Fundsachen
12 | Dezember 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Infantilisierung

„Das ist ein Irrglaube und sogar eine Krankheit unserer Zeit. Auf der einen Seite gibt es tatsächlich eine Explosion der Hassrede im weitesten Sinn; das meiste davon können wir, wie gesagt, getrost ignorieren. Auf der anderen besteht die pathologische Bereitschaft, sich sofort verletzt zu fühlen, schon bei der allerkleinsten Kränkung. Das ist eine Infantilisierung des öffentlichen Diskurses, die ich leider gerade bei meinen Studenten in Oxford und Stanford beobachten kann. Die Universitäten sollten Tempel der Redefreiheit sein, in denen alles, auch die anstößigste Meinung, auf zivilisierte Weise diskutiert werden kann.“
Professor Timothy Garton Ash auf die Frage, ob ein Vorfall rassistisch sei, wenn der Adressat einer Bemerkung diese als rassistisch empfinde; zitiert nach Der Spiegel 45/2016

Gene

„Die Menschen werden sich nicht daran hindern lassen, den Fuß auf andere Himmelskörper zu setzen. Das ist so wie aus der Höhle herauskommen, Berge besteigen oder den Atlantik überqueren. Das steckt einfach in unseren Genen. Der Mensch wird selbstverständlich zum Mars fliegen, sobald er dafür die Technik hat.“
Professor Johann-Dietrich Wörner, Generaldirektor der Europäischen Raumfahrt­organisation (Esa); zitiert nach Die Welt vom 5. November 2016

Scheffel

„Amerika, du hast es besser – mancher hat diesen Satz Goethes schon zitiert, wenn er neidvoll auf den Reichtum der Topuniversitäten im Land der vermeintlich unbegrenzten Möglichkeiten schaute. Aber deren privilegierte Situation hat einen hohen Preis: viel Wildwuchs, unkontrolliert nach oben schießende Gebühren und kein klares Konzept dessen, was eine Hochschule eigentlich ist.
Wir sollten in Deutschland unser Licht nicht unter den Scheffel stellen, nur weil die Nobelpreise seltener bei uns als bei den Amerikanern landen. Unsere Universitäten leisten Großes, bieten gute Qualifizierung ohne Gebühren, treiben die Forschung voran und genießen international höchstes Ansehen. Und das alles mit Jahresetats, die zehn Prozent dessen betragen, was Stanford oder Harvard zur Verfügung haben.“
Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität Berlin; Berliner Morgenpost vom 17. November 2016

Tachelesrede

„Unser Grundproblem sind die weichgespülten Positionen. Politik ist durch die Moral ersetzt beziehungsweise kastriert worden. Alles, was Politik seit Athen ausgemacht hat, nämlich auch das knallharte Aufeinanderprallen verschiedener Interessen, passiert nur noch hinter den Kulissen oder in außereuropäischen Kriegen. Unser politischer Diskurs bräuchte mehr Typen wie Wehner, von Strauß gar nicht zu reden. Wir haben eine totale Entwöhnung an Tachelesrede hinter uns. Als ob der diplomatische Teil der Politik die ganze Politik regiert.“
Wolfgang Schivelbusch, Publizist; zitiert nach Die Welt vom 15. November 2016

Wahrheit

„Wer die Wahrheit sucht, der darf nicht die Stimmen zählen.“
Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 bis 1716)

Selbstbewusstsein

„Die deutschen Universitäten haben ein relativ schwaches konzeptionelles Selbstbewusstsein. Wenn Sie mich nun zu einer Hypothese über die Gründe verleiten, würde ich sagen: Es spielen noch immer auch die Katastrophen der jüngeren deutschen Geschichte eine Rolle. Man kann nicht zweimal in fünfzig Jahren die Welt in Brand stecken und dann meinen, das habe nach zwei Generationen keine Folgen mehr. In den USA dagegen können Sie an jeder besseren Universität, selbst wenn sie nur 60 Jahre alt ist, einen pathetischen Diskurs über die Funktion der Universität erleben.“
Professor Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft; ­zitiert nach Die Zeit vom 17. November 2016

Fahrerflucht

„Bologna ist ein Unfall, den die vor 20 Jahren handelnden ­Politiker nicht mehr erleben: ein angekündigter Unfall mit Fahrer­flucht.“
Professor Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg; zitiert nach Welt am ­Sonntag vom 30. Oktober 2016


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