Forschung
03 | März 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Ergründet und entdeckt

Vera Müller

Hyperloop

Das Münchner Studententeam der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) an der TU München (TUM) hat den finalen Lauf der vom Raumfahrtunternehmen SpaceX ausgeschriebenen Hyperloop Pod Competition gewonnen. Der Hyperloop ist das Konzept eines Hochgeschwindigkeitszuges, der sich mit annähernd Schallgeschwindigkeit in einer Röhre mit Teilvakuum fortbewegen soll. Die Idee stammt von Elon Musk, dem Gründer von Tesla und SpaceX. In der von der Firma SpaceX ausgelobten „Hyperloop Pod Competition“ stellten Teams aus der ganzen Welt ihre Konzepte für den sogenannten Pod vor, die Kabinenkapsel, in der Passagiere durch die Röhre transportiert werden sollen. 30 Teams, darunter das der TUM, wurden ausgewählt, ihre Prototypen zu bauen und im Finale Ende Januar 2017 in den USA gegeneinander anzutreten. In der eigens für den Wettbewerb gebauten Röhre fanden die abschließenden Tests statt. Schließlich durften drei Teams tatsächlich in der evakuierten Röhre fahren: die Studierenden des Massachusetts Institute of Technology, der TU Delft und das der TUM. Das TUM-Team erhielt den Preis für den „Fastest Pod“. Die Hochgeschwindigkeits-Passagierkapsel für das Hyperloop-Konzept haben TUM-Studierende aus verschiedenen Fakultäten entwickelt und selbst gebaut. Es gebe bereits mehrere von SpaceX unabhängige Unternehmen, die Musks Idee aufgegriffen hätten und kommerziell am Hyperloop arbeiteten.

Intelligenz und Moral

Das moralische Denken von Kindern entwickelt sich unabhängig von ihrer Intelligenz. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF). Sie untersuchten dafür 129 Sechs- bis Neunjährige. Für die Studie führten sie zwei Messungen durch: Die Intelligenz der Kinder ermittelte die Forschergruppe mit einem standardisierten IQ-Test. Den moralischen Entwicklungsstand erfassten die Wissenschaftler, indem sie den Kindern Bildergeschichten präsentierten, in denen die Hauptfiguren moralische Regeln brechen. Danach wurden die Kinder dazu befragt. Aus den Antworten leiteten die Forscher Kennwerte ab. Das Ergebnis gelte allerdings nur für Grundschulkinder. Andere Studien, die mit Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt wurden, hätten durchaus einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und moralischen Urteilen festgestellt. Als pädagogischen Rat leiten die Wissenschaftler ab, dass auch besonders intelligente Kinder die gleiche Unterstützung in ihrer Moralentwicklung bräuchten wie ihre weniger intelligenten Altersgenossen.

Hanna Beißert et al., journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2016.01961/full

Print vor Online

Wer Zeitung liest, liest sie auf Papier. Online-Angebote der Medienhäuser spielen noch eine marginale Rolle – gemessen an der Zeit, die Konsumenten damit verbringen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Kommunikationswissenschaftler der Universität München. Er analysierte für die Studie elf große Zeitungen in Großbritannien im Zeitraum April 2015 bis März 2016. Demnach entfallen etwa 89 Prozent der Zeit, die Leser mit einer Zeitung verbringen, auf das gedruckte Exemplar, der Rest verteilt sich auf Online-Angebote (vier Prozent) und mobile Applikationen (sieben Prozent). Zwar hätten die digitalen Medien die Reichweite der Presseorgane deutlich erhöht, doch läsen die Nutzer im Schnitt 40 Minuten am Tag die Version auf Papier, die Medienprodukte derselben Marke jedoch nur rund 30 Sekunden pro Tag online oder auf dem Handy. Die Befunde könnten dem Wissenschaftler zufolge auch für Deutschland gelten. Daten des aktuellen Reuters Institute Digital News Reports etwa zeigten sogar, dass deutsche Leser über die Woche gedruckte Zeitungen zu 38 Prozent häufiger als Nachrichtenquelle nutzten als den Online-Auftritt. Für Großbritannien lautete der Wert lediglich 13 Prozent.
Neil Thurman; Journalism Studies 2017

Ich und die anderen

Beim Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter erleben viele Menschen positive Veränderungen ihrer Persönlichkeit. Eine neue Studie von einem internationalen Team aus Psychologen zeigt, dass auch Bekannte diese Veränderungen wahrnehmen. Für ihre Studie analysierten die Forscher die Persönlichkeitsprofile von über 10 000 Nutzern der Facebook-App myPersonality im Alter zwischen 14 und 29 Jahren. Zusätzlich wurden die Nutzer auch von Facebook-Freunden eingeschätzt. Im Großen und Ganzen ähnelten die Alterseffekte im Selbstbericht denen in der Einschätzung durch Bekannte. Zudem fanden die Forscher heraus, dass mit zunehmendem Alter die Selbst- und die Außenperspektive auf die Persönlichkeit zunehmend ähnlicher werden. Die Ergebnisse müssten allerdings noch einmal mit längsschnittlichen Daten bestätigt werden, da die Forscher jüngere Personen mit älteren verglichen hätten. In weiteren Studien sollten die gleichen Personen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, um zu sehen, wie sich die Persönlichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven über die Zeit hinweg ändere.
Universität Leipzig; Julia Rohrer, Stefan Schmukle et al., DOI:10. 1037/pspp0000142

Medizinische Gutachten

Weltweit wird rund die Hälfte aller Invaliditätsansprüche aufgrund unabhängiger medizinischer Gutachten abgelehnt. Oft sind sich die Experten nicht einig, ob jemand arbeitsfähig ist oder nicht. Dies ist einer Studie von Forschern der Universität Basel zufolge vermutlich auf das Fehlen gültiger Standards zurückzuführen. Strukturierte Begutachtungsprozesse könnten die Zuverlässigkeit der Beurteilungen verbessern. Die Resultate des internationalen Forscherteams aus der Schweiz, den Niederlanden und Kanada beruhten auf einer systematischen Überprüfung von 23 Studien, die von Wissenschaftlern und Versicherungen in zwölf Ländern durchgeführt wurden. In den früheren Untersuchungen wurde analysiert, wie groß die Übereinstimmung unter Gesundheitsfachleuten war, wenn es galt, die Arbeitsfähigkeit von Patienten zu beurteilen, die einen Invaliditätsanspruch geltend gemacht hatten. Medizinische Gutachten hätten weitreichende Konsequenzen für Arbeitnehmer, deren Arbeitsfähigkeit wegen Krankheit oder Unfall eingeschränkt sei. Nach Ansicht der Wissenschaftler seien die Ergebnisse beunruhigend, weil Patienten eine valide Einschätzung benötigten. Deshalb sollten dringend Instrumente und strukturierte Ansätze entwickelt und erprobt werden, die die Bewertung der Arbeitsunfähigkeit verbesserten.
Universität Basel; Regina Kunz et al., DOI: 10.1136/bmj.j14

Wem nutzt Lob?

Verbale Anerkennung von Leistung funktioniert auf eine unerwartete Weise: Von der Anerkennung motiviert werden nicht diejenigen, denen das Lob ausgesprochen wird, sondern umgekehrt gerade diejenigen, deren Leistung nicht hervorgehoben wird. Zu diesem Ergebnis kommen deutsche und niederländische Forscher. Sie untersuchten in einem Experiment über 300 niederländische Studienanfänger aus 15 ausgewählten Tutorien der Mikroökonomie. Die 30 Prozent der Studierenden mit den besten Leistungen wurden in einem Teil der Tutorien für ihr Abschneiden in den Klausuren unerwartet und vor ihren Kommilitonen gelobt. Verglichen mit den Studierenden in den Kontrollgruppen, in denen keine solche Anerkennung ausgesprochen wurde, zeigte sich bei den leistungsstarken Studierenden keine Verbesserung ihrer folgenden Klausurergebnisse. Bei den Studierenden, die gerade unterhalb der besten 30 Prozent ihrer Gruppe lagen, war hingegen im Vergleich zu den Kontrollgruppen eine deutliche Leistungssteigerung zu erkennen. Die verbale Anerkennung von Leistung dient den Forschern zufolge als ein Instrument, durch welches eine Norm kommuniziert wird. Wenn einzelne Teilnehmer unerwartet gelobt würden, führe das zu Änderungen im Verständnis der Norm und einer Anpassung des eigenen Verhaltens.
Universität Konstanz; Nick Zubanov/Nicky Hoogveld, DOI: 10. 1016/j.socec.2016.11.001

„Peerus“

Französische Wissenschaftler haben die App Peerus zum Auffinden aktueller wissenschaftlicher Publikationen entwickelt. Peerus ist eine kostenlose App, deren Arbeitsweise auf dem maschinellen Lernen basiert. Durch die Publikationen, über die die Forscherin bzw. der Forscher bereits verfügt, identifiziert sie in Echtzeit die neuesten und relevantesten Publikationen in 2 000 hochrangigen Zeitungen nach Kriterien wie dem Thema einer Zeitung, den Autoren oder Schlüsselwörtern. Basierend auf diesen Informationen filtert ein Algorithmus, der diese Informationen mit einem künstlichen neuronalen Netz verarbeitet, das Suchfeld und passt es den Bedürfnissen an. Zudem sind die Benutzereinstellungen veränderbar, um die Suche detaillierter und personalisierter zu gestalten.
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in Deutschland; www.cnrs.fr


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