farbige Markierung von Deutschland auf einer Europakarte
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Internationale Wahrnehmung
Ausländische Forscher kooperieren gerne mit Deutschland

Was verbinden die Menschen weltweit mit Deutschland? Der Außenblick auf die deutsche Wissenschaft ist überwiegend positiv, zeigt eine Umfrage.

08.07.2021

Nach Ansicht von Menschen aus dem Ausland könnte sich Deutschland in Forschung, Wissenschaft, Kunst oder Film noch intensiver international austauschen. Gleichzeitig würdigen die Befragten die weltweiten Wissenschafts- und Kulturbeziehungen der Bundesrepublik und ihren kooperativen Ansatz. Dies mache die Zusammenarbeit von Partnerinstitutionen mit Deutschland besonders für Forschende und Kulturschaffende attraktiv.

Das geht aus der am Donnerstag vorgestellten Studie "Außenblick – Internationale Perspektiven auf Deutschland in Zeiten von Corona" hervor. An der Online-Befragung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und des Goethe-Instituts nahmen im Januar zunächst 622 Menschen aus 37 Ländern teil. Anschließend wurden weitergehende Interviews mit 48 Teilnehmende aus 24 Ländern geführt. Befragt wurden Expertinnen und Experten aus den Partnernetzwerken der drei Organisationen mit fundiertem Wissen über Deutschland.

Für die Studienteilnehmenden sind demnach der Zugang zu Schulen und Universitäten sowie die analytische Auseinandersetzung mit Sachthemen große Stärken des deutschen Bildungssystems. Daneben seien die Forschungseinrichtungen hierzulande attraktiv, weil sie interdisziplinär und anwendungsorientiert seien. Als effektive Schwächen wahrgenommen würden akademische Hürden und ausgeprägte Hierarchien im deutschen Hochschulsystem.

Akademiker aus dem Ausland wünschen sich leichteren Zugang

Die Gespräche belegten auch, dass es ohne Deutschkenntnisse schwierig sei, langfristig in Deutschland Fuß zu fassen. Viele Teilnehmende hätten gefordert, den Zugang zur deutschen Sprache zu erleichtern. Das Goethe-Institut will daher seine Angebote zum Deutschlernen im In- und Ausland ausbauen, etwa für Fachkräfte oder Studierende.

"Deutschland ist als Standort für Bildung und Forschung bei den Gefragten weltweit sehr geschätzt", sagte DAAD-Generalsekretär Kai Sicks. Gleichzeitig wünschten sich internationale Talente einen einfacheren Zugang zum deutschen Bildungssystem. "Dabei bewerten sie die Kombination aus hochwertiger Lehre und exzellenter Forschung bei moderaten Kosten für die Studierenden als großen Wettbewerbsvorteil. Dies sollte Deutschland stärker nutzen", so Sicks. Positive gesehen werde zudem, dass deutsche Hochschulen intensiv mit Partnerinstitutionen weltweit zusammenarbeiten und viele internationale Forschende im Land anzutreffen seien. Auch die vielfältigen Austauschmöglichkeiten und Stipendien für Studierende würden von den Befragten sehr geschätzt.

Außenpolitisch bedeutsam wird es den Befragten zufolge sein, wie Deutschland sich künftig im Spannungsfeld zwischen China, USA und Russland positioniert. Als selbstverständlich sähen sie hingegen Deutschlands Eintreten für ein starkes Europa an.

Nachholbedarf bei Digitalisierung, Umweltschutz und Extremismus

Deutschland werde der Umfrage zufolge im Ausland nach wie vor als führende Wirtschaftsmacht und stabile Demokratie betrachtet. Bei der digitalen Infrastruktur und dem Umweltschutz hätten die Teilnehmenden Deutschland jedoch eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit attestiert. Auch bei der Auseinandersetzung Deutschlands mit seiner Kolonialgeschichte sähen sie Nachholbedarf – die Zeit des Nationalsozialismus sei hingegen gut aufgearbeitet. Als eines der größten Risiken sähen die Befragten die Zunahme populistischer und extremistischer Tendenzen: Teilnehmende hätten angegeben, dass sie in den vergangenen Jahren in Deutschland verstärkt das Gefühl hätten, nicht willkommen zu sein.

Das Management der Corona-Pandemie durch die Bundesregierung im Frühjahr 2020 wurde laut Umfrage international als vorbildlich wahrgenommen. Mit Blick auf die zweite Corona-Welle hätten sich viele Befragte jedoch verwundert gezeigt über das Starttempo der Impfkampagne und mangelnde Bereitschaft in der Bevölkerung, sich an Corona-Regeln zu halten. Die Befragten hätten eine Zerrissenheit der Deutschen zwischen den Prinzipien der Selbstbestimmung, Freiheit und des Föderalismus auf der einen und der Disziplin und Regeltreue auf der anderen Seite beobachtet.

"Auf der einen Seite wird uns ein Rückstand widergespiegelt. Auf der anderen Seite wird Deutschland eine besondere Rolle bei der Erarbeitung von Regeln und Rahmenbedingungen zugesprochen", fasste Tanja Gönner, Vorstandssprecherin der GIZ, die widersprüchliche Wahrnehmung Deutschlands im Ausland zusammen.

ckr

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