Fundsachen
12 | Dezember 2014 Artikel versenden Artikel drucken

Eignung

„Das Gymnasium hat die Wurzeln des kalten Lernethos der Nachkriegszeit zu Recht gekappt. Es ist ihm aber nicht gelungen, das Ziel, möglichst viele Bildungschancen zu eröffnen, von einer rein quantitativen Betrachtung frei zu halten. Dass alle Kinder alle Chancen bekommen sollen, muss in einer demokratischen Gesellschaft selbstverständlich sein und legt der Schule zwingend auf, benachteiligte Kinder zu fördern. Wenn die Schule die Förderung aber mit inhaltlicher Verdünnung verwechselt, schadet sie allen Schülern, auch wenn diese das erst nach der Schulzeit zu spüren bekommen. Ein Schulleiter traf den Nagel auf den Kopf: ,Aufs Gymnasium gehören die geeigneten Kinder – und die eigenen‘. Den eigenen winkt weitere Entlastung. Die Lehrerbildung arbeitet an der Kompetenzkompetenz.“
Klaus Ruß, ehem. Gymnasiallehrer; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. November 2014

Laubsägearbeit

„Dass die Erwachsenen nicht alles verstehen, was Jugendliche tun und was sie interessiert, könnte man als trivial empfinden: Das ist ja gerade eine Pointe des Jungseins. Dass aber mit primitivsten Mitteln versucht wird, dieses Rätsel zu bewirtschaften, und ständig in Laubsägearbeit angefertigte Schlüssel zur Erklärung des Erfahrungsabstandes verkauft werden, die gar nichts erschließen, legt eigentlich nahe, sich die Erwachsenen genauer anzusehen, die das geradezu obsessiv tun.“
Jürgen Kaube; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. November 2014

Beliebigkeit

„Dieses Wort „Entrümpeln“, das in bildungspolitischen Diskussionen immer wieder fällt, erinnert nicht umsonst an das Auflösen einer Bibliothek. Es zeigt, dass nach Ansicht der Vertreter der Kompetenzorientierung das meiste, was man bislang glaubte lehren und wissen zu müssen, hinfällig geworden ist. Anstelle des angeblich unnützen Wissens sollen Kompetenzen, also Fähigkeiten, erworben werden, die unmittelbar auf die zu lösenden Probleme der künftigen Arbeitsmarktteilnehmer anzuwenden sind. Der Kompetenzbegriff eröffnete den Autoren der Lehr- und Studienpläne ein unendlich weites Feld der Beliebigkeit.“
Ferdinand Knauß; zitiert nach Wirtschaftswoche vom 20. November 2014

Diffamierung

„Über die Frage, wie der Mindestlohn die Wirtschaft beeinflusst, kann man mit guten Gründen unterschiedlicher Meinung sein. Aber wer dies diskutieren will, sollte seriös argumentieren, statt Wissenschaftler zu diffamieren.“
Professor Clemens Fuest, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, zur Kritik der Bundesregierung an den Wirtschaftsweisen;?zitiert nach Handelsblatt vom 18. November 2014

Ambition

„Wenn Google intellektuelle Werte aus der EU bezieht und damit arbeitet, dann kann die EU diese Werte schützen und von Google eine Abgabe dafür verlangen.“
Günther Oettinger, EU-Kommissar für digitale Wirtschaft; zitiert nach Handelsblatt vom 28. Oktober 2014

Geige

„(Die Herausforderung Deutschlands ein Vierteljahrhundert nach der Wende) ist vergleichbar mit der 1989/90. Weniger sichtbar, aber genauso gewaltig. Allein die digitale Revolution wird uns eine ähnliche Kraftanstrengung abverlangen wie die Wiedervereinigung. Alles wird sich verändern: von den Handelsbeziehungen über die Arbeitswelt bis zur Freizeitgestaltung. Deutschland hat einen guten Stand in der Welt, aber wir befinden uns in einer Umbruchsituation. Wir müssen aufpassen, dass wir es nicht vergeigen.“
Bundesbildungsministerin Johanna Wanka; zitiert nach Die Welt vom 10. November 2014

Klamotten

„Die Vorstellung, es sei das Paradies, ein Einstiegsgehalt von 80.000 Euro zu bekommen und mit 30 Jahren schon 140.000 Euro, täuscht gewaltig. Wenn man sich in diesem sozialen Umfeld bewegt, braucht man auch relativ teure Klamotten, einen Porsche-Trolley und einen 5er BMW, eine Wohnung mit entsprechender Ausstattung. (…) Dann zahlt man noch Steuern, Altersvorsorge, Krankenversicherung, und schon ist mehr als die Hälfte von dem schönen Großkanzleigeld wieder weg.“
Thomas Fischer, Bundesrichter, über die Gehaltsperspektiven von angehenden Juristen; zitiert nach ZEIT Campus 06/2014

Wahnwelten

„Die Schülerinnen und Schüler können aufgrund ihres soziokulturellen Orientierungswissens sowie ihres Wissens um zielkulturelle Kommunikationskonventionen in vertrauten direkten und medial vermittelten Komunikationssituationen kulturell angemessen agieren.“
Aus der Arbeitsfassung des neuen Bildungsplans für die Hauptschule/Englisch in Baden-Württemberg; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20. November 2014


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