Fundsachen
06 | Juni 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Unzivilisiert

„Wahr ist aber: Der Direktor und viele Mitarbeiter sind jahrelang aggressiv bedroht worden. So etwas hinterlässt Spuren. Ich weigere mich zu aktzeptieren, dass mittels Einschüchterungsversuchen gegen Wissenschaftler bestimmt werden kann, was in Deutschland erforscht wird und was nicht. Das muss zivilisiert und demokratisch entschieden werden.“
Boris Palmer, Bürgermeister von Tübingen, Die Grünen, über die Beendigung von Tierversuchen an nichtmenschlichen Primaten am MPI für biologische Kybernetik; zitiert nach Der Spiegel 19/2017

Kitschig

„Der Science March hat ja bisweilen so ein bisschen auch Wissenschaftskitsch produziert. Wenn man etwa dieses Transparent, was es öfter gegeben hat, zu Fakten gäbe es keine Alternativen, wirklich ernst nimmt, dann fragt man sich, ob es wirklich Wissenschaftler waren, die das herumgetragen haben. Wissenschaft produziert keine Fakten, sondern sie produziert unterschiedliche Aussagen zu bestimmten Fakten, und das Interessante an der Wissenschaft ist, dass sie eben nicht die Eindeutigkeit produziert, die die Gesellschaft gerne hätte, und das ist eigentlich der interessante Konflikt.“
Professor Armin Nassehi; zitiert nach Deutschlandfunk, Campus und Karriere vom 9. Mai 2017

Beendet

„Dass in Zeiten der Krise nach dem großen Professor gerufen wird und die Geisteswissenschaften, die ja auch ein Teil der Ausdifferenzierung von Wissenschaft und Gesellschaft sind, wieder die Spezialisten fürs Allgemeine werden sollen – damit sollte es vorbei sein. Die Geisteswissenschaften haben den Aura-Verlust ja auch aktiv betrieben. Für ein Ende des Ordinarien-Kultes ­haben auch wir Frauen gesorgt, von denen viele den alten Habitus nicht mehr einnehmen. Mit guten Gründen.“
Professorin Eva Geulen, Humboldt-Universität zu Berlin; zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 22. Mai 2017

Grenzwertig

„An einer Universität entscheiden viele, aber die Verantwortung für die Konsequenzen tragen nur wenige. Ich habe mich oft geärgert, wenn jemand in die Senatssitzung kam, ,dagegen’ stimmte und wieder nach Hause ging. In solchen Fällen stößt die Gruppenuniversität an ihre Grenzen.“
Professor Jan-Hendrick Olbertz, bis 2016 Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin; zitiert nach Die Zeit vom 11. Mai 2017

Wesentlich

„Wenn man ständig das Wesentliche dem Dringlichen opfert, vergisst man die Dringlichkeit des Wesentlichen.“
Edgar Morin, französischer Philosoph; zitiert nach dpa-Kulturpolitik vom 22. Mai 2017

Verkauft

„So lehrt und prüft man also an den Schulen mittlerweile kompetenzorientiert, inkludiert, individualisiert, benotet nicht mehr das Wissen und Können, sondern das Wollen und die gute Absicht. Sicher, so packt man Pisa, denn Pisa prüft kein Wissen, sondern Kompetenzen, so packen mittlerweile fünfzig Prozent eines Jahrganges das Abitur, so werden die Noten immer besser, so verkauft man es den Leuten als Fortschritt, wenn man sie faktisch unwissend hält, so gefällt man sich im Spiegel der Rankings der OECD und derer, die die Strippen ziehen und die Bildung ohnehin nur ökonomisch, als Produktivitätsfaktor, als Kompetitionskompetenz zu denken vermögen.“
Professor Josef Pfeilschifter; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24. Mai 2017

Langweilig

„Ich fürchte: das ,Postfaktische’ oder der spielerische Umgang mit ,alternativen Wahrheiten’ ist nicht nur ärgerlich, wie Susan Neiman sagt, oder ein flottes Label für modernes Politikentertainment. Sondern: wenn es zur Methode wird, dann steckt in ihm tatsächlich eine existentielle Gefahr für unser politisches Gemeinwesen. Auch wenn es noch so langweilig klingt: Wir können auch in der digitalisierten Welt nicht auf die Vernunft verzichten, nicht auf den produktiven Zweifel, der der Suche nach besseren Lösungen immer voran geht. Wer Fakten, wissenschaftliche Forschungsergebnisse für irrelevant erklärt, macht eine ernsthafte Debatte über Zukunft unmöglich. Daher könnten wir wissen: Die Zersetzung der Vernunft ist der Anfang der Zersetzung der Demokratie..“
Bundespräsident Walter Steinmeier; zitiert nach Rede gehalten am 27. Mai 2017 anlässlich einer Podiumsdiskussion auf dem Evangelischen Kirchentag in Berlin.

Gefühlt

„Das Hauptphänomen unserer Tage ist das Gefühl des Pro­visorischen.“
Jacob Burckhardt (1818-1897)


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