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03 | März 2017 Artikel versenden Artikel drucken

Birgit Ufermann

Arbeitszimmer bei einem Dozenten

Während Hochschullehrerinnen und -lehrer im Rahmen ihrer nichtselbstständigen Hochschullehrertätigkeit (Anlage N) nach ständiger Rechtsprechung die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer steuerlich meist nicht als Werbungskosten absetzen können, weil ein „anderer Arbeitsplatz an der Hochschule zur Verfügung stehe“, vertraten die Richter des Finanzgerichtes im Sonderfall eines Dozenten eine andere Auffassung. Sie erkannten bei entsprechendem Nachweis 1.250 Euro für das häusliche Arbeitszimmer als Werbungskosten an.

Der Kläger war wissenschaftlicher Mitarbeiter (Hochschuldozent im Fachbereich Chemie) an der Universität. Ihm stand im Gebäude des Instituts ein Laborraum zur Verfügung, der mit Schreibtisch, PC und Telefonanschluss nur für das Stadtgebiet versehen war. Da sich im Raum weder Drucker, Scanner noch Fachliteratur befanden, sei der Raum somit für die Forschung und Labormöglichkeiten, aber damit nicht ausreichend für die Tätigkeit als Lehrbeauftragter ausgestattet. Der Dozent könne den Laborraum – für die ihm von Dekanen bzw. wissenschaftlichen Leitern der Institute – auch der Universitätsmedizin – zugewiesenen Lehraufträge – nicht im konkret erforderlichen Umfang und der erforderlichen Weise nutzen. Vorlesungen, Praktikumsbetreuung, Erstellen von Klausuren, Vor- und Nachbereitung der Lehre machten einen erheblichen Teil der beruflichen Tätigkeit aus. Daher sei der Dozent auf sein häusliches Arbeitszimmer angewiesen. Der Arbeitsplatz in der Universität sei nicht als „anderer Arbeitsplatz“ für seine sämtlichen beruflichen Zwecke zu werten.

Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 7.9.2016 – 1 K 2571/14

Lehrtätigkeit in der Schweiz

Der Kläger übte eine nebenberufliche Lehrtätigkeit mit Arbeitsvertrag an einer Hochschule in der Schweiz aus. Für die Vorlesungen fuhr er jeweils an den entsprechenden Tagen in die Schweiz hin und zurück. Die Einnahmen in Deutschland sind zu versteuern. Die Vorschrift zur Steuerfreiheit für nebenberufliche Tätigkeiten jährlich bis zu 2.400,- Euro (§ 3 Nr. 26 EStG) erfasst nur Lehrtätigkeiten für eine in einem EU/EWR-Mitgliedsstaat ansässige Person des öffentlichen Rechts, nicht jedoch in der Schweiz.

Der Kläger beruft sich jedoch auf das Freizügigkeitsabkommen der EU mit der Schweiz. Das Finanzgericht legte die Frage, ob die Steuerbefreiung auch für nebenberufliche Lehrtätigkeiten in der Schweiz gelte, dem EuGH vor. Der EuGH entschied im Vorabentscheidungsersuchen, dass mit der deutschen Regelung ein Verstoß gegen das Freizügigkeitsabkommen vorliege. Insofern kann nur geraten werden, sich in solchen Fällen gegenüber dem Finanzamt auf diese Entscheidung zu berufen.

FG Ba-Wü, Vorlagebeschluss vom 15.7.2015 – 14 K1229/13 – Az. des EuGH: Rs. C-478/15


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