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08 | August 2014 Artikel versenden Artikel drucken

Birgit Ufermann

Häusliches Arbeitszimmer

Da die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer in Höhe von bis zu 1.250 Euro im Rahmen der Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit in der Anlage S als Betriebsausgaben steuerlich gegengerechnet werden können, ist das folgende Urteil auch für Hochschullehrer interessant:

Der Begriff des häuslichen Arbeitszimmers setzt nicht voraus, dass der jeweilige Raum (nahezu) ausschließlich für berufliche/betriebliche Zwecke genutzt wird. Vielmehr ist der Begriff des Arbeitszimmers ausschließlich am Raumtypus festzumachen. Arbeitszimmer ist leidglich ein Raum, der seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist und vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient. Nach Wegfall des Aufteilungs- und Abzugsverbots ist diese Auslegung geboten.

Daher können Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer bei gemischter Nutzung (z.B. bei Einkünften aus Vermietung/Verpachtung und selbstständiger Tätigkeit) entsprechend aufgeteilt werden. Beim Vorliegen objektivierbarer Kriterien zur Aufteilung zwischen beruflichen/betrieblichen und privaten Veranlassungsbeiträgen können die anteilig durch die Einkünfteerzielung veranlassten Aufwendungen ebenfalls mindernd berücksichtigt werden. Im vorliegenden Fall sind vom Steuerpflichtigen nachgewiesenen 60 Prozent der Kosten für das Arbeitszimmer der ansonsten sog. gemischten (weil teils privaten) Aufwendungen für die Einkünfte aus Vermietung steuerlich anerkannt worden. 2014 werden noch zwei weitere BFH-Entscheidungen zum Thema „Betriebsausgabenabzug für teilweise als Arbeitszimmer genutzte Räume“ erwartet (III R 62/11 und XR 32/11).

Bundesfinanzhof, Beschluss vom 21.11.2013 – IX R 23/12

Der Höchstbetrag für das häusliche Arbeitszimmer von 1.250 Euro ist objektbezogen und nicht personenbezogen. Daher steht jedem Ehegatten bei gemeinsamer Nutzung eines Arbeitszimmers (im vorliegenden Fall zweier Lehrer) nur ein entsprechender Anteil (z.B. je 625 Euro) zu. Dieser Auffassung steht weder die Bundesverfassungsgerichtsrechtsprechung noch der Gleichheitssatz entgegen.

Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 12.7.2012, 3 K 447/12: Revision beim BFH eingelegt: VI R 53/12

Beruflich veranlasste Krankheit

Aufwendungen zur Wiederherstellung der Gesundheit können dann betrieblich oder beruflich veranlasst sein, wenn es sich um eine typische Berufskrankheit handelt oder der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und dem Beruf eindeutig feststeht. Im vorliegenden Fall ging es um krankengymnastische Behandlungen einer als Geigerin tätigen Berufsmusikerin (Orchestermusikerin).

Bundesfinanzhof, Urteil vom 11.7.2013 – VI R 37/12

Doppelte Haushaltsführung

Ein alleinstehender Arbeitnehmer kann die Kosten einer doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten im Rahmen der Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit steuerlich abziehen, wenn die Errichtung des Zweithaushaltes am Beschäftigungsort konkreten beruflichen Zwecken dient, die Aufenthalte am Haupthausstand (also am Lebensmittelpunkt der Lebensinteressen) im Wesentlichen nur durch die arbeits- und urlaubsbedingte Abwesenheit unterbrochen werden und der Alleinstehende die Haushaltsführung – unabhängig von der Frage der Kostentragung – zumindest mitbestimmt. Allerdings kann sich der Mittelpunkt der Lebensinteressen des Alleinstehenden an den Beschäftigungsort verlagern. Gegen eine Verlagerung des Lebensmittelpunkts an den Beschäftigungsort spricht nicht, dass die Wohnung am Haupthausstand größer ist. Eine Verlagerung des Lebensmittelpunktes ist z.B. dann gegeben, wenn der Arbeitnehmer am Beschäftigungsort mit einem Lebensgefährten einen gemeinsamen Hausstand unterhält und dort auch in erheblichem Umfang Freizeitaktivitäten entfaltet. Der Steuerpflichtige trägt hier die objektive Feststellungslast.

Finanzgericht München, Urteil vom 25.7.2012 – 9 K 1929/10 rechtskräftig


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