Pflanze in einer Glühbirne
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Hochschulkooperation
Label zu Nachhaltigkeit an Hochschulen geplant

Mehrere Hochschulen wollen ein Nachhaltigkeitslabel für Hochschulen entwickeln. Das soll den Klimaschutz langfristig stärken.

30.03.2021

Die TU Dresden will die Nachhaltigkeit an Hochschulen mit einem neuen Label schneller und einheitlicher voranbringen. "Hochschulen haben eine Vorbildfunktion", sagte Projektleiter Professor Remmer Sassen von der TU Dresden vor dem Start der Projektarbeit im April. "Sie bilden nicht nur die künftigen Entscheidungsträger aus. Sie produzieren auch die wissenschaftlichen Studien, die die Effekte des Klimawandels zeigen."

Für fünf Handlungsfelder soll künftig aufgezeigt werden, wie nachhaltig eine Hochschule ist. Lehre, Forschung, Betrieb, Governance, und Transfer sollen dafür jeweils anhand von fünf bis zehn Kriterien auf einer Skala von null bis fünf bewertet werden. Welche Kriterien das sein werden, sei Teil der dreijährigen Projektarbeit. Nach zwei Jahren sollen die Kriterien stehen, im dritten Jahr getestet werden. Beteiligt sind an dem Projekt insgesamt 13 Hochschulen, darunter auch die Universitäten Hamburg, Berlin, Duisburg-Essen, Oldenburg sowie die TU Darmstadt und die Fachhochschule Münster.

"Rund fünf Prozent der Hochschulen erstellten derzeit einen Nachhaltigkeitsbericht", sagt Sassen. "Da es keine einheitliche Bewertungsgrundlage gibt, unterscheiden sich die Berichte teils deutlich." Außerdem hätten die meisten Nachhaltigkeitsinitiativen Projektcharakter. "Immer wieder verlaufen Ergebnisse daher nach der jeweiligen Projektlaufzeit im Sand", so der Professur für Betriebswirtschaftslehre mit einem Fokus auf Nachhaltigkeitsmanagement.

Nachhaltigkeit langfristiger angehen

Auch das Nachhaltigkeitslabel entsteht in einem Projekt. Sassen hofft jedoch, dass sich ein solches Label etablieren könnte. Wie vergleichbar dessen Kriterien letztlich seien, muss sich zeigen. "Die Bewertung der Nachhaltigkeit für den Bereich 'Betrieb' halte ich zum Beispiel für vergleichsweise einfach", sagt Sassen. Hochschulen könnten sich an allgemeingültigen Bewertungsstandards zu Energie oder Wasserverbrauch orientieren. Schwieriger sei es beispielsweise in der Forschung. "Jede Hochschule muss für sich festlegen, was sie unter nachhaltigem Forschen versteht und wie sie das umsetzen will." Gehören könne dazu sowohl klimafreundlich zu reisen als auch nachhaltige Themen zu bearbeiten.

Die Wissenschaftsfreiheit sieht er durch das Label nicht gefährdet. "Es geht nicht darum, ganze Forschungsbereiche zu streichen", sagte Sassen. "Vielmehr sollen die Hochschulen in allem was sie tun, den jeweils nachhaltigsten Ansatz verfolgen." In Bereichen wie Reaktor- oder Rüstungsforschung könnte das Label etwa darauf zielen, sich zu mehr Transparenz über die Forschung zu verpflichten.

Für mindestens zehn Projekthochschulen sollen bis zum Ende des Vorhabens Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Vorhaben fachlich und finanziell mit 276.800 Euro. In der Projektarbeit wollen die Hochschulen auch auf die Ergebnisse des Verbundprojekts "Hoch-N" zurückgreifen, das 2020 ausgelaufen und inzwischen in einen Verein überführt wurde. Der soll ein Forum bieten, über das sich Hochschulen auch künftig vernetzen und zur Nachhaltigkeit austauschen können. Auch gemeinsame Veranstaltungen zur Nachhaltigkeit sind geplant.

kas

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