschungsklauseln. 

Das Werk „Rechtliche Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung“ ist außergewöhnlich. Es ist sicherlich in seiner Selektion und manches Mal vielleicht auch aufgrund der Kürze der im einzelnen abgehandelten Themen anfechtbar. Gleichwohl stellt es ohne Wenn und Aber eine Bereicherung der forschungsrechtlichen, aber auch wissenschaftspolitischen Literatur dar. Im übrigen kommt ihm eine weitere wesentliche Funktion zu: Es macht bewußt, daß die Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung in Deutschland in großem Maße verbesserungsbedürftig sind. Mithin ist das Werk auch als Mahnung an die Politik zu verstehen, sich speziell in Gesetzgebungsverfahren mehr auf die Spezifika der scientific communities einzulassen.

Hubert Detmer
 
 
 
 

Bücher über Wissenschaft
 

Edgar Dahl, Xenotransplantation. Tiere als Organspender für Menschen? S. Hirzel Verlag, Stuttgart/Leipzig 2000, 197 Seiten, 36,- DM.

Deutscher Akademischer Austauschdienst (Hg.), Internationales Hochschulmarketing. Dokumentationen und Materialien, Bestellungen der kostenlosen Dokumentation über: hochschulmarketing@daad.de 

Michael Jonas, Brücken zum Elfenbeinturm. Mechanismen des Wissens- und Technolgietransfers aus Hochschulen, rainer bohn verlag, Berlin 2000, 272 Seiten, 36,- DM.

Maecenata Stipendienführer 2000, Verlag Maecenata, Berlin 2000, 266 Seiten, 29,80 DM.

Maecenata Stiftungsführer 2000, Verlag Maecenata, Berlin, 4. aktualisierte und wesentlich erweiterte Aufl. 2000, 34,50 DM.

Aylâ Neusel (Hg.), Die eigene Hochschule. Internationale Frauenuniversität „Technik und Kultur“, Verlag Leske + Budrich, Leverkusen 2000, 222 Seiten, 29,80 DM.

Reingard M. Nischik (Hg.), Uni literarisch. Lebenswelt Universität in literarischer Repräsentation, Universitätsverlag Konstanz, 2000, 303 Seiten, 78,- DM.

Verzeichnis Deutscher Stiftungen, hg. vom Bundesverband deutscher Stiftungen e. V., Hoppenstedt GmbH, Darmstadt 2000, 1253 Seiten, 245 DM.

Bernd Wächter, Handbook of European Associations in Higher Education. A Practical Guide to Academic Networks in Europe and Beyond, Lemmens Verlag, Bonn 2000, 183 Seiten, 59,- DM.
 
 

© Forschung & Lehre 2001