Fundsachen
10 | Oktober 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Überhitzt

„Falsch wäre es, einen zu großen Anteil der Bundesmittel an die Auslastung der Studienplätze oder neue Programme zu binden. Denn die Hochschulen brauchen Budgets, die ihren infrastrukturellen Bedürfnissen und Fachprofilen entsprechen, damit sie langfristig planen können. Wenn man nur daran denkt, so viele Studierende wie möglich aufzunehmen und die reine Kennzahlenerfüllung belohnt, ignoriert man die Tatsache, dass gute Betreuung nachhaltige Lehrqualität verlangt. Wer die Hochschulen in immer neue Wettbewerbe um Sondermittel hetzt, verkennt, dass wir mehr Ruhe im System brauchen, sollen die in den letzten Jahren entwickelten Maßnahmen der Qualitätssicherung greifen.“
Professr Peter-André Alt; Präsident der Freien Universität Berlin; zitiert nach Der Tages­spiegel vom 19. September 2017

Selbstbewusst

„Natürlich werde ich fuchtig, wenn ich auf eine Veranstaltung von Fraunhofer gehe, wo gemeinsam berufene Professoren auftreten, die größtenteils von uns bezahlt werden, und dann taucht in den Präsentationen nirgendwo das TUM-Logo auf. Klar frage ich dann nach: Sagt mal, vom wem kriegt ihr als gutsituierte Beamte eigentlich euren monatlichen Gehaltsscheck, von Fraunhofer oder von uns? Sowas darf man sich halt nicht gefallen lassen. Auch nicht, wenn die Außeruniversitären bei den Patentrechten oder bei Fragen des geistigen Eigentums mal wieder sehr einnehmend unterwegs sind. Da müssen wir uns durchsetzen. “
Professor Wolfgang Herrmann, Präsident der Technischen Universität München; zitiert nach www.jmwiarda.de vom 19. September 2017

Distanziert

„Nehmen wir den Bologna-Prozess: Anders als viele heute behaupten, waren die Universitäten und die Hochschulrektoren von Anfang an eine treibende Kraft. Erst hinterher haben sich manche distanziert. Aber natürlich hatte auch ich nicht erwartet, dass viele Universitäten solche Schwierigkeiten haben würden, das zweistufige Studiensystem umzusetzen.“
Edelgard Bulmahn,1998 bis 2005 Bundesministerin für Bildung und Forschung; zitiert nach Die Zeit vom 13. September 2017

Umstellt

„Die Sprecher des Deutschen sind inzwischen von so vielen Sprachwänden umstellt, dass sie sich kaum mehr äußern
können, wie ihnen Kopf und Schnabel oder auch Kopf und Schreibhand gewachsen sind.“
Professor Peter Eisenberg; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. September 2017

Furchtsam

„Der Staat muss die Wissenschaften sich selbst überlassen, alle innern Einrichtungen gänzlich den Gelehrten als solchen anheimstellen und sich nur die ökonomische Verwaltung und die Beobachtung des unmittelbaren Einflusses dieser Anstalten auf den Staatsdienst vorbehalten. Schulen und Universitäten leiden je länger, je mehr darunter, daß der Staat sie als Anstalten ansieht, in welchen die Wissenschaften nicht um ihrer-, sondern um seinetwillen betrieben werden, daß er das natürliche Bestreben derselben, sich ganz nach den Gesetzen, welche die Wissenschaft fordert, zu gestalten, mißversteht und hindert, und sich fürchtet, wenn er sie sich selbst überließe, würde sich bald alles in dem Kreise eines unfruchtbaren, vom Leben und von der Anwendung weit entfernten Lernens und Lehrens herumdrehen.“
Friedrich Schleiermacher: Gelegentliche Gedanken über Universitäten in deutschem Sinn. Nebst einem Anhang über eine neu zu errichtende (1808), Reclam Verlag Leipzig, 1990

Abgestiegen

„Jedenfalls lässt sich feststellen, dass es kaum noch Bücher gibt, die das ganze Land beschäftigen. Der intellektuelle Resonanzraum schrumpft stetig – und weicht dem Raum für Events. Statt selbst zu lesen, besucht das Publikum lieber spaßige Veranstaltungen in Literaturhäusern oder bei Lesefesten, die längst nicht mehr nur in Großstädten ausgerichtet werden. Damit ist die Literatur im Unterhaltungssegment angekommen, wo sie mit Comedy Auftritten, Zaubershows und Facebook konkuriert.“
Sandra Kegel; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 21. September 2017

Erkannt

„Die Bildung wird täglich geringer, weil die Hast größer wird.“
Friedrich Nietzsche (1844 bis 1900)


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