Das Bild zeigt eine Koralle, die mit einer gläsernen Glocke abgedeckt ist, während rechts und links jeweils ein Taucher auf das Gebilde blickt.
Uli Kunz

Sommer 2026: #ScientistAtWork, Teil 3
Die Ursprünglichkeit der Meere

Wissenschaft ist nicht nur Schreibtischarbeit, wie der Nature-Fotowettbewerb zeigt. Forschungstaucher Uli Kunz setzt die Unterwasserwelt in Szene.

Von Anne Hänisch 03.08.2026

Beim Tauchen denken viele Menschen an Urlaub, türkisblaue Buchten und bunte Fische, die durch eine ebenso farbenfrohe Korallenlandschaft schwimmen. Uli Kunz kennt das Meer auch von einer anderen Seite. Als Forschungstaucher arbeitet er oft bei ungemütlichen Wetterbedingungen.

#ScientistAtWork Nature photo competition 

Das Bildmotiv gehört zu den fünf diesjährig ausgezeichneten Fotos des Wettbewerbs #ScientistAtWork photo competition, der seit 2017 jährlich vom britischen Wissenschaftsmagazin Nature veranstaltet wird. 

Mit umgerechnet 590 Euro und einem Jahresabonnement prämiert werden laut Nature Fotografien, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrer "vielfältigen, interessanten, herausfordernden, eindrucksvollen und farbenfrohen Arbeit" zeigen: im Labor, bei Feldforschung, auf Expeditionen, unter Wasser, an Teleskopen oder auch in alltäglicheren Forschungssituationen. Die Fotos werden im Printmagazin und online samt den jeweiligen wissenschaftlichen Hintergründen präsentiert.

Die Leidenschaft für seine Arbeit und die Ozeane merkt man Kunz an. Neben seinen Expeditionen dreht er Dokumentationen, moderiert Fernsehsendungen und hält Vorträge. Er will den Menschen ihre heimischen Gewässer näherbringen und ihnen vermitteln, warum diese geschützt werden müssen. Im Gespräch mit Forschung & Lehre spricht er über seine Arbeit als Forschungstaucher und erklärt, welche Rolle Film und Fotografie für die Vermittlung von Forschungsergebnissen spielen.

Uli Kunz ist Meeresbiologe und arbeitet als Forschungstaucher und Unterwasserfotograf. Florian Huber

Forschung & Lehre: Herr Kunz, Sie arbeiten als Forschungstaucher an ganz unterschiedlichen Projekten. Können Sie uns einen Einblick geben, wie Ihr Arbeitsalltag aussieht?

Uli Kunz: Einen echten Alltag kennt diese Arbeit gar nicht. Als Forschungstaucher sind wir meist abhängig von äußeren Einflüssen wie Wind und Wetter, was ein gewisses Frustrationspotential birgt. Wenn wir tagelang nicht tauchen können, weil es stürmt oder die Sicht zu schlecht ist, kann das Zeitpläne ganz schön durcheinanderbringen.

Als Forschungstaucher bin ich außerdem nicht allzu oft in bunten Korallenriffen unterwegs, sondern in kalten, trüben Gewässern in Nord- und Ostsee, die mit den schönen Fotos, die Menschen mit dem Tauchen verbinden, nichts zu tun haben. Dennoch ist es gerade wegen der Vielfalt und der Spontaneität ein wunderschöner Beruf.

F&L: Wie geraten Sie an Ihre Projekte?

Uli Kunz: Das ist sehr unterschiedlich. Bei den Arbeiten mit meiner Forschungstauchgruppe Submaris werden wir unter anderem von Behörden oder Forschungseinrichtungen für Projekte beauftragt. Im Moment bin ich zum Beispiel auf Helgoland und arbeite an einem Langzeitprojekt, das den Umweltzustand unter Wasser untersucht. Wir überwachen die Nordsee, um herauszufinden, wie Ökosysteme und Lebensräume erhalten werden können.

Wenn ich hingegen für Sendungen wie Terra X unterwegs bin, begleite und dokumentiere ich die Arbeit anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, bin dann aber nicht selbst am Forschungsprozess beteiligt.

F&L: Wie reagieren Forschende, wenn sie auf einmal gefilmt oder fotografiert werden?

Uli Kunz: Das kann manchmal schon ein bisschen schwierig sein, weil Dreharbeiten ganz andere Abläufe erfordern, als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das normalerweise kennen. Vor einem Dreh erklären wir deshalb zunächst sehr genau, wie das Ganze funktioniert. Ich habe das Gefühl, dass wir uns mittlerweile einen guten Ruf in der Forschungs-Community erarbeitet haben und ein gegenseitiges Vertrauen in die Zusammenarbeit besteht, was sehr wichtig ist.

F&L: Können Sie schildern, wie Ihr Nature #ScientistAtWork-Gewinnerfoto entstanden ist?

Uli Kunz: Ich habe Nauras Daraghmeh und Dr. Yusuf El-Khaled, die auf dem Bild zu sehen sind, bei einem Dreh für eine Terra X Folge kennengelernt. In diesem Kontext ist das Foto entstanden. Die beiden untersuchten mithilfe einer Inkubationskammer das Ökosystem des Korallenriffs, zum Beispiel den Sauerstoffverbrauch beziehungsweise die Sauerstoffproduktion. Manchmal dauern solche Vorgänge eine Weile und man hat zwischendurch etwas Zeit. In so einem Moment habe ich die beiden gefragt, ob sie zu der Aufnahme bereit wären.

F&L: Sie sind nicht nur im Meer unterwegs, sondern auch an Land in der Wüste oder in Höhlen – also in sehr unterschiedlichen Umgebungen. Wo arbeiten Sie am liebsten?

Uli Kunz: Im Wasser fühle ich mich definitiv am wohlsten. Mich fasziniert die Ursprünglichkeit der Meere. Obwohl wir die Ozeane stark schädigen und Tierpopulationen an den Rand des Aussterbens bringen: Die Menschen wissen oft gar nicht, wie vielfältig und artenreich ihre heimischen Gewässer sind.

F&L: Sie bringen der Öffentlichkeit Ihre Arbeit in verschiedenen Formaten näher, darunter Filme, Fotografien und Vorträge. Welche Form der Vermittlung erscheint Ihnen besonders effektiv?

Uli Kunz: Den größten Nutzen in der Vermittlung unserer Forschungsergebnisse sehe ich in den Vorträgen. Das gibt mir einen direkten Austausch mit den Menschen. In solchen Momenten ist es möglich, ihnen nahezubringen, warum ihre Umwelt schützenswert ist, wie gefährdet sie ist und welche Maßnahmen notwendig sind, um sie zu erhalten. Natürlich bekomme ich auch auf Filme viele Reaktionen, aber der Austausch ist in dem Fall nicht so unmittelbar möglich.

F&L: Welche Rolle spielt dabei die Fotografie?

Uli Kunz: Eine ganz wichtige! Ohne Fotografie – und ich zähle bewegte Bilder dazu – wüssten wir ja gar nicht, wie es unter Wasser aussieht. Wir können unsere Arbeit nur mit Bildern dokumentieren und unsere Ergebnisse auf diese Weise sowohl für die Öffentlichkeit als auch für Projektträger oder Behörden veranschaulichen.

F&L: Sie bezeichnen sich auf Ihrer Website selbst als Meeresbotschafter. Was möchten Sie Menschen vermitteln?

Uli Kunz: Dass es wichtig ist, dass wir uns für unsere Umwelt interessieren und einsetzen. Dafür muss man nicht Forschungstaucher oder Meeresbiologe werden. Es gibt so viele Wege, sich für Meere einzusetzen – auch ohne zu studieren.

F&L: Welche Projekte stehen bei Ihnen als Nächstes an?

Uli Kunz: Im Moment sind wir mit dem Team noch auf Helgoland. Dann fahren wir bald weiter zu einem Forschungsprojekt über Seegras. Später im Jahr geht es unter anderem zu einem neuen Terra X-Dreh nach Madagaskar. Im November stehen dann einige Vortragsveranstaltungen über die Unterwasserwelt und den Meeresschutz an.

Weitere Informationen zur Arbeit von Uli Kunz, seine Fotografien und anstehende Veranstaltungstermine sind hier zu finden.

F&L-Sommerserie: Gewinnerfotos 2026 

2026 prämierte Nature fünf Motive der über 220 Einsendungen aus aller Welt: 

  1. Gesamtsieger wurde der Student Gunnar Hartmann von der Universität Koblenz. Sein Foto zeigt Mitglieder des österreichischen Waldrappteams, die mit einem Ultraleichtflugzeug einen Schwarm junger Zugvögel über die Felder und Olivenhaine von Jaén in Südspanien führen. 
     
  2. Das zweite Gewinnerbild von Uli Kunz zeigt Forschungstaucher beim Aufbau einer Inkubationskammer für Korallen im Roten Meer. 
     
  3. Auf dem dritten Fotomotiv von Rob Harcourt ist die Entnahme einer mikrobiologischen Probe von einem Walhai an der Westküste Australiens zu sehen. 
     
  4. Die Wasserprobenahme in einem von Algen bedeckten See in Kanada zeigt das prämierte Foto von Haolun Allen Tian.
     
  5. Zu den besten Motiven gehört auch das Foto von Shayanta Chowdhury, auf dem die Untersuchung einer Mücke unter ultraviolettem Licht zu sehen ist.