Fundsachen
05 | Mai 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Zwangsbeglückung

„(Dagegen, dass immer mehr Leute an die Uni gehen, ist nichts einzuwenden.) Aber wir müssen uns vor einer Zwangsbeglückung hüten. Man kann auch als Handwerker ein erfülltes Leben führen, seinen Meister machen, einen Betrieb eröffnen. Wir sollten solche Lebensentwürfe ebenso wertschätzen wie die Akademikerlaufbahn.“
Michael Müller, Bürgermeister Berlins; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 8. April 2015

Regeln

„Regeln sind kein Selbstzweck; man kann sie aus gegebenem Anlass im dafür vorgesehenen Verfahren ändern. Wenn man aber Regeln bricht, weil man nicht die Kraft hat, sie zu ändern, gerät man auf schwankenden Grund.“
Peter Müller, Richter am Bundes­verfassungsgericht; zitiert nach Die Zeit vom 9. April 2015

Deutsch

„Ich habe jahrelang an der Schule Deutsch gelernt, aber alles, was ich sagen kann, ist: Ich liebe Dich.“
Najat Vallaud-Belkacem, französische Bildungs­ministerin, die den Deutschunterricht an französischen Schulen kürzen will; zitiert nach Die Welt vom 17. April 2015

Fundamente

„Ich habe den Eindruck, dass (die Gymnasien) in ihren Schülern immer noch fast nur künftige Studenten sehen. Aber wenn in manchen Stadtteilen mehr als 60 Prozent eines Jahrgangs aufs Gymnasium gehen, rüttelt so eine Haltung und Ausrichtung auch an den Fundamenten unseres Wirtschaftssystems. Das Abitur wird entwertet. Im Ausland wird ja bereits hinterfragt, ob das deutsche Abitur dort noch als Zulassungsvoraussetzung für ein Studium genügt.“
Erik Schweitzer, Präsident des Industrie- und Handelskammertages; zitiert nach Die Welt vom 23. April 2015

Verachtung

„Die Beliebtheit des sogenannten Schreibens nach Gehör an deutschen Schulen wird begleitet von einer Verachtung der stillen Arbeit, die als ineffizient und autoritär verrufen ist. In Gegenwart anderer schweigend und konzentriert einen Text zu lesen oder zu verfassen ist aber nicht mehr die einzige Zumutung, von der Pädagogen die Schüler befreien wollen. Als ähnlich anmaßend werden Vorträge und Referate wahrgenommen, erlegen sie den Zuhörern doch ebenfalls Phasen stiller, konzentrierter Rezeption auf. Um die Schüler von solch zeitraubenden Zwängen zu entlasten, ist Anfang dieses Jahres erstmals das an den Universitäten bereits etablierte Format des Science-Slams an deutschen Oberschulen erprobt worden.“
Magnus Klaue; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. April 2015

Ironie

„Das alles ist nicht ohne Ironie. Es waren die Wirtschaftsverbände, die damals die neuen Abschlüsse mit vorangetrieben haben, mit allen Konsequenzen: verschultere Studiengänge, schnelleres Studium, jüngere Absolventen. Nun ist es auch wieder nicht recht. Man muss sich fragen, wie realistisch der Anspruch vieler Unternehmen ist: Gesucht sind offenbar Absolventen Anfang 20, die so viel Wissen mitbringen wie ein Diplom- oder Magisterabsolvent, dazu internationale Erfahrung und eine große Persönlichkeit. Das kann kein Bachelor leisten, das ist in sechs bis acht Semestern nicht zu schaffen.“
Roland Preuß zu der Kritik des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) an den Bachelor-Absolventen; zitiert nach Süd­deutsche Zeitung vom 23. März 2015

Irrtum

„Wer es einmal soweit gebracht hat, dass er nicht mehr irrt, der hat auch zu arbeiten aufgehört.“
Max Planck

Kampf

„Wenn man sich nicht selber um Praxiserfahrungen kümmert, ist man aufgeschmissen auf dem freien Arbeitsmarkt. Aber dafür braucht man Geld und Zeit. Und beides hat man nicht. Denn am besten soll man in der Regelstudienzeit den Abschluss schaffen, und außerdem sind die meisten Praktika unentgeltlich. Wie soll das funktionieren? Statt praktische Dinge zu lernen, muss ich Module in Religion belegen. Der Bachelor ist ein Kampf.“
Vivien Welker (28), Bachelor Archäologische Wissenschaften, Ruhr-Universität Bochum, zur Kritik des DIHK; zitiert nach Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 23. April 2015

Idol

„Der Nutzen ist das große Idol der Zeit, dem alle Kräfte fronen und alle Talente huldigen sollen.“
Friedrich Schiller


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