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08 | August 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Lesen und lesen lassen

Wissenschaft und Kunst

Das Verhältnis von Wissenschaft und Kunst ist eng verbunden mit tradierten Rollenbildern und Selbstzuweisungen, die beide Disziplinen und ihre Beziehungen zueinander bis heute prägen, so die Autoren. Die Verwurzelung von jeweils anderen Denkstilen, Werten und Begriffssystemen scheint in der Berliner Akademie der Künste und der Wissenschaften neu verhandelt zu werden und dabei genauso zukunftsweisend wie zermürbend zu sein. Die vorliegende Publikation reflektiert das gleichnamige zweijährige Projekt mit 48 bekannten Autoren – stolze 542 Seiten umfassend –, kontrovers und facettenreich. Die Öffnung für neue kollaborative Projekte, hybride Beziehungen und Transferprozesse lebt bereits von der Diversität der Experten. Hier beweisen Soziologen, Philosophen, Psychologen, Kunst-, Musik-, Theater- und Medienwissenschaftler, aber auch Neurologen, Mediziner, Biologen, Historiker, Archäologen, ein Mathematiker, Ethnologen, ein Theologe und fünf Künstler ein wachsendes Interesse am jeweils anderen.

Insofern könnte Kapitel 3 und 4 auch als Einstieg gelesen werden in die „Wunderkammer“ eines neuen Typs von Laboratorium, das nicht als Waffenschmiede für Lösungen, sondern als Stätte für staunende Neugierde dient für eine kritisch gewendete Forschung, so Beat Wyss. Künstlerische Forschung, fügt Corina Carduff hinzu, vermag nicht nur die künstlerischen Prozesse selbst zu hybridisieren, (…) sondern sie verändert auch die traditionell geisteswissenschaftliche Erforschung der Künste, indem sie an deren (Selbst-) Verständnis rüttelt. Artistic Reasearch wird als ein neuer transdisziplinärer, produktiver und streitbarer Modus verstanden, der das Feld der künstlerisch-wissenschaftlichen Beziehungen gehörig aufmischt.

„Erst als ich hörte, wie du mich verstehst, wusste ich, was ich gesagt habe“ ist der Titel der „Mobilen Akademie Berlin von Hannah Hurzig und könnte als konstruktive Belastungsprobe der neuen Beziehung verstanden werden.

Hermann Parzinger, Stefan Aue, Günter Stock (Hg.): ArteFakte: Wissen ist Kunst. Kunst ist Wissen. Transcript Verlag Bielefeld 2015, 544 Seiten, 34,99 Euro.

Professor Dr. Ursula Bertram, Technische Universität Dortmund

Lebensmodell

Professur mit Kind(ern) – wie geht das?“ Erfahrungen, die bei der Bewältigung dieses komplexen Lebensmodells gemacht wurden, hat Brigitte Stiehler, Lehrbeauftragte an der Fakultät für Sozialwesen der Hochschule Mannheim, in einer Studie beleuchtet, in der sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über ihr Elterndasein befragt hat. Wie hat die Entscheidung für ein Kind die Karriereplanung und den beruflichen Weg beeinflusst? Welche Überzeugungen sind für den Erziehungsstil maßgebend? Wie ist die Versorgung der Kinder zwischen Mutter und Vater aufgeteilt? Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen geben einen Einblick in die Lebenswelt von Professorinnen und Professoren mit Kindern. Bei aller Unterschiedlichkeit der Familienmodelle und der Pluralität der Lebensformen werden in der Studie Überzeugungen und Handlungsstrategien aufgezeigt, die aus Sicht der Eltern die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Familie ermöglichen. Die interviewten Mütter und Väter kommen zu einer insgesamt positiven Einschätzung des Lebensentwurfs „Professur mit Kind(ern)“. Das Zusammenleben mit Kindern wird ebenso wie die wissenschaftliche Karriere als Bereicherung empfunden.

Brigitte Stiehler: Wissenschaft­liche Karriere mit Kind. Elternschaft trotz Professur. Budrich UniPress, 169 Seiten, 22,90 Euro.

Ina Lohaus


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