Kein Frühausstieg

Professoren gehen vergleichsweise spät in Ruhestand

E.B. Über die Hälfte der Professoren geht mit 65 Jahren in Ruhestand (59 Prozent). Vor der Regelaltersgrenze verlassen fast ein Viertel der Professoren ihren Arbeitsplatz auf Antrag (nach dem 60. Lebensjahr wegen Schwerbehinderung: 4 Prozent, nach dem 63. Lebensjahr: 20 Prozent). Dies geht aus Zahlen für das Jahr 2001 des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden hervor, die Forschung & Lehre vorliegen. 3 Prozent der Professoren schieben die Regelaltersgrenze hinaus, 8 Prozent gehen wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand. Bei 6 Prozent der Professoren werden andere Gründe für die Versetzung in den Ruhestand angegeben.

Bei den Lehrern verabschiedet sich gut die Hälfte vorzeitig vom aktiven Schuldienst laut Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft. Im Jahr 2001 gingen gut 54 Prozent aller neu pensionierten Lehrer vor dem Erreichen der regulären Altersgrenze aus Gesundheitsgründen in den Ruhestand - im Jahr zuvor waren es sogar 64 Prozent. Bei anderen Beamten des Öffentlichen Dienstes beträgt die Quote der dienstunfähigen Frührentner im Jahr 2001 29 Prozent.

Sackgasse Bachelor?

Mit deutschem Bachelor kein Master-Studium in Großbritannien

E.B. Die offizielle britische Stelle für die Anerkennung akademischer Titel (NARIC) erkennt den deutschen Bachelor in ihren Empfehlungen nur als "Ordinary Bachelor degree" an. Dies gilt sowohl für den an der deutschen Fachhochschule als auch an der deutschen Universität erworbenen Bachelor. Damit erhält ein deutscher Bachelor im Vereinigten Königreich keine Zulassung zum Masterstudium. Die Anerkennung der deutschen Universitätsabschlüsse (Diplom/Magister) zum Masterstudium erfolgt nur auf der Ebene des "Honours Bachelor". Dies bestätigte die Kultusministerkonferenz (KMK).

Die Probleme bei der Anerkennung von deutschen Bachelor-Studiengängen könnten die internationale Mobilität der Studierenden gefährden. Die gestuften Studiengänge waren mit der Novellierung des deutschen HRG 1998 gerade eingeführt worden, um die internationale Mobilität zu verbessern.

"Bei dem hohen Maß an Autonomie der britischen Hochschulen kann die Bewertung der deutschen Abschlüsse im Einzelfall weniger ins Gewicht fallen", sagte Professor Gottfried Märkl, Vorsitzender des Vorstandes der Akkreditierungsagentur A-CBC, gegenüber F&L. "Bei den traditionell am britischen System orientierten Ländern wie Afrika, Asien und Australien kann die Einschätzung durch NARIC aber sehr negative Auswirkungen für die deutschen Graduierungen haben." Es erscheine dringend geboten, daß die verantwortlichen Stellen in Deutschland wie HRK, KMK und der deutsche Akkreditierungsrat durch gründliche Informationen über die Qualität der deutschen Bachelor- und Master-Studiengänge noch im Vorfeld der Berlin-Konferenz 2003 für eine Klarstellung sorgen, so Märkl. Auf der Konferenz soll eine Bilanz über die erzielten Fortschritte bei der Umsetzung der Bologna-Erklärung in den Unterzeichnerländern gezogen werden.

Die KMK weist in einer Stellungnahme darauf hin, daß die zuständigen deutschen Stellen im Kontakt mit dem britischen Äquivalenzzentrum NARIC seien, um durch gegenseitige Information und bilaterale Gespräche die Bewertung deutscher Abschlüsse im Vereinigten Königreich zu korrigieren. Zudem sei das europäische Netzwerk für Qualitätssicherung im Hochschulbereich (ENQA) damit befaßt, europaweit harmonisierte Re-ferenzrahmen für die neuen Studiengänge zu entwickeln. Dieser Referenzrahmen solle für alle Teilnehmer des Bologna-Prozesses festlegen, welche Kompetenzen mit einem Bachelor erworben werden.

Halbes Deputat

KMK: Lehrverpflichtung für Juniorprofessoren

E.B. Die Kultus- und Wissenschaftsminister der Länder haben sich bei ihrer letzten Plenarsitzung am 5. Dezember 2002 in Bonn auf eine neue Lehrverpflichtungsregelung für Juniorprofessoren geeinigt. Die Regelung sieht eine Regellehrverpflichtung von vier Lehrveranstaltungsstunden in den ersten drei Jahren und von vier bis sechs Stunden in den folgenden drei Jahren der insgesamt sechsjährigen Anstellungsdauer vor. Wie die Kultusministerkonferenz erläutert, will man mit dieser Regelung sowohl die feste Einbindung der Juniorprofessoren in die Lehre erreichen, als auch den nötigen Freiraum für die weitere Qualifikation des wissenschaftlichen Nachwuchses gewährleisten.

Gestrichen und gekürzt

DFG bekommt weniger, MPG nichts

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und die Akademien der Wissenschaften müssen nach Berichten der Zeitung Handelsblatt im Jahr 2003 mit Mittelkürzungen rechnen. Nach einem Beschluß der Bund-Länder-Kommission wird die MPG und das Akademienprogramm keine Aufstockung ihrer Mittel erhalten, die DFG erhält weitere 2,5 Prozent. Noch im Juni 2002 hatten Bund und Länder gemeinsam entschieden, die Etats von MPG und DFG um 3 bzw. 3, 5 Prozent zu erhöhen. Im November hatte der Bund die Vereinbarung einseitig aufgekündigt und eine Nullrunde gefordert. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn sagte, daß sich der Bund angesichts der schwierigen Haushaltslage nicht in der Lage sehe, die Mittel wie versprochen bereitzustellen. Allerdings stünde auch dieser Beschluß unter dem Haushaltsvorbehalt. Der Vorsitzende der Bund-Länder-Kommission, der bayerische Wissenschaftsminister Hans Zehetmair, wies dagegen eine Nullrunde als nicht hinnehmbar zurück.

Die DFG wird nach Auskunft einer Sprecherin versuchen, möglichst wenig bei den Projekten von jungen Wissenschaftlern zu sparen und stattdessen bei anderen Forschungsvorhaben linear zu kürzen. Die MPG zeigte sich enttäuscht. Sie müsse damit rechnen, ein Institut oder zwanzig Abteilungen zu schließen, während andere Länder ihre Forschungsetats erhöhten.

Quelle: Handelsblatt, 20. Januar 2003; ap 17. Januar 2003

Nachgefragt

Gutes Deutsch

Die Universität Mannheim vergibt künftig einen Preis für wissenschaftliche Arbeiten von besonderer sprachlicher Brillanz. Mit dem "Preis für Sprache und Wissenschaft" sollen Dissertationen und Habilitationsschriften ausgezeichnet werden, die nicht nur hohen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen, sondern auch stilistisch herausragen. Der mit 3.000 Euro dotierte Preis wird 2003 erstmals vergeben. Dazu Professor Hans-Wolfgang Arndt, Rektor der Universität Mannheim:

F&L: Trifft Ihre Kritik am sprachlichen Niveau Natur- und Geisteswissenschaftler in gleicher Weise?

Hans-Wolfgang Arndt: Ich weiß aus vielen Gesprächen, daß das sprachliche Niveau vieler Abschlußarbeiten über alle Fachgrenzen hinweg schlichtweg eine Zumutung ist. Immer weniger Autoren scheinen in der Lage zu sein, ihre Texte zumindest sprachlich korrekt zu verfassen.

Was sind die Kriterien "sprachlicher Brillanz"?

Ausgezeichnet werden Arbeiten, die zusätzlich zu ihrem hohen wissenschaftlichen Niveau auch in stilistischer Hinsicht beispielhaft für deutsche Sachprosa sind. Die Kommunikationswissenschaft gibt hierzu klare Hinweise. So erhöht etwa die Verwendung von Beispielen die Verständlichkeit eines Textes. Schachtelsätze und Substantivierungen hingegen stören den Lesefluß.

Wie hängen sprachliche Brillanz und Exzellenz in der Forschung zusammen? Kann eine mit "rite" bewertete Dissertation sprachlich herausragend sein?

Exzellenz in der Forschung erfordert zumindest sprachliche Korrektheit. Was bringt Ihnen das beste Forschungsergebnis, wenn Sie es nicht vermitteln können? Eine mit "rite" bewertete Dissertation kann sprachlich brillant verfaßt sein, ihr mangelndes wissenschaftliches Niveau aber läßt sich dadurch nicht kompensieren.

Sie wollen mit dem Preis dem Vorbild des englischsprachigen Auslands nacheifern. Schreiben die Angelsachsen besser?

Nicht jeder englischsprachige Autor schreibt besser. Der entscheidende Unterschied ist jedoch, daß englischsprachige Autoren mehr Wert auf eine korrekte und verständliche Vermittlung legen. Hierzulande folgen viele Autoren einem Trugschluß, den ich in seiner Arroganz nur schwer ertragen kann: Je schwerer ein Text zu verstehen ist, desto bedeutender muß wohl der Inhalt sein.

Rektor-Bonus

Neues Anreizsystem an der Universität Bonn

Die Universität Bonn hat zum Jahresbeginn ein neues Anreizsystem für Wissenschaftler eingeführt, die sich um die Einwerbung von Drittmitteln bemühen. Wer dabei erfolgreich ist, erhält künftig zusätzlich zu den eingeworbenen Mitteln einen Bonus von bis zu fünf Prozent. Auch die Preisgelder wissenschaftlicher Auszeichnungen will das Rektorat künftig honorieren. Von dieser an Universitäten in Nordrhein-Westfalen neuen Förderpraxis erhofft sich die Universität Bonn weitere Impulse für ihre Forschungsaktivität.

Quelle: Universität Bonn, 9. Januar 2003

Attraktive Habilitation

Mit insgesamt 349 Habilitationen haben sich laut Wissenschaftsminister Hans Zehetmair 2001 mehr junge Wissenschaftler als je zuvor in Bayern für eine Professur qualifiziert. Im Jahr zuvor seien es 343 Habilitationen gewesen. Im Vergleich zum Jahr 1990 betrage die Steigerung sogar über 50 Prozent.

Quelle: dpa Kulturpolitik, 13. Januar 2003

Reformland Niedersachsen

Neue Besoldungsregelungen/Fünf Hochschulen in Stiftungen umgewandelt

Die Neuregelung des Reformgesetzes für die Besoldung von Universitätsprofessoren tritt in Niedersachsen zum 1. Oktober 2003 in Kraft. Die rund 1100 Professoren an den fünf staatlichen Fachhochschulen in Niedersachsen sowie an der von einer Stiftung getragenen Fachhochschule Osnabrück können bereits seit dem 1. Januar 2003 variable Leistungszulagen erhalten. Mit der zeitlichen Staffelung wird nach Auskunft des Wissenschaftsministeriums dem Wunsch der Hochschulen entsprochen. Niedersachsen sei damit das erste Bundesland, das die vom Bundestag verabschiedete Reform der Professorenbesoldung in Landesrecht umsetze. An die Stelle der bisherigen Besoldungsgruppen C2 bis C4 treten die Besoldungsgruppen W2 und W3. Die Grundvergütung ist unabhängig vom Alter der Stelleninhaber. Die Hochschulleitungen können den Professoren Zulagen für besondere Leistungen in Forschung und Lehre gewähren, die sich an den Ergebnissen der Evaluationen orientieren.

Als erstes Bundesland hat Niedersachsen zum Jahresanfang fünf seiner Hochschulen in Stiftungshochschulen umgewandelt. Es handelt sich um die Universitäten Göttingen, Hildesheim und Lüneburg, die Tierärztliche Hochschule Hannover und die Fachhochschule Osnabrück. Die bisher staatlichen Hochschulen gehen in die Trägerschaft von Stiftungen über und werden damit rechtlich eigenständige Organisationen. Ihre Steuerung, so Wissenschaftsminister Thomas Oppermann, erfolge nicht mehr über Erlasse und Verordnungen des Landes, sondern ausschließlich über Zielvereinbarungen. Sie könnten zudem langfristig ein Stiftungsvermögen aufbauen und daraus zusätzliche Angebote in Forschung und Lehre finanzieren. Als finanziellen Grundstock überschreibt das Land den Stiftungen der fünf Hochschulen Immobilien und Gebäude im Gesamtwert von rund 650 Millionen Euro. Außerdem erhalten sie zusammen vier Millionen Euro für den Aufbau eines professionellen Stiftungsmanagements. Oppermann betonte, daß das Land damit nicht aus seiner finanziellen Verantwortung für die Hochschulen entlassen werde. Die Erträge aus dem Stiftungsvermögen dürften nicht auf staatliche Mittel angerechnet werden. Die Nichtrealisierung der Vermögenssteuer werde den Stiftungen das Einwerben privater Gelder, zum Beispiel bei ehemaligen Studierenden, erleichtern.

Quelle: dpa Kulturpolitik, 6. Januar 2003

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