Johannes Vermeer, Girl with a Pearl Earring, c. 1665
Mauritshuis collection/The Hague

Kunst
Berühmtes Vermeer-Kunstwerk im "Body-Scan"

Das Gemälde "Mädchen mit dem Perlenohrring" von Vermeer ist weltberühmt und rätselhaft. Nun wollen Forscher das Geheimnis lüften.

26.02.2018

Im niederländischen Mauritshuis hat die bislang größte wissenschaftliche Untersuchung des berühmten Gemäldes "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" von Johannes Vermeer (1632-1675) begonnen. Zwei Wochen lang wird das kostbare Gemälde mit den neuesten Techniken und Scannern untersucht. "Wir wollen wissen, wie es gemalt wurde und welche Materialien Vermeer genutzt hatte", sagte die Direktorin des Museums, Emily Gordenker, am Montag in Den Haag.

"Das Mädchen im Scheinwerferlicht" ist ein einzigartiges Projekt, an dem internationale Forscher, Universitäten und Museen gemeinsam arbeiten. Im "Goldenen Saal" des Den Haager Museums wurde dafür ein eigenes Labor eingerichtet. Hinter Glaswänden können Besucher die Forschungen an dem Meisterwerk live mitverfolgen.

Das "Mädchen mit dem Perlenohrring" ist das berühmteste Gemälde Vermeers und der Besucher-Liebling im Mauritshuis. Die junge Frau mit dem blauen Turban, der feinen Haut, dem rot schimmernden Mund und der matten Perle am Ohr fasziniert Menschen weltweit.

Die zentrale Untersuchungsfrage stellte die Leiterin des Forschungsprojektes, Abbie Vandivere: "Wie hat Vermeer 'Das Mädchen' zum Leben erweckt?". Dazu würden die allerneuesten Untersuchungstechniken eingesetzt. Mit Scannern, Mikroskopen und Röntgengeräten soll das Bild durch alle Farbschichten hindurch, Millimeter für Millimeter analysiert und katalogisiert werden. Die Leinwand selbst wird dabei nicht berührt. Es werden auch keine Farbproben entnommen.

Wissenschaftlerin Abbie Vandivere leuchtet mit einer Lampe auf das Kunstwerk "Mädchen mit dem Perlenohrring" von Vermeer
Mauritshuis, The Hague
Vermeers Kunstwerk "Mädchen mit dem Perlenohrring"
Ein "MACRO-XRF-Scanner" untersucht die chemische Zusammensetzung der Pigmente des Bildes. Dahinter steckt eine systematische Röntgenfluoreszenzspektroskopie ("X-ray fluorescence spectroscopy"). Mauritshuis, The Hague

"Der erste volle Body-Scan eines Gemäldes"

Der niederländische Meister Johannes Vermeer hatte das berühmte Gemälde 1665 gemalt. Zuletzt war es bei seiner Restaurierung 1994 untersucht worden. Dabei wurde entdeckt, dass Vermeer auf einem dunkelgrünen Untergrund gemalt hatte. "Nun sind die Methoden und Geräte viel ausgereifter", sagte die Direktorin Gordenker. "Wir können viel mehr über den Maler und seine Arbeitsweise lernen."

Das Museum erhofft sich auch eine Antwort auf die Frage, wie das Werk ursprünglich ausgesehen hat. Mit einem besonderen Scanner wird zunächst die chemische Zusamenstellung der Farbpigmente wie Eisen oder Blei gemessen. Dazu sagte der Professor an der Technischen Universität Delft, Joris Dik: "Das wird der erste volle Body-Scan eines Gemäldes."

Die Daten werden gesammelt und sollen anschließend analysiert werden. Wann Ergebnisse vorliegen, konnte das Museum noch nicht sagen. 

Ähnliche Forschungen an Kunstwerk von Picasso

Auch die Werke anderer Künstler wurden bereits genauer von internationalen Forschern unter die Lupe genommen. Dazu zählt ein Werk von Pablo Picasso aus dem Jahr 1902. "La Miséreuse accroupie" ist das Gemälde einer auf den Knien kauernden Frau. Das Forscherteam konnte mit Röntgenbildern feststellen, dass Picasso dieses Kunstwerk über ein Landschaftsbild gemalt hat. Die Wissenschaftler gehen von dem Bild eines anderen Künstlers aus, konnten diesen jedoch noch nicht identifizieren. Auch sahen sie, dass Picasso zunächst mehrmals versucht hatte, den Arm der Frau zu malen bevor er ihr letztlich Decken umlegte.

Initiatorin der Analyse war die Inhaberin Sandra Webster-Cook von der Kunstgalerie von Ontario, Toronto. Ihr Team holte sich zusätzliche Unterstützung von Experten aus den USA, der National Gallery of Art, der Northwestern University und dem Art Institute of Chicago. Ihre Erkenntnisse stellten die Forscher bei einem Treffen auf der Jahrestagung der US-amerikanischen Association for the Advancement of Science vor.

dpa/kas