Fundsachen
08 | August 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Angeber

„Klar bin ich ein Angeber. Wir alle sind Angeber. Unser Leben ist nicht denkbar, ohne dass wir unsere Qualitäten annoncieren (…) Ich habe zum Beispiel einen Doktortitel erworben. Hätte ich das nicht getan, hätte niemand gewusst, wie clever, schlau, fleißig und diszipliniert ich bin. Ich hätte das von mir behaupten können, aber wer sollte mir das glauben? Ich will jetzt meinen Kollegen nicht zu nahe treten, aber in den allermeisten Fällen sind Doktorarbeiten in einem engeren Sinn nicht produktiv, sondern gemessen an Lebensnützlichkeit eher überflüssig. Darin gleichen sie dem prahlerischen Pfauenrad. Sie weisen nur den Verfasser als jemanden mit besonders nachgefragten Qualitäten aus, als jemanden, der in der Lage ist, sich drei, vier Jahre auf den Hosenboden zu setzen und diszipliniert ein anspruchsvolles Ziel zu verfolgen.“
Professor Eckart Voland; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 3. Juli 2015

Schatz

„Alle sollten wissen: Die jungen Forscherinnen und Forscher sind der größte Schatz, den wir haben.“
Bundesforschungsministerin Johanna Wanka;?zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Juli 2015

Rückschritt

„Der Zivilisation fehlt in der Anonymität des Virtuellen ihre wichtigste Grundlage: die Haftbarkeit des Einzelnen. Die Erfindung des Individuums als haftbare, ihr eigenes Handeln verantwortende Person war die Voraussetzung für die Errichtung der bürgerlichen Gesellschaft und ihrer großen Errungenschaften: Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Die anonymen Massenaufläufe im Internet entheben den Einzelnen aus der bürgerlichen Verantwortlichkeit.
Die pöbelnde Masse tritt heute wieder selbstbewusst als Handelnder auf. Die Anonymität des Internets bedeutet insofern einen zivilisatorischen Rückschritt in Richtung Faschismus und Mittelalter, Pogrom und Hexenverbrennung. Es ist die Aufgabe der kommenden Jahrzehnte, unter den Akteuren im Internet eine Kultur der Aufklärung zu schaffen, um die digitale Welt in ein bürgerliches Zeitalter zu überführen.“
Dieter Nuhr, Kabarettist, Autor und Moderator; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. Juli 2015

Lebensmittelfabrik

„Die unternehmerische Universität war der Versuch, in der Privatwirtschaft bewährte Organisationsstrukturen auf die Hochschule zu übertragen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Hat sich ein Modell im offenen Wettbewerb als erfolgreich erwiesen, mag es für andere als Vorbild taugen. Wenn es denn für den Bereich, auf den es übertragen werden soll, ein passendes Modell ist. Hier liegt das fundamentale Problem der unternehmerischen Universität. Das Konzept passt nicht auf die Hochschulen. Die Idee der unternehmerischen Universität orientiert sich an Organisationsformen aus dem produzierenden Gewerbe. Sie geht davon aus, dass sich eine Universität ähnlich wie ein Automobilunternehmen oder eine Lebensmittelfabrik organisieren lässt.“
Berthold Wigger; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22. Juli 2015

Auswahl

„Die Bologna-Reform bot die Chance, die Spitzen stärker zu fördern: Mit dem Master wurde eine weitere Auswahlmöglichkeit geschaffen, um nur wirklich gute Bachelorabsolventen weiterstudieren zu lassen. Doch heute machen in vielen Fächern über 60 Prozent der Studenten einen Master. Ich bin für auswählen, auswählen, auswählen.“
Gerhard Casper, ehem. Präsident der Universität Stanford; zitiert nach Die Zeit vom 23. Juli 2015

Faulheit

„(…) jeder denkt, ich wäre in der Schule ein Ass gewesen. Dabei war ich faul. Ich mochte die Faulheit – sie regt die Fantasie an.“
Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard; zitiert nach Der Spiegel 29/2015

Aufmerksamkeit

„Es macht ja auch gar keinen Spaß, sich mit Leuten zu unterhalten, wenn die nur auf ihr Handy gucken. Die geben dann mal ein „Ja“ oder „Okay“ von sich, und man bekommt deren Aufmerksamkeit nur, indem man sich selbst ans Handy setzt und schreibt. Aber eigentlich will man ja mit denen reden. Es gibt bei uns aber auch nicht mehr viele, die durchgehend am Handy sitzen.“
Janina, 17 Jahre, Schülerin und Medienscout; zitiert nach Spiegel online vom 26. Juli 2015


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