Forschung & Lehre

Sind Dual Career Couples ein Thema für die Berufungsverhandlungen? (F&L 9/08, S. 629)

05 | Mai 2009

Das Thema „dual career couples“ rückt immer mehr in das Bewusstsein der Leitungs- und Verwaltungsebene von Hochschulen und gewinnt auch in Berufungsverhandlungen zunehmend an Bedeutung. Als „dual career couples“ werden Paare bezeichnet, bei denen beide Partner hochqualifizierte Wissenschaftler bzw. Akademiker sind und eine eigene Karriere anstreben. Diese Paare müssen besonders flexibel sein: Der Wechsel des einen Partners an eine (andere) Universität ist regelmäßig nicht nur mit einem Wechsel des Wohnortes verbunden, sondern häufig auch damit, dass der andere Partner seine eigene Erwerbstätigkeit beenden muss, um seinem Partner an den neuen Arbeitsort zu folgen. Die Vereinbarkeit von Karriere in der Wissenschaft und familiären Belangen gerät so zur Herausforderung. Nicht selten werden Rufe an Universitäten abgelehnt, weil diese keine adäquaten Voraussetzungen schaffen, die es dem Wissenschaftler ermöglichen, seine Karriere mit den Vorstellungen seines Partners zu vereinbaren. Die Universitäten als Arbeitgeber sind daher zunehmend gefordert, die notwendigen Hilfestellungen zu geben. In erster Linie geht es dabei um eine attraktive Berufsperspektive für den Partner. Bisher gingen die meisten Hochschulen mit dem Thema eher zurückhaltend um; eine systematische Unterstützung, wie sie etwa in den USA an vielen Hochschulen praktiziert wird, war selten. Inzwischen tragen viele Hochschulen der besonderen Paar- und Familienkonstellation von hochqualifizierten Wissenschaftlern aber Rechnung und entwickeln neue Konzepte zur Unterstützung von Doppelkarrierepaaren. Die unterschiedlichen Maßnahmen beinhalten etwa hochschulinterne Servicestellen, welche die Partner der neu zu berufenden Wissenschaftler in Fragen der eigenen beruflichen Karriere unterstützen, eine Kooperation der Hochschulen untereinander mit dem Ziel, gemeinsame Fördermöglichkeiten für duale Karrieren zu erarbeiten oder Jobbörsen einzurichten. Auch wird daran gearbeitet, ein Netzwerk der Hochschulen mit der regionalen Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung aufzubauen. Im Einzelfall gelingt es auch, geeignete Stellen innerhalb der Hochschule anzubieten. Angesichts begrenzt vorhandener Planstellen und der grundsätzlichen Pflicht zur Ausschreibung sind die Spielräume der Universitäten allerdings eingeschränkt. Wiltrud Christine Radau

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