Lesen und lesen lassen
Recht und Gerechtigkeit
Ein begabter junger Jurist, der promovieren will, erhält bei seiner Recherche zahlreiche Einblicke in das judikative, legislative und professorale Rechtsdenken und Rechtshandeln. Der Doktorand untersucht die Vorurteilsstrukturen von Richtern, die versteckt in Gerichtsurteile eingehen und den Gesetzessinn auf eine Weise unterlaufen, dass man glauben könnte, dieser sei beliebig auslegbar. Er versucht, empirisch zu beweisen, dass Urteile nichts anderes als subjektiv eingefärbte Interpretationen der Gesetze sind und dass die Gesetzesbindung des Richters sich als richterliche Selbstentfaltung erweist. „Ja, alles Recht bleibt immer nackt. Man muss es einkleiden, um den schönen Schein zu erzeugen. In einem Urteil vollzieht ein Gericht genau diese Verkleidung.“ (S. 93).
Die Meinungen des Doktorvaters und des Doktoranden driften schließlich auseinander, nach dem Motto „Doktorand untergräbt die Justiz“. Das Promotionsvorhaben scheitert an dem Bruch zwischen Recht und Gerechtigkeit. Der „gescheiterte“ Doktorand wählt letztlich den für ihn besseren Weg, indem er die von ihm entwickelte juristische Software verkauft, dadurch vermögend wird und ein Leben als Privatier führen kann.
In diesem „Reflexionsroman“ wird unser Rechtsstaat aus verschiedenen Blickwinkeln kritisch beleuchtet. Durch die spannende Schreibweise des Autors wird der Leser durch die ständigen Fragen und Antworten unweigerlich dazu veranlasst, sich seine eigenen Gedanken zum Grundthema des Romans, dass sich die Justiz in Deutschland in der Krise befindet, zu machen.
Ein insgesamt, auch aufgrund von Anspielungen auf die Zeit des Nationalsozialismus und aufgrund von politischen und rechtsphilosophischen Betrachtungen denkwürdiger Roman, der lange nachwirkt.
Erich Dauenhauer: Gerichtsasche, Walthari Verlag, Münchweiler 2012, 246 Seiten, Buchhandelspreis 25 Euro, bei Direktbestellung unter http://www.walthari.com/ buchshop/ 17,50 Euro, zzgl. Versandkosten.
Birgit Ufermann
„Nun ja, aber nicht zu nah“
Die Nanotechnologie ist zu einer Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts geworden. Immer mehr Produkte kommen auf den Markt, die synthetische Nanopartikel enthalten. Dabei haben die Nanoteilchen spezifische Stärken, bergen aber auch neue Risiken, so dass es in der Öffentlichkeit Bedenken gegen das noch relativ junge Wissensgebiet gibt. Hier knüpft ein Symposium an, das von der Leopoldina, von acatech und der Berlin Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam veranstaltet wurde und dessen Ergebnisse im vorliegenden Band gespiegelt werden. In den Blick genommen werden vor allem die Bereiche Medizin, Kosmetik und Ernährung, weil dabei den Konsumenten die Nanotechnologie „buchstäblich zu Leibe“ rückt. Aspekte der Risikokommunikation und Fragen zum Umgang mit der Nanotechnologie werden erörtert. Das Buch zeigt zum einen vielversprechende Möglichkeiten von Nanomaterialien, zum anderen Unsicherheiten bei der Risikobewertung auf und liefert so vielfältige Informationen für eine Diskussion über Chancen und Risiken. Einen offenen Dialog halten die Akademien für erforderlich, um drohenden Akzeptanzproblemen, wie es sie etwa bei der Grünen Gentechnik gibt, zu begegnen.
Heckl, Wolfgang (Hg.): Nano im Körper. Chancen, Risiken und gesellschaftlicher Dialog zur Nanotechnologie in Medizin, Ernährung und Kosmetik. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2012, 143 Seiten, 21,95 Euro.
Ina Lohaus
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