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10 | Oktober 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Lesen und lesen lassen

Teilhabe

Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention und dem in § 24 verankerten Recht auf inklusive Bildung werden umfangreiche institutionelle Veränderungsprozesse für Bildungseinrichtungen angestoßen. Während bisher vorwiegend Schulen und Kindertageseinrichtungen in den Fokus von Inklusionsbestrebungen genommen wurden, trifft dies zunehmend auch auf Hochschulen zu. Uta Klein leistet mit ihrem Herausgeberwerk einen wichtigen Beitrag zur Bestandsaufnahme inklusiver Praxis und Forschung an Hochschulen und zeigt gleichzeitig auf, dass trotz der von den Autorinnen und Autoren illustrierten Beispiele noch große Lücken in den Bereichen der Hochschulentwicklung, der Hochschuldidaktik und der Forschung existieren.

Der Band zeichnet sich durch eine gelungene Einbettung in den aktuellen Diskurs um Inklusion und Diversity aus. Die Autorinnen und Autoren greifen in ihrer Argumentation dabei auf ein menschenrechtliches Verständnis von Inklusion zurück. Sie begründen die inhaltliche Ausrichtung auf die Dimension Behinderung schlüssig mit den Barrieren an Hochschulen, die sich insbesondere für die Personengruppe der Menschen mit Behinderung als studienerschwerend erweisen. Es geht bei der Umsetzung von Inklusion aber nicht allein um die Behebung oder den Ausgleich zugeschriebener Defizite eines einzelnen Menschen, sondern vielmehr um die systemische Frage, wie sich eine Bildungseinrichtung auf die Bedarfe unterschiedlicher Menschen einstellt. Eine inklusive Hochschule begibt sich in den Prozess, Barrieren, Selektions- und Exklusionsprozesse innerhalb der Institution zu identifizieren und zu minimieren. Der erste Teil des Bandes beschäftigt sich folgerichtig mit den Strategien und Instrumenten inklusiver Hochschulentwicklung und illustriert dies mit den Erfahrungen aus unterschiedlichen Hochschulstandorten. Der zweite Teil des Herausgeberwerks widmet sich den Forschungsfragen und -desiderata in Bezug auf die Situation von Studierenden mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen, während der letzte Teil die berufliche Teilhabe im Übergang von der Hochschule in den Beruf in den Vordergrund rückt.

Uta Klein (Hg.): Inklusive Hochschule. Neue Perspektiven für Praxis und Forschung. Beltz Juventa,Weinheim 2016, 272 Seiten, 34,95 Euro.

Professor Dr. Timm Albers, Universität Paderborn

Literaturbetrieb

„Überdenken“ will der Autor und Übersetzer Tim Parks alles, was mit Büchern zusammenhängt. Er nimmt Autoren, Leser, Lektoren und Kritiker unter die Lupe und hinterfragt den internationalen Literaturbetrieb. Die Globalisierung habe zu einer Vereinheitlichung der Buchmärkte geführt. Leser auf der ganzen Welt würden dieselben Autoren lesen, wodurch Vielfalt, kulturelle Reichtümer und eine Fülle von Sprachen verlorengingen. Übersetzungen sorgten zwar dafür, dass Romane und andere Prosatexte nicht zu einer ausschließlichen Domäne des Englischen würden, doch sprachliche Eigenheiten oder besondere Schreibstile ließen sich nicht unbedingt in andere Sprachen übertragen. Kritisch sieht Parks auch das zunehmende Aufkommen von Literaturpreisen. Obwohl niemand alles lesen könne, erweckten diese den Anschein, als könne man bestimmen, welcher Roman oder welcher Autor der beste des Jahres ist. Sei der Sieger erst einmal gekürt, stiegen die Verkaufszahlen und die Chancen, in den Literaturkanon aufgenommen zu werden. Dieser, so prognostiziert Parks, werde sich zukünftig „hauptsächlich guter Werbung, kluger Selbstvermarktung und dem reinen Zufall verdanken“.

Tim Parks: Worüber wir sprechen, wenn wir über Bücher sprechen. Antje Kunstmann Verlag, München 2016, 240 Seiten, 20,- Euro.

Ina Lohaus


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