University Startup Index 2026
Deutschland hinkt bei Uni-Start-ups hinterher
Über Unternehmensgründungen könnten Universitäten und Forschungseinrichtungen deutlich mehr Arbeitsplätze schaffen als bislang. Zu diesem Ergebnis kommen die Denkfabrik AlpMomentum, der Wagniskapitalgeber Redstone, die Technische Universität (TU) München und die Universität Trier im neuen "Redstone University Startup Index 2026", der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.
Das Autorenteam hat ermittelt, wie viele erfolgreiche Gründungen in einem Verlauf von zehn bis zwölf Monaten im vergangenen Jahr auf 1.000 europäische Universitäten und 50 öffentliche Forschungseinrichtungen entfallen. Dabei stellen sie große Unterschiede fest: Pro 100 Millionen Euro Budget variiert die Zahl gegründeter Start-ups zwischen einem und 80.
Besonders gut schneiden laut Index Business Schools ab, die viele angehende Unternehmerinnen und Unternehmer für ihre Ausbildung wählen dürften. Relativ schlechte Ergebnisse erzielen demnach öffentliche Forschungseinrichtungen.
Wie Dr. Oliver Koppel vom Institut der Deutschen Wirtschaft kürzlich gegenüber Forschung & Lehre erklärte, spiegelt das unterschiedliche Abschneiden von Institutionen beim Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft auch immer die Spezialisierungsmuster und die verschiedenen Ausgangspositionen der Forschungseinrichtungen wider.
Deutschland im unteren Mittelfeld
Deutschland landet laut dpa bei dieser Wertung unter den 36 einbezogenen Ländern und Regionen (Großbritannien wird in einzelne Landesteile wie Wales und England aufgeteilt) im unteren Mittelfeld. Für die Bundesrepublik wurden 143 Hochschulen und neun Forschungseinrichtungen ausgewertet. Hier entfallen demnach auf 100 Millionen Euro Budget 9,7 Gründungen. Ganz oben im Index liegt Andorra (52,2 Gründungen) mit allerdings nur einer einzigen Einrichtung vor den baltischen Staaten und Frankreich.
"An Frühphasenkapital kommt man in Deutschland über staatliche Stipendien schon ganz gut", sagt der Wirtschaftswissenschaftler Professor Jörn Block von der Universität Trier, der an der Untersuchung beteiligt war. "Schwieriger wird es, wenn man wachsen will." Das sei für die Fragestellung der Untersuchung zwar zunächst nachrangig, könne aber doch eine Rolle spielen. "Wenn ich weiß, dass ich hier nicht wachsen kann, verzichte ich vielleicht auf die Gründung oder gehe gleich woanders hin. Gerade im Bereich Biotech wandern viele in die USA ab", erklärt er der dpa.
Im relativ erfolgreichen England dürfe man leichter an Wagniskapital kommen, meint Block. Und: "Anders als in Deutschland gibt es in Großbritannien weniger ganz große Forschungsverbünde wie die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft. Technologische Forschung ist dort stärker in die Ökosysteme der Unis integriert, und damit ist auch der Weg zu Studenten als möglichen Gründern kürzer." Gute Beispiele seien die Universitäten in Oxford und Cambridge.
Autorenteam sieht Wirtschaftspotential durch mehr Gründungen
Mehr Gründungen hätten dem Index zufolge große wirtschaftliche Vorteile. Wie groß, das beziffert das Autorenteam anhand einer Hochrechnung, bei der die Annahme gilt, dass alle Universitäten und Forschungseinrichtungen so gut abschneiden würden wie die obersten zehn Prozent, die sich ihrerseits noch leicht verbessern. Das sagt allerdings nichts aus über die tatsächlichen Voraussetzungen der untersuchten Forschungseinrichtungen und unterschiedliche Forschungs- und Lehrschwerpunkte.
Innerhalb der nächsten zehn Jahre könnten so laut Ergebnissen mehr als 445.000 zusätzliche Start-ups entstehen, mehr als 13 Millionen Arbeitsplätze, mehr als fünf Billionen Euro extra Wirtschaftsleistung und mehr als neun Billionen Euro zusätzlicher Unternehmenswert sowie mehr als 1,5 Billionen Euro Steuereinnahmen.
Was wurde untersucht?
Für die Untersuchung wurden Profile auf dem berufsorientierten Netzwerk LinkedIn ausgewertet sowie Informationen der Website Dealroom, einer Datenbank zu Gründungen und Innovation. Dabei unterscheidet das Autorenteam zwischen Gründungen aus Universitäten und öffentlichen Forschungsinstituten heraus einerseits – inklusive Gründungen von aktuellen und früheren Forschern und Lehrkräften – und Gründungen von aktuellen und ehemaligen Studierenden andererseits.
Der größte Anteil der knapp 50.000 untersuchten Firmengründungen entfällt laut Index dabei auf den zweiten Bereich, nur knapp 2.000 entfallen auf den ersten. Knapp die Hälfte aller untersuchten Firmengründungen, rund 23.000, entwickle sich zu wirtschaftlich tragfähigen Start-ups, so die Schätzung.
Gibt es Erfolgsrezepte?
Auf die Frage, was Gründungen wahrscheinlicher macht, verweist Forscher Block auf die TU München, die unter den großen Universitäten einen der vorderen Ränge belegt. "Da gibt es Geld, Kontakt zu Vorbildern und Ausbildungsstrukturen, außerdem hat die Uni damit geworben." Häufig habe die Universitätswelt wenig mit der Wirtschaft zu tun. "Das könnte man ändern. Bei uns an der Uni Trier kann man zum Beispiel in jedem Studiengang das Fach Gründung belegen."
Redstone-Gründer Michael Brehm glaubt, es gehe weniger um Geld als um einen Mentalitätswandel. "Wir brauchen im Studium und an den Universitäten mehr unternehmerisches Denken", argumentiert er gegenüber der dpa. Das werde immer wichtiger, auch wenn man gar keine Firma gründen wolle. "Auch Studiengänge wie Philosophie werden aus Gründungssicht auf einmal hochrelevant, wenn es um Fragen des Zusammenspiels von Mensch und Maschine geht", vermutet Brehm.
dpa/hae