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| REZENSION
Victor Klemperer
Universitäre Berufungspolitik erscheint als wichtiger Indikator und Faktor von Wissenschaftsgeschichte seit dem 19. Jahrhundert. Für die Altertumskunde macht dies exemplarisch die Edition der Briefe von Wilamowitz-Moellendorffs an Althoff deutlich. Anders als solche adressatenorientierte Texte mit Kommentierungen aus Akten und Erinnerungen, rückt im Fall von Victor Klemperer das authentische Zeugnis der Tagebücher einen psychologisch-soziologischen Aspekt in den Vordergrund. Nachdem Veröffentlichung
und Verfilmung seiner Tagebücher aus der Zeit des Nationalsozialismus
dem Romanisten Victor Klemperer (18821960) seit Mitte der neunziger
Jahre eine große posthume Popularität bescherten, hat auch die
romanistische Fachgeschichte diesen lange Zeit auch aus politischen
Gründen vergessenen Wissenschaftler entdeckt (exempl. hingewiesen
sei auf das von M. Nerlich herausgegebene Dossier „Victor Klemperer - Romanist“
in Lendemains 1996). Die anzuzeigende Monographie stellt hierzu eine wichtige
Ergänzung dar, die aus der wissenschaftlichen Einbettung und Kommentierung
der 1996 veröffentlichten Tagebücher der Jahre 1918-1932 schöpft
und somit hochschulpolitische Aktivitäten der Weimarer Zeit aus dem
spezifischen Blickwinkel persönlicher Wahrnehmung ausleuchtet. Ihre
historische Relevanz wird durch die sorgfältige Aufschlüsselung
bislang unbekannter Quellen insbesondere Universitätsakten und
Korrespondenzen - über Klemperers Bewerbung auf das seit 1927 vakante
Kölner romanistische Ordinariat aufgezeigt. Zwei zentrale Fragen der
Vita Klemperers stellt Court hier auf ein neues Fundament.
Parallelen zu heutigen Berufungsverfahren Was diese Arbeit über den engeren Kreis der Romanistik hinaus empfehlenswert macht, ist, dass sie uns einen exemplarischen Einblick in das Innenleben der zeitgenössischen Universitätslandschaft gestattet, die nicht ohne Parallelen zum heutigen Procedere bei universitären Berufungsstrategien steht. Wir erfahren zahlreiche Details über den Streit zwischen einer technischen Hochschule (Dresden) und einer geisteswissenschaftlich ausgerichteten Universität (Leipzig), über die Rivalität der benachbarten Universitäten Bonn und Köln (mit dem wissenschaftspolitisch äußerst engagierten damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer), über die Auseinandersetzung zwischen der älteren und jüngeren Generation von Universitätslehrern und über die Gewichtung von wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Kriterien bei der Besetzung von Lehrstuhlvakanzen. Insgesamt bietet diese sorgfältige, an einem „Einzelfall“ orientierte Studie eine fesselnde Lektüre und fordert zur Weiterführung solcher wissenschaftsgeschichtlicher Einblicke und Ausblicke auf. Privatdozentin Dr. Isolde
Burr,
Günter Figal (Hg.), Begegnungen mit Hans-Georg Gadamer, Reclam Verlag, Stuttgart 2000, 140 Seiten, 6,- DM. Gabriela Franke-Ullmann / Hans-Josef Heinen / Richard Mitreiter (Hg.), Strukturen und Finanzierung der Hochschulmedizin, Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1999, 210 Seiten, 68,- DM. Eike Christian Hirsch, Der berühmte Herr Leibniz. Eine Biographie, Verlag C. H. Beck, München 2000, 646 Seiten, 49,80 DM. Peter Janich, Was ist Erkenntnis? Eine philosophische Einführung, C. H. Beck Verlag, München 2000, 160 Seiten, 19,90 DM. Jürg Niederhauser, Wissenschaftssprache und populärwissenschaftliche Vermittlung, Gunter Narr Verlag, Tübingen 1999, 275 S., 78,- DM. Jürgen-Eckardt Pleines, Bildung im Umbruch, Georg Olms Verlag, Hildesheim 2000, 262 Seiten, 48,- DM. Karol Sauerland, Dreißig Silberlinge? Verlag Volk und Welt, Berlin 2000, 44,- DM. Kay Schiller, Gelehrte Gegenwelten.
Über humanistische Leitbilder im 20. Jahrhundert, Fischer Taschenbuch
Verlag, Frankfurt 2000, 192 Seiten, 24,90 DM.
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2000
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