Deutsche Hochschulen immer beliebter

Deutschland ist für Nachwuchsaka-demiker aus anderen Ländern ein attraktiver Studienort. Im Wintersemester 1999/2000 hatte fast jeder zehnte Student an deutschen Hochschulen einen ausländischen Paß, zwei Jahre davor war es erst jeder Zwölfte. Die deutschen Hochschulen rangieren seit 1980 in der Beliebtheit des ausländischen Akademikernachwuchses auf dem dritten Platz, hinter den USA und Großbritannien, aber noch vor Frankreich. Insgesamt waren in Deutschland zuletzt 174.000 ausländische Studenten immatrikuliert, davon 139.500 an Universitäten und Kunsthochschulen. Der Frauenanteil unter den Ausländern beträgt rund 45 Prozent. Vor allem Nachbarländer stellen die meisten Studenten, drei Viertel der ausländischen Studenten kommen aus den europäischen Staaten und der Türkei. Viele Studenten wohnen allerdings schon lange in Deutschland. Die Inländer haben ihre Hoch-schulzugangsberechtigung in Deutschland erworben. Es handelt sich dabei zumeist um Kinder von sogenannten Gastarbeitern oder anderen Zugewanderten. Rund 57.000 oder knapp ein Drittel der ausländischen Studenten zählten 1998/99 zu den Bildungsinländern.

Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft, 17. August 2000

Zulagen befristen

Die Hamburger Wissenschaftssenatorin Krista Sager (Grüne) hat ein möglichst variables Gehalt für Professoren gefordert. "Je mehr Geld in Grundgehältern und dauerhaften Zulagen festliegt, desto unbeweglicher werden wir bei der Bildung der Spitzen". In der Diskussion um das neue Dienstrecht zeichne sich aber ab, daß der Grundgehaltsanteil relativ hoch ausfallen werde, weil dies nach dem Beamtenrecht notwendig sei, bedauerte Sager. Daher sei es um so wichtiger, einen möglichst hohen Teil der Zulagen nur befristet zu gewähren. "Es darf nicht sein, daß Zulagen auf Lebenszeit an die Etablierten verteilt sind, und für Jüngere, die neu ins System kommen, kein Geld mehr da ist". Sager will sich dafür einsetzen, daß auch die Abschaffung des Beamtenstatus für Hochschullehrer auf der Tagesordnung bleibt. Dieser behindere den Wechsel von Wissenschaftlern zwischen Universität und Wirtschaft.

Quelle: dpa-Kulturdienst 15. Januar 2001

Aktive Hochschulen

Anstieg von Bachelor- und Masterstudiengängen

Einer von der HRK herausgegebenen Übersicht zufolge gibt es in Deutschland mittlerweile 382 Studiengänge mit Bachelor-Abschluß und 217 mit Master-Abschluß. "Die deutschen Hochschulen können damit bei der Entwicklung eines europäischen Hochschulraums zu den aktivsten gezählt werden", sagte HRK-Präsident Landfried. Seitdem die Novelle des Hochschulrahmengesetzes 1998 die Einführung dieser Studienabschlüsse ermöglicht hat, haben die deutschen Hochschulen ihr Angebot kontinuierlich ausgeweitet. "Ich hoffe sehr, dass dieser Trend anhält und Bachelor- und Masterabschlüsse in Zukunft noch gleichmäßiger in allen Studienfächern angeboten werden", erklärte Landfried.

Quelle: HRK, 21. Dezember 2000

KMK: Kein Konsens über Habilitation

Um die Hochschulen und Forschungseinrichtungen im internationalen Vergleich konkurrenzfähig zu machen, bedarf es nach Ansicht der neuen KMK-Präsidentin Annette Schavan einer Modernisierung des Dienstrechtes an den Hochschulen. Die aktuellen Vorschläge gehen nach ihrer Überzeugung grundsätzlich in die richtige Richtung: Stärker eigenverantwortlich handelnde und auf Wettbewerb ausgerichtete Hochschulen brauchten ein Besoldungssystem, das es ermögliche, besondere Leistungen stärker zu honorieren als bislang. "Alle Hochschulreformen der Länder sollten nach meiner Überzeugung mit dem Anspruch verbunden sein, unseren Hochschulen mehr Autonomie und eine differenzierte Hochschullandschaft zu ermöglichen, zu der neben den Universitäten und den Fachhochschulen auch die Berufsakademien als ein erfolgreiches Modell der dualen wissenschaftlichen Bildung gehören." Über die generelle Abschaffung der Habilitation bestehe, vor allem im Blick auf die Vielfalt der Fächerkulturen, in der KMK bislang kein Konsens. Die Kultusministerkonferenz der Länder ist nach Ansicht der neuen Präsidentin, Annette Schavan, "Motor des Wettbewerbs um die besten Ideen und Lösungswege für die Sicherung und Stärkung der Leistungsfähigkeit unseres Bildungswesens". Die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg erklärte zu Beginn ihrer Präsidentschaft, sie wolle sich dafür einsetzen, daß die Konferenz ihre Rolle als Forum kritischer Diskussion verstärkt zur Förderung des Wettbewerbs in der Bildungs- und Kulturpolitik wahrnehmen wird. Aus Defizitanalysen allein könne noch keine erfolgreiche Strategie zur Entwicklung eines zukunftsfähigen Bildungswesens entstehen, sagte die Ministerin. Als zentrales Thema der Konferenzarbeit im Jahr 2001 nannte die Präsidentin u.a. die Fortsetzung der gemeinsamen und systematischen Beschäftigung mit der Qualitätssicherung und -entwicklung im Bildungswesen. Es sei deshalb ein großer Fortschritt, daß sich die Kultusminister der Länder gemeinsam mit dem Bund an der internationalen Leistungsvergleichsstudie PISA beteiligen, deren erste Ergebnisse noch in diesem Jahr vorliegen werden. Schon jetzt gelte es, so die Ministerin, die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen zu verstärken, um bessere Lernstrategien zu entwickeln und zu einer didaktischen Erneuerung zu kommen.

Quelle: KMK, 16. Januar 2001

Mogelpackung

Wissenschaftliche Assistenten und Mitarbeiter der Universität Bonn wenden sich gegen das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vorgelegte Konzept für eine Reform des Hochschul-dienstrechts. Das begrüßenswerte Ziel, jungen Wissenschaftlern früher als bisher selbständige Forschung zu ermöglichen, lasse sich ohne zusätzliche Mittel nicht realisieren. Zusätzliche wissenschaftliche Mitarbeiter müßten eingestellt werden, um die von den Assistenten neben der Lehrtätigkeit geleisteten Dienste zu übernehmen. Die kostenneutrale Reform erweise sich zudem als Mogelpackung, da zusätzlicher Finanzbedarf entstehe, wenn die Juniorprofessuren mit Sach- und Personalmitteln ausgestattet werden sollen. Eine Streichung der Professorenstellen zur Finanzierung der Juniorprofessur wäre abzulehnen, weil dadurch dem Ziel einer dauerhaften Perspektive für junge Wissenschaftler entgegengewirkt würde. Die vollständige Stellungnahme ist im Internet zu finden unter: http://www.jura.uni-bonn.de/institute/handelsr/dienst-recht.htm

Quelle: Universität Bonn, 21. Dezember 2000

Zurückzahlung

Bundesverwaltungsgericht entlastet Klinikdirektoren

E.B. In zwei Musterverfahren der Klinik- und Institutsdirektoren aus Schleswig-Holstein hat das Bundesverwaltungsgericht erstmals die für privatärztliche Nebentätigkeit abzuführenden Nutzungsentgelte in den Jahren 1993 bis 1995 für rechtswidrig erklärt. Die mit dem Gesundheitsstrukturgesetz im Jahre 1993 eingeführte Kostenerstattung für sogenannte Neuvertragler in Höhe von 20 bis 40 Prozent läßt nach Auffassung des Gerichts angesichts der eindeutigen Vorgaben der Hoch-schulnebentätigkeitsverordnung des Landes keinen Raum für zusätzliche Abgaben. Die nach Landesrecht zusätzlich abgeführten Nutzungsentgelte müssen nun an die betroffenen Klinikdirektoren zurückgezahlt werden. Darüber hinaus wird das Bundesverfassungsgericht klären müssen, ob die zehnprozentige Sonderabgabe für Altvertragler in den Jahren 1993 bis 1995 mit höherrangigem Recht vereinbar ist.

Soforthilfe nötig

80 Millionen DM für Hochschulbibliotheken

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, hat eine Soforthilfe des Bundes für die deutschen Hochschul- und Landesbibliotheken von 80 Mio. DM gefordert. Die Lage besonders bei der Erwerbung von wissenschaftlichen Zeitschriften in deutschen Hochschul- und Landesbib-liotheken sei katastrophal. Der Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände, Georg Ruppelt, sagte: "Aufgrund von Preissteigerungen und der Euroschwäche müssen Bibliotheken in Deutschland Zeitschriften und Monographien abbestellen.² Bibliotheken seien kein Selbstzweck, sondern für Forschung und Lehre unabdingbar. Private Mittel könnten die Grundausstattung von Bibliotheken nicht ersetzen. Ruppelt: "Die Sponsorensau kann gar nicht so viele Zitzen haben, wie notleidende Bibliotheken daran hängen müssten." Die Direktoren der Hochschul- und Landesbibliotheken machten bei der Veranstaltung deutlich, daß die Vorstellung, alles kostenlos aus dem Internet herunterladen zu können, grundfalsch sei. Gute Inhalte im Internet kosteten aufgrund der Lizenzgebühren ebenso viel wie in Printmedien. Mit dem Internet spare man kein Geld, sondern gewährleiste aktuelle Wissenschaftsinformationen.

Ausführliche Resolution unter www.kulturrat.de

Quelle: Deutscher Kulturrat, 11. Januar 2001

Bildungstradition

Kinder aus Arbeiterfamilien unterrepräsentiert

Kinder aus Arbeiterfamilien sind an Hochschulen in Deutschland nach wie vor unterrepräsentiert. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Hochschul-Informationssystem GmbH (HIS) in Hannover. "Ungeachtet aller beachtlich erweiterten Bildungschancen bleiben bisherige soziale Auswahlmechanismen wirksam", sagte Gustav-Wilhelm Bathke von der HIS. Kinder aus Familien von Beamten, Selbständigen, freiberuflich Tätigen und Angestellten nehmen danach überproportional ein Hochschulstudium auf. Die Studie machte charakteristische Zusammenhänge zwischen Bildungsstatus, beruflich-sozialem Profil der Eltern und der Fachrichtungswahl der Kinder aus. Zwischen 53 und 65 Prozent der Eltern der Studienanfänger in Medizin, Rechtswissenschaften, Kunst und Kunstwissenschaften haben ein Universitätsstudium absolviert. Die Studienanfänger in Ingenieur-, Agrar- und Ernährungswissen-schaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften kommen deutlich seltener aus Elternhäusern mit solcher Bildungstradition.

Quelle: dpa-Dienst für Kulturpolitik, 18. Dezember 2000

Doktorandenstatus

E.B. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) plant, bei einer künftigen Reform des Hochschulrahmengesetzes auch einen Promovierendenstatus einzuführen. Derzeit sind Doktoranden entweder wissenschaftliche Mitarbeiter an dem Institut, an dem sie auch ihre Promotion schreiben, oder sie gelten formell als Studenten, wenn sie ihre Doktorarbeit außerhalb einer Universität verfassen. Ziel eines solchen Promovierendenstatus sei eine Entlastung der vielfach mit promotionsfremden Tätigkeiten belasteten Doktoranden und eine bessere Betreuung durch Professoren und Fakultäten. Eine generelle zeitliche Begrenzung werde durch das BMBF nicht geplant. Im Rahmen der Dienstrechtsreform soll dieser neue Status noch in dieser Legislaturperiode durchgesetzt werden.

Quelle: BMBF

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