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08 | August 2014 Artikel versenden Artikel drucken

Lesen und lesen lassen

Sowohl-als-auch

Die Stellung des Deutschen in Europa und in der Welt, die Sprachpolitik im eigenen Land und in Europa sowie seine Rolle und Stellung als Wissenschaftssprache sind Themen des vorliegenden Buches. Auf den ersten Blick ist es ein Plädoyer für ein Miteinander von Sprachenvielfalt und der Weltsprache Englisch, das auch in den Wissenschaften zu gelten habe. Wer will diesem „Sowohl-als-auch“ widersprechen? Wer will noch eine nationalistisch verengte Sicht auf die Muttersprache, wie sie der Autor völlig zu Recht geißelt? Doch auf den zweiten Blick?

Für die Kapitel über Wissenschaftssprache lässt sich sagen: Sie zeugen davon, dass dem Autor offenbar nicht klar ist, dass in vielen Disziplinen das Englische die Einzelsprachen schon so vollständig verdrängt hat, dass eine Stärkung der letzteren erforderlich wäre, um das geforderte „Sowohl-als-auch“ zu erreichen. Im Buch werden jedoch diejenigen, die neben der weltweiten Rolle des Englischen auch die Bedeutung der Einzelsprachen für die Wissenschaft erkannt haben, in die Ecke eines „konservativen“ Lagers gestellt, und es wird ein Antagonismus zu den „Liberalen“, die diese Position als nationalistisch entlarven, konstruiert. Das Verfahren ist simpel: Differenzierte Aussagen von Wissen­­schaftlern, die einschlägig ausgewiesen sind, werden entstellt, und es werden ihnen Zitate in den Mund gelegt, die sie niemals geäußert haben. Der Autor schreckt selbst vor persönlicher Verunglimpfung nicht zurück. Er berichtet von Tagungen, denen er nicht beigewohnt hat, ignoriert empirische Studien oder greift Untersuchungen an, die er anscheinend nicht verstanden hat. Über die Publikationspraxis in den Naturwissenschaften etwa will er besser Bescheid wissen als deren Fachvertreter. Wer sich als Naturwissenschaftler redlich um seine Daten und deren Interpretation bemüht, mag nicht unbedingt Wissenschaftsfälschung von einem mediävistischen Literaturwissenschaftler mit „kreativen Forschungsansätzen“ assoziiert sehen.

Karl-Heinz Göttert: Abschied von Mutter Sprache. Deutsch in Zeiten der Globalisierung. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2013, 368 Seiten, 22,99 Euro.

Professor Dr. Ralph Mocikat, Arbeitskreis Deutsch als Wissenschafts­sprache (ADAWIS)

Fragen, die das Leben stellt

Dem Rätsel Mensch will sich der Journalist und Wissenschaftsautor Stefan Klein in seinen Gesprächen mit namhaften Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen nähern. Diese erzählen in den Interviews von ihren Forschungen, aber auch von ihren persönlichen Sichtweisen. Die Themen reichen von der Kindheit bis zum Alter: Die Entwicklungspsychologin Alison Gopnik, Professorin zugleich für Philosophie an der Universität Berkeley, beschäftigt sich mit kindlichem Denken. Demgegenüber widmet die Molekularbiologin Elizabeth Blackburn, Professorin an der University of California in San Francisco und Nobelpreisträgerin, ihre Forschungen der Telomerase, einer Substanz, die das Altern verzögert. Die elf Wissenschaftler sprechen über Fragen, die für unser Menschsein von Bedeutung sind: z.B. über Gesundheit (Detlev Ganten), Altruismus (Richard Dawkins) oder Moral (Peter Singer), über die genetisch mit uns verwandten Vorfahren (Svante Pääbo) oder über Affen als unsere nächsten Verwandten (Jane Goodall). Die Interviews, in denen Erkenntnisse aus der Forschung mit eigener Lebensgeschichte und persönlichem Blick verbunden sind, fördern Nachdenkenswertes zutage und werfen Schlaglichter auf die „Fragen, die das Leben stellt“.

Stefan Klein: Wir könnten unsterblich sein. Gespräche mit Wissenschaftlern über das Rätsel Mensch. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 2014, 197 Seiten, 9,99 Euro.

Ina Lohaus


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