Fundsachen
08 | August 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Bologna I

„Für mich ist die Bologna-Reform (…) eine moderne Weiterentwicklung der Humboldtschen Idee, ein großangelegtes Programm zur Entstaatlichung des Hochschulwesens. Ich lese Bologna als ein Stück Freiheitsgeschichte: Der Staat gesteht den Hochschulen mehr Freiheit zu und lässt sie selbst ihre Geschicke lenken. Nehmen Sie die Genehmigung von Studiengängen. Früher haben das die Ministerien gemacht. Warum sollten denn meine Ministerialbeamten besser wissen, was wissenschaftliche Qualität ist, als die wissenschaftliche Community selbst, die jetzt über die Akkreditierung entscheidet?“
Theresia Bauer, Wissenschaftsministerin von Baden-Württemberg; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Juli 2017

Bologna II

„Tatsächlich hat sich der Staat aus den Hochschulen zurückgezogen und das Feld privaten Unternehmen überlassen, Akkreditierungsagenturen, die keinerlei Kontrolle unterliegen und in absoluter Selbstherrlichkeit entscheiden, was ihnen gefällt und was nicht. Die Kommissionen, die diese Agenturen nach eigenem Gutdünken zusammensetzen, sind willkürlich, ihre Fachkompetenz ist fragwürdig. Darum ist Bologna für mich gerade keine Freiheitsgeschichte, sondern die Geschichte des Verlustes von staatlich garantierter Freiheit.“
Professor Jens Halfwassen; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Juli 2017

Vorbehalt

„Doch in den Streit für die pluralistische Moderne und gegen vulgäre Forschungsfeinde eintreten können Studenten, Wissenschaftlerinnen, Forscher allein dann, wenn sie sich nicht als Instanz des Wahrheitsbesitzes verstehen, sondern als diejenige der rationalen, methodischen Suche nach Wahrheit. Unser Wissen steht unter Revisionsvorbehalt – allein dann ist ja an Erkenntnisfortschritte zu denken; wir müssen kollektiv bindende Entscheidungen zwar informieren, können sie aber nicht selbst treffen. Und allein wenn wir uns in dieser Weise ernst nehmen, können wir unseren Teil dazu beitragen, dass die Unterscheidung von Wahrheit und Lüge auch in Zukunft auf Sach­fragen bezogen wird anstatt auf Machtfragen.“
Professor Peter Strohschneider, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft; zitiert nach Rede anlässlich der Festveranstaltung im Rahmen der Jahresversammlung der DFG am 4. Juli 2017 in Halle (Saale)

Besinnung

„Es wächst die Zahl derer, die sich die Schrumpfung des Menschen auf eine Verfügungsmasse von Verhaltensweisen nicht länger gefallen lassen wollen, ebenso wenig wie die Degradierung von Lehrern zu Lernbegleitern, zu Anhängseln von Arbeitsblättern oder Computerprogrammen. Es wächst die Rückbesinnung darauf, dass Kompetenzen einem inneren Fundus an- und einwachsen müssen, wenn sie nicht sogleich wieder verfliegen sollen, und dass sich dieser Fundus nicht primär an Maschinen bildet, sondern in der sprachgeleiteten, keineswegs immer nur harmonischen Auseinandersetzung mit Mitmenschen, in der Regel älteren, die jüngeren lebensrelevante Sachverhalte eröffnen – vom Elternhaus an bis weit über die Schulzeit hinaus.“
Professor Christoph Türcke, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 7. Juli 2017

Wert

„Meine Forschung zeigt, dass viele Menschen (in den USA) nicht wissen, wofür Universitäten gut sind – weder Demokraten noch Republikaner. Die Unis sind an diesem Problem zum Teil selbst schuld. Trotz all der Millionen, die sie ins Marketing stecken, ist es ihnen nicht gelungen, ihren Wert für die USA zu verdeutlichen.“
Professor Neil Gross, Colby College, ­Maine, USA; zitiert nach Die Zeit vom 20. Juli 2017

Anerkennung

„Leistung allein genügt nicht. Man muss auch jemanden finden, der sie anerkennt.“
Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951)

Erfahrung

„Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die ehemals schlechten Schüler trotz ihrer negativen Erfahrungen oft gute Voraussetzungen für das Lehramt mitbringen, weil sie kritisch geworden sind. Sie sagen sich, so kann es nicht weitergehen. Die Bildungsgewinner sehen ja keinen Grund zur Veränderung. Jemand, der in der Schule nie Probleme hatte, immer mitgelaufen ist, der weiß vielleicht gar nicht wie es sich anfühlt, wenn der Lehrer sich nicht auf seine Bedürfnisse einstellt, wie es ist, wenn man ungerecht behandelt wird.“
Professorin Christina Hansen; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Mai 2017

Entstellung

„Die gefährlichsten Unwahrheiten sind die Wahrheiten, mäßig entstellt.“
Georg Christoph Lichtenberg (1742 bis 1799)


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