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03 | März 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Die dunkle Triade

Andrea Abele-Brehm ist Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Andrea Abele-Brehm ist Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Über den neuen amerikanischen Präsidenten wurde viel psychologisiert und sein Handeln wurde mit unterschiedlichen Eigenschaften in Zusammenhang gebracht: Immer wieder las man, sein Charakter offenbare die „dunkle Triade“, eine Kombination dreier Charaktereigenschaften: Narzissmus, Machiavellismus und – subklinische – Psychopathie. Ein Narzisst hält sich für besonders großartig und anderen überlegen; ein Machiavellist manipuliert andere für eigene Zwecke; und ein Psychopath ist impulsiv, wenig einfühlsam und hat keine Angst. Kurz, ein Mensch mit dunkler Triade stellt sich selbst über alles, ist kaltherzig und doppelzüngig. In einer amerikanischen Studie wurde Trump im Wahlkampf von persönlichkeitspsychologischen Experten beobachtet, und es wurde in der Tat festgestellt, dass er extrem hohe Werte bei Narzissmus und hohe Werte bei Psychopathie, ferner Machiavellismus aufwies.

Zwei Fragen stellen sich in diesem Zusammenhang: Erstens, warum wird solch eine doch recht negativ erscheinende Person gewählt? Und zweitens, lassen sich aus diesen Eigenschaften Schlüsse auf das Verhalten dieser Person ziehen?

Fragt man also, warum eine charakterlich eher negativ zu bewertende Person gewählt wird, dann muss man berücksichtigen, dass die Bewertung im Auge des Betrachters liegt, also z.B. von Sympathie oder der eigenen Lebenssituation abhängig ist – was dem einen als „Narzissmus“ erscheint, ist für den anderen „Charisma“, was der einen „manipulativ“, ist der anderen „führungsstark“. Auch die Alternative ist zu bedenken: Frau Clinton wurde in der oben genannten Studie zwar nicht als narzisstisch und psychopathisch, aber als machiavellistisch beurteilt, also auch nicht durchgängig positiv.

Welche Schlüsse auf das Verhalten der so charakterisierten Person lassen sich ziehen? Zum einen zeigen Studien z.B., dass die „dunkle Triade“ mit verstärkten Vorurteilen und mit autoritären Ideologien einhergeht; dass entsprechende Personen leicht bereit sind, sich unethisch zu verhalten bzw. unethisches Verhalten zu rechtfertigen; aber auch, dass Narzissmus und Machiavellismus (nicht Psychopathie) mit Führungsstärke und Erfolg im Berufsleben zusammengehen können. Zum anderen lassen sich jedoch keine eindeutigen Schlüsse ziehen, da Verhalten immer multideterminiert ist; neben der Kenntnis der Eigenschaften einer Person muss man etwas über die „Situation“, in der sie agiert, wissen, beispielsweise welche Berater es gibt („sozialer Einfluss“), wie sehr die Person von den eigenen Vorstellungen widersprechenden Informationen ferngehalten wird („Gruppendenken“), welche Konsequenzen ihr Verhalten hat und wie sehr sie bereit ist, aus diesen Konsequenzen zu lernen.

Persönlichkeitseigenschaften als Erklärungsansätze in der Politik? Sowohl eine interessante als auch eine schwierige Perspektive: Interessant, weil der Eindruck, den Wähler von der Persönlichkeit eines Kandidaten haben, ihre Wahlentscheidung beeinflusst; und interessant, weil die Persönlichkeitseigenschaften – insbesondere wenn sie extrem ausgeprägt sind – nun einmal Einfluss auf das Handeln der Person haben, wie in den anfänglichen Entscheidungen des neuen amerikanischen Präsidenten durchaus zu beobachten war. Aber es ist auch eine schwierige und mit Vorsicht zu behandelnde Perspektive, weil man Gefahr läuft, die Dinge zu simplifizieren und komplexe Prozesse auf – zu – einfache Erklärungsmuster zu reduzieren.


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