Entkernung
„Die Gymnasien hatten einen eigenen pädagogischen Stil gefunden. Es war ein fragend-entwickelnder Unterricht, der Schüler motivierte und ein Sozial- und Lernverhalten einübte, das auf wissenschaftliches Arbeiten vorbereitete. Das Gymnasium hat bisher immer die Herausforderung als Prinzip verstanden und versucht, reflexive Distanz durch einen fachlich und methodisch anspruchsvollen Unterricht zu fördern. Es hat mehr Schülern aus bildungsfernen Schichten zu besseren Leistungen verholfen als manche Gesamtschule, die sich dies auf ihr Banner geheftet hatte.
(…) Heute geht es darum, die Gemeinschaftsschule als allein seligmachende Schulform durchzusetzen. Die Entkernung des Gymnasiums schreitet fort. In etwa zehn Jahren werden sich nur noch die Türschilder der beiden Schularten unterscheiden, weil es den Gymnasiallehrer mit hohem fachwissenschaftlichen Niveau kaum noch gibt. Die einzigen Nutznießer solcher Fehlplanungen werden die Privatschulen sein. Die Gymnasialeltern müssen sich wehren, bevor es zu spät ist.“
Heike Schmoll; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. April 2013
Bildungsillusion
„Die Akademisierungspolitik der letzten Jahre meint zu können, was niemand kann. Ihr Ziel erinnert damit an den alten Werber-Kalauer: „Exklusivität für Jedermann!“ Das ,Upgrading‘ der Abschlüsse ist zum Großteil daher eine Bildungsillusion. Junge Menschen absolvieren heute Business- oder Management-Studiengänge – und machen dann Jobs, für die ihren Vätern ein Realschulabschluss mit kaufmännischer Lehre reichte. Wie sollte es auch anders sein: Wenn alle höhere Abschlüsse schaffen, dann landen die vermeintlichen Aufsteiger eben doch wieder im Mittelmaß.“
Ferdinand Knauß; zitiert nach Die Zeit vom 27. März 2013
Aufrecht
„Ich kann da nicht sitzen und nichts sagen.“
Die wegen ihrer Kritik am radikalen Sparkurs des Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, entlassene Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff; zitiert nach Mitteldeutsche Zeitung vom 19. April 2013
Gestört
„Wenn einer nicht mitspielt oder querschießt, ist der Spielfluss gestört.“
Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, über die Entlassung der Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. April 2013
Geschichte
„Der Mantel der Geschichte weht nur einmal.“
Hartmut Möllring, nach der Entlassung von Wissenschaftsministerin Birgitta Wolff neuer Wirtschafts- und Wissenschaftsminister Sachsen-Anhalts auf die Frage, ob er lange gezögert habe, die Nachfolge der entlassenen Wissenschaftsministerin Wolff anzutreten; zitiert nach dpa-Dossier Bildung Forschung vom 22. April 2013
Klassische Unterscheidung
„Nur Dasitzen bringt nichts, man muss sich aktiv einbringen. Das ist die klassische Unterscheidung zwischen notwendiger und hinreichender Bedingung: Es ist notwendig, dass man anwesend ist, aber nicht hinreichend. Man muss schon mitmachen.“
Professor Tassilo Schmitt, Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentages, über die Anwesenheit in Lehrveranstaltungen; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. April 2013
Ideal
„(Einen guten Lehrer macht aus), dass er sich seiner eigenen Wirkung bewusst ist und sich fortlaufend überprüft. Dass er Stoff mit Leidenschaft vermittelt. Dass er sich dafür zuständig fühlt, dass alle Kinder in seiner Klasse etwas lernen, nicht nur einige wenige. Dass er eine Geisteshaltung mit ins Klassenzimmer bringt, die zum Lernen ermutigt und Fehler zulässt. Dass er anspruchsvolle Ziele vorgibt. Dafür werden Lehrer bezahlt.“
Bildungsforscher John Hattie; zitiert nach Spiegel online vom 22. April 2013
Entzauberung
„Mit Mut zum Optimismus lassen sich Plagiatsskandale als Beitrag zur Entzauberung des Wissenschaftsbetriebs begrüßen.“
Magnus Klaue; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. April 2013
Wandel
„Früher hatten Studenten Sinnkrisen, heute haben sie Ängste.“
Überschrift eines Berichtes über eine Studentenstudie des HIS-Informationssystems; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20./21. April 2013
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