Fundsachen
09 | September 2014 Artikel versenden Artikel drucken

Politiker

„Hochschulen brauchen den kritischen Blick von außen – nicht nur aus der Wirtschaft –, um nicht im eigenen Saft zu schmoren. Die Wirtschaft weiß zwar noch weniger als die Hochschulen, was in fünf Jahren sein wird, aber sie kann neue Ideen einbringen. Seit es die Hochschulräte gibt, sind das gegenseitige Verständnis, die Anerkennung und auch das Vertrauen gewachsen. Was wir nicht brauchen in den Hochschulräten, sind Politiker.“
Professor Horst Hippler, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz; zitiert nach Handels­blatt vom 6. August 2014

Service

„(Ein Wissenschaftler im Jahr 2025) wird immer weniger recherchieren, die Inhalte werden online zu ihm kommen – als Service der Bibliothek. Man beginnt, seinen Text zu schreiben, das Bibliothekssystem analysiert ihn und liefert relevante Literatur zu. Auch wenn sich Wissenschaftler oder Forscherinnen in sozialen Medien oder Wikipedia aufhalten, bestimmten Facebookseiten oder Twitter-Accounts folgen, wird dazu wissenschaftliche Hintergrundliteratur proaktiv angeboten.“
Klaus Tochtermann, Direktor der ZBW-Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschafts­wissenschaften in Kiel und Hamburg; zitiert nach Der Tagesspiegel vom 7. August 2014

Kühlhäuser

„Etwas länger als meine Begeisterung für das Studium hielt meine Begeisterung für die Karriere in der Wissenschaft. Aber bald schon, je näher ich ihr kam, schwand auch diese Illusion. ,Nice from far, but far from nice’, wie man sagt. Es waren gar nichts so sehr die allgemein vorgebrachten Klagen, die mich abschreckten, das Überarbeiten zu halbem Gehalt, die befristeten Verträge und das große Glücksspiel um den Lehrstuhl am Ende langer Jahre der Selbstaufgabe. So weit kam ich gar nicht, wollte ich gar nicht kommen. Es reichte, die tatsächliche Arbeit der Professoren aus der Nähe zu sehen, um von meinem urpünglichen Wunsch abzukommen. Ich merkte, dass die Forschung der Professoren bloß noch im Nicken oder Kopfschütteln zu den Aktivitäten ihrer Mitarbeiter besteht, dass sie in der Lehre bloß noch die Durchlauferhitzer sind für standardisierte Lehrbuchinhalte, die in Bibliotheks­magazinen, wie in Kühlhäusern verwahrt werden.“
Leander Steinkopf; zitiert nach Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 23. Juli 2014

Effizient und smart

„Effizient und smart zu sein – das waren mal Unternehmens­ziele, heute sind es gesellschaftliche Werte. Diese Ökonomisierung hat die Unis erreicht.“
Christiane Florin; zitiert nach Süddeutscher Zeitung vom 25. August 2014

Weltstadt Berlin

„Will es das überhaupt werden? Diese Machtansprüche, die Washington, London und Paris zeigen, die sind doch nicht mehr zeitgemäß. Warum soll man da versuchen, etwas aufzuholen? Warum zeigt man sich nicht einfach als eine offene Stadt, die die Welt begrüßt und gut mit der Welt leben kann? Sich als offenes System zu denken, halte ich für viel besser.“
Johannes Vogel, Direktor des Naturkundemuseums Berlin, auf die Frage, wie weit Berlin auf dem Weg sei, eine Weltstadt zu werden; zitiert nach Berliner Zeitung vom 22. August 2014

Eckpunkteritis

„Mit Eckpunkten lässt sich eben umgehen, wie man will. Mal sind sie Ideensammlung, mal Quasi-Gesetzentwürfe. Die Eckpunkteritis ist nur scheinbar ein Gewinn für die demokratische Kultur. Sie ist Beleg einer Scheintransparenz, erzeugt wird aber auf vager Datenbasis eine Stimmenkakophonie, die dazu führt, dass sich viele Bürger irgendwann die Ohren zuhalten. Dem Anspruch, die politische Willensbildung zu fördern, dürfte das nicht gerecht werden.“
Thomas Vitzthum; zitiert nach Die Welt vom 22. August 2014

Umfragen

„Umfragen sind wie eine sich selbsterfüllende Prophezeiung: Die Leute wollen zu den Gewinnern gehören, also wählen sie die Partei, die in Prognosen vorne liegt. Dasselbe passiert beim Ranking. Es entsteht ein Rückkopplungseffekt zwischen der Erhebung und der Gestaltung eines Sachverhaltes. Wenn also bei einem Ranking behauptet wird, dieser oder jener sei der Prominenteste, wird es so sein, weil man es behauptet.“
Professor Jochen Hörisch; zitiert nach dem Internetportal der Zeitung Mannheimer Morgen, 20. August 2014


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