Jobben statt BAföG
Um seine Lebenshaltung zu finanzieren, mußte ein westdeutscher Student im
Jahr 2000 pro Monat 1.295 DM ausgeben. In Ostdeutschland kamen die Studenten
noch mit 1.056 DM aus nicht zuletzt, weil dort die Mieten niedriger sind.
Allerdings stiegen die Studentenbudgets im Osten seit Mitte der neunziger
Jahre um insgesamt 25 Prozent, im Westen um lediglich 5 Prozent. Wichtigste
finanzielle Quelle der Studenten sind nach wie vor die Eltern, die jede
zweite Mark zum Etat beisteuern. Während in den alten Ländern immerhin ein
Drittel des Budgets durch eigenen Verdienst bestritten wird, ist es in den
neuen Ländern nur ein Fünftel. Das BAföG spielt für die Studienfinanzierung
hingegen mehr und mehr eine Nebenrolle: In Ostdeutschland griff der Staat
zuletzt nur noch jedem dritten Studenten mehr oder weniger stark unter die
Arme, im Westen bezogen 17 Prozent einen solchen Zuschuß - 1994 waren es
noch 55 bzw. 24 Prozent.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft, 11. Oktober 2001
Kein Qualitätsabbau!
Fakultätentage kritisieren Ab- und Umbau der Lehrerausbildung in Deutschland
Mit großer Besorgnis nehmen die mit der Lehrerausbildung in Deutschland
befaßten Fakultätentage zur Kenntnis, daß in einzelnen Bundesländern die
herkömmlichen Lehramtsstudiengänge unter äußerstem Zeitdruck abgeschafft
oder verändert werden. In einer gemeinsamen Presseerklärung der Vorsitzenden
der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen, Philosophischen,
Evangelisch-Theologischen und
Katholisch-Theologische Fakultätentage wird in ungewöhnlich scharfer Form
moniert, daß die wissenschaftliche Ausbildung von Lehrern ohne sachgemäße
und gründliche Diskussion in überstürzter und unverantwortlicher Weise
grundlegend umstrukturiert werde.
So betreibe zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen das Wissenschaftsministerium
die unverzügliche Übertragung der neuen, gestuften Bakkalaureus- und
Magister-Studiengänge auf die Ausbildung von Lehrern in sämtlichen
Schulfächern, Schularten und Schulstufen. Dabei werden nach Ansicht der
Vorsitzenden im einzelnen grundsätzliche Entscheidungen getroffen, deren
Folgen darauf hinauslaufen, daß diejenigen, die den künftigen in Wirtschaft,
Industrie und Wissenschaft so dringend benötigten Nachwuchs heranbilden
sollen, selbst ohne ausreichende Fachausbildung sein werden.
Der von den europäischen Bildungsministern in den Erklärungen von Bologna
und Prag beschlossene "europäische Hochschulraum³ und die damit verbundene
gemeinsame Einführung gestufter Studiengänge werden unter dem Druck des
größer werdenden Lehrermangels einerseits, der angespannten Haushaltslage
andererseits dazu mißbraucht, die wissenschaftliche Lehrerausbildung
insgesamt zu reduzieren. Dabei entstehe die Gefahr einer nicht mehr
reparablen Kürzung der fachwissenschaftlichen Anteile. Die betroffenen
Fakultätentage warnen davor, mit Billigstudiengängen Standards über Bord zu
werfen, die im Interesse der Qualitätssicherung unverzichtbar sind.
Wissenschaftliche Lehrerausbildung kann nicht bedeuten, im Interesse der
Marktkonformität in der Sache uninformierte "Kommunikationskünstler³ zu
produzieren.
Quelle: Allgemeiner Fakultätentag,
8. Oktober 2001
Positionen festgezurrt
Anhörung zur Dienstrechtsreform vor dem Bundestag
Im Streit um die Dienstrechtsreform an den Hochschulen gibt es nur wenig
Bewegung. Bei einer Anhörung des Bun-destagsbildungsausschusses am 24.
September in Berlin bekräftigten Experten und Verbände ihre Positionen, ohne
daß eine Annäherung vor allem in der Auseinandersetzung um die Zukunft der
Habilitation wie auch bei den vorgesehenen Grundvergütungen für Professoren
in Sicht ist. Die Regierungskoalition will mit der Änderung des
Hochschulrahmengesetzes (HRG) unter anderem Juniorprofessuren als neuen Weg
zur Professur etablieren. In Berufungsverfahren sollen künftig unter
Verzicht auf die Prüfungsleistung der Habilitation ausschließlich die für
eine Berufung erforderlichen wissenschaftlichen Leistungen bewertet werden.
Der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, Hartmut Schiedermair,
bezeichnete die vorgesehene Regelung als ein "De-facto-Habilitationsverbot³.
Die "Monopolstellung³ der Juniorprofessuren halte er für katastrophal und
zudem "extrem frauenfeindlich³. Juniorprofessuren könnten eingeführt werden,
aber im Wettbewerb mit anderen Modellen. "Lassen Sie doch die Betroffenen
entscheiden³, riet Schiedermair den Abgeordneten. Unterstützt wurde
Schiedermair dabei vom Generalsekretär des Stifterverbandes, Manfred
Erhardt. Der vorgesehene Paragraph sei "schädlich³ und eine "typische
Angstreaktion des Gesetzgebers³. Auch Erhardt sprach sich für
Juniorprofessuren aus, aber nicht unter der Bedingung der Abschaffung der
Habilitation. Für die Hochschulrektorenkonferenz sagte deren
stellvertretender Generalsekretär Joachim Weber, er sei überzeugt, daß sich
die Juniorprofessur auf Dauer den anderen Wegen überlegen zeigen werde.
Seiner Ansicht nach eröffnet das Gesetz eine Vielfalt von
Qualifikationswegen. Dies impliziere keine Abschaffung der Habilitation.
Die Vertreter der CDU/CSU-Fraktion sehen durch die Anhörung ihre "zentralen
Kritikpunkte³ an dem Gesetzentwurf bestätigt. so dürfe die Habilitation
nicht abgeschafft werden; die Grundbeträge für die neuen Besoldungsstufen W2
und W3 seien zu niedrig und nicht geeignet, qualifizierte Nachwuchskräfte zu
gewinnen; das Versorgungsniveau dürfe nicht dadurch abgesenkt werden, daß
nur die Zulagen der letzten fünf Dienstjahre berücksichtigt werde. Zudem sei
die Reform nicht ausreichend finanziert, sowohl was die Einführung der
Juniorprofssur als auch was die Zulagen anbetreffe.
Quelle: dpa Kulturpolitik, 1. Oktober 2001
Trauer um die Opfer
Verbesserte gesetzliche Regelung bei Zuwanderung gefordert
Der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat am 9. Oktober in
Paderborn seine Trauer um die Opfer der Terroranschläge vom 11. September in
den USA ausgedrückt. Die Hochschulen seien bestürzt, daß nach dem bisherigen
Stand der polizeilichen Ermittlungen Studierende bzw. Absolventen deutscher
Hochschulen in die Anschläge verwickelt seien. Die Hochschulen unterstützten
im Rahmen der gesetzlichen Regelungen strafprozessuale Ermittlungen zur
umfassenden Aufklärung der Anschläge und die entsprechenden vorbeugenden
sicherheitspolizeilichen Maßnahmen. Diese dürften indes nicht zu einer
Erschwerung des Ausländerstudiums und der Tätigkeit ausländischer
Wissenschaftler in Deutschland führen. Die Hochschulen seien aufgrund ihres
wissenschaftlichen Potentials prädestiniert, zu einer sachlichen und
differenzierten Diskussion über die nach den Terroranschlägen aufgeworfenen
Fragen beizutragen.
Das Gremium fordert, den vom Bundesminister des Innern im August vorgelegten
Entwurf eines Zuwanderungsgesetzes möglichst bald im Parlament zu beraten.
HRK-Präsident Professor Dr. Klaus Landfried erläuterte im Anschluß an die
Sitzung des Senats das große Interesse der Hochschulen an einer verbesserten
gesetzlichen Regelung: "In seinem Kernbereich wird das Gesetz die
Regelungen für ausländische Studierender im Interesse Deutschlands deutlich
verbessern: Eine Aufenthaltserlaubnis für die gesamte Regelstudienzeit wird
endlich möglich, den Studierenden würde es wesentlich erleichtert, während
des Studiums etwas Geld zu verdienen und nach dem Studium hätten die
Absolventen endlich einen zeitlichen Spielraum, um in Deutschland ihre
erworbene Qualifikation in einer Erwerbstätigkeit zu erproben.³
Quelle: HRK, 9. Oktober 2001
Rüge
BMBF kritisiert Ausschreibungen der Uni Göttingen
Die Universität Göttingen ist bei ihrer Ausschreibung von Juniorprofessuren
in die Kritik geraten. Nachdem kürzlich bereits Nachwuchswissenschaftler aus
dem Ausland die Vergabepraxis moniert hatten, hat sich nun auch das
Bundesforschungsministerium eingeschaltet. Es begrüßte zwar die Einführung
von 42 Stellen für Juniorprofessoren. Allerdings gebe es Hinweise auf
mangelnde Transparenz und eine Bevorzugung interner Bewerber bei den
Ausschreibungsverfahren. Das Ministerium hat wegen dieser Vorwürfe die
Kanzlerin der Universität um eine Stellungnahme gebeten. Die
Nachwuchswissenschaftler hatten in einem Brief dem Universitätspräsidenten
Horst Kern vorgeworfen, daß die Ausschreibungen nicht in internationalen
Zeitungen und mit viel zu kurzen Bewerbungsfristen veröffentlicht worden
seien. Außerdem seien sie so präzise gefaßt, daß man sich nicht des
Eindrucks erwehren könne, sie seien bestimmten Kandidaten auf den Leib
geschrieben. Dies müsse man wohl so interpretieren, daß eine Bewerbung auf
die Ausschreibung sinnlos sei, da die Stelle bereits intern vergeben wurde.
Das Bundesforschungsministerium weist darauf hin, daß eine Bevorzugung
interner Bewerber nicht in Betracht komme. Falls die Universität Göttingen
ihre Stellenausschreibungen nicht nachbessere, könne dies finanzielle
Konsequenzen haben. Der Bund fördert jede Juniorprofessur mit 150 000 DM.
Diese Förderung würde die Universität aufs Spiel setzen.
Quelle:Der Tagesspiegel, 17. Oktober 2001
"Brüske Ohrfeige³
Kein zusätzliches Geld von Finanzministern
Die Finanzminister der Länder wollen für Ausbau und Reform der Schulen und
Hochschulen kein zusätzliches Geld ausgeben. Vielmehr soll der ab 2005
einsetzende erhebliche Rückgang der Schülerzahlen für deutliche Einsparungen
in den Länder-Haushalten genutzt werden. Dies geht aus einem bislang nicht
veröffentlichten einstimmigen Beschluß der Finanzministerkonferenz der
Länder hervor. Darin widersprechen die Finanzminister der OECD-These, daß
die Industrienation Deutschland im internationalen Vergleich zu wenig
Studenten hat. Auslöser des Beschlusses ist eine Studie der Bildungsminister
von Bund und Ländern, in der auf die geringe Zahl der Nachwuchs-Akademiker
verwiesen und ein dramatischer Fachkräftemangel für die Wirtschaft
vorausgesagt wird. Zugleich wird in einer Denkschrift der
Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung (BLK) anhand von Zahlen
dargelegt, daß die öffentlichen Ausgaben für Bildung in Deutschland "nicht
mit der Entwicklung des wirtschaftlichen Wohlstandes Schritt gehalten
haben.³ Die Finanzminister halten dagegen, daß die Zahl der
Hochschulabsolventen "keine akzeptable internationale Vergleichszahl für den
Bildungserfolg³ einer Gesellschaft sei. Neben dem Studium würden in
Deutschland genügend junge Menschen durch eine Lehre für den Beruf
qualifiziert. "Ein konkreter finanzieller Mehrbedarf³ bei den
Bildungsausgaben lasse sich nicht begründen, folgern die Finanzminister.
Einige Kultusminister werten diesen Finanzministerbeschluß als "brüske
Ohrfeige³ und wollen über Konsequenzen beraten.
Quelle: dpa, 14. Oktober 2001
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