Kommentar
04 | April 2014 Artikel versenden Artikel drucken

Freiheit

Felix Grigat

Die Studenten des Jahres 2012 sind nach Ansicht von Hochschulforschern zufriedener mit ihrem Studium als die im Jahr 2009. Ob das nun an den Studenten oder dem veränderten Studium liegt, ist nicht ohne Weiteres klar. Denn es sind ja nicht die selben Studenten, die befragt wurden. Die ‘09-Generation ging auf die Straße, um zurückzufordern, was die Bologna-Reform der Universität ausgetrieben hatte: Die studentische Freiheit und die Universität als Bildungsanstalt, nicht als Ausbildungsbetrieb. Auch bei den ‘12-Studenten meldet sich dieser Ruf nach Freiheit zu Wort, wenn auch nicht auf den Barrikaden, sondern versteckt in einem Indikatorengemenge. Die Hochschulforscher sehen immerhin „Verbesserungserfordernisse“. Hier und da an den Reformschrauben im gleichen Muster wie bisher drehen, wäre allerdings ein Irrweg. Die aktuelle Untersuchung 2014 bringt ans Licht, dass die Forderungen von 2009 nicht eingelöst wurden. Studenten wollen eben nicht als „Trivialmaschinen“ behandelt werden, sondern sich in Freiheit bilden. Sie wollen also eine Universität, die das präzise Gegenmodell der Bologna-Universität ist, die sich an auf dem Markt verwertbaren Kompetenzen orientiert. Sie wollen eine Bildungsuniversität, die in einer Anthropologie der Freiheit gründet. Eine Vision, aktuell wie eh und je – dem Berufserfolg muss das nicht im Wege stehen.


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