Europäischer Wettbewerbsfonds
Europäische Universitäten finden ECF zu hierarchisch
Der Europäische Wettbewerbsfonds (ECF) und das zehnte EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (FP10) müssen zwei eigenständige und sich ergänzende Programme mit klar strukturierter Verbindung zueinander sein. Die derzeitigen Entwürfe bergen hingegen die Gefahr, eine faktische Hierarchie zu schaffen, in der FP10 kurzfristigen Prioritäten untergeordnet wird. Diese Kernposition geht aus einer Stellungnahme hervor, die sieben europäische Universitätsorganisationen am 25. Februar veröffentlicht haben. Zu den Unterzeichnenden gehören die Europäische Universitätsvereinigung (EUA) mit über 900 Mitgliedern und Partnern sowie die Liga europäischer Forschungsuniversitäten (LERU).
Die sieben Institutionen machen zahlreiche Änderungsvorschläge zu den Entwürfen der Europäischen Kommission für das Nachfolgeprogramm von Horizon Europe im Zeitraum 2028 bis 2034. Schon mehrfach haben europäische Hochschulorganisationen das bisherige Design des FP10 und seine enge Kopplung an die Ziele des Wettbewerbsfonds kritisiert, da sie eine Beschränkung auf Forschungsbereiche mit direktem wirtschaftlichem Nutzen befürchten. Die Unterordnung der Forschungsförderung unter Prioritäten des Wettbewerbsfonds könnten "Exzellenz, bahnbrechende Entdeckungen, disruptive Innovationen und langfristige Wirkung" schwächen. Es bedürfe "klarer rechtlicher Schutzmaßnahmen", um dies zu verhindern.
EUA-Generalsekretärin Amanda Crowfoot sagte laut Pressemitteilung zur Veröffentlichung der gemeinsamen Erklärung: "Der aktuelle Vorschlag für die Verordnung zum Europäischen Wettbewerbsfonds bedarf wesentlicher Anpassungen, um sicherzustellen, dass er zum Aufbau einer kohärenten und effektiven europäischen Förderarchitektur beiträgt und die sinnvolle Beteiligung von Universitäten und Forschungseinrichtungen ermöglicht." Horizon Europe solle weiterhin das Programm für exzellente und kooperative Forschung und Innovation (F&I) bleiben. Der ECF möge sich stattdessen auf die Skalierungsprozesse und den schnellen Transfer konzentrieren.
Hochschulen fordern "unterschiedliche Missionen, vernetzte Wege"
Die Unterzeichnenden der Erklärung unterbreiten den Beteiligten am Gesetzgebungsprozess praktische Vorschläge für die Gestaltung der Schnittstelle zwischen FP10 und ECF. Man unterstütze die Schaffung des ECF als Teil einer kohärenten Förderarchitektur, die die Wettbewerbsfähigkeit stärkt und gleichzeitig wissenschaftliche Exzellenz sichert. Allerdings müsse FP10 das wichtigste Instrument für exzellente, offene und kollaborative Forschung und Innovation bleiben, einschließlich interdisziplinärer Forschung und Innovationen in der Frühphase.
Universitäten, Forschungsinstitute und andere forschungsorientierte Organisationen bildeten das Fundament für das Zusammenspiel aus Wissen, Infrastruktur, Partnerschaften und Talenten. Sie sollten in die Lage versetzt werden, zu beiden Programmen beizutragen und an der Schnittstelle zwischen FP10 und ECF zu wirken. Es gehe darum, die unterschiedlichen Missionen der Programme zu klären und sie sinnvoll miteinander zu vernetzen.
Ein Vorschlag der Hochschulorganisationen bezieht sich auf die Einrichtung zweier strategischer Stakeholder-Gremien für beide Programme. Diese Gremien sollen aus Fachleuten verschiedener Sektoren und Forschungsdisziplinen bestehen und sich regelmäßig austauschen, um isolierte Vorgehensweisen zu vermeiden.
Eine forschungsorientiert konzipierte Schnittstelle zwischen den Programmen ermögliche, dass hervorragende wissenschaftliche Ergebnisse optimal genutzt und in die Praxis umgesetzt werden könnten. Innovationsprozesse würden dadurch schneller, kohärenter und planbarer. Die Begünstigten profitierten von kontinuierlicher Evaluierung, klaren Regeln, nachhaltiger Finanzierung und der Bindung von Talenten. "Die Beibehaltung von FP10 und dem ECF als zwei separate Programme bewahrt die exzellenzorientierte Forschungslogik von FP10 und die Wettbewerbslogik des ECF, während die Schnittstelle Kontinuität zwischen ihnen gewährleistet, ohne die Regeln und Vergabekriterien des einen Programms in das andere zu übertragen", fasst die Erklärung das übergreifende Ziel zusammen.
Die Organisationen hinter der Erklärung
Für das Statement zusammengeschlossen haben sich:
- die Europäische Universitätsvereinigung (EUA) mit über 900 Mitgliedern und Partnern,
- die Konferenz der Europäischen Hochschulen für fortgeschrittene Ingenieurausbildung und Forschung (CESAER),
- ein Netzwerk aus rund 40 traditionsreichen europäischen Universitäten (Coimbra-Gruppe),
- eine Allianz führender Forschungszentren im Bereich der Biowissenschaften (EU-LIFE),
- der Verband europäischer forschungsintensiver Universitäten (Guild of European Research-Intensive Universities, "The Guild"),
- die Liga europäischer Forschungsuniversitäten (LERU) und
- eine europäische Hochschulallianz aus rund 25 jungen, forschungsorientierten Universitäten (Young European Research Universities Network, YERUN).
cva