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07 | Juli 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Lesen und lesen lassen

Innenperspektive

Wer differenziert wissen möchte, welchen signifikanten Veränderungen Wissenschaft als Beruf in den letzten 20 Jahren rund um den Globus unterworfen ist, wird in dem von Ulrich Teichler (INCHER, Universität Kassel) und William K. Cummings (George Washington University, USA) herausgegebenen Sammelband fündig. Die Mehrzahl der 17 Beiträge des Bandes nimmt eine international vergleichende Perspektive ein. Sie stützen sich auf eine quantitative Wissensbasis aus Befragungen von Akademikern und Akademikerinnen im Rahmen der Projekte Changing Academic Profession (CAP) und Academic Profession in Europe (EUROAC), die eine Innenperspektive der Profession aus insgesamt mehr als 20 Ländern rund um den Globus umfasst.

In den Beiträgen werden allgemeine Entwicklungen herausgearbeitet und u.a. zwei Trends bestätigt: die stärkere Präsenz von Frauen, die eine akademische Karriere beginnen, und die zunehmende internationale Mobilität. Beide Faktoren sind bei Juniors (docs und postdocs) stärker ausgeprägt als in der Senior-Generation und treten in den verschiedenen nationalen Kontexten in teilweise erheblicher Variationsbreite auf. Weitere Beiträge befassen sich mit der Dissoziation der traditionellen Arbeitsteilung und dem Trend hin zur Wissensarbeit mit höheren Anteilen von Wissensvermittlung und -übersetzung in praktische Problemlösungen und Wissenschaftsmanage­ment gegenüber der eigentlichen Forschung und Lehre. Dies bei zunehmend fragmentierten Beschäftigungsbedingungen, Einkommensunterschieden, schwindender Arbeitszufriedenheit, sinkender Attraktivität von Wissenschaft als Beruf, Abbruch von Karriereambitionen und Berufswechseln. Es sind Herausforderungen nicht nur für die Profession selbst, sondern v.a. auch für das Management wissenschaftlicher Einrichtungen.

Neben der Verdeutlichung dieser wie weiterer übergreifender Tendenzen, liegt die Stärke der Publikation im Aufzeigen länderspezifischer Entwicklungen. Daher könnte sie zu einem differenzierteren Umgang mit Labels wie Internationalisierung, Exzellenz oder Diversifizierung auch der deutschen Academic Profession sowie des Wissenschafts- und Forschungssystems beitragen. Den Einfluss der nationalen institutionellen Strukturen zu spezifizieren und darin auch Deutschland zu positionieren unternimmt der letzte Beitrag zu dem Sammelband.

Ulrich Teichler / William K. Cummings (Eds.): Forming, Recruiting and Managing the Academic Profession. Springer Verlag, Heidelberg u.a., 2015, 328 Seiten, 106,99 Euro.

Dr. Karin Zimmermann, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung

Familiengerecht?

Es ist ein Thema, das viele junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sehr bewegt: Wie lassen sich Familie und Wissenschaft miteinander vereinbaren? Ihre Erfahrungen, Meinungen oder Wünsche kann man in dem Blog der Jungen Akademie (www.blog.diejungeakademie.de) nachlesen, oder etwas gekürzt in der Abschlussbroschüre des Blog-Projekts. Auch wenn in manchen Äußerungen Lösungen und Ratschläge angeboten werden, ist es doch auffällig, dass deutlich mehr negative Berichte zu finden sind. Immer wieder werden die befristeten Stellen und der Publikationsdruck genannt, die als sehr problematisch empfunden werden. Auch familienunfreundliche Einstellungen im wissenschaftlichen Umfeld werden beklagt. Trotz aller Fördermaßnahmen, die bisher schon die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses mit Kindern verbessert haben, zeigt sich in den Äußerungen doch, dass noch vieles verändert werden muss, damit die Wissenschaft familiengerechter werden kann. So verwundert es nicht, dass dafür eine lange Wunschliste existiert.

Veronika Lipphardt u.a. (Hg.): Wie familiengerecht ist Deutschlands Wissenschaftssystem? Zu beziehen unter: www.blog.diejungeakademie.de

Ina Lohaus


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