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03 | März 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Lesen und lesen lassen

Zukunftsfähig?

Anlässlich des 600. Gründungsjubiläums der Alma Mater Lipsiensis im Jahre 2009 veranstaltete der Germanist Dieter Burdorf zusammen mit Angelika Hoffmann-Maxis (Institut für Klassische Philologie und Komparatistik) eine Ringvorlesung „Die Zukunft der Philologien“, zu der neben den Leipziger Kollegen und Kolleginnen auch auswärtige Redner eingeladen wurden, um am Beispiel diverser Einzeldisziplinen die vielfältigen Möglichkeiten (weniger die Grenzen) der Philologien zu diskutieren, die sich besonders im 21. Jahrhundert gegen die medialen und auch kulturellen Herausforderungen behaupten und auch vermehrt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit ihres Wirkens beantworten müssen.

Knapp fünf Jahre später liegen nun die meisten der Vorträge in gedruckter Form vor. Zudem wurden fünf weitere, offensichtlich eigens für den Band eingeholte Beiträge aufgenommen, die alle eloquent und engagiert die bunte Vielfalt ihrer Fächer, besonders Klassische Philologie, Mediävistik, Germanistik, Romanistik und Anglistik sowie Komparatistik, vorstellen und auf deren Zukunftskompetenz vehement hinweisen. Diese sehen die meisten der Autoren und Autorinnen vornehmlich in der Fähigkeit, „auf aktuelle gesellschaftliche und kulturelle Herausforderungen angemessen zu reagieren,“ und „die Tiefendimensionen eines Jahrhunderte, ja Jahrtausende zurückreichenden kulturellen Gedächtnisses im Medium der Schrift für die jeweilige Gegenwart zu erhalten und zu erschließen“ (Klappentext).

Dem mag man gerne zustimmen, fraglich bleibt aber, wie und ob die einzelnen Fächer ihr Wissen und ihre profunden (Lese-)erfahrungen in die Gesellschaft und vor allem in die akademische Lehre auch tatsächlich einbringen können, zumal trotz zunehmender Akademisierung das Interesse am Wort stetig schwindet und an den Universitäten der Dreiklang von „Bildung, Ausbildung und Qualifizierung“ schon lange nicht mehr sehr harmonisch klingt.

Dieter Burdorf (Hg.), Die Zukunft der Philologien, Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2014, 415 Seiten, 64,- Euro.

Professor Dr. Christa Jansohn, Universität Bamberg

Informationsaustausch

Im Frühjahr 1630 hatte das erste bekannte Adressbüro in Paris seine Arbeit aufgenommen. Es sollte Anlaufstelle sein für alle, die etwas verkaufen, kaufen, verleihen, tauschen oder ausborgen wollten, die z.B. ein Zimmer zu vermieten hatten oder ein Landgut erwerben wollten. Hier konnte sich ein Meister, der einen Lehrling suchte, in ein Register eintragen lassen oder ein Dienstmädchen, das eine Anstellung finden wollte. Für Vermittlungen verschiedenster Art und auch als Pfandhaus konnte das Adressbüro genutzt werden. Es diente als Bildungseinrichtung und Sammelstätte des verfügbaren Wissens. Die Geschichte solcher Adressbüros, Offices of Intelligence oder Fragämter, die es auch in anderen großen Städten gab, erzählt auf unterhaltsame Weise der Historiker Anton Tantner, der an der Universität Wien lehrt. Er fragt dabei auch nach den Parallelen zwischen dem frühneuzeitlichen und dem heutigen Informationsaustausch. So spielten schon im 17. Jahrhundert Anonymität und Diskretion in den Adressbüros eine Rolle. Im digitalen Zeitalter ist es der Datenschutz, der gewährleistet sein sollte. Die Analogie von modernen Internet-Suchmaschinen und Adressbüros wird vom Autor veranschaulicht, denn es gibt durchaus weitere Parallelen. Sind also die Adressbüros Vorboten heutiger Suchmaschinen?

Anton€Tantner: Die ersten Suchmaschinen. Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2015. 173 Seiten, 19,90 Euro.

Ina Lohaus


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