Zunehmend auf Drittmittel angewiesen

Die Grundfinanzierung durch die Länder hält nicht Schritt mit der Entwicklung der Aufgaben der Hochschulen. Zunehmend müssen die Länder auf Drittmittel zurückgreifen. Dies ist ein Ergebnis einer Untersuchung des Wissenschaftsrats zur Entwicklung der Finanzen an den Hochschulen von 1993 bis 1998. Die Grundmittel sind - preisbereinigt - nur um 1,3 Prozent pro Jahr gestiegen, während die Anzahl der Abschlußprüfungen um 2,4 Prozent pro Jahr zugenommen hat. Der prozentuale Anteil der Drittmittel am Hochschulbudget ist hingegen gewachsen. Die Hochschulen finanzieren Forschung und allmählich auch Lehre zunehmend über eingeworbene Drittmittel. Der bedeutendste Drittmittelgeber ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft: Von ihr kommen 35 Prozent aller Drittmitteleinnahmen der Hochschulen. Verwaltungseinnahmen stellen an medizinischen Einrichtungen der Universitäten und Gesamthochschulen mit 66 Prozent die stärkste Einnahmequelle dar. Die Drittmittelwerbung in den neuen Ländern gleicht sich bei höheren Wachstumsraten immer mehr an. 1998 kommen in den neuen Ländern 84.890 DM eingeworbener Mittel auf einen Professor, in den alten Ländern sind es 115.100 DM.
Quelle: Wissenschaftsrat, 16. Februar 2001

Weniger Studienanfänger
Gesunkene Studienbereitschaft in Deutschland

An den deutschen Hochschulen werden in den nächsten Jahren die Studienanfänger knapp. Ursache dafür ist nach einer neuen Prognose der Kultusminister nicht der Geburtenrückgang, sondern vielmehr die drastisch gesunkene Studienbereit-schaft. Nur noch 68 Prozent der Hochschulzugangsberechtigten nehmen heute ein Studium auf. 1990 waren dies noch 82 Prozent. Dies würde bedeuten, daß die Zahl der Hochschulanfänger insgesamt von heute 308 000 um elf Prozent auf 274 000 im Jahre 2015 sinkt. Die Universitäten werden von dem Rückgang überdurchschnittlich betroffen sein. Die KMK unterstreicht mit der Prognose zugleich ihre bildungspolitische Absicht, in den nächsten Jahren Studienplatzkapazitäten an den Fachhochschulen zu Lasten der Universitäten auszuweiten.
Quelle: dpa-Kulturdienst 26.2. 2001

Wachsam
Agentur für Qualität an Hochschulen gegründet

In Baden-Württemberg wird künftig eine Agentur über die Qualität der Hochschulen wachen. Die Einrichtung solle Lehre und Forschung regelmäßig und vergleichend bewerten, kündigte Wissenschaftsminister Klaus von Trotha an. Ziel der Agentur ist die Koordination einer regelmäßigen Evaluation jeden Faches an jeder Hochschule. Dadurch sollen nach Ansicht von Trothas die Hochschulen im weltweiten Wettbewerb der Bildungs-anbieter noch konkurrenzfähiger werden. Die Entscheidung über Konsequenzen aus dem Ergebnis einer Evaluation obliege zuallererst der Hochschule. In der Startphase sei ein schlechteres Ergebnis nicht mit Sanktionen verbunden. "Vielmehr soll das Verfahren Schwachstellen deutlich machen und Wege zur Verbesserung aufzeigen", sagte von Trotha. Zu diesem Zweck könne die Hochschule auch Zielvereinbarungen abschließen.
Quelle: dpa-Dienst für Kulturpolitik 5. März 2001

"Kein Sparprogramm"
Umgestaltung der Hochschulen in NRW

Die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen stehen vor einer grundlegenden Umgestaltung. Ein von der Landesregierung eingesetzter Expertenrat schlägt vor, die Universitäten und Fachhochschulen zu engerer Zusammenarbeit zu verpflichten, schlecht ausgelastete Studiengänge einzustellen und die Lehrerausbildung völlig neu zu organisieren. In den Ingenieurwissenschaften, der Chemie und der Theologie sollen Überkapazitäten abgebaut werden. Außerdem empfehlen die Experten, die fünf Gesamthochschulen in reine Universitäten umzuwandeln. Nach dem Willen der Landesregierung sollen alle 27 staatlichen Hochschulen erhalten bleiben. Bildungsministerin Gabriele Behler will erste Konsequenzen aus dem Gutachten bis zum Sommer umsetzen. Es sei kein Sparprogramm geplant, versicherte sie. Die Stellen aus gestrichenen Fächern würden den Hochschulen für andere Aufgaben erhalten bleiben.
Quelle: dpa-Dienst für Kulturpolitik, 26.2.2001

HRK unterstützt DFG-Empfehlungen

Das Plenum der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat am 19./20. Februar 2001 in Berlin die DFG-Empfehlungen zur verbesserten Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses unterstützt. HRK-Präsident Professor Dr. Klaus Landfried sagte, dies sei ein anderer Kernbereich der anstehenden Dienstrechtsreform. Die öffentliche Diskussion habe sich bisher zu sehr auf die Professorenbesoldung konzentriert. "Aber es sind auch Veränderungen in den Qualifikationsstrukturen nötig, die eine Neuordnung auch der Beschäftigungsverhältnisse im wissenschaftlichen Bereich gerade unterhalb der Professorenebene mit sich bringen müssen" sagte Landfried.

In dem Plenarbeschluß wird u.a. empfohlen, Stellenpläne, in denen jede Professoren- und Mitarbeiterstelle verbindlich festgelegt ist, durch eine flexible Personalentwicklung in Eigenverantwortung der Hochschulen zu ersetzen. Dies entspreche auch den kürzlich veröffentlichten Empfehlungen des Wissenschaftsrates zur Personalstruktur und Qualifizierung. Die Hochschulen sollten nach Auffassung des HRK-Plenums in die Lage versetzt werden, Aufgaben, Status und Vergütung der jeweiligen Mitarbeiter nach den individuellen Bedürfnissen des jeweiligen Faches eigenständig festzulegen.

Die HRK unterstützt auch den Beschluß der DFG, daß Nachwuchswissenschaftler im Rahmen geförderter Projekte ihre eigene Stelle beantragen können. Die Hochschulen sollten außerdem die Möglichkeit erhalten, Doktoranden auf deren Wunsch auch auf Qualifikationsstellen zu beschäftigen, die aus Stipendien und anderen Mitteln finanziert werden könnten. Für die Doktoranden hätte dies den Vorteil, daß sie neben der Kranken- auch durch Arbeitslosen- und Rentenversicherung sozial abgesichert wären.

Die HRK appellierte an Bund und Länder, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, um die Vergütung der Nachwuchswissenschaftler stärker wettbewerbs- und leistungsorientiert zu gestalten. Deren Dienstaufgaben sollten flexibel und ohne starre Stellenkategorien definiert werden. Andernfalls könne sich in einigen Fächern die Tendenz verstärken, direkt nach dem Abschluß des Hochschulstudiums in die Wirtschaft zu wechseln.
Quelle: HRK 21.2. 2001 Der Wortlaut des Beschlusses ist im Internet unter www.hrk.de abrufbar.

Junior-Professoren
Junior-Professuren an Hochschulen in Sachsen

An Sachsens Hochschulen können nach Wissenschaftsminister Hans Joachim Meyer (CDU) bereits 2003 die ersten Junior-Professuren eingerichtet werden. Im nächsten Jahr will Meyer mit Universitäten und Fakultäten über die Umwandlung von frei werdenden Stellen in Junior-Professuren verhandeln. Um wieviele Stellen es sich handelt, sei derzeit noch unklar: "Die Vorstellung, wir bekämen zusätzliche Stellen dafür, halte ich allerdings für eine Illusion", sagte der Minister. Insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften werde sich die Junior-Professur nach Einschätzung von Meyer zu einer ernsthaften Konkurrenz zur Habilitation entwickeln. "In diesen Bereichen erweist sich die wissenschaftliche Qualifikation weniger im zweiten Buch, als in einer Reihe von einzelnen Forschungsprojekten."
Quelle: dpa-Dienst für Kulturpolitik, 12. März 2001

Nicht kostenneutral
Zehetmair: Habilitation notwendig

Nachdrücklich hat sich der bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Hans Zehetmair, für Freiräume der Länder bei der Gestaltung der Grundgehälter ausgesprochen. Die bisher geforderte Kostenneutralität verhindere strukturelle Veränderungen und z.B. auch die Anpassung der Besoldungsstruktur in den neuen Ländern: "Bayern kämpft massiv, daß der Begriff der Kostenneutralität gestrichen wird." Im Rahmen der Neuordnung der Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses sprach sich Zehetmair entschieden für differenzierte Wege zur Professur und gegen die gesetzliche Abschaffung der Habilitation aus. Die Einführung von mehr Wettbewerbs- und Leistungskomponenten in die Besoldung beurteilte Zehetmair positiv. Zehetmair plädierte weiterhin für mehr Eigenverantwortung und Mitwirkung der Hochschulen bei der Auswahl ihrer Studierenden. Kritik übte der bayerische Wissenschaftsminister am Rückstand des Bundes im Hochschulbau: "Es kann aus der Gesamtsicht der Länder nicht auf Dauer hingenommen werden, daß der Bund bei seiner begleitenden Mitfinanzierung für freigegebene Bauvorhaben mit rund einer Milliarde DM nachhinkt."
Quelle: HRK, 21.Februar 2001

Frauenanteil höher
Mehr weibliche Studenten - wenig Professorinnen

Der Anteil der Frauen an den Studenten in Deutschland wächst. Im Wintersemester 2000/2001 habe sich ihre Quote bei den Erstsemestern auf fast 49 Prozent erhöht, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Seit 1980 sei der Anteil der Studien-Anfängerinnen damit um rund ein Viertel gestiegen. Fast jeder zwei-te Studierende ist nach Angaben des Bundesamtes inzwischen eine Frau. Der Frauenanteil an allen Studierenden sei von gut 37 Prozent vor 20 Jahren auf 46 Prozent im vergangenen Semester gestiegen. Professorinnen seien in den Universitäten und Fachhochschulen aber vergleichsweise noch selten, berichtete das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Nur rund jede zehnte Professorenstelle war 1999 mit einer Frau besetzt. "Obwohl sich 1999 gut doppelt so viele Akademikerinnen habilitierten wie 1992, hat die Zahl der Fachhochschul- und Universitäts-Professorinnen seitdem nur um etwas mehr als die Hälfte zugelegt", berichtete das IW. Vor allem in der höchsten Besoldungsstufe C 4 habe ihr Anteil nur bei sechs Prozent gelegen.
Quelle: dpa-Dienst für Kulturpolitik, 12. März 2001

Mehr und weniger

In Numerus-clausus-Fächern sollen künftig mehr ausländische Studenten in Deutschland ein Studium aufnehmen können. Die Voraussetzungen dazu haben die Bundesländer jetzt bei der ZVS geschaffen, indem sie die für Ausländer vorgesehene Studienplatzquote ab dem Wintersemester 2001 von fünf auf acht Prozent erhöht haben. Die ZVS teilt weiter mit, daß immer weniger Abiturienten Medizin, Zahnmedizin oder Pharmazie studieren wollen, das Interesse für die Betriebswirtschaft dagegen weiter ansteige. Nach Angaben der ZVS für das Sommersemester 2001 meldeten sich danach 9 628 Bewerber für den Studiengang Medizin. Dies bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang um 1 278 oder 11,7 Prozent. 3 312 Bewerber erhielten eine Zulassung. In der Zahnmedizin ging das Interesse um 9,5 Prozent von 1940 auf 1755 Bewerbungen zurück. 816 Bewerber können ihr Studium zum Sommersemester beginnen. Den stärksten Rückgang mit 27,2 Prozent verzeichnete der Studiengang Pharmazie. Statt 1 881 wie im Vorjahr meldeten sich nur noch 1370 Abiturienten, von denen 1035 einen Zulas-sungsbescheid erhalten haben. Für das Fach Betriebswirtschaft zählte die ZVS 6409 Bewerber, 411 mehr als im Vorjahr, von denen mit 3 677 rund die Hälfte zugelassen werden konnte.
Quelle: ZVS, 2. März 2001

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