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08 | August 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Kasseler Professor drohen Disziplinar­maßnahmen

Der hessische Wissenschaftsminister Boris Rhein hat laut Medienberichten die Prüfung disziplinarischer Schritte gegen den Kasseler Hochschullehrer Ulrich Kutschera gefordert. Kutschera hatte die Ehe für alle scharf kritisiert und sich extrem negativ über Homosexuelle geäußert. Auf der Internetseite kath.net wurde er mit der Aussage zitiert: „Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- bzw. Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen“. Kutschera bezieht sich bei seinen Äußerungen nach eigener Aussage auf „biowissenschaftliche Fakten“. Wissenschaftsminister Rhein bewertete die Äußerungen Kutscheras laut Spiegel als „dermaßen abstrus, dass ich erwarte, dass die Universität prüft, ob der Professor als Beamter seine Pflichten dadurch verletzt hat, dass er sich in abfälliger oder herabsetzender Weise gegen homosexuelle Menschen geäußert hat“.

Die Hochschulleitung der Universität Kassel sagte, dass personalrechtliche Fragen ausnahmslos vertraulich zu behandeln seien. „Wir können aber versichern, dass das Präsidium der Universität Kassel Pflichten und Rechte von beamteten Hochschulmitgliedern vollumfänglich im Blick hat, ebenso den Umstand, dass verletzende und diskriminierende Aussagen nicht an unsere Universität gehören, egal von wem sie geäußert werden. Die Stellungnahme von Wissenschaftsminister Boris Rhein werden wir dabei in unsere weiteren Erwägungen mit einbeziehen.“ Der Präsident der Universität Kassel Professor Finkeldey, ergänzte: „Mich haben in den letzten Tagen viele kritische bis zum Teil entsetzte Reaktionen erreicht, die ich nur allzu gut nachvollziehen kann. Von Mitgliedern der Universität sollen keine Äußerungen gemacht werden, von denen sich Menschen verletzt und abgewertet fühlen.“ Professorinnen und Professoren könnten für ihre Äußerungen nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern auch die Freiheit der Wissenschaft in Anspruch nehmen, die das Grundgesetz sehr weit fasst. Das habe das Präsidium auch dann hinzunehmen, wenn Äußerungen im Widerspruch zur Position der Hochschulleitung stehen.


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