Fundsachen
11 | November 2014 Artikel versenden Artikel drucken

Freiraum

„Wenn jemand einen tollen Ansatz hat, ein wichtiges Problem zu lösen; eine Idee zu etwas, was die Menschheit wirklich weiterbringen würde, dann braucht er Freiraum. Man muss Räume schaffen, in denen jemand seiner Idee frei nachgehen kann, ohne Angst, kein Geld zu haben, sozial abzustürzen. Ich selbst habe mich fünf Jahre lang von Stipendium zu Stipendium gehangelt, wusste nie, ob und wie ich im nächsten Jahr weitermachen kann. Die Stipendien sind gut und wichtig, aber das reicht nicht. Zu viel Absicherung ist auch nicht gut, das kann dazu führen, dass der Eifer nachlässt. Risiko gehört dazu. Aber man braucht wenigstens ein paar Jahre die Freiheit dranzubleiben, auch wenn es mal Rückschläge gibt.“
Professor Stefan Hell, Nobelpreisträger für Chemie 2014; zitiert nach Der Tagesspiegel vom 10. Oktober 2014

Überdauern

„Ich plädiere für die Vermittlung jenes Wissens, von dem man ahnen kann, dass es sich nicht so bald überlebt, weil es schon bisher die Zeiten überdauert hat. Ich bin nicht so sicher, ob man den frisch gekürten Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano in 200 Jahren noch lesen wird. Aber ich bin ziemlich sicher, dass man Sophokles und Shakespeare in 200 Jahren noch lesen wird.“
Professor Konrad Paul Liessmann; zitiert nach Wirtschaftswoche vom 13. Oktober 2014

Heuchler

„Es muss inzwischen an den Hochschulen selbst für Hochschulreife gesorgt werden. Die Zahlen sind eindeutig. Das Versprechen, mit der Bologna-Reform werde der Anteil der Studienabbrecher gesenkt, war haltlos. 35 Prozent aller Bachelorstudenten an Universitäten geben das Studium auf. Aber gut, mag man sagen, es wurde ja ohnehin kein einziges Versprechen der Bologna-Reform gehalten. Es muss Heuchler im System geben.“
Jürgen Kaube; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. Oktober 2014

Zeit

„Zahlen Eltern der Harvard-Studenten 60.000 Dollar im Jahr, damit die Profesoren ihre Zeit mit der Produktion von MOOCs verbringen?“
Professor Peter Burgard, Universität Harvard; zitiert nach Der Spiegel 42/2014

Klugheit

„Menschen halten sich generell für klüger, als sie sind – vermutlich, weil es sich bewährt hat.“
Felix-Emeric Tota;?zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. Oktober 2014

Entdifferenzierung

„Auf die gewollte Diffferenzierung des Hochschulsystems soll nun wieder eine Entdifferenzierung folgen. Eine möglichst inklusive Universität, die unbegrenzt Lücken im Schulwissen stopfen und auch noch denjenigen offenstehen soll, die kein Abitur haben, ist politisch gewollt. Auf diese Weise wird allerdings das Ziel, die internationale Konkurrenzfähigkeit der Universitäten zu stärken und sie im Ausland als Orte der Spitzenforschung bekannter zu machen, konterkariert. Wenn aus lauter politischer Korrektheit alle paar Jahre andere Zielgruppen oder Einrichtungen gefördert werden sollen, wird man die Effekte der Exzellenzinitiative auf das gesamte System nicht erhalten können.“
Heike Schmoll; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. Oktober 2014

Veränderung

„Die Motivation, warum Studenten ins Ausland gehen (hat sich geändert). (…) wir beobachten, dass ein Auslandsaufenthalt heute viel mehr genutzt wird, um sich auf dem Arbeitsmarkt hervorzuheben (…) Und diejenigen, die vor allem eine Zusatzqualifikation in ihrem Fach suchen, denken ökonomisch: Sie gehen dahin, wo sie für den geringsten Einsatz den höchsten Ertrag bekommen. Das ist verständlich. Studenten haben in der Regel wenig Geld und wenig Lust, einen hochkomplexen Visaantrag auszufüllen. Für die ist es wichtig, dass das Studium preiswert ist, dass es keine Aufenthaltsprobleme gibt und dass die Studienleistungen später anerkannt werden. All diese Faktoren treffen auf Westeuropa zu. Und englischsprachige Studiengänge finde ich ja mittlerweile auch überall in Europa. Wenn ich an der Uni Maastricht einen hervorragenden Master machen kann, warum soll ich dann in die USA gehen?“
Rolf Hoffmann, Fulbright Organisation; ­zitiert nach Die Zeit vom 3. Oktober 2014

Irrtum

„Nicht vor Irrtum zu bewahren, ist die Pflicht des Menschenerziehers, sondern den Irrenden leiten, ja ihn seinen Irrtum aus vollen Bechern ausschlurfen zu lassen, das ist Weisheit der Lehrer.“
Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm Meisters Lehrjahre


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