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><channel><title>Forschung &#38; Lehre</title> <atom:link href="http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2" rel="self" type="application/rss+xml" /><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress</link> <description>Alles was die Wissenschaft bewegt</description> <lastBuildDate>Wed, 25 Apr 2012 09:20:05 +0000</lastBuildDate> <generator>http://wordpress.org/?v=2.9.2</generator> <language>en</language> <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod> <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency> <item><title>Hochschulen sind keine Fertigungsstraßen</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10648</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10648#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:05:54 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Top Artikel]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10648</guid> <description><![CDATA[Die mit der Bologna-Reform eingeführten BA-MA-Studiengänge sorgen seit Jahren für Kritik. Welcher Voraussetzungen bedurfte es, dass ein solcher kompletter Systemwechsel überhaupt möglich wurde? Welche Illusionen wurden genährt und letztlich enttäuscht? Kritische Anmerkungen eines Hochschullehrers und Präsidenten, die auch das eigene Handeln miteinschließen.
Mein Zweifel an der Richtigkeit dessen, was wir mit dem Bologna-Prozess getan haben, nährt [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Die mit der Bologna-Reform eingeführten BA-MA-Studiengänge sorgen seit Jahren für Kritik. Welcher Voraussetzungen bedurfte es, dass ein solcher kompletter Systemwechsel überhaupt möglich wurde? Welche Illusionen wurden genährt und letztlich enttäuscht? Kritische Anmerkungen eines Hochschullehrers und Präsidenten, die auch das eigene Handeln miteinschließen.<span
id="more-10648"></span></em></p><p>Mein Zweifel an der Richtigkeit dessen, was wir mit dem Bologna-Prozess getan haben, nährt sich aus der Beobachtung von Differenzen, von Differenzen zwischen Handlungsintentionen vor und während des Bologna-Prozesses und den Handlungsfolgen.</p><p><strong>1. „Billig für Alle“</strong></p><p>Ich glaube erstens, dass das deutsche Hochschulsystem bereits vor 40 Jahren Opfer eines politischen Tricks geworden ist, den seine Insassen zu spät durchschaut haben, vielleicht auch deshalb, weil sie aus dem Verlauf der 1970er Jahre damit verwöhnt waren, dass das Hochschulsystem expandiert. Am Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts geschah dieses ein weiteres Mal mit dem Öffnungsbeschluss der Hochschulen mit dem Ziel „Bildung für alle“. Es stellte sich jedoch heraus, dass man diese Bildung für alle gar nicht bezahlen konnte oder wollte. Willkommen musste deshalb jede Lösung sein, die hieß, statt „Bildung für alle“ „Billig für alle“! Die erste Voraussetzung für den sechs-semestrigen Bachelor war geschaffen.</p><p><strong>2. Die Ehrabschneidung</strong></p><p>Dann hat es zweitens so etwas wie einen Mechanismus der Ehrabschneidung gegeben. Nachdem das deutsche Hochschulsystem unter der Massenlast ohne finanzielle Kompensation vor den Zusammenbruch geführt worden war, häufte sich die Kritik an seiner Qualität. Sie verband sich mit der Kritik an der politischen Orientierung von Studierenden, an der angeblichen Faulheit von Professoren, an der angeblich schlechten Lehre, für die es überhaupt keine validen Messungen gab und gibt, an der Studiendauer, deren Überziehung übrigens zu keinem Zeitpunkt Kosten verursacht hat, weil die Kapazitäten immer auf der Grundlage von Regelstudienzeiten berechnet wurden. Kurzum, das System wurde schlechtgeredet, für „im Kern verrottet“ erklärt, um es dann verbessern zu müssen. Faktisch wurde nicht das Wissensniveau, aber dasjenige intellektuelle durch die zeitliche Verkürzung dem Verfall preisgegeben und nach der gleichzeitigen Kürzung der Gymnasialzeit in der Hochschule gewissermaßen eine neue gymnasiale Oberstufe geschaffen, die statt mit dem Abitur mit einem BA endet. Das Abitur büßte einen Teil seines Wertes ein.</p><blockquote><p>»Das System wurde schlechtgeredet, um es dann verbessern zu müssen.«</p></blockquote><p><strong>3. Bessere Lebensqualität?</strong></p><p>Mit dem Öffnungsbeschluss für die Hochschulen wurde drittens die Aussicht auf eine bessere Lebensqualität eröffnet. Akademische Bildung sollte auch akademisches Einkommen für möglichst viele bedeuten. Heute wissen wir, etwa aus den Tarifverständigungen zwischen den Tarifpartnern des öffentlichen Bereichs, dass der Bachelor (BA) gar nicht als wissenschaftlicher Abschluss betrachtet wird. Der Staat akzeptiert Absolventen mit dem BA nicht für den höheren Dienst und belässt die ehemals staatlichen Studiengänge offenbar aus guten Gründen so wie sie sind in den traditionellen Abschlüssen, mit Ausnahme der Lehrerausbildung, die aber grundsätzlich mit dem Master (MA) enden muss.</p><p><strong>4. Mobilität?</strong></p><p>Die Intention viertens, innerhalb eines sogenannten europäischen Hochschulraums, für den der Vertrag von Maastricht ausdrücklich keine Legitimation geschaffen hatte, Mobilität zu sichern und formale Einheitlichkeiten abzuleiten, hat sich in das Gegenteil verkehrt. Statt der Mobilitätserleichterung kämpft die überschaubare Anzahl der Europamobilen mit Anerkennungsproblemen ihrer Leistungen, mit völlig differenten Studiengebühren und Studien-Wirklichkeiten, mit zu hohen Lebenshaltungskosten in den Ländern ihrer Wahl und mit Sprachproblemen. Das ist keine Folge von Bologna, hätte aber gelöst werden müssen, bevor man sich an die Bearbeitung von Formatproblemen gemacht hätte. Nebenbei: Mit einer konsequenten Internationalisierung im Sinne globaler Mobilität hat das alles ohnedies nichts zu tun. Mit schlafwandlerischer Sicherheit ist der europäische BA-MA-Prozess an den amerikanischen und asiatischen Vorbildern vorbei organisiert worden. Dort benötigt man regelhaft acht Semester für den Bachelor, und zwischen der High School und dem Universitätsstudium befindet sich ein eigener Einrichtungstyp für Undergraduates, das College.</p><p><strong>5. Studienerleichterung?</strong></p><p>Nicht selten ist fünftens für den Bologna-Prozess auch mit Argumenten der Studienerleichterung geworben worden. Und in der Tat war die Furcht vor den Abschlussprüfungen einer, einer (!) der Gründe für die Hinauszögerung des Hochschulabschlusses. Auf den ersten Blick erschien vielen von uns deshalb ein Credit-Point-System als eine angemessene Form. Schaut man sich indessen die Leistungserwartungen für ein paar lächerliche Credit-Points an und registriert man, dass z.B. in vielen BWL-Studiengängen zwischen 50 und 60 Einzelprüfungen während des Studiums anfallen, dann handelt es sich nicht um eine Erleichterung, sondern um eine Vervielfältigung von Prüfungsangst und bewusstlosem Auswendiglernen für die Klausuren, die nicht selten unter Einnahme von Ritalin und verwandten Psychopharmaka geschrieben werden. Ein Studiensystem, das man glaubt, erfolgreich nur durchstehen zu können, indem man Drogen nimmt, ist, entschuldigen Sie die harten Worte, eine Beihilfe zur Körperverletzung, das lässt sich auch durch das gesellschaftliche Interesse an gut ausgebildeten, innovationsstarken jungen Menschen nicht rechtfertigen.</p><blockquote><p>»Das neue System bringt keine Erleichterung, sondern vervielfältigt die Prüfungsangst.«</p></blockquote><p><strong>6. Zu alt, zu jung</strong></p><p>Sechstens: Diese jungen Menschen sind nämlich in der Tat sehr jung, wenn sie die Grundschule im fünften Lebensjahr aufnehmen und im neunten ins Gymnasium wechseln. Sie sind 17 Jahre alt, wenn sie die Hochschule betreten und 20, wenn sie sie verlassen. Es ist erbärmlich, dass dann ausgerechnet die Abnehmerorganisationen, die jahrzehntelang das zu hohe Lebensalter der Studienabsolventen beklagt haben, jetzt zur Erklärung ihrer fehlenden Bereitschaft, die jungen Menschen in adäquaten Positionen zu beschäftigen, auf ihr geringes Lebensalter verweisen. Erst werden sie als „Nutzer einer Wärmehalle“ (Helmut Kohl) diffamiert, um dann mit 20 Jahren im Regen zu stehen.</p><p><strong>7. Leerformel „Employability“</strong></p><p>Dabei war ja siebtens in den Hochglanzpapieren von ‚Employability‘ die Rede gewesen. Aber nicht einmal dieses scheint gegeben zu sein, von allgemeiner Menschenbildung ganz zu schweigen. Es ist auch nicht verwunderlich, weil die Kategorie der Beschäftigungsfähigkeit außer in Leerformeln auch nicht operationalisierbar ist. Die hilflosen Versuche, beispielsweise das Gerede von ‚Problemlösefähigkeit‘ oder ,Teamfähigkeit‘, führen überhaupt nicht weiter, weil gar keine Messoperation für diese Kompetenzen denkbar ist. Es ist das Leben, welches erweist, ob jemand in den allfälligen Drucksituationen des Berufs auf die Möglichkeit der Zusammenarbeit zurückgreift, und überhaupt zurückgreifen kann, denn das ist ja auch eine Funktion der Arbeitsbedingungen vor Ort.</p><blockquote><p>»Studierende sind grundsätzlich Erwachsene.«</p></blockquote><p><strong>8. Verschulung</strong></p><p>Achtens: Wir haben das Hochschulsystem einer kulturellen Transformation unterworfen, deren Folgen wir erst später zu spüren bekommen. Wenn kleine Kinder in die Grundschule kommen, ist davon die Rede, dass sie nun mit dem sogenannten Ernst des Lebens konfrontiert werden. In diesem Sinne stand die Zeit des Studiums unter der Überschrift des freien Studentenlebens als letzte Chance vor der Gefangenschaft von ökonomischen Reproduktionszwängen des Erwachsenen. Diese Phase ist abgeschafft worden. Es gibt, vielleicht außerhalb der drei ersten Lebensjahre, diese Freiheit nicht mehr. Wir alle wissen, dass unter dem Vorwand der Vereinheitlichungsnotwendigkeiten ein einzigartiger Verschulungsprozess stattgefunden hat, der im Wesentlichen durch die Adaptation des Akkreditierungsprinzips aus den USA verursacht worden ist, wo dieses eine ganz andere Funktion hat. Soll dort nämlich ein Studiengang durch die Akkreditierung eine Art Gütesiegel erhalten, vor dessen Hintergrund die Angemessenheit der hohen Studiengebühren für die Eltern einschätzbar wird, erfüllt das Akkreditierungssystem in Deutschland (keineswegs in allen anderen europäischen Ländern) die Funktion der staatlichen Aufsicht. Auch hier wieder eine Verkehrung der Intention: Das richtige Ziel, den Staat und seine dazu nicht ausgebildeten Beamten aus curricularen Fragen des Studiengangs herauszuhalten, hat dazu geführt, dass diese Aufsichtsfunktion nun Gutachter vornehmen, von denen erwartet wird, dass sie ihr Fach beherrschen und die auf einen langen Kriterienkatalog achten, der formal gedacht ist, sich aber inhaltlich auswirkt. Viele Male habe ich persönlich erleben müssen, dass Akkreditierungskommissionen sich vielleicht aus falsch verstandener Kollegialität darin verrannten, zusätzliche Professuren zu fordern, die sogenannte Workload – was für ein Unsinn, Studienqualität nach Arbeitszeit bemessen zu wollen – einzuschätzen und ein adäquates Qualitätsmanagementsystem zu fordern. Nicht selten legen die Agenturen noch eins drauf und verwandeln die Empfehlungen der Kommissionen in Auflagen.</p><p><strong>9. Qualitätssicherung?</strong></p><p>Neuntens: An dieser Stelle liegt die Geburtsstunde der Idee von „Qualitätssicherung und Entwicklung in der Lehre“. Dabei bleibt die Frage, ob Qualität und Management theoretisch nicht einander ausschließende Begrifflichkeiten sind, sicher ist jedenfalls, dass das universitäre Qualitätsmanagementpersonal auch dann, wenn es sich nicht so nennt, in die unangenehme Lage gebracht worden ist, die jeweiligen Fachvertreter mit formalen Erwartungen an ihre Modulbeschreibungen, Prüfungs- und Studienordnungen sowie mit ihrem jeweils eigenen Qualitätsmanagementsystem zu konfrontieren, was teilweise zu jahrelangem Pingpong zwischen der Verwaltung und den Fächern führt, zu wechselseitigen Verdächtigungen hinsichtlich der eventuellen intellektuellen Qualität oder der Verfassungstreue und eine Verschärfung der sozialen Kommunikation innerhalb der Hochschulen nach sich gezogen hat, deren Ende noch gar nicht absehbar ist. Denn wenn eine Akkreditierung misslingt, befürchten die Verwaltungsmitarbeiter zu Recht, dass ihnen daran die Schuld gegeben wird, und umgekehrt beschuldigt der wissenschaftliche Bereich die Administration, den Geist eines Universitätsstudiums zu zerstören.</p><p><strong>Die Wirklichkeit sehen</strong></p><p>Zeitliche und finanzielle Mittel für den Bologna-Prozess werden nur gerechtfertigt sein, wenn nicht Erfolge gefeiert werden, denn dafür gibt es keinen Grund, sondern das Delta geschlossen wird – zwischen auf der einen Seite tatsächlichen oder auch nur vorgeblichen Bologna-Intentionen und auf der anderen Seite ihrer Wirklichkeit und ihren Nebenfolgen. Das wird nur möglich sein, wenn wir eine Grundvoraussetzung gelten lassen, nämlich die Annahme, dass Studierende grundsätzlich Erwachsene sind und Lehrende nicht faul und unfähig und Administrateure keineswegs böswillig und kleinkariert. Nur dann kann eine Art Vertrauenskultur entstehen, innerhalb derer man das ganze Bologna-Gewese mit Gelassenheit, Liberalität und der Grundauffassung angeht, dass Hochschulen Bildungseinrichtungen und keine Fertigungsstraßen sind.</p><p><em>* Begrüßungsrede zur Tagung „Studierbarkeit sichern“ vom Verbund Norddeutscher Universitäten und nexus am 6. März 2012 in Hamburg; leicht gekürzt.</em></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10648</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Unparteilich, weil unparteiisch</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10629</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10629#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:04:25 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Titelthema]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10629</guid> <description><![CDATA[Wissenschaft muss ergebnisoffen und ungebunden sein. Sie darf von nichts und niemandem in Dienst gestellt werden. Ist ihre Unparteilichkeit bedroht, betrifft dies zugleich ihr Selbstverständnis. Grund genug, sich auch ohne aktuellen Skandalfall eines parteilichen Wissenschaftlers mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Vor wenigen Tagen hat mich eine Journalistin gefragt, ob ein besonderer Anlass für das Thema „Unparteiliche Wissenschaft“ [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Wissenschaft muss ergebnisoffen und ungebunden sein. Sie darf von nichts und niemandem in Dienst gestellt werden. Ist ihre Unparteilichkeit bedroht, betrifft dies zugleich ihr Selbstverständnis. Grund genug, sich auch ohne aktuellen Skandalfall eines parteilichen Wissenschaftlers mit dem Thema auseinanderzusetzen.<span
id="more-10629"></span></em></p><p>Vor wenigen Tagen hat mich eine Journalistin gefragt, ob ein besonderer Anlass für das Thema „Unparteiliche Wissenschaft“ bestünde. Ich habe ihr geantwortet: nein, es gibt keinen besonderen Anlass, es gibt keinen konkreten und aktuellen Skandalfall eines parteilichen Wissenschaftlers, und doch, so habe ich weiter geantwortet, bestünde aller Anlass, sich mit genau diesem Thema zu beschäftigen. Die Dame war viel zu professionell, um sich ihre Enttäuschung anmerken zu lassen.</p><p>Brisant ist das Thema. Wenn Wissenschaftler öffentlich über die Unparteilichkeit der Wissenschaft diskutieren, dann berühren sie die zentrale Frage ihrer Profession. Das ist etwa so, als würde ein frisch gewählter Bundespräsident über die Freigiebigkeit seiner Unternehmerfreunde oder die Presse über die Vorzüge von Zensur oder der Präsident von Hannover 96 über den Abstieg in die Zweite Liga räsonieren.</p><blockquote><p>»Es geht um nichts weniger als um das Selbstverständnis<br
/> und die Selbstbehauptung von Wissenschaft.«</p></blockquote><p>Es geht um nichts weniger als um das Selbstverständnis und um die Selbstbehauptung von Wissenschaft, um deren Herausforderung und Bedrohung, um ihre gesellschaftliche Rolle und Akzeptanz.</p><p>Aber vorher schiebt sich ein nicht nur semantisches Problem in den Weg. Müsste statt von „unparteilicher“ nicht eher von „unparteiischer“ Wissenschaft die Rede sein? Sollte Europas größter Wissenschaftlerorganisation bei der Wahl des Jahresthemas ein peinlicher sprachlicher Lapsus unterlaufen sein?</p><p>Natürlich nicht.</p><p>Das Präsidium des Verbandes, das auch für die sprachliche Gestaltung des Verbandstages verantwortlich zeichnet, hat sich – wie immer – etwas gedacht, und zwar: Das Wort „parteilich“ lässt sich als „von einer Partei herausgegeben“, „zu einer Partei gehörend“, deuten.</p><p>Genau in diesem Sinne haben die Funktionäre und Anhänger der SED damals das Wort benutzt. Da war viel die Rede von parteilicher Arbeit, von parteilicher Leistung, von parteilichem Fortschritt – damals. Heute käme wohl niemand, nicht einmal die Linkspartei, auf die Idee, das Hohe Lied von der Parteilichkeit anzustimmen.</p><p>Das Wort „parteiisch“ bezeichnet demgegenüber eine voreingenommene, nicht objektive, einseitige und befangene Einstellung. Sportreporter nennen den Fußballschiedsrichter gerne den Unparteiischen. Dass er zugleich der Unparteiliche ist, also keiner der beiden aufeinander treffenden Mannschaften angehört, versteht sich dabei von selbst.</p><p>Die richterliche Justiz muss unparteiisch sein. Dass der Richter nicht parteilich ist, also mit keiner der Prozessparteien verheiratet oder sonst verbandelt ist, wird dabei schon vorausgesetzt.</p><p>In einem recht allgemeinen Sinne wird man sagen können, dass Unparteilichkeit eine Voraussetzung für Unparteiischkeit ist. Wer parteilich ist, wird kaum unparteiisch sein können.</p><p>Daher ist das Thema des Hochschulverbandstages auch ein Statement. Wissenschaft steht nicht im Dienst irgendeiner Partei, keiner politischen Partei, keiner gesellschaftlichen Gruppe, weder im Dienst von Arbeitgebern, noch von Arbeitnehmern, nicht einmal im Dienst von Werten oder Idealen. Sie lässt sich von nichts und niemandem vereinnahmen, sie ist unparteilich, denn nur so kann sie unparteiisch sein.</p><p><strong>Missverständnis Politikberatung</strong></p><p>Wenn ein bedeutender Finanzwissenschaftler unserer Tage, der zu den Wirtschaftsweisen zählte und Namensgeber für eine Rente wurde, bevor er sich in die einträglichen Gefilde eines in Hannover ansässigen Finanzdienstleisters absetzte, unlängst in einer Zeitung schrieb, wissenschaftliche Politikberatung sei das Erarbeiten von „Handlungsempfehlungen &#8230; unter Beachtung der Zielvorstellungen“ des Adressaten, und wenn derselbe Finanzwissenschaftler dann weiter forderte, man müsse endlich auch dem Wissenschaftler in der Rolle eines „gebundenen Beraters“ die gebührende Wertschätzung entgegenbringen (Handelsblatt vom 3. Februar 2012, Bert Rürup, „Jenseits von falsch und richtig“), dann ist da, gelinde gesagt, etwas durcheinander geraten.</p><p>Nicht jede Politikberatung durch einen Wissenschaftler ist wissenschaftliche Politikberatung. Deren Kennzeichen wäre nämlich, dass sie gerade nicht „interessengeleitet“ oder „gebunden“ ist, sondern ergebnisoffen und ungebunden, verehrter Kollege Rürup.</p><p><strong>Missverständnis Drittmittel</strong></p><p>Aber es gibt noch mehr Missverständnisse. Zum Beispiel das weit verbreitete Missverständnis, die staatlichen Finanzzuweisungen an die Universitäten könnten folgenlos durch Drittmittel substituiert werden.</p><p>Tatsächlich hat sich die Relation von staatlichen Grundmitteln zu Drittmitteln in den letzten Jahren rasant in Richtung Drittmittel verschoben. 1995 kamen auf einen Euro staatliche Grundfinanzierung 50 Cent Drittmittel, im Jahr 2008 kamen auf denselben Euro schon 1 Euro 18 Cent Drittmittel.</p><p>Wie schön, freut sich da nicht nur der Wissenschaftsminister, sondern auch und vor allem der Finanzminister am Kabinettstisch. Drittmittel müssen aus seiner Sicht eine Art freiwillige Sonderabgabe sein, gewissermaßen ein Geschenk an die Finanzbehörden, die sonst nicht beschenkt, sondern immer nur beklaut werden.</p><p>Und der Wissenschaftsminister freut sich, weil Drittmittel Geld gewordene Anerkennung für die Wissenschaft im Bundesland und damit ja ein bisschen auch für den Wissenschaftsminister sind.</p><p>Und die Drittmittelgeber freuen sich. Denn sie können mit Drittmitteln mindestens auf die Prioritätenliste der Forschung Einfluss nehmen und nicht selten eine Rendite in Form von Erkenntnis, Produktinnovation und Unternehmensgewinn mitnehmen.</p><p>Und die Wissenschaftler freuen sich auch. Drittmittel sind für sie der private Rettungsschirm in der Dauerkrise der staatlichen Unterfinanzierung der Hochschulen. Ohne Drittmittel gäbe es in den ressourcenintensiven Natur- und Technikwissenschaften, aber nicht nur dort, schon lange keine universitäre Forschung mehr.</p><blockquote><p>»Die Drittmittel sind zur neuen Währung wissenschaftlicher Reputation geworden.«</p></blockquote><p>Die Drittmittel, über die sich alle freuen, sind zur neuen Währung wissenschaftlicher Reputation geworden. Hast Du Drittmittel, bist Du gut, hast Du keine, bist Du schlecht. In Zielvereinbarungen versprechen Professoren ihrer Hochschulleitung in einem bestimmten Zeitraum ein bestimmtes Drittmittelvolumen einzuwerben. Gelingt dies, gibt es mehr universitäres Ausstattungsgeld, misslingt die Drittmitteleinwerbung, gibt es nichts. Für die Hochschulleitung ist das Drittmittelvolumen schon jetzt ein zuverlässiger Gradmesser für wissenschaftlichen Erfolg.</p><p>Werden wir erleben, dass eines Tages auf den Teilnehmerlisten wissenschaftlicher Kongresse hinter den Namen der teilnehmenden Professoren jeweils in Klammern die Gesamtsumme eingeworbener Drittmittel in Euro und Cent angegeben wird?</p><p>Sie sehen schon: Bei mir will nicht nur rechte Freude aufkommen. Dabei bin ich mir bewusst, dass Drittmittel nicht gleich Drittmittel sind, dass Drittmittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft beispielsweise etwas anderes sind als Drittmittel von großen und größeren Wirtschafts- und Industrieunternehmen und dass die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit privaten Drittmittelgebern ein probates Mittel gegen die Weltferne von Elfenbeintürmen sein kann.</p><p><strong>Grundsätzliche Fragen</strong></p><p>Aber müssen wir in unserer Drittmitteleuphorie nicht alle miteinander innehalten und uns die Frage stellen, ob die Unparteilichkeit der Wissenschaft unter dem Drittmittelsegen nicht auch Schaden nehmen könnte? Müssen wir nicht auch fragen, ob eine privat finanzierte Wissenschaft in der Gesellschaft dieselbe Akzeptanz findet wie eine staatlich finanzierte? Dürfen wir annehmen, dass die Unparteilichkeit der Wissenschaft unter dem enorm gewachsenen Erwartungsdruck, dem jeder Wissenschaftler ausgesetzt ist, erhalten und bewahrt werden kann?</p><p>Diesen Fragen vorausgelagert sind noch viel grundsätzlichere Fragen: Ist nicht jede Erkenntnis, also auch die wissenschaftliche Erkenntnis von Wahrheit immer und notwendigerweise subjektiv, weil jede Erkenntnis ein erkennendes Subjekt voraussetzt? Sind wir nicht immer parteilich, weil wir in der eigenen Welterfahrung befangen sind? Ist es, wie Lenin behauptete, eine „törichte Naivität“, Unparteilichkeit der Wissenschaft zu erwarten? Ist unparteiliche Wissenschaft möglich?<br
/> Damit wäre das Feld der Philosophie betreten, auf das ich als einfacher Jurist nur zaghaft meine Füße setzen würde. Wir sind stolz, dass wir mit unserem Festredner einen Wissenschaftler unter uns haben, der sich auf diesem Feld mit schlafwandlerischer Sicherheit bewegt (s. den Beitrag von Volker Gerhardt auf S. 360 in Forschung &#038; Lehre 5/2012).</p><p><em>* Vortrag gehalten zur Eröffnung des 62. Verbandstags des Deutschen Hochschulverbands in Hannover am 19. März 2012.</em></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10629</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Rückkehr in die neue, alte Heimat</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10613</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10613#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:02:29 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Top Artikel]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10613</guid> <description><![CDATA[Mit Hilfe von Rückkehr-Förderprogrammen wie dem der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gelingt es Deutschlands Universitäten besser, auf dem internationalen Berufungsmarkt konkurrenzfähig zu sein. Jüngst wurden die von der Krupp-Stiftung geförderten Rückkehrer gefragt, wie zufrieden sie z.B. mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland und dem deutschen Hochschulstandort insgesamt sind.
52 deutsche Professorinnen und Professoren aus 13 [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Mit Hilfe von Rückkehr-Förderprogrammen wie dem der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gelingt es Deutschlands Universitäten besser, auf dem internationalen Berufungsmarkt konkurrenzfähig zu sein. Jüngst wurden die von der Krupp-Stiftung geförderten Rückkehrer gefragt, wie zufrieden sie z.B. mit den Arbeitsbedingungen in Deutschland und dem deutschen Hochschulstandort insgesamt sind.<span
id="more-10613"></span></em></p><p>52 deutsche Professorinnen und Professoren aus 13 Ländern sind im Rahmen des Förderprogramms „Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland“ an Universitäten in Deutschland zurückgekehrt. Ins Leben gerufen wurde dieses Programm im Jahr 2006 von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und der German Scholars Organization (GSO). Ziel des Programms war es, deutsche Hochschulen im internationalen Wettbewerb um Spitzenkräfte zu stärken. Um das zu erreichen, beschritt das Programm einen ebenso innovativen wie unbürokratischen Weg: Es setzte bei den Universitäten selbst an und stellte diesen zusätzliche, flexibel einsetzbare Mittel zur Verfügung. Bis zu 100.000 Euro pro Professur konnten die geförderten Hochschulen jeweils einsetzen, um dem gewünschten Kandidaten ein konkurrenzfähiges Berufungsangebot vorlegen zu können. Die Krupp-Stiftung investierte für das Programm einen Gesamtbetrag von 5,8 Millionen Euro.</p><p>Nach einer Programmlaufzeit von sechs Jahren zogen Krupp-Stiftung und GSO im Rahmen eines Rückkehrer-Symposiums am 23. April 2012 in Berlin nicht nur eine Bilanz ihrer Fördertätigkeit. Sie stellten auch die Ergebnisse der von der GSO im Februar 2012 durchgeführten Umfrage unter den 52 Krupp-Professorinnen und Professoren vor. Warum zieht es Forscher in die Ferne? Und warum wieder zurück? Wie erleben Rückkehrer das „Ankommen“ in der neuen, alten Heimat? Und wie beurteilen sie den Wissenschaftsstandort Deutschland, insbesondere vor dem Hintergrund ihrer internationalen Erfahrung? Mit diesen Fragen trat die GSO an die 52 Krupp-Professoren heran.</p><p><strong>Mobilitätsgründe</strong></p><p>Wie die Umfrageergebnisse zeigen, verließen die Forscher mehrheitlich Deutschland, weil sie es für einen notwendigen Bestandteil einer Wissenschaftskarriere hielten und weil ihnen im Ausland bessere Forschungsbedingungen geboten wurden. Zwei Drittel der Befragten geben zudem an, dass es für sie zum damaligen Zeitpunkt keine adäquate Position in Deutschland gab. So schreibt einer der Krupp-Professoren: „Die USA boten die Möglichkeit, mich als unabhängiger, eigenständiger Wissenschaftler selbst zu entwickeln und zu bewähren, auf einer Stelle mit potenziell langfristiger Perspektive.“ Dass es beim erfolgreichen „Abwerben“ deutscher Wissenschaftler manchmal auch auf den Faktor Zeit ankommt, zeigt eine weitere Bemerkung:</p><p>„Das Prozedere war sehr zügig: Von Bewerbung bis Angebot dauerte es nur knapp sechs Wochen! Diese Schnelligkeit des Berufungsverfahrens gibt den angelsächsischen Hochschulen einen eindeutigen Wettbewerbsvorteil, ohne dass sie auch nur einen Cent für diesen Vorteil investieren mussten.“ Ihren Auslandsaufenthalt bewerten alle Befragten im Rückblick für ihre Laufbahn als ausgesprochen förderlich. Fast jeder würde diesen Schritt wieder machen.</p><p><strong>Gründe für die Rückkehr</strong></p><p>Aufschlussreich waren auch die Angaben, warum es die geförderten Professoren wieder in die Heimat zog: Nur die wenigsten kehrten zurück, weil ihre Stelle auslief. Stattdessen hatten die Wissenschaftler echte Wahlfreiheit: In 86 Prozent aller Fälle gab es für sie neben dem Angebot ihrer jetzigen deutschen Hochschule ein Bleibeangebot im Ausland oder andere Rufe. Zwar spielten in rund der Hälfte aller Fälle auch familiäre Gründe eine Rolle für die Rückkehr nach Deutschland. Doch immerhin 67 Prozent der Wissenschaftler geben an, dass sie sich nicht primär für oder gegen ein bestimmtes Land entschieden haben, sondern aus verschiedenen Optionen diejenige wählten, die ihnen die besten Arbeitsbedingungen bot. Eine Zahl, die deutlich zeigt, dass sich exzellente Wissenschaftler inzwischen ganz selbstverständlich auf einem internationalen Arbeitsmarkt bewegen – und dass deutsche Universitäten gefordert sind, sich aktiv um diese Kandidaten zu bemühen und ihnen ein wettbewerbsfähiges Angebot vorzulegen.</p><blockquote><p>»86 Prozent aller Professoren hatten neben dem Angebot<br
/> ihrer jetzigen deutschen Hochschule ein Bleibeangebot im Ausland oder andere Rufe.«</p></blockquote><p>Die GSO-Umfrage liefert vor diesem Hintergrund wichtige Hinweise darauf, welche Faktoren und Strategien Universitäten bei der Gewinnung von Spitzenforschern erfolgreich machen. Zum einen gilt es, das Potenzial der jeweiligen Kollegen als „recruiting agents“ systematischer zu nutzen. Denn in den Fällen, in denen die Krupp-Professoren aktiv von ihrer jetzigen deutschen Universität angeworben wurden, waren es zu fast 90 Prozent die Kollegen – und nicht etwa die Hochschulleitung – von denen die Ansprache ausging. Zum anderen ist in der Phase der Berufungsverhandlungen finanzielle Flexibilität entscheidend, wie sie durch die finanziellen Mittel der Krupp-Stiftung gewährleistet werden konnte. So geben zwei Drittel der Befragten an, dass das Krupp-GSO-Förderprogramm eine sehr wichtige oder sogar entscheidende Rolle bei der Rufannahme spielte. Einer der Rückkehrer erläutert: „Ohne die Krupp-Förderung hätte ich nicht mein Lieblingsprojekt in Deutschland beginnen, keine PhD-Studentin einstellen und nicht mit Max-Planck-Kollegen für zwei Jahre eine interdisziplinäre, erfolgreiche Arbeit beginnen können. Im Nachhinein war dies ein entscheidender Impuls.“ Die mit 85 Prozent überdurchschnittlich hohe Rufannahmequote, die im Rahmen des Förderprogramms ermittelt wurde, belegt dies.</p><p><strong>Die Bedeutung der „weichen“ Faktoren</strong></p><p>Nicht zu unterschätzen sind jedoch auch die vermeintlich weicheren Faktoren. Zahlreiche Rückkehrer betonen in ihren Antworten und in vertiefenden Interviews, wie wichtig ihnen die Wertschätzung ihrer Arbeit und ihrer Auslandserfahrung gewesen sei, die durch die zusätzliche Förderung zum Ausdruck gebracht wurde. Für viele stellte sie in einem langwierigen Verhandlungsprozess, in dem mancher sich gar als Bittsteller fühlte, ein entscheidendes Signal des Entgegenkommens durch die Universität dar.</p><p>Noch deutlicher werden die Befragten, wenn es um das Thema „Dual career“ geht. Knapp 40 Prozent bewerten die Unterstützungsangebote für ihren jeweiligen Partner, die man ihnen an ihrer deutschen Universität unterbreitete, nur mit den Noten „ausreichend“ oder „mangelhaft“. Auf einer Fünfer-Skala wird insgesamt nur der Durchschnittswert 3,5 erreicht. Gerade bei diesem Thema scheint die Erwartungshaltung – basierend auf positiven Erfahrungen meist in den USA – besonders weit von dem entfernt zu sein, was deutsche Universitäten (bislang) bieten können. „Dual career ist faktisch nur ein Stichwort, das die Universitäten kennen. In meinem Fall hat es gar nichts bewirkt“, kritisiert ein Rückkehrer. Ganz ähnlich sieht dies auch ein weiterer Befragter: „Obwohl es im Internet eine „Dual career couples“-Sektion gibt, besteht diese faktisch nicht, und mir wurde nur allgemeine Unterstützung bei der Jobsuche meiner Frau angeboten.“ Und manch einer muss sich von seiner Universität gar getäuscht fühlen: „Die Zusage der Hilfe für den Partner wurde nicht eingehalten, Nachfragen schlichtweg ignoriert.“ Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass Universitäten, die auf diesem Gebiet bereits professionell agieren, einen wichtigen Wettbewerbsvorteil ausspielen können.</p><p>Alle anderen Aspekte des Berufungsverfahrens werden von den Rückkehrern nicht ganz so negativ eingeschätzt, erhalten jedoch bestenfalls mittelmäßige Noten: Die Schnelligkeit des Verfahrens wird auf einer Fünfer-Skala im Mittelwert mit einer 2,8 bewertet, die Transparenz und Professionalität der Prozesse mit einer 2,6. Einige geben explizit an, dass ihr Verfahren mehrere Jahre gedauert habe.</p><blockquote><p>»Den höchsten Reformbedarf sehen die Krupp-Professoren<br
/> bei den Verwaltungsstrukturen und -abläufen.«</p></blockquote><p>Blickt man nun auf die Phase des Ankommens am neuen Arbeitsplatz und in der neuen, alten Heimat, so scheinen die Rückkehrer weitgehend auf sich alleine gestellt zu sein. Nur ein Viertel der Befragten gibt der Unterstützung bei Wohnungssuche, Umzug und Behördengängen die Note „sehr gut“ oder „gut“ – der Mittelwert liegt hier nur bei 3,5. Auch auf Einarbeitungshilfen wie z.B. Leitfäden oder Einführungsgespräche mussten die Rückkehrer weitgehend verzichten. Die Möglichkeit, direkt mit der eigentlichen Forschungsarbeit beginnen zu können, wird von 45 Prozent der Befragten nur als „ausreichend“ oder „mangelhaft“ eingeschätzt (Mittelwert 3,1). „Ich stand vor leeren Laboren und noch zu räumenden Laboren und musste diese zuerst renovieren und neu aufbauen“, beklagt etwa einer der Befragten. Noch deutlicher wird ein anderer Rückkehrer: „Unsere Uni-Verwaltung scheint sich auch weiterhin vor allem darin zu gefallen, Dinge maximal zu verkomplizieren und Probleme zu erzeugen, statt nach gemeinsamen Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Das war in den USA eindeutig anders.“ Auch hier gibt es für Deutschlands Universitäten also noch Nachholbedarf. So regt ein Rückkehrer ganz konkret die Einführung eines Mentoren-Systems an, bei dem neue Professoren von erfahrenen Professoren gecoacht und bei der Eingewöhnung unterstützt würden.</p><p><strong>Arbeitsbedingungen in Deutschland</strong></p><p>Umso erfreulicher sind vor diesem Hintergrund die Antworten auf die Frage, wie die Rückkehrer ihre jetzige Position im Hinblick auf die beiden Punkte Forschungsbedingungen im Allgemeinen und Gestaltungsmöglichkeiten bewerten. 90 bzw. 75 Prozent der Krupp-Professoren zeigen sich mit diesen Aspekten „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. So schreibt einer der Rückkehrer: „Ich bin – trotz einiger verbesserungswürdiger Punkte – sehr glücklich, wieder in Deutschland mit seiner großartigen Forschungslandschaft zu sein.“ Fragt man konkreter, so zeigt sich jedoch an einigen Punkten durchaus wieder größerer Unmut. Die beiden Aspekte Belastung durch Verwaltungstätigkeiten und Höhe der Besoldung erreichen auf der 5-stufigen Unzufriedenheitsskala mit einem Mittelwert von 3,5 jeweils die schlechtesten Werte, dicht gefolgt vom Lehrdeputat (Mittelwert 3,3). Es überrascht, dass zudem auch die Zufriedenheitswerte mit der Internationalität der Hochschule und der Qualität der Studierenden nur im Mittelfeld rangieren (3,0 bzw. 2,8). Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreicht nur den Wert von 2,7.</p><p><strong>Hochschulstandort Deutschland</strong></p><p>Diese Einschätzung der eigenen Hochschule findet sich auch wieder in der Bewertung des Hochschulstandorts Deutschland im Allgemeinen, dem sich der letzte Teil der Umfrage widmete. Gefragt wurde hier nach dem Reformbedarf an Deutschlands Universitäten – vor dem Hintergrund der jeweils eigenen internationalen Erfahrung. Auf der Skala konnte in fünf Stufen zwischen „keinem Reformbedarf“ (1) und „Sehr hohem Reformbedarf“ (5) differenziert werden. Den höchsten Reformbedarf sehen die Krupp-Professoren bei den Verwaltungsstrukturen und -abläufen. Knapp 70 Prozent schätzen diesen als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein (Mittelwert 3,9). Für ebenso wichtig halten die Befragten eine Reform der Wege zur Professur (Stichwort: „Tenure Track“). Auch dieser Punkt erreicht den recht hohen Wert von 3,9. Weit oben auf der Wunschliste der Reformen stehen zudem die Themen Lehrdeputat, Besoldungssystem und Berufungsprozesse. Zusammenfassend schreibt einer der Wissenschaftler: „Die Lehr- und Verwaltungsbelastung der Professoren in Deutschland ist erheblich und im internationalen Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Gekoppelt mit einer niedrigen Bezahlung, die nur über Verhandlungen nach Erhalt eines Rufes aufgebessert werden kann, sind das keine rosigen Bedingungen. Dass in Deutschland trotzdem eine so hochkarätige Forschungslandschaft existiert, lässt sich vor allem mit dem unglaublichen Engagement der Wissenschaftler erklären.“</p><p>Im globalen Wettbewerb um die besten Köpfe kann Deutschland sich derartige Standortnachteile nicht leisten. Deshalb bleiben Initiativen wie die der Krupp-Stiftung und der GSO notwendig. Es wäre sehr wünschenswert, wenn nach dem Erfolg des privat finanzierten Rückkehrerprogramms nun öffentliche Mittel bereitgestellt würden, um dieses für den Wissenschaftsstandort Deutschland so wertvolle Programm zu verstetigen. In jedem Fall wird die GSO sich auch in Zukunft nicht nur für die Rückgewinnung von Spitzenwissenschaftlern engagieren, sondern auch dafür einsetzen, dass die Stimme der Rückkehrer in der deutschen Reformdebatte Gehör findet. Als Grenzgänger zwischen den Systemen können diese fundiert Vergleiche ziehen, „best practices“ vermitteln und zugleich das Bewahrenswerte benennen. So kann aus der Rückkehr von einigen Fortschritt für viele entstehen.</p><div
id="attachment_10624" class="wp-caption alignleft" style="width: 660px"><img
src="http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/Jung_Grafik.gif" alt="Quelle: GSO © TEMPUS CORPORATE GmbH/Alex Ketzer" title="Quelle: GSO © TEMPUS CORPORATE GmbH/Alex Ketzer" width="650" height="867" class="size-full wp-image-10624" /><p
class="wp-caption-text">Quelle: GSO © TEMPUS CORPORATE GmbH/Alex Ketzer</p></div> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10613</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Der »Hamsterrad«-Effekt</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10641</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10641#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:02:22 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Titelthema]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10641</guid> <description><![CDATA[Die veränderte Hochschulfinanzierung, in der der Anteil der staatlich erbrachten Grundmittel immer geringer und die Bedeutung der Drittmittel immer größer wird, hat Konsequenzen für die wissenschaftliche Arbeit an den Hochschulen. Ist durch den Wettlauf um Drittmittel das Ideal einer unparteilichen Wissenschaft in Gefahr?
Im Sommer des letzten Jahres nutzte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt, den [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Die veränderte Hochschulfinanzierung, in der der Anteil der staatlich erbrachten Grundmittel immer geringer und die Bedeutung der Drittmittel immer größer wird, hat Konsequenzen für die wissenschaftliche Arbeit an den Hochschulen. Ist durch den Wettlauf um Drittmittel das Ideal einer unparteilichen Wissenschaft in Gefahr?<span
id="more-10641"></span></em></p><p>Im Sommer des letzten Jahres nutzte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Marquardt, den Bericht zu „aktuellen Tendenzen im Wissenschaftssystem“ dazu, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die der Wissenschaft durch die veränderte Hochschulfinanzierung drohen. Die Forschung an den deutschen Hochschulen, d.h. in erster Linie an den Universitäten, gerate in eine immer größer werdende Abhängigkeit von externen Geldgebern. Nun war es auch früher nicht so, dass es in der Wissenschaft nur um die reine Wahrheit ging und um nichts anderes. Es gab auch in den vergangenen Jahrzehnten die direkt in den Unternehmen stattfindende sowie die von Unternehmen finanzierte anwendungsorientierte Forschung an den Hochschulen, die selbstverständlich von wirtschaftlichen Interessen bestimmt war. Außerdem machten gesamtgesellschaftliche Interessenkonflikte (wie etwa die um die Kernenergie oder die Deregulierung der Finanzmärkte) vor den Toren der Universitäten ebenfalls nicht halt. Insofern war die Unparteilichkeit der Wissenschaft immer eher ein Ideal als die Wirklichkeit.</p><p><strong>Das magische Wort „Drittmittel“</strong></p><p>Dennoch hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten unter dem Primat der Deregulierung und Ökonomisierung öffentlicher Aufgaben und Einrichtungen ein Wandel ereignet, der für die Zukunft vor allem der universitären Forschung gravierende Konsequenzen haben dürfte. Die entscheidenden Charakteristika dieses Wandels sind zum einen die Verschiebung der Hochschulfinanzierung weg von den staatlich erbrachten Grundmitteln zu den Drittmitteln, zum anderen die zunehmende Orientierung der Grundmittelvergabe an sogenannten Leistungsindikatoren, unter denen die Drittmittel stets einen der wichtigsten darstellen. Was den ersten Punkt betrifft, so weist Marquardt zu Recht darauf hin, dass zwischen 1995 und 2008 die Grundmittel nur um sechs Prozent gestiegen sind, die Drittmittel sich demgegenüber mehr als verdoppelt haben. Dadurch sind die Drittmittel von elf auf fast 20 Prozent des Budgets angewachsen. In den Jahren nach 2008 hat sich dieser Trend weiter verstärkt. Allein in 2009 wurden die Drittmitteleinnahmen nochmals um fast zehn Prozent gesteigert, die Grundmittel gerade mal um gut zwei Prozent. Mittlerweile dürfte der Anteil der Drittmittel die 20 Prozent Marke deutlich überschritten haben. Bei den universitären Forschungsausgaben dürfte sich das Verhältnis sogar umgekehrt haben, der Anteil der Drittmittel seit 1995 von einem auf zwei Drittel gestiegen sein. Gleichzeitig hat sich die sogenannte leistungsorientierte Mittelverteilung durchgesetzt. Je nach Bundesland wird ein (mehr oder minder großer) Teil der Hochschulgelder anhand von ein paar zentralen Kriterien vergeben. Zu ihnen gehört immer der Umfang der Drittmittel, der allein bis zu 40 Prozent der Bewertung ausmacht.</p><blockquote><p>»Jede Hochschule muss, will sie nicht Kürzungen riskieren, die Drittmitteleinwerbung steigern.«</p></blockquote><p><strong>Der Wettlauf um die Gelder</strong></p><p>Diese durchgreifende Veränderung hat Konsequenzen für die wissenschaftliche Arbeit an den Hochschulen, und das gleich auf mehreren Ebenen. Am gravierendsten dürften dabei der „Hamsterrad“-Effekt und die Auswirkungen auf die Einstellung des wissenschaftlichen Nachwuchses zur Forschung sein. Das Hamsterrad funktioniert so: die Grundmittel steigen real kaum noch, obwohl die Anforderungen durch die massiv wachsenden Studierendenzahlen erheblich zunehmen. Der Wettlauf um die Gelder des jeweiligen Bundeslandes wird allein dadurch schon intensiver. Dann greifen die Leistungskriterien. Deshalb muss jede Hochschule, will sie nicht Kürzungen riskieren, die Drittmitteleinwerbung steigern. Da alle das wissen und dementsprechend handeln, führt es zu dem (bei den Kassenärzten von früher her bekannten) Effekt, dass alle die entsprechenden Kennziffern immer umfangreicher und schneller erfüllen. Das bedeutet in der Konsequenz, dass selbst eine Steigerung bei den Drittmitteln (und den anderen Leistungsindikatoren) mit einer Senkung der Grundmittel Hand in Hand gehen kann. Das haben manche Hochschulen (selbst ausgesprochen erfolgreiche wie die TU Berlin) in den letzten Jahren schmerzlich erfahren müssen. Letztlich bedeutet das: die Einwerbung von Drittmitteln wird immer mehr zur zwingenden Notwendigkeit, will man überhaupt noch Forschung betreiben. Drittmittel sorgen nicht dafür, dass man zusätzliches Geld für die Forschung ausgeben kann, wie das früher einmal der Fall war, sie werden mehr und mehr zur Grundbedingung für Forschung überhaupt. Unter diesen Bedingungen muss sich jeder Wissenschaftler sehr überlegen, was er wo beantragt. Riskante Forschungsvorhaben, deren Förderung fraglich ist, werden noch stärker als zuvor schon gemieden, solche, die sich im Mainstream bewegen, noch stärker bevorzugt. Außerdem wächst die Neigung, den Vorgaben oder Wünschen der potenziellen Geldgeber entgegen zu kommen.</p><p><strong>Konsequenzen für die Berufungspraxis</strong></p><p>Der Einfluss, den diese Entwicklung auf das Denken und Handeln des wissenschaftlichen Nachwuchses ausübt, ist dauerhaft vielleicht noch bedenklicher. Junge Wissenschaftler lernen heute eines sehr schnell: die Bedeutung von Drittmitteln. Sie bekommen mit, dass die Verteilung der Gelder auf Hochschul-, Fachbereichs- oder sogar Institutsebene immer häufiger von denselben Indikatoren bestimmt wird, die für die leistungsorientierte Mittelvergabe auf Landesebene ausschlaggebend sind. Je mehr Drittmittel eine Einheit einwirbt, mit umso mehr Grundmitteln darf sie rechnen. Das hat auch Konsequenzen für die Berufungspraxis. Mitarbeiter, die in Berufungskommissionen sitzen, merken das mittlerweile fast regelmäßig. Bewerber und Bewerberinnen versuchen zu punkten, indem sie angeben, wie viele Drittmittel sie im Falle ihrer Berufung mitbringen würden. Sie machen das, weil sich herumgesprochen hat, dass die mitgebrachten Drittmittel immer häufiger ein zentrales Element der Berufungsentscheidung darstellen. Für Nachwuchswissenschaftler ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung. Wollen sie eine Chance im Rennen um die begehrten Professuren haben, müssen sie möglichst viele Drittmittel akquirieren. Das beinhaltet die Gefahr, dass nicht mehr die eigenen Forschungsinteressen maßgeblich sind für die wissenschaftliche Arbeit, sondern die Aussicht auf Drittmittel. Risikofreude und Unabhängigkeit werden dadurch sicherlich nicht gefördert. Die geschilderten Effekte sind in ihrer Wirkung auf die wissenschaftliche Forschung an den Hochschulen, besonders an den Universitäten, eindeutig. Innovative Forschungsprojekte werden immer schwerer durchzusetzen sein. Das dürfte die Qualität der Wissenschaft hierzulande auf Dauer spürbar negativ beeinflussen.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10641</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Dampf und Druck</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10662</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10662#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:01:52 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Kommentar]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10662</guid> <description><![CDATA[Beim Dauerthema wissenschaftlicher Nachwuchs ist viel Dampf im Kessel. Die Karrierechancen in der Wissenschaft waren – allerdings gemessen am Karriereziel Professur und  statistisch – schon in den 90ern – nicht übermäßig attraktiv: Von drei Privatdozenten erlangte nur einer die Universitätsprofessur; auf jede Professur bewerben sich heute durchschnittlich 35 Wissenschaftler. Aber Exzellenzinitiative und Hochschulpakte haben [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Beim Dauerthema wissenschaftlicher Nachwuchs ist viel Dampf im Kessel. Die Karrierechancen in der Wissenschaft waren – allerdings gemessen am Karriereziel Professur und  statistisch – schon in den 90ern – nicht übermäßig attraktiv: Von drei Privatdozenten erlangte nur einer die Universitätsprofessur; auf jede Professur bewerben sich heute durchschnittlich 35 Wissenschaftler. Aber Exzellenzinitiative und Hochschulpakte haben Tausende von zusätzlichen Nachwuchswissenschaftlern in das System gepumpt, ohne das Auslassventil „Professur“ zu öffnen. Zwischen 1995 und 2010 hat sich die Gesamtzahl der Universitätsprofessuren schlichtweg nicht erhöht; zwischen 2000 und 2010 um schlappe vier Prozent.</p><p>In dieser Lage fordert die Union eine neue Personalkategorie, die dem Associate Professor nachgebildet ist. Das ist ein Vorschlag, der insbesondere in der Philosophischen Fakultät viele Anhänger finden wird. Die Adressaten dieser Vorschläge, die Länder, stehen aber weiterhin im begründeten Generalverdacht, billige Lehrknechte ohne Qualifikationsmöglichkeiten in der Forschung etablieren zu wollen. Das will richtigerweise die CDU/CSU-Bundestagsfraktion gerade nicht. Sie distanziert sich von der Lehrprofessur. Aber warum Associate Professuren mit Ausstattung und auf W3-Basis und nicht gleich (mehr) W3-Universitätsprofessuren?</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10662</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Verhandlungsstrategie: Bottom-up oder Top-down?</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10665</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10665#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:01:50 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[FAQ Karriere]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10665</guid> <description><![CDATA[Mit dem Erhalt eines Rufschreibens werden die Berufenen zugleich häufig aufgefordert, zur Vorbereitung der Berufungsverhandlungen mit der Hochschulleitung Vorgespräche auf Fachbereichs- respektive Institutsebene zu führen. Dies hat den Sinn, unter Berücksichtigung der Informationen durch die Fachebene ein möglichst passgenaues, zielorientiertes Konzeptionspapier für die Verhandlungsgespräche zu erstellen. Hinzu kommt, dass regelmäßig zumindest der Dekan bei den [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem Erhalt eines Rufschreibens werden die Berufenen zugleich häufig aufgefordert, zur Vorbereitung der Berufungsverhandlungen mit der Hochschulleitung Vorgespräche auf Fachbereichs- respektive Institutsebene zu führen. Dies hat den Sinn, unter Berücksichtigung der Informationen durch die Fachebene ein möglichst passgenaues, zielorientiertes Konzeptionspapier für die Verhandlungsgespräche zu erstellen. Hinzu kommt, dass regelmäßig zumindest der Dekan bei den späteren Berufungsverhandlungen vor Ort zugegen sein wird. Daher ist es wichtig, dass der Dekan den Berufenen persönlich, als auch seine in einem etwaigen Konzeptionspapier geäußerten Vorstellungen kennt. In einem solchen Fall ist also eine Verhandlung nach dem Bottom-up-Prinzip vorgezeichnet.</p><p>Aber auch dann, wenn mit der Ruferteilung das weitere Vorgehen im Verhandlungsprozess nicht vorab skizziert wird, bietet es sich regelmäßig an, vor Ort das persönliche Gespräch auf dezentraler Ebene zu suchen und sich zunächst über die speziellen Gegebenheiten am Hochschulstandort zu informieren. Nach einer solchen Vorbereitung können dann die Verhandlungen mit der Hochschulleitung über die Ausstattung der Professur effizient geführt werden. Zudem sollte der Berufene mit den Fachvertretern über die Aufgaben, die mit der Wahrnehmung der Professur in den Bereichen von Forschung, Lehre, Selbstverwaltung, Nachwuchsförderung und Weiterbildung einhergehen, sprechen. Verhandlungstaktik nach dem Bottom-up-Prinzip ist nach alledem erfahrungsgemäß zumindest vorteilhaft, meist sogar erforderlich, weil nur auf diese Weise die an dem Verhandlungsprozess beteiligten Kollegen und Entscheidungsträger frühzeitig und erfolgreich eingebunden werden können. Dies ist aber notwendig, um möglichst umfassende Unterstützung im Verhandlungsprozess zu erfahren.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10665</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Müssen Beamte sich privat krankenversichern?</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10669</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10669#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:01:47 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[FAQ Recht]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10669</guid> <description><![CDATA[Beamte sind nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Stattdessen sind sie in ein eigenständiges Krankenfürsorgesystem (beamtenrechtliche Beihilfe) einbezogen, das sich nach der Bundes- bzw. der jeweiligen Landesbeihilfeverordnung richtet. Eine etwa zuvor bestehende Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung endet daher mit der Berufung in das Beamtenverhältnis. Die privaten Krankenversicherungsunternehmen bieten ein speziell auf den jeweiligen landesrechtlichen [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p>Beamte sind nicht versicherungspflichtig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Stattdessen sind sie in ein eigenständiges Krankenfürsorgesystem (beamtenrechtliche Beihilfe) einbezogen, das sich nach der Bundes- bzw. der jeweiligen Landesbeihilfeverordnung richtet. Eine etwa zuvor bestehende Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung endet daher mit der Berufung in das Beamtenverhältnis. Die privaten Krankenversicherungsunternehmen bieten ein speziell auf den jeweiligen landesrechtlichen Beihilfenbemessungssatz abgestimmtes Ergänzungstarifsystem an.</p><p>War der Beamte bis zur Berufung in das Beamtenverhältnis Pflicht- oder freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung, kann er sich aber auch dafür entscheiden, die bisherige gesetzliche Versicherung als freiwillige Weiterversicherung fortzuführen. Allerdings ist in der gesetzlichen Krankenversicherung keine beihilfenkonforme Versicherung möglich. Die Versicherungsbeiträge sind vom Versicherten selbst in voller Höhe zu tragen, abhängig vom jeweiligen Beitragssatz der Krankenkasse. Entscheidet sich der Beamte für einen Austritt aus der gesetzlichen Krankenversicherung, um einer privaten Versicherung beizutreten, ist zu beachten, dass während der Verbeamtung eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nicht möglich ist. Ferner ist zu bedenken, dass bei der Beendigung des Beamtenverhältnisses – z.B. eines Beamtenverhältnisses auf Zeit – eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nur unter bestimmten Voraussetzungen in Betracht kommt, etwa wenn ein Arbeitsverhältnis aufgenommen wird, das mit einem Jahresarbeitsentgelt unterhalb der sog. Pflichtversicherungsgrenze vergütet ist. Ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung nach Beendigung des Beamtenverhältnisses ausgeschlossen, muss die private Krankenversicherung aufrechterhalten und auf eine beihilfeunabhängige Vollversicherung umgestellt werden.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10669</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Professor Dr.-Ing. Gisela Lanza</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10674</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10674#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:01:44 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Zu Ende gedacht]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10674</guid> <description><![CDATA[Ich beginne meinen Tag …
mit einer Tasse Kaffee.
Meine besten Einfälle habe ich …
in der Diskussion mit meinem Team.
Wenn ich einen Rat brauche, …
rede ich mit möglichst vielen Vertrauten.
Am meisten ärgere ich mich &#8230;
über „Nichtwollen“. Das ist viel schlimmer als das „Nichtkönnen“.
Das nächste Buch, das ich lesen will, &#8230;
liegt seit Monaten auf meinem Schreibtisch.
Wenn ich das [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<div
id="attachment_10676" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><img
src="http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/wp-content/uploads/2012/04/lanza.jpg" alt="Professor Dr.-Ing. Gisela Lanza" title="Professor Dr.-Ing. Gisela Lanza" width="300" height="260" class="size-full wp-image-10676" /><p
class="wp-caption-text">Professor Dr.-Ing. Gisela Lanza</p></div><p><strong>Ich beginne meinen Tag …</strong><br
/> mit einer Tasse Kaffee.</p><p><strong>Meine besten Einfälle habe ich …</strong><br
/> in der Diskussion mit meinem Team.</p><p><strong>Wenn ich einen Rat brauche, …</strong><br
/> rede ich mit möglichst vielen Vertrauten.</p><p><strong>Am meisten ärgere ich mich &#8230;</strong><br
/> über „Nichtwollen“. Das ist viel schlimmer als das „Nichtkönnen“.</p><p><strong>Das nächste Buch, das ich lesen will, &#8230;</strong><br
/> liegt seit Monaten auf meinem Schreibtisch.</p><p><strong>Wenn ich das Fernsehen anschalte, …</strong><br
/> dann muss es etwas Lustiges sein.</p><p><strong>Energie tanke ich …</strong><br
/> im Urlaub mit meiner Familie.</p><p><strong>Wenn ich mehr Zeit hätte, …</strong><br
/> würde ich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen – jedenfalls theoretisch – praktisch würde ich einfach mehr arbeiten.</p><p><strong>Mit einer unverhofften Million würde ich &#8230;</strong><br
/> ein Unternehmen gründen.</p><p><strong>Ich frage mich manchmal, &#8230;</strong><br
/> ob ich noch richtig ticke.<br
/> <strong><br
/> Die Wahrheit zu finden &#8230;</strong><br
/> klingt gut!</p><p><strong>Das Bewusstsein von der eigenen Vergänglichkeit &#8230;</strong><br
/> verdränge ich meist erfolgreich.</p><p><strong>Kreativität entsteht &#8230;</strong><br
/> in einem offenen Klima.</p><p><strong>Freude an meinem Beruf &#8230;</strong><br
/> treibt mich jeden Tag an.</p><p><strong>Die Zeit meines Studiums &#8230;</strong><br
/> war Freiheit pur!</p><p><strong>Wissenschaftler sind Menschen, &#8230;</strong><br
/> die der Sache auf den Grund gehen wollen.</p><p><strong>Wenn ich Wissenschaftsministerin wäre, …</strong><br
/> dann würde ich versuchen, mehr Technikbegeisterung in die Schulen zu bringen.</p><p><strong>Der Fortschritt von Wissenschaft und Technik&#8230;</strong><br
/> schafft die Arbeitsplätze von morgen!</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10674</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Angeklagter, Opfer oder Experte</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10683</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10683#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:01:41 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Karriere-Praxis]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10683</guid> <description><![CDATA[Worauf muss man bei einem Fernseh-Interview achten? Und wie gelingt es, eine professionelle Medienkompetenz zu erwerben, damit man ein gefragter Experte für die Medien wird? Wie verhält man sich in einer Talkshow? Wie bringt man Journalisten dazu, sich für die eigenen Forschungsarbeiten zu interessieren? Hinweise eines erfahrenen Fernsehjournalisten.
Immer wieder kommt es vor, dass sich Hochschullehrer [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<p><em>Worauf muss man bei einem Fernseh-Interview achten? Und wie gelingt es, eine professionelle Medienkompetenz zu erwerben, damit man ein gefragter Experte für die Medien wird? Wie verhält man sich in einer Talkshow? Wie bringt man Journalisten dazu, sich für die eigenen Forschungsarbeiten zu interessieren? Hinweise eines erfahrenen Fernsehjournalisten.</em></p><p>Immer wieder kommt es vor, dass sich Hochschullehrer darüber beklagen, dass nach einem Interview ihre Aussagen in dem Zeitungsartikel aus dem Zusammenhang gerissen worden seien. Oder dass sich die Medien für ihre Forschung kaum interessieren würden. Und wenn es einmal zu einem Fernsehinterview käme, verlange man von ihnen 20-Sekunden-Antworten, die einfach nicht zu schaffen seien.</p><p>Solche und ähnliche Aussagen sind typisch für das oft schwierige Verhältnis zwischen Wissenschaft und Medien. Dabei sind beide aufeinander angewiesen. Mehr noch: Sie profitieren voneinander. In einer zunehmend komplizierter werdenden Welt benötigen Journalisten die Wissenschaft, um in ihren Artikeln aufklären zu können und um ihnen Substanz und seriöses Gewicht zu verleihen. Und Wissenschaftler benötigen die Medien ebenso, wenn sie beispielsweise ein neues Forschungsprojekt oder dessen Ergebnis vorstellen wollen. Darüber hinaus haben beide Bereiche einen immens hohen Stellenwert erhalten. Ohne mediale Präsenz findet heute nichts mehr statt, die Massenmedien haben signifikant an öffentlicher Deutungsmacht gewonnen. Und die Wissenschaft, so Winfried Hassemer, „gehört zum Lebensnerv der modernen Gesellschaften…, wer sich gegen wissenschaftliche Behauptungen stellt, muss sich warm anziehen. Wer sie auf seiner Seite hat, hat fast schon gewonnen“.</p><p>Schon allein daraus folgt, dass sich Wissenschaftler mehr und mehr in der Öffentlichkeit präsentieren müssen. Und nicht zuletzt: Wer in den Medien kompetent und sympathisch auftritt, möglicherweise als ein begehrter Experte, verbessert seine Karrierechancen. So verständlich ein gewisses Naserümpfen vieler Wissenschaftler über das Infotainment im Fernsehen auch sein mag – wer im 21. Jahrhundert nicht über Medienkompetenz verfügt, kann leicht ins Abseits geraten oder – weit brisanter -, sich in den diversen Fallen der Medien verfangen.</p><p><strong>„Überfallinterview“</strong></p><p>So, wenn beispielsweise seine Universität oder der eigene Fachbereich in den Fokus der Medien geraten ist. Etwa wegen Unregelmäßigkeiten bei der Drittmitteleinwerbung oder Plagiatsvorwürfen bei Forschungsergebnissen. Plötzlich werden Hochschullehrer beim Betreten ihrer Arbeitsstätte von einem Kamerateam überrumpelt, es wird ihnen ein Mikrophon vor die Nase gehalten, und sie werden mit aggressiv wie suggestiv formulierten Fragen in die Enge getrieben. Da kann es schnell passieren, dass man sich und die eigene Institution um Kopf und Kragen redet. Aber nicht, wenn man über Medienkompetenz verfügt. Erstes Gebot ist hier: Nie eine Stellungnahme verweigern! Mit der leider allzu häufig geäußerten Antwort: „Kein Kommentar“ steht man beim Zuschauer als Mitwisser dar, der vertuschen möchte. Und der Journalist freut sich. Denn trotz seiner vielleicht eher dürftigen Rechercheergebnisse trägt die Verweigerungshaltung dazu bei, in seinem Bericht die beabsichtigte Skandalisierung zu verstärken.</p><p>Natürlich sind diese „Überfallinterviews“ nicht die Regel. Aber sie kommen immer wieder vor. Und bei ihnen gilt in besonderem Maße, was für jeden Auftritt vor der Kamera gilt: Ob die „Botschaft“ beim Zuschauer ankommt, hängt vor allem davon ab, wie man als Persönlichkeit wirkt. Strahlt man Sympathie aus? Kompetenz? Und vor allem Glaubwürdigkeit und Authentizität? Das Ganze vielleicht sogar gewürzt mit etwas Humor?</p><p><strong>Stärken erkennen  und  einsetzen</strong></p><p>Stärken zu erkennen und diese bewusst einzusetzen – das ist eines der besten Mittel, um beim Zuschauer „anzukommen“. Genau wie die Fähigkeit, sich kurz und verständlich auszudrücken. Wissenschaftlern – das erleben wir in unseren Medienseminaren immer wieder –, fällt es oft schwer, sich in ihrer 20 Sekunden-Antwort auf das Wesentliche zu beschränken, auf einen Kernsatz, ihre wichtigste Botschaft. Diese knapp bemessene Zeit entspringt im Übrigen keiner Bösartigkeit des Journalisten, sondern ist den Ergebnissen einer äußerst umfangreichen Medienforschung geschuldet, wonach Zuschauer nach längeren Aussagen einfach wegschalten. Und weil sich im Fernsehen alles um das goldene Kalb „Quote“ dreht, dürfen diese „O-Töne“ nicht länger sein. Wer sich nicht kurz fassen kann, wird es nicht in die Expertenlisten der Redaktionen schaffen. Dazu gehören auch kurze Sätze, die strikte Vermeidung von Fremd- oder Fachwörtern und eine ruhige Körperhaltung. Antworten sollten nicht abgelesen werden, das wirkt unprofessionell, genauso wie es andererseits professionell ist, eine für einen selbst unbefriedigende Antwort zu wiederholen. Und man sollte auf den Hintergrund achten, vor dem man aufgenommen wird. So könnte etwa die neben dem eigenen Kopf aufgenommene berühmte Einstein-Grimasse zu durchaus unerwünschten Assoziationen führen.</p><p><strong>Kompetenz </strong></p><p>Zur Medienkompetenz gehört auch, dem Journalisten deutlich zu signalisieren, dass man sich in der Welt der Medien auskennt. Etwa durch Fragen wie: Um was genau geht es in dem Beitrag? Um was für eine Sendung handelt es sich? So wird in einem Polit-Magazin härter nachgefragt als in einer Nachrichtensendung. Und in einer Unterhaltungssendung kann es möglicherweise nur um Klamauk gehen, während man in einer Wissenschaftssendung von einem klar definierten Informationsziel ausgehen kann. Das gilt im Übrigen auch für den Hörfunk. Wichtig ist auch die Frage: Wer kommt außer einem selbst sonst vor? Welche Rolle spielt man – ist man „Angeklagter“, Opfer oder Experte? Im Fernsehen ist man immer Teil einer Inszenierung. Die Rolle hat der Autor genauestens im Kopf, man muss diese aber nicht einfach hinnehmen. Oder, was die Printmedien angeht: Handelt es sich um ein Wortlautinterview oder werden die Antworten als Zitate in einem Fließtext verwendet? Beim Ersteren ist die Autorisierung gegeben, bei der zweiten Möglichkeit ist dies Verhandlungssache. Und nicht zuletzt: Man sollte immer offen für Kritik sein, nie Fragen bewerten, auch wenn diese ohne Sachkenntnis gestellt werden. Die goldene Regel hier ist: Je aggressiver und/oder unsinniger die Fragestellung formuliert ist, umso souveräner sollte die Antwort ausfallen, nämlich freundlich-gelassen. Dies gilt vor allem auch für Talkshows. Nachdem man sich auch hier zuvor genauestens nach deren Ablauf (Wie viele Studiogäste? Wer außer einem selbst nimmt sonst teil? Welche Rolle ist einem zugedacht?) erkundigt und sich anschließend zur Teilnahme entschlossen hat, sollte man konsequent die Rolle als Wissenschaftler spielen und sich bewusst von dem Polittheater absetzen. Damit gewinnt man die Zuschauer für sich.</p><p>In der Wissenschaft geht es um Erkenntnis. Im Fernsehen um Quote. Aber gerade angesichts der heutigen Informationsüberflutung kommt Wissenschaftlern eine immer wichtigere Aufgabe zu. Je mehr Leser, Zuhörer und Zuschauer sie erreichen, umso mehr können sie aufklären. Dafür müssen sie jedoch die Spielregeln der Medien beherrschen. Und die sind erlernbar.</p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10683</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> <item><title>Steuerrecht aktuell</title><link>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10688</link> <comments>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10688#comments</comments> <pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:01:37 +0000</pubDate> <dc:creator>Editor</dc:creator> <category><![CDATA[Steuerrecht]]></category> <category><![CDATA[heft 05 2012]]></category><guid
isPermaLink="false">http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?p=10688</guid> <description><![CDATA[Häusliches Arbeitszimmer
Für das Steuerjahr 2007 machte der Hochschullehrer die Gesamtaufwendungen für sein häusliches Arbeitszimmer geltend, die er jeweils hälftig den Einkünften aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit zuordnete. Die Besonderheit des Falles ist das forschungsstarke Profil des Hochschullehrers, der zwar im Sommersemester eine Lehrverpflichtung von acht SWS hatte, für das WS 2007/2008 vom 1. Oktober bis [...]]]></description> <content:encoded><![CDATA[<h4>Häusliches Arbeitszimmer</h4><p>Für das Steuerjahr 2007 machte der Hochschullehrer die Gesamtaufwendungen für sein häusliches Arbeitszimmer geltend, die er jeweils hälftig den Einkünften aus selbstständiger und nichtselbstständiger Tätigkeit zuordnete. Die Besonderheit des Falles ist das forschungsstarke Profil des Hochschullehrers, der zwar im Sommersemester eine Lehrverpflichtung von acht SWS hatte, für das WS 2007/2008 vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2007 aber keine Vorlesungsverpflichtungen aufgrund eines Forschungsfreisemesters hatte. Das Finanzamt erkannte für die gewährte Freistellung zur Durchführung des Forschungsvorhabens anteilig ein Viertel der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer in Höhe von 869 Euro bei den Einkünften des Klägers aus selbstständiger Tätigkeit an und wies ansonsten den Einspruch zurück. Daraufhin legte der Hochschullehrer Klage ein, die der Deutsche Hochschulverband als Musterprozess unterstützte.</p><p>Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hielt die Klage in Bezug auf die Gesamtanerkennung der Arbeitszimmerkosten als Werbungskosten für unbegründet. Im Klageverfahren änderte das Finanzamt die Einkommensteuerfestsetzung 2007 aufgrund der gesetzlichen Neuregelung insofern, dass es Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer in Höhe von weiteren 1.250 Euro als Betriebsausgaben bei den Einkünften des Klägers aus selbstständiger Arbeit anerkannte.</p><p>Somit blieb nur noch die strittige Frage, ob einem Hochschullehrer der unbegrenzte Abzug der Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer auch für die Zeit außerhalb der Freistellung von der Lehrverpflichtung (z.B. bei einem Forschungsfreisemester) im Rahmen der Einkünfte aus nichtselbstständiger Hochschullehrertätigkeit zu gewähren ist, weil das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit bilde. Das Finanzgericht verneinte diese Frage ausdrücklich. Der Mittelpunkt der Haupttätigkeit eines Hochschullehrers bestimme sich nach dem inhaltlichen und damit qualitativen Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit, der neben seiner Tätigkeit als Hochschullehrer mit einer Lehrverpflichtung auch weiteren Tätigkeiten nachgehe. Die Rechtsprechung misst dem vom Kläger vorgetragenen Umstand, er sehe seine Professur als „forschungsstark“ an, dabei keine maßgebliche Bedeutung zu. Bei Lehrern, Dozenten oder Professoren befinde sich der Mittelpunkt der betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit dort, wo der Unterricht stattfinde, also nicht im häuslichen Arbeitszimmer. Das gelte selbst dann, wenn im Arbeitszimmer die Lehrkonzepte und Unterlagen erarbeitet werden. Da dem zeitlichen Umfang ohnehin nur indizielle Bedeutung zukomme, sei es auch nicht ausschlaggebend, dass der Kläger im Streitjahr teilweise eine reduzierte Vorlesungsverpflichtung hatte. Auch wenn die Forschungstätigkeit wichtig sei, sei unabhängig von dem quantitativen Umfang der Arbeit im häuslichen Arbeitszimmer unter qualitativen Gesichtspunkten anzunehmen, dass der Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit in der Universität liege, denn Schwerpunkt der Arbeit eines Professors sei die Lehre, die zwangsläufig an der Universität ausgeführt werde. In qualitativer Hinsicht hätten daher Vorlesungen, Seminare und die Abnahme von Prüfungen eine erhebliche Bedeutung, angesichts derer der Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit als Hochschullehrer nicht im häuslichen Arbeitszimmer liegen könne. Ungeachtet der Einschätzung des Klägers werden die von dem ausgeübten Hochschullehrerberuf prägenden und wesentlichen Leistungen überwiegend an der Universität erbracht, vor allem im Bereich der Lehre und im Rahmen der Gremien- und Verwaltungstätigkeit. Insofern werden auch bei einem Forschungsfreisemester nicht die Gesamtkosten für das häusliche Arbeitszimmer im Rahmen der Einkünfte aus nichtselbstständiger Hochschullehrertätigkeit anerkannt, da der Mittelpunkt aller beruflichen Tätigkeiten auch hier nicht im häuslichen Arbeitszimmer gesehen werden könne. Somit besteht, außer gegebenenfalls in besonderen Ausnahmefällen, keine Möglichkeit für einen Hochschullehrer, die Gesamtkosten im Rahmen seiner Hochschullehrertätigkeit als Werbungskosten steuerlich anzusetzen, da der Mittelpunkt außerhalb der Universität schwerlich begründet werden kann und ein Zimmer in der Universität zur Verfügung steht.</p><p><em>Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 6.12.2011 – 3 K 2619/09 – rechtskräftig </em></p><h4>Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte</h4><p>Grundsätzlich kann die Entfernungspauschale für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nur für die kürzeste Entfernung beansprucht werden. Etwas anderes gilt aber dann, wenn eine andere Verbindung „offensichtlich verkehrsgünstiger“ ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig benutzt wird (§ 9 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 EStG). Der Bundesfinanzhof hat nun entschieden, dass eine Mindestzeitersparnis von 20 Minuten nicht stets erforderlich ist. Vielmehr seien Umstände des Einzelfalls, wie z.B. die Streckenführung, die Schaltung von Ampeln o.ä. in die Beurteilung einzubeziehen. Somit kann eine Straßenverbindung auch dann „offensichtlich verkehrsgünstiger“ sein, wenn bei ihrer Benutzung nur eine geringe Zeitersparnis zu erwarten ist. Außerdem hat der Bundesfinanzhof klargestellt, dass nur die tatsächlich benutzte Straßenverbindung in Betracht kommt; eine mögliche vom Steuerpflichtigen nicht benutzte Straßenverbindung kann der Berechnung der Entfernungspauschale nicht zugrunde gelegt werden.</p><p><em>Bundesfinanzhof, Urteil vom 16.11.2011 – VI R 19/11 und VI R 46/10</em></p> ]]></content:encoded> <wfw:commentRss>http://www.forschung-und-lehre.de/wordpress/?feed=rss2&amp;p=10688</wfw:commentRss> <slash:comments>0</slash:comments> </item> </channel> </rss>
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