Eine Frau spricht an einem Stehpult mit der Aufschrift DFG Jahresversammlung 2026: Es ist Katja Becker.
DFG / Heiko Specht

Jahresversammlung 2026
Lebenswissenschaften haben 35 Prozent der DFG-Fördermittel erhalten

Auf ihrem Treffen hat sich die DFG mit dem Forschungsbericht 2025 beschäftigt. Becker kritisierte das AfD-Programm zur Wissenschaftspolitik scharf.

01.07.2026

In der abschließenden Mitgliederversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am Mittwoch haben DFG-Präsidentin Professorin Katja Becker und Generalsekretärin Dr. Heide Ahrens über das Förderhandeln und die Aktivitäten der DFG in den letzten zwölf Monaten berichtet. Die Forschungsförderorganisation hat vom 29. Juni bis zum 1. Juli ihre Jahresversammlung auf Einladung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn abgehalten. 

Der Schutz und die Stärkung der Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft gegen zunehmende Anfeindungen und Angriffe war darüber hinaus das zentrale Thema, heißt es in einer Pressemitteilung der Institution. 

Während des Treffens tagten alle zentralen Gremien der DFG: das Präsidium, der Senat und der Hauptausschuss sowie die Mitgliederversammlung. In den Sitzungen haben sie sich laut Mitteilung mit dem Forschungsbericht 2025 sowie mit Stellungnahmen zu Reallaboren und mit Förderentscheidungen beschäftigt. Neben der Festveranstaltung in der Bundeskunsthalle fand mit der Verleihung des Communicator-Preises 2026 von DFG und Stifterverband für herausragende Wissenschaftskommunikation eine zweite festliche Veranstaltung im Rahmen des Jahrestreffens statt. 

Deutliche Kritik an der Wissenschaftsprogrammatik der AfD 

Becker äußerte in ihrer Rede auf der Festveranstaltung in der Bundeskunsthalle deutliche Kritik an den wissenschaftspolitischen Positionen im sogenannten Regierungsprogramm der AfD für die Wahlen in Sachsen-Anhalt. Demzufolge sollen aufgrund einer angeblich "politisierten" und "ideologisierten" Wissenschaft einzelne Forschungsfelder sowie die Drittmittelförderung nach bisherigen wissenschaftlichen Qualitätskriterien abgeschafft werden. "Solche Aussagen verdienen Widerspruch. Nicht weil sie politische Positionen vertreten, sondern weil sie ein Wissenschaftsverständnis erkennen lassen, das mit den Grundprinzipien unserer Verfassung unvereinbar ist", sagte die DFG-Präsidentin. 

"Demokratie und Wissenschaft wurzeln in derselben geistigen Haltung. Beide setzen voraus, dass Argumente stärker sein sollten als Autoritäten, Kritik produktiver als Gewissheit und Lernen wichtiger als Rechthaben. Beide leben von der Einsicht, dass Erkenntnis niemals abgeschlossen ist und dass Freiheit nicht trotz, sondern erst durch Offenheit und Dialog möglich wird“, führte Becker weiter aus. Ohne eine freie Wissenschaft verliere eine Gesellschaft ihre Fähigkeit, zwischen Wissen und Behauptung, zwischen Erkenntnis und Ideologie zu unterscheiden. 

Vor rund 400 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft – darunter der Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Dr. Rolf-Dieter Jungk, und die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Ina Brandes – rief Becker zu entschiedenem gemeinsamem Eintreten für die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft und einer erkenntnisgeleiteten Forschungsförderung auf. 

Jahresbericht 2025 mit aktuellen Förderzahlen 

Wie aus dem in der Mitgliederversammlung vorgelegten Jahresbericht 2025 hervorgeht, hat die DFG im vergangenen Jahr insgesamt 30.090 Projekte mit einer Gesamtsumme von rund 3,8 Milliarden Euro gefördert. Dabei war erneut mehr als die Hälfte aller geförderten Projekte – 16.532 Projekte (55 Prozent) – in der Einzelförderung angesiedelt. Für sie wurden rund 1,4 Milliarden Euro Fördermittel im Berichtsjahr bewilligt. 

In den Graduiertenkollegs, Sonderforschungsbereichen und anderen koordinierten Programmen förderte die DFG 846 Verbünde mit insgesamt 11.458 Teilprojekten und einer Gesamtbewilligungssumme von rund 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2025. Die verbleibenden Fördergelder entfielen dem Bericht zufolge auf Infrastrukturförderung, Preise und weitere Förderungen. 

Aufgeteilt nach den großen Wissenschaftsbereichen erhielten die Lebenswissenschaften demnach mit rund 1,3 Milliarden Euro die meisten Fördermittel (35,1 Prozent der Gesamtbewilligungssumme), gefolgt von den Naturwissenschaften mit rund 890 Millionen Euro (23,2 Prozent), den Ingenieurwissenschaften mit rund 788 Millionen Euro (20,6 Prozent) und den Geistes- und Sozialwissenschaften mit rund 663 Millionen Euro (17,3 Prozent). Projekte ohne fachliche Zuordnung erhielten rund 148 Millionen Euro (3,9 Prozent) der Fördermittel. 

"Auf der Ebene der Fachgebiete zeigt sich, dass bei acht der insgesamt 14 Fachgebiete die Bewilligungsvolumina im Vergleich zum Vorjahr leicht gestiegen sind", wird im Bericht ausgeführt. Besonders stark ist demzufolge der prozentuale Aufwuchs im Fachgebiet Bauwesen und Architektur. Auch die Sozial- und Verhaltenswissenschaften haben sowohl absolut als auch prozentual deutlich zugelegt.

cva