02 | Februar 2008 Artikel versenden Artikel drucken

Minderheit der Studenten für Gebühren

Ergebnisse des ersten Studienqualitätsmonitors 2007

Die Hochschul-Informations-System GmbH hat in einer ersten umfassenden Umfrage Studenten nach ihrer Einschätzung der Studienbedingungen und der Studienqualität befragt. Auch die Verwendung der Studiengebühren war Gegenstand der Untersuchung. Ein Überblick über die Ergebnisse.

Die besten Studienbedingungen in Deutschland finden sich nach Einschätzung der Studenten in kleinen Fachhochschulen des Ostens, die schlechtesten in den Universitäten des Westens. Die Zufriedenheit mit der Hochschulausbildung ist nirgendwo niedriger als im Lehramt und nirgendwo höher als bei den angehenden Ingenieuren. Dies geht aus einer Umfrage des Studienqualitätsmonitors 2007, in der die HIS Hochschul-Informations-System GmbH und die AG Hochschulforschung der Universität Konstanz knapp 22 000 Studierende von 150 Hochschulen befragt haben.

Die Überfüllung von Veranstaltungen beeinträchtigt nach Einschätzung der Befragten das Studium insbesondere an den Universitäten so beträchtlich, dass von einer gedeihlichen, ertragreichen Lehre in vielen Fällen nicht gesprochen werden könne. Für 50 Prozent der Studierenden an Universitäten (FH: 20 Prozent) kommt es z.B. in Seminaren häufig oder sehr häufig zu starken Beeinträchtigungen der Lernsituation durch Überfüllung. Eine große Schwäche insbesondere der universitären Ausbildung sei das „Feedback“ durch die Professoren: Nur 18 Prozent (FH: 29 Prozent) bewerten die Rückkoppelung zu den Lernfortschritten mit gut.

Die Förderung des fachübergreifenden Denkens ist laut Studie am stärksten in den Ingenieurwissenschaften ausgeprägt: 49 Prozent sehen sich darin stärker gefördert. Erschreckend gering ist demgegenüber die Förderung fachübergreifenden Denkens im Lehramt (nur 24 Prozent sehen dies als gegeben an).

Die Studierenden sind mit der Verfügbarkeit von Computerarbeitsplätzen sowie mit den Öffnungszeiten der EDVRäume überwiegend zufrieden, an Fachhochschulen etwas häufiger als an Universitäten (Zustimmungsquoten zwischen 52 Prozent und 65 Prozent). In den Ingenieurwissenschaften ist die Situation besonders gut (Zustimmungsquoten über 70 Prozent), in den Geistes-und Sozialwissenschaften sowie im Lehramt ist sie weniger günstig (Zustimmungsquoten etwas über 50 Prozent). Auch mit ihren Bibliotheken sind die Studierenden überwiegend zufrieden.

Studenten an kleinen Hochschulen sind viel zufriedener als ihre Kommilitonen an großen Universitäten.

Studierende an kleinen Hochschulen sind viel zufriedener als ihre Kommilitonen an den großen Massenuniversitäten. Im Osten Deutschlands ist die Zufriedenheit mit der Ausbildung deutlich höher als im Westen. Fachhochschulen bieten in der Regel bessere Ausbildungsbedingungen als Universitäten. Die Einflüsse durch Hochschulgröße, Ost/West-Lage sowie Hochschulart bestehen unabhängig voneinander und kumulieren in vielen Bereichen.

Nur 15 Prozent der Befragten befürworten Studiengebühren. Bemerkenswert ist die zwar ebenfalls hohe, aber im Vergleich geringere Ablehnung von Studiengebühren an Gebühren-Hochschulen (64 Prozent Gebührengegner gegenüber 72 Prozent an gebührenfreien Hochschulen). Mögliche Hintergründe: Ein Teil der Studierenden hat sich mit dem scheinbar Unabänderlichen abgefunden. Die entschiedensten Gegner haben die (gebührenpflichtige) Hochschule bereits verlassen bzw. mussten sie aus ökonomischen Gründen verlassen. Auch Diskussionen an der eigenen Hochschule über bevorstehende Verbesserungsmaßnahmen könnten zu einer leicht positiveren Einschätzung geführt haben.

Zwei Drittel der Befragten fühlen sich nicht ausreichend an dem Prozess der Verteilung der Studiengebühren beteiligt, weitere 23 Prozent sind sich darüber im Unklaren, ob sie ausreichend beteiligt sind oder nicht. Auf die Frage, ob sie wissen, wer an ihrer Hochschule über die Verteilung bzw. Verwendung der Studiengebühren entscheidet, antworten ebenfalls fast zwei Drittel: „Nein, das weiß ich nicht.“ Diese Zahlen sprechen nicht dafür, dass sich Studierende bereits als zahlende Kunden verstehen bzw. von den Hochschulen so behandelt werden.
In Zukunft soll der Studienqualitätsmonitor jährlich durchgeführt und im Vergleich mit den jetzt erhobenen Daten darüber Aufschluss geben, wie sich die Studienbedingungen in Deutschland durch die Einführung von Studiengebühren und die Umstellung auf die Abschlüsse Bachelor und Master verändert haben.


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