Fundsachen
08 | August 2014 Artikel versenden Artikel drucken

Geschenk

„Überbetonung des kompetitiven Systems und frühzeitiges Spezialisieren unter dem Gesichtspunkt der unmittelbaren Nützlichkeit töten den Geist, von dem alles kulturelle Leben und damit schließlich auch die Blüte der Spezialwissenschaften abhängig ist. Zum Wesen einer wertvollen Erziehung gehört es ferner, daß das selbständige kritische Denken im jungen Menschen entwickelt wird, eine Entwicklung, die weitgehend durch Überbürdung mit Stoff gefährdet wird (Punktsystem). Überbürdung führt notwendig zu Oberflächlichkeit und Kulturlosigkeit. Das Lehren soll so sein, daß das Dargebotene als wertvolles Geschenk und nicht als saure Pflicht empfunden wird.“
Albert Einstein, „Erziehung zum selb­ständigen Denken“ aus „Einstein-Weltbild“

Berufsattrappen

„Immer mehr Schulabsolventen eines Jahrgangs strömen an die Fachhochschulen und Universitäten. Und nicht wenige reagieren auf diesen Andrang mit einer Entwissenschaftlichung ihrer Studiengänge. Statt einer Auseinandersetzung mit einer wissenschaftlichen Disziplin wird – auch aufgrund der Anforderungen der Bologna-Reform – suggeriert, dass das Studium auf die Ausübung eines Berufs vorbereitet. Und für diese an den Hochschulen gepflegten ,Berufsattrappen’ reicht eine schnell hingeworfene Abschlussarbeit häufig aus.“
Professor Stefan Kühl; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. Juni 2014

Weisheit

„Professoren klagen über vieles, so seien die Studenten zu dumm, zu viele oder beides. Die häufigste Beschwerde ist jedoch die über den Niedergang der Bildung. Und was meinen sie damit, wenn nicht, dass sie nicht bloß Ausbilder sein wollen, sondern die Weisen, denen man ein tiefes Verständnis zutraut. Die Professoren sind enttäuscht, vielleicht sogar beleidigt, weil man sie fragt: ,Ist das prüfungsrelevant?’ und nicht ,Wie ist das relevant für das, was die Welt im Innersten zusammenhält?’. Es ist wohl nicht die Aufgabe der Studenten, die Professoren glücklich zu machen, aber vielleicht würden sich die Professoren nicht mehr so sehr über die Studentenmassen, ihre Mathe-, Lese-, Rechenschreibschwächen und ihre mangelhaften Umgangsformen auf­regen, wenn die Studenten den Profes­soren Weisheit zutrauten und sie am ­Ende jeder Vorlesung einforderten.“
Leander Steinkopf; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. Juli 2014

Gewisses

„In den Wissenschaften ist viel Gewisses, sobald man sich von den Ausnahmen nicht irre machen läßt und die Probleme zu ehren weiß.“
Johann Wolfgang von Goethe

Ernennungsurkunde

„Guten Tag, wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass Sie für einen echten Doktortitel ausgewählt wurden. Wahlweise würden wir Ihnen auch gerne einen echten Professorentitel verleihen. In wenigen Tagen senden wir Ihnen Ihre Ernennungsurkunde, damit Sie Ihren Titel zusätzlich zu Ihrem Namen führen können. Es grüßt Ihr xy Institute. P.S. Unsere Berater freuen sich auf Ihre Rückmeldung.“
Text einer E-Mail-Spam

Küchenlatein

„Nein, mir war vollkommen klar, das wird keine einfache Geschichte. Aber wenn man in die Küche geht, dann weiß man, es kann auch heiß werden.“
Svenja Schulz, Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen zum neuen Hochschulgesetz in NRW; zitiert nach TAZ vom 17. Juli 2014

Zeit

„Die Universitäten berichten unisono, dass sie inzwischen das Gros der Studenten zuallererst hochschulreif machen müssen. Im Eingangsbereich des Bachelorstudiums wird also – wenn es gutgeht – nachgeholt, was auf dem Gymnasium nicht bewältigt werden konnte. Entsprechend dient das anschließende Masterstudium vielen Studenten dazu, endlich „richtig“ zu studieren, also den Kontakt zur Wissenschaft aufzunehmen. Sich längere Zeit auf ein spezielles Forschungsgebiet einzulassen heißt unter diesen Umständen schon: zu promovieren. Vorher ist gar keine Zeit dafür.“
Jürgen Kaube; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 29. Juni 2014

Beamtenwelt

„Es ist fast unglaublich, wie sehr sich alles danach drängt, ein Glied in der hierarchischen Kette der Beamtenwelt zu werden, und wie sehr die ganze gebildete Jugend der Nation den Staatsdienst als das einzige Mittel betrachtet, ein glückliches und sorgenfreies Leben zu gewinnen.“
Allgemeine Zeitung für Bayern, 1836; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Juli 2014


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