Kommentar
02 | Februar 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Mastermind

Michael Hartmer

Es gilt einen Vielgescholtenen zu loben: Innenminister de Maizière stellt sich nicht nur gegen die Koalitionsentscheidung 2013 und seine Kabinettskollegin Wanka, sondern auch gegen die schleichende Entwertung und Relativierung von Qualifikationsanforderungen. Ohne Masterabschluss wird es im Bund keinen Zugang zum höheren Dienst geben. Mit G8 und sechssemestrigem Bachelorstudium im zarten Alter von 21 auf A13, das ist mit diesem Innenminister nicht zu machen. Das wird große Teile der Bildungspolitik nicht abhalten, weiterhin das genaue Gegenteil für richtig zu erachten.

Bildungspolitisch kratzt die Entscheidung des Innenministers laut und vernehmlich an der Ideologie des omnivalenten Bachelors – und seinem Renommee. Wieder einmal ist zu besichtigen, dass die Innenpolitiker wenig Zutrauen zu den Vorstellungen der Bildungspolitiker haben. Aber wie denn auch? Ihr Jahrhundertprojekt, die Bologna-Reform, ist in den Staatsexamensfächern weitgehend unvollendet geblieben und auch insgesamt nicht gerade dazu angetan, großen politischen Kredit anzuhäufen. Die Studierenden wissen es längst: Für höhere berufliche Ansprüche bleibt der Master Maß und Ziel. Mögen auch die Wirtschaftsvertreter weiter beteuern, der Bachelor sei ein Passepartout für jede Karriere – der Staat zieht nicht mit.


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