Haftnotiz mit einem unglücklichen Gesicht in mitten von Glücklichen Gesichtern.
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Verhaltensforschung
Menschen wollen zusammenarbeiten

Eine neue Studie zeigt, dass die Kooperationsbereitschaft von Menschen grundsätzlich hoch ist. Bildung hat dabei einen positiven Effekt.

08.06.2026

"Wir sind als Spezies kooperativer, als wir selbst glauben", betont ein Forschungsteam aus Bonn und Frankfurt. Professor Armin Falk, Professorin Teodora Boneva, Professor Peter Andre und Professor Felix Chopra haben untersucht, wie kooperationsbereit Menschen gegenüber Fremden sind und welche individuellen Faktoren ihr Verhalten bestimmen. Ihre Studie "Homo cooperans: Understanding the nature of human cooperation" ist am 4. Juni im Fachjournal Science erschienen.

Die Forschenden der Universität Bonn, der Goethe-Universität Frankfurt und der Frankfurt School of Finance haben herausgefunden, dass die Grundlagen menschlicher Kooperation universell sind, ihre konkrete Ausprägung jedoch stark durch kulturelle Faktoren beeinflusst wird. Diese Einsicht sei nicht nur wissenschaftlich relevant, so betonen die Forschenden in einer Pressemeldung der Universität Bonn, sondern auch gesellschaftlich bedeutsam, "denn sie zeigt, dass die Voraussetzungen für gemeinsames Handeln in vielen Bereichen besser sind als häufig angenommen wird".

Experiment: Entscheidung für oder gegen Kooperation

Im Rahmen der Gallup World Poll 2021/2022 hat das Forschungsteam eine Datengrundlage geschaffen, die 101.123 Menschen aus 125 Ländern umfasst. Für das Kooperationsexperiment wurde jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer erklärt, dass sie beziehungsweise er eine Entscheidung für oder gegen die Kooperation mit einer weiteren Person aus demselben Land treffen müsse.

Bei einer negativen Entscheidung wurden 100 Dollar (rund 86 Euro) Belohnung versprochen, bei einer positiven Entscheidung 70 Dollar (etwa 60 Euro). Würden sich beide Parteien für eine Kooperation, also weniger Geld, entscheiden, würde zudem eine Spende von 400 Dollar (etwa 345 Euro) an eine Einrichtung getätigt, die sich für Maßnahmen gegen die Erderwärmung einsetzt. Die Belohnungen in Dollar richteten sich laut Studie an US-amerikanische Teilnehmende. Sie wurden in anderen Ländern der Währung und Kaufkraft entsprechend umgerechnet. "Dieses Untersuchungsdesign stellt die Teilnehmer vor ein soziales Dilemma: es verlangt von den Studienteilnehmern die Entscheidung zwischen einer höheren privaten Auszahlung einerseits und einer weniger ertragreichen, dafür aber gemeinschaftsorientierten", erläutern die Forschenden in der Meldung.

Zudem wurden die Teilnehmenden gefragt, wie viele ihrer Landsleute sich ihrer Einschätzung nach für eine Kooperation entscheiden würden; ob sie der Meinung seien, ihr Land sollte Maßnahmen gegen die Erderwärmung treffen und ob sie zu diesem Zweck ein Prozent ihres monatlichen Haushalteinkommens abgeben würden.

Mehr Kooperationsbereitschaft mit höherer Bildung

Weltweit ist laut Studie eine große Mehrheit kooperationsbereit. 69 Prozent der Befragten würden demnach auf einen Geldbetrag für sich selbst verzichten. Dabei stellte das Forschungsteam fest, dass sich individuelle Faktoren unterschiedlich stark auf die Kooperationsbereitschaft des Einzelnen auswirkten. Während weder Geschlecht noch Alter signifikante Unterschiede in der Kooperationsbereitschaft erzeugten, habe sich insbesondere die Erwartung darüber, wie kooperativ andere sind, auf die Ergebnisse niedergeschlagen: "Wer glaubt, dass andere ebenfalls kooperieren, kooperiert selbst auch deutlich häufiger," erklären die Forschenden in der Pressemeldung. Das Gleiche gelte für Personen, die altruistisch oder geduldig veranlagt oder risikobereiter sind.

Die Forschenden betonen jedoch, dass Kooperation kein rein individuelles Merkmal, sondern ein Ausdruck kultureller Prägung sei. Die Ergebnisse unterschieden sich teilweise deutlich nach Ländern: "So ist beispielsweise der Effekt von Kooperationswartungen auf die Kooperation in Finnland sehr groß, in Ägypten aber deutlich geringer", führen sie in der Meldung aus.

Deutlich positiv wirkte sich den Ergebnissen der Studie zufolge ein hoher Bildungsgrad auf die Kooperationsbereitschaft aus. Bei Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem tertiären Bildungsabschluss, beispielsweise einem Hochschulstudium, liegt sie im globalen Durchschnitt um 24,1 Prozentpunkte über derjenigen von Personen ohne oder geringer Bildung. Bei Menschen mit sekundärem Bildungsabschluss einer weiterführenden Schule liegt der Unterschied bei 14,4 Prozentpunkten.

"Bildung erzeugt ein besseres Verständnis gegenseitiger Abhängigkeiten und sozialer Probleme."

Professor Armin Falk, Institut für Angewandte Mikroökonomik, Uni Bonn

Wirtschaftsprofessor Armin Falk erklärt die Ergebnisse gegenüber Forschung & Lehre: "Bildung erzeugt ein besseres Verständnis gegenseitiger Abhängigkeiten und sozialer Probleme und fördert ein zukunftsorientierteres Handeln. Insofern scheint es mir sehr plausibel, dass höhere Bildung auch zu mehr Kooperation führt."

Menschen unterschätzen die Kooperationsbereitschaft anderer

Wie die Forschenden herausfanden, unterschätzten die Teilnehmenden die Bereitschaft zur Zusammenarbeit ihrer Mitmenschen systematisch. Im globalen Schnitt erwarteten sie eine Kooperationsrate von 47 Prozent – während 69 Prozent selbst bereit waren, zu kooperieren. Laut Meldung findet sich diese pessimistische – und falsche – Wahrnehmung in 124 von 125 Ländern. Auch in Deutschland scheint sie demnach ausgeprägt. Während sich 86 Prozent der Befragten kooperationsbereit zeigten, erwarteten sie dies nur von 47,6 Prozent ihrer Landsleute.

Dieses Ergebnis erklärt Falk mit einer möglicherweise allgemein pessimistischen Einstellung. In Deutschland sei das Glas häufig halb leer. Er betont: "Auf jeden Fall bedeutet es, dass wir über uns zu schlecht denken. Und das, obwohl die Kooperationsrate in Deutschland ja sehr hoch ist."

Das Autorenteam warnt in seiner Pressemeldung vor den negativen Folgen einer solchen Fehleinschätzung: "Da Kooperationserwartungen zentral für die Kooperationsbereitschaft sind, können pessimistische Fehlwahrnehmungen negative Folgen für das Kooperationsniveau haben." Die Forschenden geben jedoch auch Hoffnung: Die falschen Annahmen ließen sich durchaus korrigieren. So habe im Rahmen der Studie schon die bloße Information darüber, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung Klimawandel als Problem ansieht, zu einem Anstieg der Kooperation um 0,7 Prozentpunkte geführt. Das Team vermutet, dass stärkere Aufklärungsmaßnahmen zu einem noch deutlicheren Anstieg führen könnten.

Gegenüber Forschung & Lehre fasst Falk zusammen: "Was besonders wichtig ist, ist die Tatsache, dass Kooperationserwartungen das Kooperationsverhalten beeinflussen und wir daher in einer besseren Welt leben könnten, wenn wir realistischere Einschätzungen hätten. Erwartungen schaffen soziale Realität.

hae