Kommentar
12 | Dezember 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Kehrwoche

Michael Hartmer

So manches Government-Gefasel und so manche politische Projektion einer „demokratischen Hochschule“, möglichst mit Viertelparität, bricht sich am Verfassungsrecht. In der Gruppenuniversität muss den „Inhabern der Schlüsselfunktion des wissenschaftlichen Lebens“ (BVerfG) in allen wissenschaftsrelevanten Fragen ein maßgebliches Mitwirkungsrecht zukommen. Das hat das Bundesverfassungsgericht seit 1973 in ständiger Rechtsprechung vertreten und – nach einigen Wacklern – auch und gerade für das Modell der hierarchischen, unternehmerischen Hochschule vorgegeben. Deshalb ist das Urteil des VGH weder neu noch überraschend. Schon gar nicht ist es das Ende der unternehmerischen Hochschule. Auch mit Hochschullehrern kann man eine Menge unternehmen. Nur dem Rektorat als „Alleinunternehmer“ sind die Flügel kräftig gestutzt worden. Die gewählten Vertreter der Hochschullehrer erhalten Aufwind – und mehr Verantwortung für die gesamte Korporation.

Die sich verdutzt und naserümpfend gerierende Politik sollte vor der eigenen Haustüre kehren. Die Organisation von Hochschulen als Wille und Vorstellung ohne verfassungsrechtliche Erdung muss scheitern. Die Betonung von Professorenrechten passt vielen Landesregierungen nicht in den Kram. Deshalb hat man zu lange nichts getan und sich lieber verurteilen lassen: Ziemlich flache Lernkurve.


Zurück | Artikel versenden Artikel versenden | Artikel drucken Artikel drucken