Kommentar
11 | November 2014 Artikel versenden Artikel drucken

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Michael Hartmer

Das staatliche Controlling hat die Studienabbrecher ins Visier genommen. Unter dem Deckmantel des Menschenfreundes, in Wahrheit aber vor allem an Ressoucenoptimierung und künftigen Steuer- und Sozialabgabezahlern interessiert, erklärt der Staat den Studienabbruch – inklusive -wechsel – zum Missstand. Je nach Einzelfall ist das bisweilen berechtigt, zumeist und pauschal aber falsch. Hohe Abbrecherquoten haben vor allem mit Qualitätsansprüchen, aber auch mit Karriereentscheidungen, die zu respektieren sind, zu tun. Davon will die Politik nichts wissen und sich stattdessen unverhohlen dem Wachstum von Absolventenzahlen verschrieben.

Es ist daran zu erinnern, dass derselbe Staat die Hochschulen hoffnungslos hat zulaufen lassen, sich besseren Studienbedingungen mittels Studiengebühren verweigert, die Betreuungsrelation von 1 zu 64 (Hochschullehrer zu Studierenden, mit wachsender Tendenz) achselzuckend hinnimmt und den Hochschulen fast durchgängig verbietet, Studierende selbst auszuwählen. Im Übrigen: War die Politik vor fünfzehn Jahren nicht angetreten, per Bologna-Reform die Abbrecherquoten zu senken?

Hinter einem harmlos daherkommenden, populären Stützungsprogramm, steht eine weitere Zumutung an die Universitäten: Sie sollen liefern – auch auf Kosten der Qualität. Die Metamorphose der Universität zum Produzenten schreitet voran.


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