Kommentar
03 | März 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Frieden

Michael Hartmer

Dürrenmatts dramatische Groteske „Die Physiker“ befasst sich mit einer Grundfrage der Wissenschaftsethik: Trägt die Gesellschaft und/oder der einzelne Wissenschaftler die Verantwortung für mögliche negative Auswirkungen der Forschung? Dürrenmatt führt das Problem nicht nur meisterhaft vor, sondern findet auch eine Antwort: „Der Inhalt der Physik geht die Physiker an, die Auswirkungen alle Menschen. Was alle angeht, können nur alle lösen.“

Um eine Vergesellschaftung von Verantwortung und um die Letztentscheidung des Parlaments geht es bei der Einführung von Zivilklauseln aber gerade nicht, sondern um die verfassungswidrige Einführung eines Forschungsvorbehaltes. Derselbe Staat, der laut amtlichem Bericht der Bundesregierung für 2013 einen Rüstungsexport von 5,846 Milliarden Euro ausweist, der es für richtig hält, die Freiheit am Hindukusch zu verteidigen, will der Wissenschaft ein latentes Forschungsverbot auferlegen. Dabei darf man sich nicht täuschen, wie groß wegen „dual use“ der Anteil der Forschung sein wird, die fortan ihre Friedfertigkeit zu beweisen hätte. Sankt Bürokratius reibt sich schon die Hände. Das kann niemand wirklich wollen. Deshalb ist der vielfach schon praktizierte Ansatz „Programmsatz als Zieldefinition ohne Umsetzungsinstrumentarium“ die weitestgehende Position.


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