Fundsachen
05 | Mai 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Gemeinfrei

„Sind nicht diejenigen, die dem Open Access zuarbeiten sollen, überwiegend wohlbestallte Beamte, die an den Universitäten der Republik gutes Geld verdienen? Und hat die Öffentlichkeit nicht geradezu einen Anspruch darauf, das von ihren Staatsdienern Geerntete dann auch kostenfrei zu verzehren? Diese Einstellung ist der ideologische Motor, der die Open-Access-Bewegung antreibt (…) Wer in Konstanz künftig einer wissenschaftlichen Zeitschrift einen Beitrag liefert, der muss nach einer Schamfrist von nur einem Jahr diesen Beitrag auf den Servern der Universität abliefern. (…) Dem Urheber eines Textes wird die Entscheidung darüber, wo und wie er sein geistiges Eigentum publizieren möchte, von seinem Dienstherrn abgenommen, damit dieser es auf seinem eigenen Publikationsforum kostenlos online ausstellen kann. Die Gedanken sind frei. Dass sie gemeinfrei seien, steht nicht im Grundgesetz.“
Professor Urs Heftrich; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Februar 2016

Erwachsen

„Bei meiner letzten Begrüßung von Erstsemestern im Audimax hier in Siegen musste ich die Eltern aus Platzgründen bitten, den Raum zu verlassen. Ich hatte den Eindruck, dass mehr Eltern als Studenten dort waren. Auch bei unseren Informationsveranstaltungen gibt es immer mehr Väter und Mütter, die sich für die vorgestellten Studiengänge interessieren.“
Professor Holger Burckhart, Rektor der Universität Siegen; zitiert nach Der Spiegel 14/2016

Ungleich

„Die neuen Bundesländer (ohne Berlin) erhielten 2013 gerade einmal 5 Prozent der durch die Exzellenzinitiative verteilten Finanzmittel (Sachsen 4,7 Prozent, Thüringen 0,3 Prozent, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erhielten jeweils keine Finanzmittel aus der Exzellenzinitiative). Dagegen erhielt Baden-Württemberg allein 25,3 Prozent der Exzellenzmittel.“
Aus einem Antrag der Fraktion Die Linke des Deutschen Bundestages vom 23. Februar 2016

Unklar

„In Deutschland dagegen tut das Bildungssystem kaum etwas dafür, die Tugenden des klaren Schreibens zu vermitteln. In Schule und Uni herrscht sogar die Grundannahme, ein komplizierter Satz sei wahrscheinlich auch ein kluger Satz. Systematisch unterrichtet wird klares Schreiben fast nirgends. Ja für manchen Professor gilt ein Text, der einfach zu verstehen ist, gar als Beweis für Unwissen, intellektuelle Minderbemitteltheit oder gar für den anrüchigen Drang, für ein breites Publikum zu schreiben.“
Yascha Mounk, Politikwissenschaftler; ­zitiert nach Die Zeit vom 14. April 2016

Anspruchsvoll

„Ohne zu schreiben, kann man nicht denken; jedenfalls nicht in anspruchsvoller, anschlussfähiger Weise.“
Niklas Luhmann

Konservativ

„Wer ,konservativ’ sagt, meint in der Regel verknöchert, reaktionär, traditionalistisch. Damit haben wir eine der großen politischen Strömungen der Moderne diskreditiert – und der politischen Kultur keinen Gefallen getan. Konservatismus ist ein Frage der Haltung zum Wandel. Konservativ heißt gerade nicht, den Wandel zu verhindern oder ihn rückgängig zu machen – das ist nämlich traditionalistisch bzw. reaktionär. Der Konservative hingegen weiß, dass der Wandel unumgänglich ist, dass man ihn aber verträglich gestalten muss.“
Professor Andreas Rödder; zitiert nach Die Welt vom 20. April 2016

Sinnlos

„Einmal hatte ich zwischen Mittag­essen und Seminar eine Viertelstunde Zeit, saß am Rechner und surfte sinnlos im Internet herum – plötzlich hatte ich die Lösung.“
Professor Peter Scholze, Mathematiker, 28, jüngster Leibniz-Preisträger in der ­Geschichte der Ehrung; zitiert nach Der Spiegel 17/2016

Vernichtend

„Auch in der Welt des Geistes gilt: Jede Inflation vernichtet das Vermögen.“
Professor Norbert Hinske in „Unbelehrbar inkorrekt“, Königshausen & Neumann, Würzburg, 2016


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