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01 | Januar 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Universität Bremen: Historikervortrag aus Sicherheitsgründen verlegt

Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS) haben eine für den 20. Oktober an der Universität Bremen geplante Veranstaltung zum Thema „Gewalt verstehen?“ mit dem Historiker Professor Jörg Baberowski (Humboldt-Universität zu Berlin) aufgrund von Protesten des ASTA abgesagt und in die Räume der KAS verlegt. Dies ist nach Angaben der KAS „aus Sicherheitsgründen“ geschehen und vom Staatsschutz empfohlen worden. Nach Angaben der KAS und des RCDS sei Professor Baberowski vom AStA als „Rassist und rechtsextremer Ideologe verunglimpft“ worden. Ralf Altenhof von der KAS in Bremen sagte: „Es ist erschreckend, dass eine Veranstaltung, die sich der Gewalt in Geschichte und Gegenwart widmen möchte, an der Uni Bremen verhindert werden soll. Dass der AStA seine Drohung auch noch als ‘friedlich’ charakterisiert, zeigt, wie verharmlosend die Verantwortlichen ihr eigenes Verhalten bewerten und wie notwendig eine Veranstaltung zur Gewalt ist.“ Weiter betonte Altenhof, eine solche Veranstaltung sei eine Einladung zur konstruktiven Diskussion. Dass an einer Universität – gemeinhin ein Ort intellektueller Auseinandersetzung – eine Diskussion von vornherein unterbunden werden soll, sei beschämend und offenbar Ausdruck argumentativer Nöte. Der AStA der Universität Bremen hatte in einem Flugblatt das Rektorat der Universität dazu aufgefordert, „die Raumfreigabe wieder zurückzuziehen“. „Andernfalls liegt es an uns, zu verhindern, dass rechtsextreme Ideo­log*innen ihre Lehren an dieser Universität propagieren. Lasst uns friedlich und laut gegen Hetze und Menschenfeindlichkeit protestieren“, heißt es weiter in dem Flugblatt. Die Universität ist dem Begehren des AStA laut einer eigenen Mitteilung nicht nachgekommen. Die Universität Bremen sei ein „Ort des konstruktiven, kritischen und auch kontroversen Austauschs. Die Verlegung des Vortragsortes durch die Veranstalter wurde vom AStA begrüßt. Die Veranstalter wiederum fassten den Aufruf des AStA als „massive Drohung“ auf. Jörg Baberowski ist seit 2002 Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität in Berlin. Er ist bekannt als Experte für den Stalinismus. Für sein Buch „Verbrannte Erde“ erhielt er im Jahr 2012 den Preis der Leipziger Buchmesse. Baberowski hatte sich mehrfach kritisch zur Einwanderungspolitik der Bundesregierung geäußert.


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