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03 | März 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017

Die Karriere an einer Hochschule ist für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiterhin schwierig. Die meisten sind befristet beschäftigt, arbeiten mehr als vetraglich festgelegt und werden im Schnitt erst mit über 40 Jahren auf eine Professur berufen. Nur eine Minderheit schließt die Promotion überhaupt ab und wechselt dann oft in die Wirtschaft. Ein Kinderwunsch bleibt bei vielen unerfüllt. Das ergibt der aktuelle Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2017 (BuWiN).

144.927 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler waren 2014 hauptberuflich als wissenschaftliches oder künstlerisches Personal an Hochschulen tätig. Das sind 76 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Mit mehr als 32,5 Jahren erreichen sie die Hürde der Promotion, gefolgt von der Juniorprofessur mit gut 35 Jahren. Das Durchschnittsalter bei der Habilitation liegt bei knapp 41 Jahren, eine W2-Neuberufung erreichen die Nachwuchswissenschaftler mit über 41, eine W3-Neuberufung mit über 42 Jahren. Allerdings schließen überhaupt nur 22 Prozent ihre Doktorarbeit ab. Die Anteile schwanken dabei zwischen vier Prozent in den Kunst- und Kulturwissenschaften bis 63 Prozent im Bereich Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften, Fächergruppen, in denen Promotion und teils Habilitation anders als in anderen Fächern im Regelfall als berufsqualifizierend gelten. Die Promotionsdauer liegt im Schnitt bei 3,5 bis 4,5 Jahren; mit Erfolgsquoten zwischen 57 und 67 Prozent, je nach vom BuWiN herangezogener Studie. Mit ihrer Betreuung sind 60 Prozent laut Bericht zufrieden oder sehr zufrieden. Nur 16,5 Prozent sind unzufrieden oder sehr unzufrieden. Die Betreuungsrelation liegt bei durchschnittlich sechs Promovierenden pro Professorin oder Professor.

Während ihrer Promotion arbeiten 83 Prozent der jungen Wissenschaftler – meist an einer Hochschule (77 Prozent), 62 Prozent davon in Vollzeit und 38 Prozent in Teilzeit. Sprach- und Kulturwissenschaftler (42 Prozent) sowie Frauen (44 Prozent) sind im Fach- und Geschlechtervergleich am häufigsten teilzeitbeschäftigt. Meist wird laut BuWiN mehr gearbeitet als vertraglich festgelegt. Fast alle Nachwuchswissenschaftler sind befristet beschäftigt. Das gilt für 93 Prozent an Hochschulen und 84 Prozent an außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Der Anteil korreliert mit der Zunahme an drittmittelfinanzierten Stellen. Mehr als die Hälfte der Verträge hat eine Laufzeit von unter einem Jahr. Armutsgefährdet sind 12 Prozent der Nachwuchswissenschaftler, meistens Geistes- und Kulturwissenschaftler. Sie verdienen weniger als 826 Euro im Monat. Der Großteil verdient im Schnitt 1.261 Euro.

Eine geringe Planungs- und finanzielle Sicherheit sowie eine fehlende berufliche Etablierung halten die meisten davon ab, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Den haben 88 Prozent. Laut BuWiN bleiben mit 42 Prozent deutlich mehr Wissenschaftler kinderlos als andere Hochschulabsolventen (25 Prozent). Unter den Eltern fühlen sich vor allem Frauen benachteiligt gegenüber kinderlosen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.

Nach der Promotion wollen nur 39 Prozent der Frauen in der Wissenschaft bleiben, vor Promotions-Abschluss sind es noch 52 Prozent. Bei den Männern ist es umgekehrt. Vor der Promotion sehen sich 48 Prozent, nach der Promotion 61 Prozent an der Hochschule. Letztlich arbeiten nur 19 Prozent der Promovierten an Hochschulen. 16 Prozent entscheiden sich für den öffentlichen Dienst und 45 Prozent für eine Karriere in der Wirtschaft.

Der BuWiN wird seit 2008 einmal pro Legislaturperiode von einem unabhängigen wissenschaftlichen Konsortium erstellt. Der umstrittene und unterschiedlich ausgelegte Begriff des „wissenschaftlichen Nachwuchses“ umfasst dabei im Bericht wissenschaftlich tätige Promovierende oder Promovierte mit dem Ziel einer Professur oder einer anderen wissenschaftlichen Leitungsposition, sowie ferner wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne ein solches erkennbares Ziel.

Die komplette Studie ist online abrufbar: http://www.buwin.de/dateien/buwin-2017.pdf.


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