Kommentar
08 | August 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Bergab

Michael Hartmer

Die berufliche Bildung, einst ein deutscher Exportschlager, ist 2017 so attraktiv, dass immer weniger Ausbildungsplätze besetzt werden können. Die, die noch kommen, können oder wollen häufig nicht. Keine ausreichenden Schulkenntnisse in Mathematik und Deutsch und – schlimmer noch – schwache Sozialkompetenz, Desinteresse und neue Tiefstände bei Motivation, Disziplin und Belastbarkeit.

Auf der anderen Seite laufen die Hochschulen wund und über. Sie produzieren immer mehr Absolventen für schlecht bis mäßig bezahlte Sachbearbeiteraufgaben. Wer es wagt, vom Akademisierungswahn zu sprechen, wird schnell geschurigelt. Und es ist richtig: Eine akademische Ausbildung ist und bleibt eine gute Versicherung gegen Arbeitslosigkeit und die beste Investition in die eigene Zukunft. Nur hilft das konkret eben wenig, wenn das Wasser aus der Wand schießt oder romantische Abende zu zweit am katastrophalen Service zerschellen. Noch scheint der Glaube, dass der Markt es schon richten werde, unerschütterlich. Solche Fehlentwicklungen seien notwendige Übel eines freiheitlichen Systems. Eine staatliche Bewirtschaftung von Bildungschancen über eine noch stärkere Steuerung von Bildungsressourcen ist sicherlich kein Lösungsansatz. Aber wer findet den Weg aus dem Dilemma?


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