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05 | Mai 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Lesen und lesen lassen

Wissenschaftsfreiheit

Die Literatur über die „68er“ ist im Laufe der Jahre gewaltig ins Kraut geschossen. Die Selbstverherrlichung der „68er“ dominiert. Eine objektivere Darstellung tat not.

Mit dem hier angezeigten Werk – einer an der Humboldt-Universität entstandenen Dissertation – liegt sie endlich vor. Es konzentriert sich auf den „Bund Freiheit der Wissenschaft“, zeichnet aber keineswegs nur dessen Geschichte nach. Es bietet ein umfassendes Bild jener Jahre, in denen der BFW um die Erhaltung der Wissenschaftsfreiheit gekämpft hat und um sie hat kämpfen müssen. Mit dem Zerrbild, der BFW sei das Sammelbecken ewig gestriger Ultraordinarien gewesen, räumt Wehrs auf die einfachste und zugleich überzeugendste Weise auf, indem er klarstellt, wer die Gründerväter dieses angeblichen „Rechtskartells“ waren: Richard Löwenthal, Walter Rüegg, Hermann Lübbe, Thomas Nipperdey, Hans Maier, Erwin Scheuch, Otto von Simson, Nikolaus Knauer, um nur die Bekanntesten zu nennen, samt und sonders herausragende Wissenschaftler, die sich aus eigenem Antrieb lange, ehe die 68er auf den Plan traten, tatkräftig und keineswegs ohne Erfolge um eine fruchtbare Erneuerung der Universität sowohl in ihren Strukturen als auch in ihren Studienbedingungen bemüht hatten. Zusammengeschlossen haben sie sich nicht, um die Universitätsreform aufzuhalten. Sie haben sich gegen die Zerstörung gewehrt, die den deutschen Universitäten gewiss gewesen wäre, wenn dort die Anführer der 68er die Macht übernommen hätten. Drum verwundert nicht weiter, dass es um den BFW peu à peu stiller geworden ist, je mehr sich die Ära der 68er ihrem Ende zuneigte. Der BFW widersetzte sich dem studentischen Terror, den die Anführer der 68er an den Universitäten entfesselt hatten. Als es wieder möglich geworden war, frei über die Hochschulreform zu diskutieren, mussten andere in dieser Diskussion den Part der Universitäten übernehmen.

Das alles schildert Wehrs nicht nur sachkundig, detailreich, unparteiisch und „quellengesättigt“, sondern auch ungemein spannend: Ein lesenswertes Buch, das sich nicht zuletzt dadurch wohltuend von seinen den 68ern gewidmeten Pendants abhebt, dass ihm alle hagiographischen Attitüden abgehen.

Nikolai Wehrs, Protest der Professoren – Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ in den 1970er Jahren, Wallstein Verlag Göttingen, 2014, 539 Seiten, 44,00 Euro.

Professor em. Dr. iur Reinhard Mußgnug, Universität Heidelberg

Persönlichkeiten

Seit 15 Jahren ist der Fotograf Peter Badge weltweit unterwegs, um Nobelpreisträger mit seiner Kamera zu portraitieren. Im Mittelpunkt seines Interesses steht nicht die Leistung der ausgezeichneten Wissenschaftler, Friedens- und Literaturnobelpreisträger, sondern deren Persönlichkeit, die er mit seinen Fotos zum Vorschein bringen möchte. Die so entstandenen Bilder sind im Buch nur sehr klein abgedruckt, aber hier stehen die Erlebnisse mit den Laureaten rund um den Fototermin im Vordergrund, von denen Badge zusammen mit der Co-Autorin Sandra Zarrinbal sehr kurzweilig erzählt. Badge berichtet von berührenden, skurrilen oder überraschenden Begegnungen, erzählt von seinen Gesprächen mit den Preisträgern und von Freundschaften, die sich aus diesem Fotoprojekt ergeben haben. Der Leser erfährt so manches Detail aus ihrem Leben, über ihre Interessen und Sichtweisen. Die Geschichten sind so unterschiedlich wie die Charaktere der Laureaten selbst. So zeichnet Badge ein lebendiges Bild von außergewöhnlichen Menschen, die ihn nachhaltig beeindruckt haben, und präsentiert seine Einblicke auf zugleich informative und unterhaltsame Weise.

Peter Badge / Sandra Zarrinbal: Geniale Begegnungen. Weltreise zu Nobelpreisträgern. Daab Verlag, Köln 2015, 576 Seiten, 29,95 Euro.

Ina Lohaus


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