Universitätsbibliothek Dortmund
Einstein-Widmung entdeckt
Über eine besondere Entdeckung freute sich diese Woche die Universitätsbibliothek Dortmund. Wie die Technische Universität (TU) am 16. Juni meldete, fanden Mitarbeitende der Bibliothek in einer Ausgabe von "Socialism and American Life" von 1952 eine aus demselben Jahr stammende Widmung des berühmten Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein. Auf dem Vorblatt des Bandes hatte er an seinen späteren Nachlassverwalter, den Ökonomen Otto Nathan, geschrieben:
Dem lieben Otto Nathan
Dem Freund und Heiligen
Dies Buch über die Irrfahrten
seiner Kollegen.
A. Einstein 1952.
Die Zeilen wurden bei der Durchsicht der Bücher von Professor Walter Grünzweig entdeckt. Der Amerikanist hatte seiner Universität die umfangreiche Sammlung kurz zuvor überlassen. Ihm zufolge lässt sich die Widmung inhaltlich in das links-liberale Milieu der jüdischen intellektuellen Exilantinnen und Exilanten in den USA während der McCarthy-Ära (etwa 1947 bis 1956) einordnen.
Als linker Pazifist habe auch Nathan in einer Zeit, die durch starken Antikommunismus geprägt war, politische Repressalien erlitten. "Das Autograph in 'Socialism and American Life' ist etwas kryptisch formuliert und vielleicht auch ironisch zu verstehen, da es zu dieser Zeit gefährlich war, öffentlich sozialistische Ansichten zu vertreten", vermutet Grünzweig laut Meldung.
Buch stammt aus bekannter Antiquariatsbuchhandlung
Anhand seiner Tagebucheinträge könne der Amerikanist sogar nachvollziehen, wann und wo er das Buch gekauft hat, heißt es in der Mitteilung. Demnach erstand er es 1993 in der Antiquariatsbuchhandlung Strand in New York und zahlte 35 Dollar (heute etwa 30 Euro). Er habe die Widmung bei der Menge an gebrauchten Büchern, die er in der Abteilung für amerikanische Literatur und Kultur gekauft hatte, nicht bemerkt.
Dr. Joachim Kreische, Leiter der Universitätsbibliothek, sagte auf Anfrage von Forschung & Lehre: "Die katalogisierende Bibliothekarin hat die Widmung schnell und professionell wahrgenommen, hat das aber zuerst nicht glauben können." Die Widmung sei dann recht schnell durch Experten im Universitätsarchiv geprüft und bestätigt worden. Neben der graphologischen Untersuchung habe auch die Kontextanalyse ergeben, dass die Widmung mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit authentisch ist.
In der Sammlung gebe es über dieses Highlight hinaus auch weitere seltene Bücher und einige Widmungen zum Beispiel von Norman Mailer und Gore Vidal, so Kreische weiter. "Auch wenn sich Bibliotheken gerade vor allem digital weiterentwickeln, sind wir natürlich stolz darauf, Bücher in unseren Bestand aufzunehmen, deren Wert als kulturelles Unikat bleiben wird", betonte er.
Es sei das bislang einzig bekannte Buch, dass Nathan von Einstein mit einer Widmung erhalten habe, erläuterte der Bibliotheksleiter in der Pressemeldung. "In der Privatbibliothek von Otto Nathan, die an die Sächsische Staats- und Universitätsbibliothek Dresden gegangen ist, wurden 17 Autographen entdeckt, aber keiner davon ist von Einstein", so Kreische. Wie die TU erklärte, lernten sich Einstein und Nathan, der 1933 in die USA ausgewandert war, in Princeton kennen und blieben auch später eng verbunden.
Am 18. Juni stellen Grünzweig und Dr. Stephanie Marra, Leiterin des Universitätsarchivs der TU, die Sammlung, den Kontext der Recherche um die Widmung sowie den historischen Hintergrund in einer Veranstaltung in der Emil-Figge-Bibliothek vor.
hae