Kommentar
07 | Juli 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Richtig ranken

Michael Hartmer

Je komplexer die moderne Welt, desto größer die Sehnsucht nach Vereinfachung. Dabei wird auch das Unvergleichliche verglichen und in Tabellen gepresst. Das Besondere findet Beachtung, soweit es kategorisierbar ist. Ein Zahlenwerk als Schlüssel zum (besseren) Verständnis der Welt?

Wie die Kunst ist die Wissenschaft in Zahlen höchst unvollkommen abbildbar. Wissenschaft ist zumeist das Gegenteil von Komplexitätsreduzierung. Jeder Wissenschaftler weiß das. Noch gehört es zum guten Ton in der Wissenschaft, nur mit dem „üblichen Vorbehalt“ über deren Vermessung zu sprechen. Gleichwohl erscheint es folgerichtig, wenn das Auswärtige Amt Universitäten Mittel zur Verfügung stellt, um universitäre Welt-Rankings und ihre Kriterien besser zu begreifen und zukünftige Platzierungen zu verbessern. Auch wenn man ein Spiel nicht mag, sollte man seine Regeln kennen, wenn man mitspielen muss. Und wer wollte aus der Sicht von Hochschulleitungen und Politik bezweifeln, dass dieses Spiel gespielt werden muss?

Aber: Ist folgerichtig auch richtig? Rankings haben mehr mit Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation als mit der Suche nach Wahrheit und Erkenntnis zu tun. Es gibt eine Logik, der man sich kaum entziehen kann, die aber gleichwohl einen schalen, bitteren Nachgeschmack hinterlässt.


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