Fundsachen
03 | März 2015 Artikel versenden Artikel drucken

Gier

„Gier. Es gibt keine andere Erklärung. Die Gewinnmargen von Elsevier sind bekannt. Sie lagen in den vergangenen Jahren bei rund dreißig Prozent. Das ist Geldschneiderei.“
Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Leipziger Universitätsbibliothek, auf die Frage, wie es zu den hohen Kosten für einzelne vom Elsevier-Verlag vertriebene Zeitschriften komme; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Februar 2015

Bildungskrise

„Die Bildungskrise liegt also nicht darin, daß uns oben ein paar Pisa-Punkte fehlen, sondern daß uns unten eine Bevölkerung entsteht, die zu elementarer Selbständigkeit der Lebensführung nicht mehr in der Lage ist. Und sie liegt darin, daß wir, um Schwierigkeiten zu umgehen und Härten zu vermeiden, Bildung als etwas Leichtes, mittels didaktischer Tricks und Prüfungen, durch die man nicht fallen kann, leicht zu Erwerbendes vorstellen. Die Aversion der Gymnasiasten gegen Mathematik und die daraus folgende Abstinenz gegenüber dem Ingenieurstudium rühren aus der Kontrasterfahrung zur restlichen Schule: Warum auch sollte man etwas studieren, an dem man scheitern könnte?“
Jürgen Kaube, Herausgeber der Frank­furter Allgemeinen Zeitung; zitiert nach Jürgen Kaube: Im Reformhaus: Zur Krise des Bildungswesens, 2015

Film

„Deshalb unterstützen wir kreative Methoden in der Lehre (… an der Fachhochschule Köln galt) die Einführung in die Werkstofftechnik im Maschinenbau als Killer-Vorlesung. Ganz viele sind nicht durchgekommen und mussten es mehrfach wiederholen. Dann hat der Professor seine Methodik verändert und bietet seine Vorlesung jetzt als kleinen Film an, den die Studierenden beliebig oft ansehen können.“
Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen; zitiert nach news4teachers.de vom 17. Februar 2015

Intellektuelle

„Wenn der Intellektuelle nicht unter der Welt litte, wäre er kein Intellektueller. Früher sperrte man ihn weg, heute muss er in die Talkshows, wenn man ihn noch einlädt.“
Jan Grossarth; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Februar 2015

Postleitzahlen

„Wir haben die Bologna-Reform technischer umgesetzt als die Reform der Postleitzahlen. Wir haben Lernen in kleine Module parzelliert und dafür gesorgt, dass der Studierende wie in einer getakteten Fertigung eine Portion nach der anderen abarbeitet, nach der es jeweils eine Qualitätsprüfung gibt. Das ist nicht Bildung.“
Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalsvorstand der Telekom; zitiert nach Die Welt vom 19. Februar 2015

Selbstmarketing

„Die eigene Person als Marke definieren und etablieren – in der heutigen Arbeitswelt unverzichtbar. Das fängt schon bei der „Bewerbungsschlacht“ um die guten Jobs an. Nur wer hier als Persönlichkeit überzeugt, kann gewinnen.“
Zitiert nach der Internetseite studium-ratgeber.de

Idiotien

„(…) die Vorstellung von Bildung selber lebt von der mal pietistisch, mal sozialreformerisch motivierten ,Hoffnung besserer Zeiten’. Gehört es nicht zum Eigensinn von Schulen und Universitäten, sich als ,Durchgangsstation zu etwas Besserem’ zu verstehen? Was dem einen ,gute Traditionen’, taugt dem anderen zur Erklärung angesichts enttäuschter Bildungsversprechen. Auch daher rührt der nie erlahmende Reformeifer, von dessen Bewirtschaftung viele inzwischen so gut leben, dass mit einem Reformende nicht zu rechnen ist. Das zu sagen, entschuldigt Idiotien keineswegs. Aber sie scheinen doch systemnotwendig zu sein: Hunderte Reformversuche müssen unternommen werden, um einzusehen, dass man keine bräuchte.“
Jens Bisky;?zitiert nach Süddeutsche Zeitung vom 18. Februar 2015

Fragestellungen

„Gute Wissenschaft entsteht da, wo wissenschaftsfähige Fragestellungen auf den Nägeln brennen. Nicht da, wo es nötig erscheint, solche erst herbeizureden. Gute und, wenn es die Sache erfordert, fächerübergreifende Forschungsprojekte entstehen von unten: aus konkreten Fragestellungen heraus, die sich gegebenenfalls für die Bündelung unter einem übergeordneten Schlagwort anbieten. Sie entstehen nicht von oben, nicht um irgendwelcher show-Effekte wie der Initialisierung von turns willen.“
Professor Ulrich Nortmann; ­zitiert nach Im Kopf die Unendlichkeit:?Fesselung und Entfesselung des Denkens durch Mathematik, mentis Verlag, Münster: 2015

Vornamen

„Auf keinen Fall will ich die Titel abschaffen. Doch wir sollten uns mehr auf unsere Leistung konzentrieren und weniger darauf, welche Auszeichnungen wir wofür bekommen haben. Natürlich ist es für einen Doktoranden wichtig, offensiv mit seinem neuen Grad umzugehen und so zu dokumentieren: ,Ich habe etwas geleistet.‘ Ich persönlich empfinde es als gute akademische Gepflogenheit, Titel wegzulassen, wenn sie jeder hat. Und ich mag es, dass man sich bei internationalen Konferenzen im Englischen nur mit dem Vornamen anspricht.“
Professor Matthias Kleiner, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft; zitiert nach Bild der Wissenschaft vom 13. Januar 2015

Einsicht

„Mit dem Wissen wächst der Zweifel.“
Johann Wolfgang von Goethe


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