Forschung
Menschen treffen Entscheidungen auf Basis von Wiederholungen
Eine Entscheidung zu treffen bedeutet häufig, diese später zu wiederholen. Je mehr die Entscheidung zur Gewohnheit wird, desto positiver beurteilen wir sie und treffen sie tendenziell erneut. Zudem entscheiden Menschen ungern für andere. Das Vertrauen in das eigene Urteil sinkt, wenn eine Gruppe davon betroffen ist. Das haben zwei Studien der Technischen Universität Dresden (TUD) beziehungsweise der Universität Zürich (UZH) gezeigt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse der TUD im vergangenen November in der Zeitschrift Communications Psychology. Die Forschenden der UZH publizierten im Februar 2026 bei Science Advances.
Einmal getroffene Entscheidungen werden bevorzugt
Das Team aus Neurowissenschaftlern der TUD wollte herausfinden, warum Menschen Entscheidungen oft nach dem gleichen Muster treffen, auch wenn sie offenkundig bessere Alternativen haben. Zu diesem Zweck werteten sie Daten aus Tests mit insgesamt über 700 Personen aus. Dabei trafen die Probandinnen und Probanden in einer Lernphase zunächst Entscheidungen in vorgegebenen Kontexten. In einer anschließenden Transferphase wurden ihnen dieselben Entscheidungsmöglichkeiten in anderen Kontexten geboten.
Die Auswertung der Versuche zeige, dass Menschen dazu neigten, Entscheidungen zu wiederholen, auch wenn diese in anderen Momenten nicht mehr sinnvoll erschienen, so die Autoren der Studie. Viele "irrationale" Präferenzen entstünden demnach durch die Tendenz, einmal bevorzugte Handlungen zu wiederholen.
Neurowissenschaftler Dr. Ben Wagner erklärte in einer Pressemeldung der TUD: "Das Überraschende war, wie stark Wiederholung allein Präferenzen verändern kann. Häufiger gewählte Optionen wurden nicht nur bevorzugt, sondern auch als besser eingeschätzt."
Die Forscher vermuten, dass Wiederholungen eine so große Rolle in Entscheidungsprozessen spielen, weil das Gehirn sie als Entlastungsstrategie nutze. Es könne die erhöhte kognitive Belastung, die durch komplexe Situationen entstehe, auf diese Art kompensieren.
Die Ergebnisse der Studie helfen laut Pressemitteilung dabei, scheinbar unlogische Handlungen im Alltag besser zu verstehen, beispielsweise Kaufentscheidungen, Gewohnheiten oder wiederkehrende Routinen. Psychologie und Verhaltensforschung könnten die Ergebnisse nutzen, um Entscheidungsprozesse realistischer zu beschreiben.
Entscheidungen für andere fallen uns schwerer
Das Forschungsteam der UZH unter Leitung von Dr. Sherry Dongqi Bao wollte herausfinden, wie sich soziale Verantwortung auf menschliche Entscheidungsprozesse auswirken kann, und hat dazu mehrere Experimente mit rund 400 Teilnehmenden durchgeführt. Die Ergebnisse lassen laut Autorenteam darauf schließen, dass Menschen Entscheidungen deutlich leichter fallen, wenn sie sie für sich selbst treffen. Entscheidungen für Gruppen hingegen würden mit weniger Selbstvertrauen getroffen.
Die Versuche hätten deutlich gezeigt, dass das Vertrauen der Probandinnen und Probanden in das eigene Urteil nicht von dessen Richtigkeit abhinge. Auch die Zeitspanne, die zum Treffen der Entscheidung zur Verfügung gestellt wurde, hätte keinen Einfluss auf die Ergebnisse, so die Forschenden. Allerdings erhöhten sich die Zweifel, wenn sich die verantwortlichen Personen der betroffenen Gruppe stark zugehörig fühlten. Soziale Verantwortung führe demnach zu einem geringeren Vertrauen in die eigene Urteilskraft.
Diese Ergebnisse könnten laut Studie dabei helfen, Entscheidungsumgebungen zu gestalten, die Vertrauen fördern und Schuldzuweisungen verringern, beispielsweise durch geteilte Verantwortung.
hae