Studentische Selbsteinschätzung
Nach Einschätzung der Studienanfänger haben viele von ihnen ernsthafte
Wissens- und Fähigkeitsdefizite, die sie im ersten Semester beheben müssen.
Die neuen Studierenden plädieren deshalb dafür, daß die Hochschulen
besondere Lehrveranstaltungen anbieten. Trotz der Defizite steht jeweils die
Hälfte der Erstmatrikulierten sowohl Aufnahmeprüfungen als auch dem Recht
der Hochschulen, sich ihre Studierenden selbst auszuwählen, kritisch
gegenüber. Ein Drittel der Studienanfänger ist der Auffassung, daß der
Erwerb der Hochschulreife nicht mehr in ausreichender Weise zum Studium
befähige. Ebenfalls ein Drittel vertritt die gegensätzliche Position.
Die studentischen Meinungen zum Hochschulzugang sind allerdings abhängig von
ihren schulischen Leistungen. Studienanfänger mit guten Noten lehnen in
geringerem Maße Aufnahmeprüfungen und Auswahl durch die Hochschule ab.
Quelle: HIS, Februar 2002
Freistaaten gegen Bundeszwang
Drei Länder klagen gegen Hochschulrahmengesetz
Die Bundesländer Bayern, Sachsen und Thüringen wollen gemeinsam gegen das
neue Hochschuldienstrecht beim Bundesverfassungsgericht Klage einreichen.
Dies kündigten die drei Länder in einer gemeinsamen Erklärung an. Bayerns
Wissenschaftsminister Hans Zehetmair (CSU) sagte, die Änderungen des
Hochschulrahmengesetzes (HRG) mit der Juniorprofessur seien allein schon
wegen der fehlenden Zustimmung der Länder verfassungswidrig. Thüringens
Ministerpräsident Bernhard Vogel und Sachsens Regierungschef Kurt Biedenkopf
(beide CDU) betonten, "dem Eindringen des Bundes in den Kompetenzbereich der
Länder" müsse entgegengetreten werden. Diese Versuche des Bundes gefährdeten
zunehmend die inhaltliche Substanz der Eigenstaatlichkeit der Länder.
"Letztlich wird damit der Föderalismus als eines der fundamentalen
Strukturprinzipien in seinem Kern getroffen." Es müsse verhindert werden,
"daß die Länder in Zukunft nur mehr als Verwaltungseinheiten fungieren und
ihnen die politische Gestaltungskraft weitgehend genommen wird", heißt es in
der gemeinsamen Erklärung weiter. Es sei deshalb an der Zeit, "dem Bund mit
Hilfe eines Stopp-Signals des Bundesverfassungsgerichts die Grenzen seiner
Kompetenz zu verdeutlichen". Die drei Länder haben mit ihrer rechtlichen
Vertretung die Staatsrechtler Josef Isensee (Bonn) und Otto Depenheuer
(Köln) beauftragt.
Quelle: dpa-Kulturpolitik, 25. Februar 2002
Keine neue Front
Länder wollen Bildung allein reformieren
Die Länder pochen bei der Bildungsreform auf ihre Eigenständigkeit und
wollen nur in Ausnahmefällen die Hilfe des Bundes annehmen. Auch das Angebot
der OECD, die Struktur des in die Kritik geratenen deutschen Bildungswesens
von einer internationalen Expertengruppe untersuchen zu lassen, lehnten die
Kultusminister geschlossen ab. Die Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die auch den weltweit größten
PISA-Schultest organisiert, hatte Deutschland angeboten, sein Bildungswesen
erneut zu begutachten. Die letzte OECD-Analyse zu Deutschland fand 1971
statt. Damals erhielt die Bundesrepublik die Note "mangelhaft". Die
Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Thüringens Wissenschaftsministerin
Dagmar Schipanski (CDU), verwies darauf, daß in den Jahren 2003 und 2006
PISA-Folgeuntersuchungen anstünden und man jetzt "nicht noch eine
zusätzliche Front aufmachen" wolle. "Die Antwort auf PISA wird uns
beschäftigen." sagte Schipanski.
Quelle: dpa-Kulturpolitik, 4. März 2002
Befristung der Qualifizierungsphase
Bundessprecherkreis der Universitätskanzler mit Bundesministerin Bulmahn
einig
Der Bundessprecherkreis der Kanzlerinnen und Kanzler der deutschen
Universitäten und die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard
Bulmahn, sind sich über die Ziele der 5. Novelle des Hochschulrahmengesetzes
einig. Dies ist das Ergebnis eines Treffens zwischen dem Bundessprecher der
Kanzler, Thomas A. H. Schöck (Universität Erlangen-Nürnberg), seinen beiden
Vertretern, Kanzler Christoph Ehrenberg (Universität Osnabrück) und Kanzler
Heiko Schultz (Universität Weimar) und Bundesministerin Edelgard Bulmahn. Im
Mittelpunkt der Diskussion standen Fragen der Dienstrechtsreform nach
Inkrafttreten der 5. HRG-Novelle und des
Professorenbesoldungsreformgesetzes. Beide Seiten waren sich einig, daß
Universitäten auf eine Befristung der Qualifizierungsphase von insgesamt
zwölf Jahren angewiesen sind, um nachrückenden Wissenschaftlern immer wieder
eine Chance geben zu können. Deutlich davon zu trennen seien generelle
Fragen der Beschäftigung im Rahmen wissenschaftlicher Projekte, für die das
Teilzeit- und Befristungsgesetz Möglichkeiten eröffne.
Beide Seiten begrüßten die jetzt erfolgte Neuregelung des Paragraphen 42
Arbeitnehmererfindungsgesetz, mit der den Hochschulen nun die eigene
Verwertung von an den Hochschulen gemachten Erfindungen durch Patente und
Schutzrechte ermöglicht wird. Dieser Entwicklungsprozeß könne sich erst in
einem mittelfristigen Zeitraum wirtschaftlich selbst tragen, deshalb müsse
der Aufbau von Verwertungsagenturen für die Hochschulen von einer intensiven
Aufklärungsarbeit der Hochschulverwaltungen begleitet werden.
Quelle: BMBF, 6. März 2002
Immer länger
Studiendauer an Fachhochschulen steigt
Die Fachhochschulen verlieren zunehmend einen Wettbewerbsvorteil: die kurze
Studienzeit. Nach Untersuchungen des Wissenschaftsrates ist die
Fachstudiendauer an Fachhochschulen kontinuierlich gestiegen. Nur in 15 von
70 Studiengängen erreicht ein Anteil von über 50 Prozent der Absolventen den
Abschluß innerhalb von acht Semestern. Nach neun bis zehn Semestern
beendeten in 32 Studiengängen 50 Prozent der Studierenden ihr Studium. Neben
den Studiengängen Haushalts- und Ernährungswissenschaften sowie Biologie
fallen Studiengänge mit relativ langen Studienzeiten innerhalb des
Studienbereichs Maschinenbau/Verfahrenstechnik auf. Ebenfalls lange
Studienzeiten sind in den Fächern Fahrzeugtechnik, Architektur und
Gestaltung zu beobachten. Relativ kurz sind die Studienzeiten in den
Studiengängen Evangelische und Katholische Religionspädagogik sowie in den
Studiengängen Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Sozialwesen, für die an einigen
Fachhochschulen, insbesondere einigen kirchlichen Hochschulen, noch die
sogenannte zweiphasige Ausbildung galt. Die mittlere Fachstudiendauer lag
hier in der Regel unter acht Semestern. Die Unterschiede zwischen den
einzelnen Hochschulen sind in vielen Fällen nicht unerheblich. An den
meisten Hochschulen der neuen Länder ist die mittlere Fachstudiendauer
häufig geringer als im Bundesdurchschnitt.
Quelle: Wissenschaftsrat, März 2002
Stillstand
Bildungs- und Forschungsausgaben stagnieren
Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind in Deutschland die Ausgaben für
Bildung, Forschung und Wissenschaft im Jahr 2000 gleichgeblieben. Der Anteil
am Bruttoinlandsprodukt habe wie im Jahr zuvor 8,9 Prozent betragen, teilte
das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Absolut betrachtet sind die
Bildungs- und Forschungsausgaben dagegen um 2,0 Prozent auf 180,5 Milliarden
Euro gestiegen. Der größte Teil entfiel mit 114,3 Milliarden Euro auf
Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen. Schüler, Studenten
und Auszubildende wurden mit 11,6 Milliarden Euro gefördert. 50,3 Milliarden
Euro wurden für Forschung und Entwicklung aufgewendet. Die Bildungsausgaben
wurden zu 74,4 Prozent (oder 92,7 Milliarden Euro) aus den öffentlichen
Haushalten bezahlt. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung trugen
dagegen zu 65,6 Prozent (31,6 Milliarden Euro) die Privaten.
Quelle: dpa-Kulturpolitik, 25. Februar 2002
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