Kommentar
03 | März 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Kein Selbstläufer

Felix Grigat

Der Ruf nach der Freiheit der Wissenschaft, in den letzten Jahren oft in Festversammlungen wohlfeil beschworen, verschafft sich gegenwärtig auf den Straßen und Plätzen weltweit massiv Gehör. Dabei geht es denjenigen, die ihre Stimme erheben, nicht um Peanuts. Sie treibt existenzielle Not um.

An türkischen Universitäten sind tausende Wissenschaftler entlassen worden, viele verhaftet und drangsaliert. Was können sie noch tun angesichts der massiven Bedrohung? Welche Möglichkeiten haben sie überhaupt, wenn die freie Rede unterdrückt wird und von der Regierungsmeinung abweichende Auffassungen zur Inhaftierung führen können? Wenn das Akademische per se unter Verdacht gestellt wird?

Auch im „Land der Freien“, den USA, zeichnet sich eine massive Bedrohung der Freiheit der Wissenschaft ab. Dort allerdings kann sich öffentlicher Widerstand formieren. Die amerikanische Wissenschaftsgemeinschaft ist nicht gewillt, Einschränkungen, Zensur oder Bevormundungen hinzunehmen – und sie wehrt sich mit Bravour.

Die Freiheit der Wissenschaft ist kein Selbstläufer. Der Mut, für sie einzutreten, hat in unserer Gegenwart Folgen über Sonntagsreden hinaus. Die aktuellen Ereignisse in der Türkei und den USA sind ein Appell an die Wissenschaftlergemeinschaft, über alle Grenzen hinweg wachsam zu sein und sich zu Wort zu melden – gerade für solche, die es nicht mehr können.


Zurück | Artikel versenden Artikel versenden | Artikel drucken Artikel drucken