Kommentar
10 | Oktober 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Perspektiven

Felix Grigat

Es ist ein Alarmsignal, dass immer weniger Jungwissenschaftler ihre Zukunft an den Universitäten suchen. Und doch ist diesser Befund nicht einmal überraschend. Den Hochschulen ist in den vergangenen Jahren viel zu viel zugemutet worden: Die Bürokratisierung der Lehre durch die Bologna-Reform, das immer knapper werdende Zeitbudget der Hochschullehrer für Forschung, dazu immer mehr Aufgaben in der Verwaltung sowie der tägliche Kampf um Drittmittel. All das macht den Beruf des Hochschullehrers nicht attraktiver. Dazu kommt, dass die Jungwissenschaftler mit befristeten Kettenverträgen um die wenigen Dauerstellen kämpfen müssen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Die in den letzten Jahren boomende Wirtschaft hat nachgelegt und viele interessante Perspektiven für Jungwissenschaftler geschaffen, die zudem ungleich besser bezahlt werden. Darüber hinaus suchen sehr gute Nachwuchswissenschaftler ihr Glück an amerikanischen Universitäten. Dass die deutschen Universitäten angesichts dieses Befundes laut Stifterverband ihre Anstrengungen in der Personalentwicklung verstärken, ist löblich, aber es geht um mehr. Zur Attraktivität der Wissenschaft als Beruf gehören mehr Freiräume für Forschung und Lehre, weniger Bürokratie und eine Idee davon, dass die Universitäten mehr sind als zu organisierende Betriebe.


Zurück | Artikel versenden Artikel versenden | Artikel drucken Artikel drucken