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12 | Dezember 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Abstimmung über umstrittenes Gedicht an Hochschulfassade

Der Akademische Senat der Berliner Alice Salomon Hochschule berät am 12. Dezember über drei Vorschläge für eine mögliche Neugestaltung einer Fassade der Hochschule. Zwei Wochen konnten die Hochschulmitglieder zuvor online ihre Stimme abgeben.

Hintergrund ist eine Diskussion über das Gedicht des Schweizer Lyrikers Eugen Gomringer an der Fassade der Universität. Die Studierendenvertretung der Hochschule hatte kritisiert, das auf Spanisch verfasste Gedicht „avenidas“ könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Sie beziehen sich dabei auf den Satz: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. Einige Studierende verbänden damit das Gefühl, als Frau nicht auf die Straße gehen zu können, ohne für das „körperliche Frau-Sein“ bewundert zu werden. Die Hochschulleitung hatte daraufhin einen Wettbewerb zur möglichen Neugestaltung der Fassade ausgeschrieben. Die eingereichten Vorschläge wurden in der Online-Abstimmung zur Wahl gestellt. Die Familie Gomringer werde laut der Hochschulleitung in die Entscheidung einbezogen.

Die Schriftstellervereinigung Deutsches PEN-Zentrum und der Deutsche Kulturrat, die Spitzenorganisation von rund 250 Bundeskulturverbänden, warnten vor Zensur. „Hochschulen sind öffentliche Räume und selbstverständlich gilt in ihnen die grundgesetzlich verbriefte Kunstfreiheit“, erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats Olaf Zimmermann. Seine Position: „Debattieren ja, Zensieren nein!“ Eine Entscheidung über die Gestaltung will der Akademische Senat im Januar 2018 treffen. (dpa)


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