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04 | April 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Siemens’ Schmiergeldstudie unter Verschluss

Der Siemens-Konzern lässt eine Studie zu seiner Schmiergeld-Affäre, die der Konzern selbst bei zwei unabhängigen Historikern in Auftrag gegeben hatte, seit 2014 nicht veröffentlichen. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Damit habe die Firma ursprünglich ein Zeichen für mehr Transparenz setzen wollen.

„Siemens hat ohne Angabe von Gründen die geplante und uns verbindlich zugesagte Buchpublikation der Untersuchungsergebnisse auf unbestimmte Zeit zurückgestellt“, hieß es dazu auf Anfrage des Spiegels von den Autoren, Hartmut Berghoff und Cornelia Rauh. Der Konzern habe auch bestätigt, dass eine Veröffentlichung nicht mehr geplant sei.

Der Göttinger Historiker Berghoff hatte laut „Spiegel“ den Auftrag für die Untersuchung im Jahr 2011 von Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme bekommen. Gemeinsam mit seiner Hannoveraner Kollegin Rauh sollte er die Geschichte des Konzerns in der Zeit des Korruptionsskandals nachzeichnen, der 2006 aufgeflogen war. Die Historiker hatten dazu auch vertrauliche Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle einsehen dürfen. Konzern und Historiker konnten danach laut Bericht aber keine Einigkeit darüber erzielen, ob und wie aus diesen Protokollen in dem öffentlich angekündigten Buch zitiert werden kann. Darüber hinaus gebe es Stimmen, die der heutigen Siemens-Spitze unter Joe Kaeser kein Interesse mehr an einer neuerlichen Aufarbeitung des Skandals nachsagten.

Zwar ziehe die Studie ein positives Urteil über Kaeser. Gegen den heutigen Konzernchef, der in den Jahren 2001 bis 2004 in der korruptionsanfälligen Mobilfunksparte als Finanzvorstand tätig war, wurde auch nie ermittelt; Hinweise, er habe von Bestechungen gewusst, wies er stets zurück. Die Studie komme allerdings zu dem Schluss, dass sich nach der milliardenschweren Einigung des Konzerns mit den Strafverfolgungsbehörden „ein Schleier über tausende Vorwürfe gelegt“ habe, die nicht weiter aufgeklärt worden ­seien.


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