Fundsachen
06 | Juni 2016 Artikel versenden Artikel drucken

Erosion

„Auch heute sind Studenten nicht nur in ihrem Kerngeschäft tätig: Sie machen Praktika, müssen jobben und schauen sich während der Vorlesung Schuhe bei Zalando an. Manche Kritiker behaupten sogar, sie würden weniger denn je studieren (…) Ihren Lebensmittelpunkt bildet das Studium jedenfalls nicht. Anders als im achtzehnten Jahrhundert dürften dafür aber weder das viele Bier noch ein Hang zur politischen Unruhestiftung verantwortlich sein. Die Relikte ihres korporativen Selbstverständnisses sind im Gefolge zahlreicher Hochschulreformen erodiert. Es sind der Geist von Bologna, die Verknappung sämtlicher akademischen Ressourcen, das Beschleunigungsgetue und die Tonnenideologie der Hochschulpolitik, die es ihnen schwermachen, Studierende zu sein.“
Professor Philipp Felsch; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Mai 2016

Unsicherheit

„Der Staat ist nicht stark, wenn es um gesellschaftliche Integration geht. Die Verfassung bietet wenig Orientierung: Wenn nicht einmal die Deutschen eine Pflicht zur Integration trifft, dann erst recht nicht die Ausländer, wäre eine scheinlogische Schlussfolgerung, denn das ist einer derjenigen Sätze, die sich ebenso gut auch umkehren lassen und dennoch einleuchtend erscheinen: Wenn die Ausländer schon keine Pflicht zur Integration trifft, dann sicherlich nicht die Deutschen. Die fehlende Navigation des Erst-recht-Schlusses ist ein Symptom für die Unsicherheit darüber, warum überhaupt das Recht Integration einfordern darf.“
Dr. Ulrich Jan Schröder, zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. Mai 2016

Vorderseite

„Der Himmel hat keine Rückseite. Es verhält sich mit ihm wie bei einem Horizont – man kann nicht um ihn herumgehen. Als Folge dieser Unhintergehbarkeit können den Himmel (…) alle Menschen gleichzeitig sehen, zwar nicht geanu dieselben Sterne, aber eben doch denselben Himmel, das “Allumschließende“ an ihm. Das macht ihn zum Symbol für das, was wir unter Welt verstehen. Denn auch für die Welt gilt, dass jeder Versuch, über ihre Grenzen hinauszugehen, den Bereich dessen, was zu ihr gehört, nur ausdehnt. Auch sie kann man nicht von außen betrachten.“
Jürgen Kaube; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Mai 2016

Hauptsache

„Die Hauptsache beruht auf der Wahl der in Thätigkeit zu setzenden Männer.“
Wilhelm von Humboldt

Lernen

„Es ist schlimm genug, rief Eduard, daß man jetzt nichts mehr für sein ganzes Leben lernen kann. Unsre Vorfahren hielten sich an den Unterricht, den sie in ihrer Jugend empfangen; wir aber müssen jetzt alle fünf Jahre umlernen, wenn wir nicht ganz aus der Mode kommen wollen.“
Johann Wolfgang von Goethe, Wahlverwandtschaften.

Untergang

„Universitäten sind Reflexionsinstanzen der Gesellschaft. Die Atemlosigkeit des wissenschaftlichen Betriebs existiert und betrifft Studierende und Lehrende. Ich denke, eine Gesellschaft, die glaubt, sich so eine Reflexionsinstanz nicht mehr leisten zu müssen, ist dem Untergang geweiht. Menschliche Lebensformen kennzeichnen sich auch dadurch, dass sie sich reflexiv weiterentwickeln, durch die Art und Weise, wie sie sich selbst interpretieren und verstehen. Und das erfordert eine gewisse Distanz zum operativen Geschehen. Wenn man die Universität als reine Ausbildungsinstitution betrachtet, verliert sie ihre Reflexions-, Korrektur- und Reparaturfunktion.“
Professor Hartmut Rosa; zitiert nach Zeit Campus vom 23. Mai 2016

Ministerin

„Frau Nahles hingegen sprach – zum 1. Mai in Mülheim. Und bemühte mit brechender Stimme ihren Vater, der auf dem Bau geschuftet, sich Schultern, Rücken und Knie kaputtgemacht und dann mit 73 die Maurerkelle abgegeben habe. Um dann in kämpferischem Pathos den künftigen Altersarmen zuzurufen, sie werde stinksauer, wenn sie „professorale Sesselfurzer“ von der Rente mit 70 reden höre.“
Peter Tiefenbrunner; zitiert nach “Fehlerteufel” Die politische Glosse der Woche zum Nachlesen und Nachhören, Saarländischer Rundfunk vom 6. Mai 2016

Personen

„Es kommt immer auf die Personen an – das ist mein tägliches Wort.“
Professor Heinz Maier-Leibnitz (1911 bis 2000)


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