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01 | Januar 2018

Promovieren: Wie geht das?

Ist die Dissertation noch ein ernstzunehmender Beleg wissenschaftlicher Qualifikation? Die Frage muss der Wissenschaftsbetrieb sich stellen (lassen), seitdem immer wieder Plagiatsvorwürfe nicht nur gegen Prominente erhoben werden. Eine Doktorarbeit ist nicht gelungen, weil sie Plagiate vermeidet. Uns gefällt ein Fußballspiel ja auch nicht nur deshalb, weil niemand eine rote Karte bekommt. Nötig ist sehr viel mehr, wie Hannes Beyerbach verdeutlicht.

Sein Buch befasst sich mit allen Phasen des Promotionsvorhabens, etwa damit, wie aus der Idee eine Gliederung wird, mit der Erstellung des Exposés, dem wissenschaftsadäquaten Schreiben (einschließlich allfälliger Schreib­blockaden), dem Betreuungsverhältnis, mit den Herausforderungen der Endredaktion und dem Ablauf der mündlichen Prüfung, mit Gütekriterien und Benotungskultur und auch mit der Publikation der Arbeit. Die differenzierten Ausführungen zum richtigen Zitieren stehen stellvertretend für die hohe Qualität des Werks. Kommentierte Literaturempfehlungen sowie eine Übersicht über online verfügbare Promo­tionsleitfäden von Juraprofessorinnen und -professoren runden die Darstellung ab.

Beyerbach argumentiert prinzipiensicher und zugleich mit ausgeprägtem Sinn fürs Operative (bis hin zur Einordnung von professoralen Verhaltensweisen, die Promovierende irritieren können). Ich hätte mir mehr Kritik an der sog. externen – d.h. ohne jede lebendige Verankerung im Wissenschaftsalltag betriebenen – Promotion gewünscht (S. 199 f., S. 226 ff.), aber ein Ratgeberbuch lässt für dieses schwierige Thema letztlich nicht genügend Raum.

Das Fazit ist eindeutig: Beyerbachs Buch über die Bedingungen erfolgreichen Promovierens sollte Pflichtlektüre (auch für Betreuer) sein – übrigens nicht nur, wenn es um juristische Dissertationen geht.
Hannes Beyerbach, Die juristische Doktorarbeit. Ein Rat­geber für das gesamte Promo­tions­verfahren, Verlag Franz Vahlen, 2. Aufl., München 2017, 21,90 Euro.

Professor Dr. Stephan Rixen, Universität Bayreuth

Äskulapsus

Merksätze, Aphorismen und Sprichwörter von der Antike bis zur Gegenwart hat Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Universität Ulm, zusammengestellt, um einen Eindruck von der Komplexität von Gesundheit und Krankheit zu vermitteln. Die Zitate stammen von Ovid, Aristoteles, Goethe, Kant, Nietzsche, Elias Canetti oder auch von bekannten Ärzten wie Albert Schweitzer, um nur einige zu nennen. Die Zitate sind nicht zeitlich, sondern thematisch aufgeführt. Es geht u.a. um Theorie und Praxis der Medizin, Macht und Ohnmacht der Ärzte oder um die Patienten selbst. Heiteres ist dabei z.B. von Eugen Roth oder Harry Rowohlt, von dem folgendes Zitat stammt: „Früher, wenn man sich keine Namen merken konnte, hieß das vergeßlich. Inzwischen heißt das Alzheimer. Und wieder muß man sich einen Namen merken.“ Auch Scharfzüngiges findet sich, etwa von Roland Stigulinszky: „Wie kam das alles dann so plötzlich? War es ein Äskulapsus?“ Es zeigt sich, dass seit jeher in der Medizin Fragen auftauchen, die bis heute diskutiert werden, sei es die Sterbehilfe oder die richtige Ausbildung der Ärzte. Weil sie das zutiefst Menschliche betreffen, sind die aufgeführten Gedanken von bleibender Aktualität. Beim Durchblättern und Stöbern erschließt sich ein facettenreiches Bild der Medizin von gestern bis heute.

Florian Steger: Die Medizin von heute ist der Irrtum von morgen. Scharfzüngige Gedanken zur Medizin. marixverlag, Wiesbaden 2017, 159 Seiten, 6,- Euro.

Ina Lohaus

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