BA/MA: Unsicherheit bei den Betrieben
Die Bachelor- und Masterabschlüsse an deutschen Hochschulen sind
vielen Unternehmen kaum bekannt. Obwohl es mittlerweile an Fachhochschulen
und Universitäten über 300 neue Studiengänge gibt, wissen
nur 25 Prozent der Unternehmen über die neuen Abschlüsse genau
Bescheid. Das ergab eine Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen
Wirtschaft (IW) in Köln. Nur ein Drittel der 281 befragten Unternehmen
hält dem IW zufolge solche neuen Studiengänge für notwendig.
Vier von zehn trauen sich gar keine Einschätzung zu. Die Mehrzahl
der Unternehmen sprach sich dafür aus, die traditionellen Studienabschlüsse
Diplom, Staatsexamen oder Magister beizubehalten. Allerdings gaben immerhin
53 Prozent der Betriebe an, den Master mit einem anderen Universitätsabschluss
gleich zu setzen. Jedes zehnte Unternehmen würde ihn bevorzugen. Zwei
Drittel der Firmen räumte den Masterabsolventen mindestens gleiche
Jobchancen ein wie Absolventen einer Fachhochschule. Der Bachelor gilt
bei den Unternehmen kaum als ein klassischer Universitätsabschluss.
Fast die Hälfte der Befragten setzte ihn mit einem FH-Diplom gleich. Österreich
Universitäten in Sorge
E. B. Die Rektoren und die Vorsitzendern der Senate und Universitätskollegien
der österreichischen Universitäten haben in einer gemeinsamen
Erklärung ihrer Sorge um die aktuelle politische Entwicklung in ihrem
Land Ausdruck verliehen. Die Gefahr bestünde in einer internationalen
Isolierung Österreichs, die auch die österreichischen Universitäten
in besonderer Weise treffen würde. Die Universitäten stünden
für Offenheit, Toleranz und rationale Diskussion gesellschaftlichen
Konflikts und politischer Alternativen. Die europäische und internationale
Zusammenarbeit sei von grundlegender Bedeutung für die Leistungsfähigkeit
und das Ansehen von Wissenschaft und Kunst, Lehre und Forschung an Österreichs
Universitäten. Daher sollten politische Entscheidungsträger und
die Medien dieser Entwicklung entgegen wirken. 24 % Prozent lesen nicht
Focus untersucht Leserverhalten
E.B. Einer Focus-Branchenstudie („Der Markt der Bücher“) zufolge
polarisiert sich das deutsche Leseverhalten. Die Zahl der Gelegenheitsleser
sei 1999 gesunken. Statt dessen habe sich der Anteil der Nicht-Leser in
West-Deutschland von 20 auf 24 Prozent und in Ost-Deutschland von 17 auf
22 Prozent erhöht. Dabei lesen Frauen mehr als Männer, Jugendliche
mehr als Erwachsene. Welches Buch gekauft wird, ist im wesentlichen vom
Rat der Freunde und Bekannten abhängig. 44 Prozent der Käufer
verlassen sich darauf. 43 Prozent informieren sich über Auslagen in
Buchhandlungen, 32 Prozent hören auf den Buchhändler. Der weltweite
Buchumsatz stieg zwischen 1993 und 1997 von 70 auf fast 80 Milliarden Dollar.
75 Prozent entfallen davon auf Amerika und Westeuropa. Deutschland ist
mit rund neun Milliarden US-Dollar Umsatz in 1997 der wichtigste Buchmarkt
in Europa, legte 1998 mit einem Plus von 12 Prozent jedoch nur leicht zu. Keine Studiengebühr
Warum in Deutschland studieren?
E.B. Für ausländische Studenten ist Deutschland deshalb attraktiv,
weil es keine Studiengebühren gibt. Zu diesem Ergebnis kommt eine
Untersuchung des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung.
In der Befragung wurden Vertreter der Internationalen Büros von ost-
und außereuropäischen Hochschulen gefragt, warum ihre Studenten
sich für bzw. gegen ein Studium in Deutschland entschieden haben.
Befragt wurden Vertreter aus Nordamerika, Süd-, Mittelamerika, Australien,
Südost-, Ostasien, Vorderasien, Afrika, Mittel-, Südosteuropa,
Russland, GUS-Staaten und dem Baltikum. Weitere Gründe sind bestehende
Partnerschaften zwischen der Heimatuniversität und deutschen Universitäten
und das sprachliche Interesse. Letzteres ist besonders für die Studenten
aus Nordamerika entscheidend. Erst an fünfter und sechster Stelle
rangieren das wissenschaftliche und kulturelle Interesse an Deutschland.
Auch die Reputation der Wissenschaftler und akademische Freiheiten spielen
keine große Rolle. Leistungsbewusst
HIS-Studie über die Studenten der 90er Jahre
Zweckgerichtet, technisch neugierig und gesellschaftlich verantwortlich
geht die heutige Studentengeneration ihre berufliche Ausbildung an. Das
ist das Ergebnis einer HIS-Studie über Struktur- und Wertewandel im
Studentenmilieu. Die heutige Studentengeneration hat einen starken Drang
„Neues zu erleben“. Dies äußert sich in einer leistungsbewussten,
weitgehend gesellschaftlich konformen Haltung. Technik und Konsum werden
positiv gesehen. Zwar spielen auch politisches und soziales Engagement
eine Rolle, allerdings im Rahmen einer materiellen und liberalen Grundhaltung.
Außerdem ist in den 90er Jahren das Leitbild des „Alternativen“,
das in den 80er Jahren dominierte, fast verschwunden. Dieses Milieu ist
in den liberal-intellektuellen (24 Prozent) und postmodernen Milieus (14
Prozent) aufgegangen. Diese machen heute mit einer leistungsbewussten,
konservativen „Elite“ (acht Prozent) das gesellschaftliche Leitmilieu der
Studenten aus. Im Vergleich zu gleichaltrigen Jugendlichen sind Studenten
lernbereiter und bildungsoptimistischer. Allerdings sind sie skeptisch
geworden, was den Nutzen der Bildungsinvestition betrifft: 29 Prozent der
Studenten meinen, dass Bildung keine Garantie für berufliche Sicherheit
biete. "Weiß viel"
E. B. Seit Jahresbeginn können Studierende bundesweit die Vorlesungsleistungen
ihrer Professoren im Internet kommentieren. Auf den Seiten www. campus2day.de
und www.dooyoo.de, die eine virtuelle Informationsplattform für Studierende
bilden sollen, können neben Kurzbewertungen („hat das Wissenschaftliche
voll drauf, leider fehlen bei ihm die pädagogischen Ansätze“)
auch Vorteile („weiß viel“) oder Nachteile („zu viel Stoff“) des
Professors sowie ein „Verkaufspreis“ angegeben werden. Gegebenenfalls kann
auch eine Weiterempfehlung des auf diese Weise bewerteten Hochschullehrers
an die Kommilitonen ausgesprochen werden. Nach Meinung von Sven Kolthof,
Vorstandssprecher der campus2day AG, eröffnen sich mit den neuen Internetseiten
sowohl den Studenten als auch den Professoren neue Perspektiven für
eine bessere Zusammenarbeit. "Ping-Pong-Spiel"
E.B. „International nicht konkurrenzfähig“ sind die deutschen Hochschulen
nach der Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden der Bertelsmann-Stiftung,
Dr. Mark Wössner. Wie Wössner auf einem Symposium anlässlich
des fünfjährigen Bestehens des Centrums für Hochschulentwicklung
erklärte, verhindere ein „durch und durch verbeamtetes und reguliertes
Umfeld“ schnelle Entscheidungen an den Hochschulen. Als Unternehmer diskutiere
man zwar auch, doch in der Regel „nicht länger als ein Ping-Pong-Spiel“,
dann werde eine Entscheidung getroffen. Spätstart
E. B. Nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft
in Köln hat sich das Durchschnittsalter der Studienanfänger von
rund 20 Jahren auf 21 Jahre erhöht. Während sich zwei Drittel
aller Abiturientinnen direkt nach dem Schulabschluss an einer Hochschule
immatrikulieren, ist es bei den Männern nur jeder Fünfte. Vor
allem der Wehr-oder Zivildienst verzögert die Aufnahme des Studiums.
Bei den Frauen schieben Praktika, Au-Pair-Aufenthalte oder ein Freiwilliges
Soziales Jahr den Beginn des Studiums hinaus.
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