Forschung & Lehre

Wie entscheide ich mich richtig bei konkurrierenden Angeboten? (F&L 10/07, S. 623)

05 | Mai 2009

Immer häufiger sind – glücklicherweise – Rufinhaber und Rufinhaberinnen in der Lage, mehrere Angebote miteinander vergleichen zu können. In vielen Fällen können parallel auch innerhalb der Bundesrepublik Deutschland zwei offizielle Rufe erteilt werden, in anderen Fällen wiederum bieten die Hochschulen, die sich offiziell gehindert sehen, einen Ruf zu erteilen, von sich aus sogenannte graue Verhandlungen an. Einerseits gibt es objektivierbare Faktoren dafür, welches der beiden Angebote attraktiver erscheint. Hierzu gehören verbindliche Ausstattungszusagen, die die konkreten Arbeitsbedingungen prägen, aber auch das Besoldungsangebot. Derartige Angebote können die Rufinhaber prima vista selbst einschätzen und in juristischer Hinsicht durch die Justitiare des Deutschen Hochschulverbandes überprüfen lassen. Andererseits gilt es, externe Faktoren zu berücksichtigen. Einige Fragestellungen: An welcher Universität fühle ich mich wohl? Passe ich besser in die Kollegenschaft und/oder fachliche Ausprägung der einen Universität oder der anderen? Bietet mir die Universität A im Vergleich zu Universität B verbindlich einen Kita-Platz oder kann ich gar mit der einen, nicht aber mit der anderen Universität im Hinblick auf eine Stelle für meinen Partner/meine Partnerin verhandeln? Wie ist es um die wissenschaftliche Reputation der Universität und der Fakultät bestellt? Welche strategischen Ziele verfolgt Universität A, hat die Universität B überhaupt solche Ziele? Schließlich: Ist die Fakultät B ein Karrieresprungbrett oder die Fakultät A gar ein Karrieregrab? Viele dieser externen Faktoren lassen sich durch sorgfältige Recherche schon im Vorfeld einer Berufungsverhandlung, aber letztlich auch im Rahmen einer Berufungsverhandlung eruieren. Lassen Sie sich beraten, beraten Sie sich mit Kollegen, achten Sie genau auf das, worauf man Ihnen keine klare, sondern vielleicht nur eine ausweichende Antwort gibt. Fragen Sie die Kolleginnen und Kollegen im Rahmen der informellen Vorgespräche nach weichen Faktoren: Herrscht an dieser Universität ein „Kasernenhofton“ oder ein liberales, wissenschaftlerfreundliches Verhalten? Hubert Detmer

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