Bildung in der Familie
Eltern mit Hochschulabschluss fördern das Lernen
Akademikerinnen und Akademiker betreiben einen höheren Aufwand für die Bildung ihrer Kinder als sozioökonomisch benachteiligte Eltern. Das zeigt die neue Studie "Bildungsort Familie" des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Sie analysiert den Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Einkommen von Eltern einerseits und den zeitlichen und finanziellen Investitionen für Kinder andererseits. Die Untersuchung basiert auf Daten der Zeitverwendungserhebung (ZVE) des Statistischen Bundesamtes von 2022 sowie der Einkommens- und Verbraucherstichproben (EVS) von 2018.
Der Studie zufolge verbringen Kinder von ihrer Geburt bis zum 17. Lebensjahr in Deutschland durchschnittlich etwa fünf Stunden täglich mit ihren Eltern. In diesem Zeitraum sinkt die Stundenzahl von circa elf auf ungefähr zwei Stunden pro Tag. Mit der Gestaltung dieser Zeit beeinflussen Eltern die Entwicklung ihrer Kinder maßgeblich. Die Ergebnisse der Studie zeigen hier deutliche Unterschiede zwischen bildungs- und einkommensstarken Familien auf der einen und sozioökonomisch benachteiligten Familien auf der anderen Seite.
Gemeinsam lesen und miteinander sprechen
Der Bildungsgrad der Eltern spielt insbesondere bei gemeinsamen Bildungs- und Lernaktivitäten eine Rolle, die in Familien mit akademischem Hintergrund deutlich mehr Raum einnehmen als in bildungsfernen Haushalten. 20 Minuten mehr am Tag verbringen Akademikerinnen und Akademiker mit ihren Kindern beim (Vor-)Lesen oder bei Gesprächen. Da die Werte für die übrigen untersuchten Aktivitäten in den beiden Gruppen nicht statistisch signifikant voneinander abwichen, führen die Forschenden die hier festgestellten Unterschiede auf das Bildungsniveau der Eltern zurück. Zu den Tätigkeiten, bei denen keine Abweichungen festzustellen waren, gehören Grundversorgung und haushaltsbezogene Betreuung, Begleitung, Wegezeiten und Organisation sowie Spiel-, Freizeit- und Sozialaktivitäten.
Auch im Hinblick auf finanzielle Ausgaben sieht die Studie deutliche Unterschiede, die aus Bildungsgrad und Einkommen resultieren. Pro Kind geben Haushalte aus dem obersten Einkommensquartil für Nachhilfe, Bücher, Schreibwaren und außerschulische Aktivitäten fast dreimal so viel Geld aus wie Haushalte aus dem untersten Einkommensquartil. Hier beträgt die Differenz pro Kind ungefähr 40 Euro im Monat für Bücher und Schreibwaren, circa 37 Euro für außerschulische Aktivitäten und etwa drei Euro für Nachhilfe. Zu den außerschulischen Aktivitäten gehören Sport-, Musik-, Kunst- oder Theaterkurse sowie Jugend- oder Freizeitgruppen.
Vor diesem Hintergrund plädieren die Verfasserinnen der Studie für eine Stärkung des Bildungsortes Familie. So sollten Informationsbarrieren und Umsetzungsprobleme abgebaut und elterliche Bildungsinvestitionen möglichst früh unterstützt werden, um die Entwicklung der Kinder gerade in den frühen Lebensjahren zu fördern.
hae