Studie
Deutschland zieht mehr KI-Talente an
Um im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zu bestehen, reichen einseitige Strategien nicht aus. Vielmehr müssten Staaten ein Gesamtkonzept entwickeln, das die Förderung, Gewinnung und Bindung von Talenten gleichermaßen im Blick behält. Zu diesem Ergebnis kommen Siddhi Pal und Catherine Schneider, Forscherinnen am Technologie-Think-Tank "interface", sowie Ruggero Marino Lazzaroni von der Universität Graz in ihrer Studie "Talent in, Talent out: The Shifting Geography of the Global AI Workforce", die am 29. April erschienen ist. Darin widmen sie sich der Frage, wie und warum sich der weltweite Arbeitsmarkt für KI zwischen April 2024 und September 2025 verändert hat.
Dem Autorenteam zufolge sind dabei verschiedene globale Entwicklungen festzustellen: Während die USA sich durch ihre Einreisepolitik ausländischen Fachkräften zunehmend verschließe, habe die EU durch Förderprogramme Anstrengungen unternommen, ihre Wettbewerbsfähigkeit im KI-Bereich zu erhöhen. China bemühe sich aktiv, die eigenen Talente zurück zu gewinnen, wodurch der Anteil chinesischer Fachkräfte in anderen Ländern sinke. Weltweit steige hingegen die Zahl indischer KI-Talente.
Deutsche KI-Landschaft wächst insbesondere in der Forschung
Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland mit 117.336 KI-Fachkräften auf Platz fünf hinter den USA (über eine Million), Indien (991.788), dem Vereinigten Königreich (145.461) und Kanada (133.280). Wird nur der Bereich KI-Forschung und -Ingenieurwesen betrachtet, liegt es mit 17.248 Fachkräften noch vor Kanada (15.994) auf Platz vier. Führend sind hier ebenfalls die USA (140.257), Indien (108.105) und das Vereinigte Königreich (19.637).
Laut Studie spiegeln diese Zahlen die Rahmenbedingungen wider, die sich im KI-Bereich mit einer wachsenden Startup-Landschaft, der Hightech Agenda oder dem MINT Action Plan positiv entwickelt hätten.
KI-Fachkräfte in Europa zunehmend vor Ort ausgebildet
Als zweiten Schwerpunkt betrachtet die Studie die Ausbildungsländer von KI-Talenten. Neben übergeordneten Entwicklungen in den USA und China beobachtete das Autorenteam, dass die EU zunehmend auf Fachkräfte setzt, die innerhalb der eigenen Grenzen ausgebildet wurden. So stieg der Anteil der in Deutschland Ausgebildeten innerhalb der EU 2025 auf 14,9 Prozent von 13,6 Prozent im Vorjahr.
In Deutschland stieg der Anteil inländisch ausgebildeter Fachkräfte von 47,7 Prozent in 2024 auf 51,1 Prozent 2025. Der Anteil von Fachkräften aus Indien, der Türkei, dem Iran und aus den USA sank im Vergleich jeweils leicht.
Frauenanteil im deutschen KI-Sektor rückläufig
Negativ entwickelte sich den Ergebnissen der Studie zufolge der Anteil an Frauen im KI-Bereich. In Deutschland lag er 2025 insgesamt bei 23,3 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 24 Prozent. Der Durchschnitt innerhalb der EU betrug 26,7 Prozent. Im Bereich Forschung und Ingenieurwesen sank der Anteil von 21,4 Prozent im Jahr 2024 auf 19,3 Prozent in 2025 bei einem EU-weiten Durchschnitt von 20,9 Prozent.
Als Erklärung führen die Autorinnen und der Autor der Studie an, dass Deutschland seinen wachsenden Bedarf möglicherweise aus einem begrenzten Talente-Pool decke. Männer würden im KI-Bereich häufiger für Einstiegspositionen ausgewählt. Zudem deuteten Daten aus den USA darauf hin, dass freie Positionen in der Softwareentwicklung oftmals mit erfahrenen Kräften besetzt würden, statt auf Neueinsteigerinnen und Neueinsteiger zu setzen. Sollte sich diese Entwicklung auch in Europa zeigen, wäre dies Anlass zur Sorge, meinen die Forschenden. Denn so würden Frauen, die sich in bestimmten Arbeitsbereichen noch nicht etabliert hätten, strukturell benachteiligt.
hae