Wenig befahrene Autobahn in Deutschland, flankiert von Windrädern
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Klimawandel und Energiewende
Deutsche finden Klimaschutz wichtig – trotz Energiekrise

Wie beeinflusst die Energiekrise die Haltung der Deutschen gegenüber Energie- und Verkehrswende? Eine Umfrage zeigt, was sie von der Politik erwarten.

06.10.2022

Die Menschen in Deutschland wollen weiter an der geplanten Energiewende festhalten – trotz oder gerade wegen gestiegener finanzieller Belastungen in der aktuellen Energiekrise. Die Transformation hin zur Klimaneutralität in der Energieversorgung ist ihnen wichtiger denn je und muss aus ihrer Sicht weiter an Tempo aufnehmen. Das zeigt das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer 2022, eine Bevölkerungsumfrage, die Forschende des Projekts Ariadne in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut forsa durchgeführt haben und deren Ergebnisse sie am Mittwoch veröffentlicht haben.

Demnach sprachen sich 70 Prozent der Befragten für den Ausbau erneuerbarer Energien zur Sicherung der Energieversorgung in Deutschland aus, beschleunigt durch einfachere Verfahren. Zwei Drittel der befragten Personen wünschten sich grundsätzlich mehr und gezieltere Maßnahmen für den Klimaschutz.

Interesse an der Verkehrswende bekundeten laut Mitteilung 79 Prozent der Befragten, im Vorjahr seien es 73 Prozent gewesen. Dabei seien mehr als 60 Prozent der Befragten mit den Fortschritten in der Verkehrswende unzufrieden gewesen, verglichen mit 55 Prozent im Vorjahr. Dass die geplanten Maßnahmen für die Verkehrswende nicht zielführend seien, gaben in diesem Jahr 40 Prozent der Befragten an – beinahe doppelt so viele wie 2021 (23 Prozent).

Aus der Umfrage geht auch hervor, wie sich die gestiegenen Energiepreise auswirken: Während sich 2021 noch 28 Prozent der Menschen von den Heizkosten belastet fühlten, seien es in diesem Jahr bereits 43 Prozent der Befragten. Zur finanziellen Entlastung von privaten Haushalten bei steigenden Energiepreisen befürwortete die Hälfte der Befragten eine gezielte Unterstützung von einkommensschwächeren Haushalten.

Klimaschutz und Energieversorgung gemeinsam angehen

"Die Ergebnisse des Barometers können als Unterstützung und Aufforderung von der Bevölkerung an die politischen Vertreterinnen und Vertretern verstanden werden, die Krisen nicht gegenseitig auszuspielen, sondern im Sinne des Gemeinwohls Energiesouveränität und Klimaschutz gemeinsam zu sehen und entsprechende Maßnahmen umzusetzen", fasste der nicht an der Studie beteiligte Nachhaltigkeitsforscher Professor Ortwin Renn die Ergebnisse zusammen. Die Bürgerinnen und Bürger seien größtenteils bereit, die notwendigen weiteren Maßnahmen für die Energie- und Verkehrswende zu unterstützen, schreiben die Autorinnen und Autoren des Barometers.

Für die repräsentative Umfrage, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, befragen die Forschenden seit 2021 jährlich deutschlandweit mehr als 6.500 Personen zu Themen der Energie- und Verkehrswende. In diesem Jahr haben sie zudem nach der Meinung der Bürgerinnen und Bürger zur Energiekrise im Kontext der Klimawende gefragt. An dem Projekt beteiligt sind mehr als 25 wissenschaftliche Einrichtungen, darunter mehrere Hochschulen und zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung.

ckr

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