Das Bild zeigt zwei Köpfe im Scherenschnitt, zwischen denen Pfeile hin und her verlaufen.
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Studie
Gefühle können Polarisierungstendenzen verstärken

Ein Forschungsteam der FU Berlin fand heraus, dass Emotionen politische Lagerbildung fördern können. Zwei große Themenkomplexe wurden untersucht.

16.03.2026

Nicht nur unterschiedliche Meinungen zu einem Thema können zur Entstehung politischer Lager führen. Auch emotionale Dynamiken spielen eine entscheidende Rolle. Dies konnte ein Team aus Soziologinnen und Soziologen der Freien Universität Berlin (FU) zeigen. Im Rahmen der nicht-repräsentativen Stichprobenerhebung untersuchten die Forschenden emotionale Reaktionen von mehr als 5.500 Menschen in Deutschland, die sich für politische Themen interessieren. Die Ergebnisse der Studie wurden im März 2026 in der Fachzeitschrift PNS Nexus veröffentlicht.

Die Analyse zeigt, dass sich Menschen aus polarisierten Gruppen Gleichgesinnten besonders verbunden fühlen, während zu Andersdenkenden eine emotionale Distanz wahrgenommen wird. Daraus ergebe sich ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl innerhalb der eigenen Gruppe, aber auch eine tiefere Kluft nach außen. Diese Dynamik könne gesellschaftliche Polarisierungstendenzen verstärken.

Für die Studie rekrutierte das FU-Team von August bis September 2021 im Vorfeld der Bundestagswahl Menschen auf Social-Media-Kanälen. Die Suche nach Probandinnen und Probanden über Social Media erleichtere den Zugang zu Bevölkerungsteilen, die für wissenschaftliche Studien normalerweise schwer zu erreichen seien, so das Autorenteam. Es biete sich dadurch besonders die Möglichkeit zu untersuchen, wie die sogenannte affektive Polarisierung – die emotionale Kluft in einer Gesellschaft – funktioniert.

Die Forschenden untersuchten, welche Haltung die Probandinnen und Probanden zu progressiven politischen Ansätzen in Bezug auf die Themenkomplexen Asylpolitik und Klimawandel einnahmen. Zentral war die Frage, welche positiven oder negativen Gefühle sie gegenüber der andersdenkenden Gruppe zeigten. Zudem wurde untersucht, wie die emotionale Übereinstimmung mit Angehörigen der eigenen Gruppe wahrgenommen wurde.

Gefühle gegenüber Andersdenkenden haben moralische Dimension

"Politische Gruppen entstehen nicht nur über gemeinsame Positionen oder Argumente. Entscheidend ist auch, dass Menschen glauben, mit Gleichgesinnten ähnliche Gefühle zu teilen", sagte Diego Dametto, Soziologe und Erstautor der Studie, laut Pressemeldung der FU.

Emotionen funktionierten also als eine Art Motor der Gruppenbildung. Vermeintlich geteilte Emotionen stärkten das "Wir-Gefühl" des jeweiligen Lagers und grenzten es nach außen ab. Diese Trennlinien der Gruppenidentitäten würden durch gemeinsame politische Ereignisse und Symbole zusätzlich verschärft.

Die emotionale Übereinstimmung in der eigenen Gruppe drücke sich durch das Gefühl von Freude aus. Gegenüber anderen Gruppen dominierten dagegen negative Empfindungen wie Ärger, Ekel oder Verachtung. Hier zeige sich den Autorinnen und Autoren zufolge eine moralische Einordnung der anderen Gruppe: Sie sei nicht nur politische Gegnerin, sondern verletze auch substantielle moralische Werte. Aus einer solchen Ablehnung leite sich ab, so die Studie weiter, dass über Gruppengrenzen hinweg wenig Kontakte geknüpft würden.

Politisches Handeln der Gruppen unterscheidet sich

Das Team der FU untersuchte auch, wie die polarisierten Gruppen politisch agieren. Dabei fiel auf, dass sich progressive Personen vor allem an kollektiven und öffentlichen politischen Formaten beteiligten. Personen mit konservativen Ansichten engagierten sich hingegen häufiger in persönlichen, politischen Diskussionen mit nahestehenden als auch mit entfernten Sozialkontakten.

Risiken der affektiven Polarisierung

Problematisch sei, wenn affektive Polarisierungstendenzen mit sozioökonomischen Faktoren, wie beispielsweise Einkommen oder Bildung, zusammenfielen. Solche Unterschiede gepaart mit fehlendem Kontakt in jeweils andere Gruppen erhöhen laut Forschungsteam die Intensität der Emotionen und folglich potentiell auch den politischen Konflikt.

Die Soziologinnen und Soziologen sehen in der affektiven Polarisierung eine riskante Dynamik: die gegenseitige Verstärkung von emotionaler Wahrnehmung, sozialem Netzwerk und politischem Verhalten. Dametto warnt: "Den Freund*innenkreis ausschließlich entlang der eigenen politischen Identität zu gestalten, kann ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln, geht jedoch häufig mit dem Risiko einher, anderen politischen Gruppen mit negativen Gefühlen zu begegnen." Langfristig könne ein solcher Prozess die demokratische Verständigung erschweren.

Polarisierung – Schwerpunkt in "Forschung & Lehre"

Im März nähert sich "Forschung & Lehre" in seinem Schwerpunkt dem Thema Polarisierung aus unterschiedlichen Perspektiven an. Die Beiträge:

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