Krankmeldungen
Arbeitsbedingungen beeinflussen Fehlzeiten
Die Einschätzung, Menschen würden der Arbeit eher fernbleiben, wenn sie sich telefonisch krankschreiben lassen können, steht in Widerspruch zu den Ergebnissen einer aktuellen Studie. Laut Pressemeldung der Universitätsmedizin Mannheim deuten diese tatsächlich darauf hin, dass mehr Menschen krank zur Arbeit gehen als sich zu Unrecht krankmelden. Als Treiber für Fehlzeiten machen die Autorinnen und Autoren insbesondere Stress und belastende Arbeitsbedingungen aus. Sie geben demnach zu bedenken, dass aktuelle politische Reformvorschläge "die zentralen Ursachen von Krankschreibungen nur begrenzt adressieren", da sie auf der Annahme des Missbrauchs von Krankschreibungen fußten.
Im Rahmen der Studie, die bereits als PrePrint veröffentlicht wurde, haben die Medizinerinnen und Mediziner des Zentrums für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg eine repräsentative Umfrage unter 1.964 Beschäftigten in Deutschland durchgeführt. Gut ein Drittel der Befragten (34,6 Prozent) gab demnach an, sich im vergangenen Jahr trotz Arbeitsfähigkeit mindestens einmal krankgemeldet zu haben. 67,2 Prozent berichteten hingegen, trotz Krankheit gearbeitet zu haben.
Zur Befragung der Teilnehmenden hat das Forschungsteam um Professor Falko Sniehotta, Leiter der Abteilung für Public Health, Sozial- und Präventivmedizin am CPD, eine neue indirekte Fragemethode genutzt. Diese sollte verzerrte Antworten, zum Beispiel aufgrund sozialen Erwartungsdrucks, reduzieren. Laut Forschenden hätten auf eine direkte Befragung nur 18,6 Prozent der Personen zugegeben, sich im vergangenen Jahr grundlos krankgemeldet zu haben.
Strukturelle Faktoren bedingen "freiwillige Fehlzeiten"
Bemerkenswert sei, so die Forschenden, dass sich Personen mit einfachem Zugang zu telemedizinischer Krankmeldung den Umfrageergebnissen nach nicht häufiger grundlos krankschreiben lassen als Personen, die diese Möglichkeit nicht haben. Vielmehr stünden arbeitsplatzspezifische Faktoren wie Burnout, Rollenkonflikte oder "innere Kündigungen" mit "freiwilligen Fehlzeiten" in Verbindung.
Um die Fehlzeiten von Beschäftigten zu reduzieren, solle der Blick auf strukturelle Aspekte wie Arbeitsbelastung gerichtet werden, raten die Autorinnen und Autoren der Studie. Die Hauptautorinnen der Studie Stephanie Zintel und Raenhha Dhami warnen, dass eine Fehleinschätzung der Ursachen für falsche Krankmeldungen dazu führen könne, "dass politische Maßnahmen an den eigentlichen Problemen vorbeigehen".
hae