Fundsachen
01 | Januar 2018 Artikel versenden Artikel drucken

Fundsachen

These

„Ich halte es für eine steile These, dass man in Deutschland durch Handys Kinder aus bildungsferneren Schichten besser an Bildung heranführt. In Deutschland haben wir zum Glück andere Möglichkeiten, öffentliche Bibliotheken zum Beispiel. Dass gezielt Bildungsangebote über Smartphones aufgesucht werden, ist unklar und müsste durch Studien erst einmal belegt werden.“
Christian Montag, Psychologe; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 11. Dezember 2017

Räume

„(Rechtschreibfreie Räume) sind all die Räume, in denen keiner, wenn man Zweifel hegt, auf die Idee kommt, mal kurz nachzuschauen. Die Räume, in denen einfach drauflosgeballert wird und man sich darauf verlässt, dass die Leute es schon verstehen. Wie meine Tochter mir gesagt hat, als ich ihr auf Spanisch mit Akzenten und auf Deutsch mit Kommas geschrieben habe: ‚Das ist uncool. So was macht man nicht.‘ “
Herbert Genzmer, Schriftsteller und Übersetzer; zitiert nach Die Welt vom 11. Dezember 2017

Kulturtechnik

„Wir brauchen ein vernünftiges Verhältnis zur Digitalisierung auch im Schulbereich, aber mit dem Begriff ‚digitale Bildung‘ kommen wir nicht weiter. Bildung ist ein selbstreflexiver Vorgang: Wie verhalte ich mich zu mir selber oder zu meiner Umwelt? Diesen Vorgang kann mir keine digitale Datenbank abnehmen. Was wir den Schülern vermitteln müssen, ist ein selbstbestimmter Umgang mit der digitalen Welt. Das ist eine vierte Kulturtechnik, so wie Lesen, Schreiben und Rechnen.“
Professorin Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 18. Dezember 2017

Zustand

„Je besser der Zustand ist, in dem sich ein Staatswesen befindet, desto großzügiger verhält es sich gegenüber denen, die den Künsten und Wissenschaften nacheifern.“
Philipp Melanchthon (1497 bis 1560)

Differenzen

„Die Universität ist keine Berufsausbildungsstätte. Wer alle Hürden fallenlässt, beraubt sich selbst seiner Exklusivität. Wer Differenzen an Fähigkeiten und Neigungen nicht aushalten kann, der verschreibt sich einem blinden Egalitarismus, der die bildungsfernen Schichten auch nicht retten wird. Wenn das die neue Normalität der Universitäten sein soll, helfen auch keine Superlative mehr, auch nicht mit guten Vorsätzen für das neue Jahr.“
Hannah Bethke; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 16./17. Dezember 2017

Bahnhof

„Jahrzehntelang thematisierte die Politik die berufliche Bildung unzureichend. Es lief ja. Heute fehlen die überzeugenden Argumente dafür. Beteuerungen, dass man die Absolventen wertschätze, sind zu wenig. Und so wie das geschieht, wird die Berufsausbildung erst recht diskreditiert. Den Ausgebildeten wird nämlich bei der Gelegenheit versichert, mit ihrem Abschluss jederzeit noch studieren zu können.
Das ist so, als würde eine Stadt damit werben, einen großen Bahnhof zu haben, von wo aus man bequem und schnell woanders hinkommt.“
Thomas Vitzthum; zitiert nach Die Welt vom 17. September 2017

Möglichkeiten

„Die Wissenschaft bietet (…) ganz unterschiedliche Möglichkeiten, sich in ihr zu bewegen. Hinzu kommt, dass derzeit, je nach Zählung, etwa die Hälfte eines Jahrganges ein Hochschulstudium aufnimmt und damit auf die eine oder andere Art in Berührung mit der Wissenschaft kommt. Die Hochschulen ihrerseits tun viel dafür, um Begabungen in die Wissenschaft zu ziehen. Das gelingt ihnen umso leichter, je mehr sie den Eindruck erwecken können, dass in der Professur Elemente einer attraktiven Berufstätigkeit gebündelt sind: freie Themenwahl, überschaubare Präsenzpflichten, Verbeamtung, lange Sommerferien.“
Jürgen Kaube; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. November 2017

Anmaßung

„Es ist mit dem Ratgeben ein eigenes Ding und wenn man eine Weile in der Welt gesehen hat, wie die gescheitesten Dinge mißlingen, und das Absurdeste oft zu einem glücklichen Ziele führt, so kommt man wohl davon zurück, jemanden einen Rat erteilen zu wollen. Im Grunde ist es auch von dem, der einen Rat verlangt, eine Beschränktheit, und von dem, der ihn gibt, eine Anmaßung.“
Johann Wolfgang von Goethe nach Johann Peter Eckermann, 13. Februar 1831

Bildung

„In der deutschen Bildung nimmt den ersten Platz die Bescheidwissenschaft ein.“
Karl Kraus (1874 bis1936)


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