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06 | Juni 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Lesen und lesen lassen

Hochschulrechtliche Praxis

Im Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland ist auch das Hochschulwesen rechtlich voll durchnormiert. Das mag man bedauern, ändern lässt es sich nicht. Das Hochschulrecht geht alle Hochschulangehörigen an; keiner kann sich ihm entziehen, und daher sollte jeder wenigstens in den Grundzügen das rechtliche Umfeld kennen, in dem er sich bewegt.

Das Hochschulrecht weist zugleich eine durch die bundesstaatliche Struktur Deutschlands noch erhöhte Komplexität auf und unterliegt einem dynamischen Wandel, der nicht zuletzt durch wech-selnde rechtspolitische Konjunkturlagen geprägt ist. So bedarf dieses Recht für den, der hier nicht Fachmann oder -frau ist, und das trifft sogar auf die meisten Juristen zu, einer verständlichen praxistauglichen Aufbereitung, die zudem immer wieder à jour zu bringen ist.

Dies leistet das nun schon in dritter Auflage erschienene „Handbuch für die Praxis“ in vorzüglicher Weise. Die hoch kompetenten Herausgeber haben ein bewährtes Autorenteam aus Praktikern und Wissenschaftsrechtlern zusammengestellt, das dafür bürgt, dass das einschlägige Recht in 15 Kapiteln umfassend, praxisorientiert und zugleich rechtswissenschaftlich fundiert behandelt wird, von den verfassungsrechtlichen Grundlagen über das Dienst- bzw. Arbeits-, Mitgliedschafts- und Korporationsrecht des Hochschulpersonals, das Organisationsrecht, die Hochschulmedizin, Rechtsfragen des Studiums und der Prüfung, das Urheber- und Erfindungsrecht bis hin zur Hochschulfinanzierung und -steuerung.

Das Handbuch löst nach wie vor den selbst gesetzten Anspruch, das Hochschulrecht ganzheitlich und verständlich darzustellen, seine Entwicklung nachzuzeichnen und die Hochschulpolitik und -praxis, wo notwendig, auch zu kritisieren, ein. Es ist uneingeschränkt zu empfehlen.

Michael Hartmer / Hubert Detmer (Hg.) Hochschulrecht. Ein Handbuch für die Praxis, C.F. Müller Verlag, 3., neu bearbeitete Auflage, Heidelberg 2016, 924 Seiten, 139,99 Euro.

Professor Dr. Christian Hillgruber, Universität Bonn

Gretchenfrage

Wie haben sie es mit der Religion, die großen Naturwissenschaftler wie Keppler, Newton, Darwin, Einstein oder Hawking? Dieser Frage geht der Physiker und Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer nach, indem er das Wechselspiel zwischen Glauben und Wissen bei Forschern vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart nachzeichnet. Glauben sie noch an einen Gott, nachdem ihnen ihre bahnbrechenden Erkenntnisse, ob sie den Kosmos oder die Atome betreffen, gelungen sind? Die Antworten fallen durchaus unterschiedlich aus. Z.B. habe Darwin keine Spuren eines Gottes in der beobachteten Natur finden können, für Lamarck hingegen habe sich die Größe Gottes durch die Evolution gezeigt. Bei Einstein werde dessen Verhältnis zum Glauben schon in dem Satz „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind“ sichtbar. Unter der despektierlich klingenden Kapitelüberschrift „Moderne Mätzchen am Ende“ streift Fischer auch Forscher unserer Zeit wie z.B. Francis Crick oder Richard Dawkins. Aus der Beschäftigung mit dem Weltverständnis der Naturwissenschaftler folgert Fischer, dass sich die Gretchenfrage trotz aller Erkenntnisse auch heute noch zu stellen scheint und Forscher sich herausgefordert fühlten, ihr Verständnis von Gott zu klären. Und so beschreibt auch Fischer sein eigenes Verhältnis zu Gott in einem persönlichen Nachwort.

Ernst Peter Fischer: Wenn das Wissen nicht mehr reicht. Berühmte Wissenschaftler und ihre Suche nach Gott. Komplett Media, München 2017, 240 Seiten, 18,- Euro.

Ina Lohaus


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