Kommentar
05 | Mai 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Kompetenz-Universität

Felix Grigat

Eine gute Nachricht für KMK und HRK ist nicht unbedingt eine für Bildung und Universität. Das gilt auch für die Verabschiedung des Qualifikationsrahmens für Hochschulabschlüsse. Denn mit diesem Beschäftigungsprogramm für Technokraten wird der Kompetenzbegriff als Leitkriterium für das Studium weiter zementiert.

Die neue „Kompetenz-Universität“ ist der Gegenentwurf zur Bildungsuniversität. In dieser ging es darum, dass der sich als Subjekt in Freiheit verstehende Mensch mündig und selbsttätig zur Welt in ein Verhältnis treten kann – auch kritisch, auch nicht-nutzenorientiert. Dagegen wird das, was mit Kompetenz gemeint ist, nicht vom Individuum bestimmt, sondern ökonomisch und politisch von den beruflichen Tätigkeiten und Anforderungen her. Das Individuum wird zum „Objekt von Prozessen der Kompetenzentwicklung“ degradiert. Kompetenz trimmt das Individuum geradezu auf die totale Anschlussfähigkeit ans System.

Der Kompetenzbegriff verkürzt die Anthropologie, weil er den Einzelnen als Kompositum von Kompetenzen betrachtet. Er reduziert die gesellschaftliche Wirklichkeit auf ein Marktgeschehen und blendet obendrein Inhalte und Qualität aus. Mit der Festlegung des Kompetenzbegriffs als Leitkriterium hat sich die Bildungspolitik selbst aufgegeben.


Zurück | Artikel versenden Artikel versenden | Artikel drucken Artikel drucken