Neue Abschlüsse: schlecht informiert
Zum Sommersemester 2001 ist an deutschen Hochschulen die Zahl der
Bachelor-Studiengänge auf 382, die der Master-Angebote auf 217 gestiegen.
Viele Unternehmen verlieren den Überblick angesichts künftiger Bachelor- und
Master-Absolventen, die sowohl von der Universität als auch von der
Fachhochschule kommen können. Nur 25 Prozent befragter Firmen behaupten,
sich gut oder sehr gut mit den neuen Abschlüssen auszukennen - sieben von
zehn beurteilen ihren Kenntnisstand dagegen als weniger gut und
unzureichend.
Bei der Frage nach dem angemessenen Anfangsgehalt für Bachelor- und
Master-Absolventen orientieren sich viele Firmen an den bekannten
Abschlüssen. Der Bachelor rangiert in der Einschätzung jedes zweiten
Unternehmens auf FH-Niveau, den Master setzen ebenso viele Befragte einem
ersten Universitäts-Abschluß, also dem Diplom, gleich. Im Osten der Republik
bekommen Berufsanfänger mit Bachelor und Master tausend DM weniger als im
Westen.
Quelle: Institut der Deutschen Wirtschaft, 29. März 2001
“Quittung für eine gegen die Universitätsprofessoren gerichtete Politik³
Der wachsende Unmut der deutschen Professoren gegen die von der
Bundesregierung geplante Dienstrechtsreform für Hochschullehrer hat neue
Formen angenommen. In einer vierseitigen Anzeige, die in der Ausgabe der
“Frankfurter Allgemeinen Zeitung³ vom 28. März 2001 erschienen ist, bekunden
über 3.700 Hochschullehrer öffentlich ihren Protest gegen die Pläne von
Bundesbildungsministerin Bulmahn. Unter der Überschrift “Schützt die
Universitäten vor der Abwanderung ihrer Spitzenkräfte³ fordern die
Wissenschaftler die Bundesregierung auf, die beabsichtigte
Dienstrechtsreform in ihrer vorliegenden Form zurückzuziehen.
“Dies ist in der hochschulpolitischen Geschichte Deutschlands ein einmaliger
Vorgang. Nie zuvor haben sich innerhalb von fünf Wochen so viele
Hochschullehrer zu einem gemeinsamen Protest zusammengefunden³, erklärte der
Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, der Kölner Völkerrechtler
Hartmut Schiedermair. Der Deutsche Hochschulverband hatte die Protestaktion
organisiert.
“Die Tatsache, daß sich eine überwältigende Zahl von Hochschullehrern
öffentlich gegen Frau Bulmahns Pläne bekennt, ist in ihrer Aussage
eindeutig³, kommentierte Schiedermair die Aktion: “Die Professoren in
unserem Land sind nicht länger bereit, stillschweigend zuzusehen, wie die
Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit der deutschen Universitäten von der
Politik unter wohlfeilen Parolen leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Die
Professoren haben sich an die Öffentlichkeit gewandt - aus Sorge um die
Zukunft der deutschen Universität und des wissenschaftlichen Nachwuchses.³
“Frau Ministerin Bulmahn erhält jetzt die Quittung dafür, daß sie über die
Köpfe der Betroffenen hinweg gehandelt hat und den Hochschullehrern eine
unsinnige Reform aufzwingen will. Gegen den nahezu einhelligen Widerstand
der Betroffenen kann aber keine Reform wirklich gelingen. Es ist daher
höchste Zeit, daß die Hochschullehrer mit ihren Vorschlägen gehört werden.
Wenn das nicht geschieht, werden wir in fünf Wochen die Aktion mit weiteren
Unterzeichnern als Protest wiederholen.³ Die Flut der Unterschriften reiße
nicht ab.
Schiedermair wies darauf hin, daß der Deutsche Hochschulverband als
Berufsvertretung der Universitätsprofessoren und des wissenschaftlichen
Nachwuchses zwar mit der Bundesregierung in der Zielsetzung einer Reform für
die Hochschulen weitgehend einig sei. Die Universitäten müßten international
wettbewerbsfähig sein und in die Lage versetzt werden, die besten Köpfe für
akademische Forschung und Lehre zu gewinnen und dauerhaft zu binden. Diesem
Ziel habe sich auch das Dienst- und Besoldungsrecht unterzuordnen. Dem
wissenschaftlichen Nachwuchs müßten daher attraktive berufliche Perspektiven
geboten werden; er müsse darüber hinaus die Möglichkeit erhalten, früher als
bisher eigenverantwortlich zu forschen und zu lehren. “Die Vorschläge der
Bundesregierung³, betonte Schiedermair, “sind aber nicht geeignet, diese
Ziele zu erreichen. Sie werden die Universitäten nicht stärken, sondern
schwächen. Dies betrifft sowohl die geplante neue Besoldungsstruktur als
auch die geplante flächendeckende Einführung von Juniorprofessuren zu Lasten
der bestehenden Assistentenstellen.³
Eine Vergütung von 6.500 DM für eine Juniorprofessur sei völlig unattraktiv:
“Der exzellente wissenschaftliche Nachwuchs wird mit einem solchen Angebot
angesichts doppelt so hoher Verdienstmöglichkeiten außerhalb der Hochschulen
nicht für die Universität zu gewinnen sein. Ein Gehalt in dieser Höhe ist
auch angesichts des überdurchschnittlich schwierigen und langwierigen
Qualifikationsweges der jungen Hochschullehrer nicht angemessen. Es ist
unverständlich, wie die deutschen Universitäten mit diesem Angebot im
globalen Wettbewerb um die besten Köpfe bestehen sollen,³ erklärte
Schiedermair.
Schiedermair unterstrich, daß die Pläne der Bundesregierung nicht allein vom
Deutschen Hochschulverband Kritik erfahren hätten. Vielmehr hätten sich eine
Vielzahl von Fakultätentagen, der Allgemeine Fakultätentag, mehrere
Fachgesellschaften, der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft,
Vergütungsexperten der Unternehmensberatung Kienbaum und zuletzt - im
Hinblick auf die von der Politik geforderte Kostenneutralität der
Dienstrechtsreform - auch die Hochschulrektorenkonferenz kritisch geäußert.
An einigen Hochschulstandorten hätten sich auch Protestinitiativen des
wissenschaftlichen Nachwuchses gegen die Umgestaltungspläne gebildet.
Auch der Hochschullehrerbund (hlb) als Berufsverband der Professoren an
Fachhochschulen “begrüßt den mit Hilfe einer Unterschriftenaktion öffentlich
gemachten Protest³ gegen die beabsichtigte Reform der Professorenbesoldung.
Der hlb sieht in der Reform der Professorenbesoldung “eine drohende
Abwertung der Fachhochschulen³. Der Staat unternehme mit der Einführung
einer Vergütung nach Marktwert “einen untauglichen Versuch, in Konkurrenz zu
den Vergütungsmöglichkeiten der Wirtschaft einzutreten³. Er werde diesen
Wettbewerb zwangsläufig verlieren.
Quelle: DHV, 29. März 2001;
hlb 29. März 2001
Unterfinanziert
Die deutschen Hochschulen sind nach Ansicht des Wissenschaftsrates
unterfinanziert. Allein für die Gemeinschaftsaufgabe Hochschulbau fehlten in
diesem Jahr 700 Millionen DM. Bund und Länder geben 2001 insgesamt 4,3
Milliarden DM für Bauten und die Anschaffung von Großgeräten aus. “Die
Grundfinanzierung durch die Länder hält nicht Schritt mit der Entwicklung
der Aufgaben der Hochschulen³ heißt es in einer Untersuchung zur
Finanzentwicklung für die Hochschulen. So sei die Zahl der Abschlußprüfungen
zwischen 1993 und 1998 jedes Jahr um 2,4 Prozent gestiegen, die Grundmittel
aber nur um 1,3 Prozent. Um die Unterfinanzierung der Hochschulen zu
beenden, will der neue Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Karl
Einhäupl, die Wirtschaft stärker in die Pflicht nehmen. Im Vergleich zu den
USA engagiere sich die Industrie im deutschen Wissenschaftssystem zu wenig.
Quelle: zwd 16. März 2001
Weltoffen
Die Zahl der ausländischen Studierenden hat sich in den letzten 25 Jahren
vervierfacht. 1999 wurden 166.000 ausländische Studenten registriert, von
denen zwei Drittel Bildungsausländer waren. Das geht aus der Studie
“Wissenschaft weltoffen³ hervor, die der DAAD zusammen mit dem
Hochschulinfor-mationssystem vorgelegt hat. Am stärksten zugenommen hat
demnach die Zahl ausländischer Studierender aus Afrika und Europa. 1999
kamen 64 Prozent aller ausländischen Studierenden bzw. 56 Prozent der
Bildungsausländer aus europäischen Staaten. Die bevorzugten Fächer sind
Wirtschaftswissenschaften, Germanistik und Maschinenbau. Die Zahl der
ausländischen Absolventen hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast
verdoppelt. 1998 erwarben 11.000 ausländische Studierende einen akademischen
Grad an deutschen Hochschulen. Bezogen auf Bildungsausländer ist beim
Erststudium Frankreich auf Platz Eins der Prüfungsstatistik zu finden, beim
weiterführenden Studium und beim Promotions-studium hingegen China. In der
Fächerrangliste der Studienabschlüsse von Bildungsausländern im Erststudium
liegen die Ingenieurwissenschaften an der Spitze, bei den weiterführenden
Studien Kunst- und Musikwissenschaften, während bei den Promotionen die
Naturwissenschaften an der Spitze rangieren.
Quelle: DAAD, 30. März 2001
Mit einer Stimme
In Salamanca ist jetzt mit der European University Association (EUA)
erstmals eine umfassende Interessenvertretung der europäischen Hochschulen
gegründet worden. Sie vertritt die Hochschulen gegenüber der Europäischen
Kommission, dem Europaparlament, dem Europarat und anderen supranationalen
Organisationen. Die EUA repräsentiert die Rektorenkonferenzen der
EU-Mitgliedsstaaten sowie zahlreicher anderer europäischer Staaten,
inclusive der Türkei, und rund 550 europäische Universitäten von Portugal
bis Russland und Aserbeidschan, die nun mit einer Stimme sprechen können.
Die auf der Salamanca-Konferenz versammelten Hochschulvertreter sprachen
sich für eine weitgehende Autonomie der Hochschulen bei der Mittelzuweisung,
bei der Definition von Lehrinhalten und Forschungsbereichen und bei der
Auswahl von Lehrenden und Studierenden aus und plädierten für eine
verstärkte europäische Koordinierung der nationalen und regionalen Maßnahmen
zur Qualitätssicherung und Akkreditierung.
Quelle: HRK, Pressemitteilung vom 4. April 2001
Autonomieverlust
E.B. Weniger Autonomie und mehr Fremdbestimmung, das ist das Ergebnis einer
Arbeitstagung des Vereins zur Förderung des Deutschen und Internationalen
Wissenschaftsrechts e.V. zum Entwurf eines Hochschulreformgesetzes, den die
niedersächsische Landesregierung zur Anhörung freigegeben hat. Im Zentrum
des Entwurfes steht die Überführung der Hochschulen in die Trägerschaft von
Stiftungen öffentlichen Rechts. Die Experten kamen zu dem Ergebnis, daß das
niedersächsische Stiftungsmodell eher zu einer Schwächung der Autonomie denn
zu einer Stärkung führen müsse. Die körperschaftlichen
Mitwirkungsmöglichkeiten und damit auch der Freiraum der Mitglieder treten
deutlich in den Hintergrund; die hierarchischen Strukturen werden durch
übermäßig ausgebildete Präsidien und dominante Stiftungsräte betont, die
zudem noch vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur bestellt werden
sollen. Nach Ansicht der Experten würde sich der Staat durch Errichtung
einer Stiftung von der Verantwortung für die Hochschule distanzieren, sie
aber zugleich einer erhöhten Fremdbestimmung durch den Stiftungsrat
unterwerfen, in dem er selbst maßgeblich mitwirkt. Hinzu treten
beispielsweise die fortbestehende finanzielle Abhängigkeit vom Staat sowie
die sublimen Einwirkungsmöglichkeiten des Staates über das neue Instrument
der Zielvereinbarungen.
Quelle: Verein zur Förderung des Deutschen und Internationalen
Wissenschaftsrechts e.V., Köln, den 20. Februar 2001
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