Bildungssysteme im Vergleich
Georg Rothe, Die Systeme beruflicher Qualifizierung Deutschlands,
Österreichs und der Schweiz im Vergleich. Kompendium zur Aus- und
Weiterbildung unter Einschluß der Problematik Lebensbegleitenden Lernens.
Verlagsgesellschaft öbv + hpt Wien, DBK Luzern, Neckar-Verlag
Villingen-Schwenningen 2001, 888 Seiten, 34,80 Euro.
Georg Rothe wagt sich an den Vergleich der Bildungssysteme der drei im Titel
genannten europäischen Länder, obwohl namhafte Wirtschaftspädagogen, wie
etwa Buer und Kell, als wesentliches Charakteristikum eines derartigen
Vergleichs die "Unübersichtlichkeit³ genannt haben. Rothe gestaltet einen
durchgehenden Text, der durch 53 Exkurse namhafter Bildungsexperten der drei
Länder ergänzt wird.
Dadurch gelingt es dem Autor, einerseits den roten Faden zu wahren und
andererseits die Bereichsspezifika deutlich zu machen. An einem Beispiel
soll das Vorgehen gezeigt werden.
Generalisiert man das Problem des Universitätszugangs, so kann man
feststellen, daß in den drei Ländern die Tendenz zunimmt, den
Hochschulzugang nicht nur über den Weg des allgemeinbildenden Gymnasiums zu
ermöglichen, sondern auch über die berufliche Qualifizierung. Betrachtet man
die Situation jedoch im Detail, so stellt man fest, daß sowohl Deutschland
als auch die Schweiz intensiv auf Zusatzprogramme zur dualen Ausbildung
setzen, während Österreich einen völlig anderen Weg geht, nämlich den der
berufsbildenden Vollzeitschulen im kaufmännischen, touristischen,
technisch-gewerblichen und landwirtschaftlichen Bereich. Diese Schulen
dauern ein Jahr länger als die allgemeinbildenden Gymnasien, bieten die
volle Hochschulreife und nicht nur eine Fachhochschulreife verbunden mit
einem vollgültigen Berufsabschluß, der weitaus breiter ist als eine
Ausbildung im dualen System.
Die hier aufgezeigten Unterschiede werden von Georg Rothe in verschiedenen
Tabellen mit umfangreichem Zahlenmaterial veranschaulicht. Derartige
Zahlenangaben werden dann von den Bildungsexperten diskutiert, so daß die
dahinterliegenden Denkansätze deutlich werden.
Fundgrube
Das Kompendium stellt daher eine Fundgrube für jene Bildungsverantwortlichen
dar, die einerseits an statistischen Kenngrößen interessiert sind,
andererseits jedoch versuchen wollen, die Rationalität hinter den
verschiedenen Erscheinungsformen der Bildungslandschaften nachzuvollziehen.
In kurzen Blitzlichtern findet man auch Hinweise auf andere europäische
Länder, wie etwa Frankreich oder England, die zeigen, daß eine
Vereinheitlichung der europäischen Bildungssysteme wohl nur im Wege der
Anerkennung formal gestufter Bildungsgänge erfolgen kann und kaum durch eine
inhaltliche Angleichung.
Professor Dr. Wilfried Schneider,
Wirtschaftsuniversität Wien
Fragen des Genmedizinrechts
Stefan F. Winter / Hermann Fenger / Hans-Ludwig Schreiber: Genmedizin und
Recht. Rahmenbedingungen und Regelungen für Forschung, Entwicklung, Klinik,
Verwaltung. C.H. Beck Verlag, München 2001, 845 Seiten, 75,- Euro.
Im demokratischen Verfassungsstaat trifft die existenziellen Entscheidungen
grundsätzlich das allein an die Verfassung gebundene Parlament. Dessen
Entscheidung zugunsten einer verbrauchenden Embryonenforschung ist nunmehr -
halbherzig, aber immerhin - gefallen. Die ethischen, theologischen,
soziologischen, gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Kontroversen
werden fortdauern.
Der praktische Schwerpunkt der Auseinandersetzung wird sich jedoch dorthin
verlagern, wohin er ohnehin gehört, auf die Gebiete der Medizin und des
Rechts. In dieser Situation trifft es sich gut, daß mit der vorgelegten
Publikation eine umfassende Gesamtdarstellung vorhanden ist, die zuverlässig
und ausgewogen über den Sach- und Rechtsstand bis Anfang 2001 informiert.
Klare Strukturen - kein Gemischtwarenladen
Den Herausgebern ist es gelungen, nicht nur den Sachverstand von 48 Autoren
zu bündeln, sondern auch Pluralismus zu gewährleisten. Die Autorinnen und
Autoren gehören den Bereichen der Medizin, der Rechtswissenschaften, der
Naturwissenschaften, der Pharmazie, der Ethik, der Sozialwissenschaften, der
Ökonomie, der Journalistik, der Patientenselbsthilfe und der Politik an. Daß
gleichwohl der Eindruck eines Gemischtwarenladens vermieden wurde, ist der
klaren Strukturierung des Buchs zu danken. Nach einer Beschreibung der
Genmedizin werden die rechtlichen Rahmenbedingungen vorgestellt. Es folgen
die ethischen Rahmenbedingungen sowie unter der Überschrift "Genmedizin und
Politik³ ein mixtum compositum aus Teilaspekten der gentechnischen
Kontroverse. Dem schließt sich der anwendungsorientierte Teil der Schrift
an, der die Regelwerke der Genmedizin im Diagnosesektor und im
Therapiesektor vorstellt, die Genmedizin aus der Sicht der Patienten
darstellt und einen ausführlichen Teil über Sicherheit, Qualität und
Arbeitsschutz enthält.
Im Anhang finden sich selektiv abgedruckte Materialien und Internetverweise
und ein Adressenverzeichnis der Selbsthilfeorganisationen. Bei einem
Sammelwerk von 845 Seiten verbietet sich Einzelkritik. Bisweilen ist die
Interdisziplinarität auf die Spitze getrieben, etwa wenn rechtliche Teile
von Medizinern betreut werden. Die öffentlich-rechtlichen, namentlich die
verfassungsrechtlichen Bezüge des Genmedizinrechts hätten eine intensivere
Würdigung verdient. Das Literaturverzeichnis ist typografisch unglücklich
gestaltet.
Solche Beanstandungen sind freilich bei einem Erstlingswerk unvermeidbar.
Sie schmälern nicht den positiven Gesamteindruck. Jeder, der zuverlässig
Auskunft über Fragen des Genmedizinrechts sucht, ist mit dem Werk von
Winter, Fenger und Schreiber gut bedient. Es bleibt zu hoffen, daß bald eine
Neuauflage folgt, die den aktuellen Rechtsentwicklungen Rechnung trägt.
Universitätsprofessor Dr. Michael Ronellenfitsch, Universität Tübingen
Bücher über Wissenschaft
Emil Brix / Jürgen Nautz (H.), Universitäten in der Zivilgesellschaft,
Passagen Verlag, Wien 2002, 192 Seiten, 22,- Euro.
Jürgen Büschenfeld / Heike Franz / Frank-Michael Kuhlemann (Hg.),
Wissenschaftsgeschiche heute. FS für Peter Lundgreen, Verlag für
Regionalgeschichte, Bielefeld 2001, 358 Seiten, 24,- Euro.
Jaques Derrida, Die unbedingte Universität, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M.
2001, 78 Seiten, 7,50 Euro.
Holger Ehlert / Heide Cordier (Hg.), The Transition from Higher Education to
the Labour Market. International Perspectives and Challenges, Verlag Peter
Lang, Frankfurt u.a. 2002, 332 Seiten, 29,90 Euro.
Hubert Filser, Nobelpreis. Der Mythos. Die Fakten. Die Hintergründe, Herder
Spektrum, Freiburg 2001, 239 Seiten, 19,43 Euro.
Beate Hörr, Lebenslanges Lernen. Handbuch wissenschaftliche Weiterbildung,
Societätsverlag, Frankfurt a. M. 2001, 176 Seiten, 12,60 Euro.
Oliver Sacks, Onkel Wolfram. Erinnerungen, Rowohlt Verlag, Reinbek 2002, 384
Seiten, 24,90 Euro.
George Turner, Hochschule zwischen Vorstellung und Wirklichkeit. Zur
Geschichte der Hochschulreform im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts,
Verlag Duncker & Humblot, Berlin 2001, 294 Seiten, 24,- Euro.
Union der deutschen Akademien der Wissenschaften / Bayerische Akademie der
Wissenschaften (Hg.), Die deutschen Akademien der Wissenschaften: Aufgaben,
Herausforderungen, Perspektiven, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2001, 200
Seiten, 29,80 Euro.
Heinrich Zankl, Die Launen des Zufalls - Wissenschaftliche Entdeckungen von
Archimedes bis heute, Primus Verlag, Darmstadt 2002, 160 Seiten, 14,90 Euro.
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