Eine Frau macht ein Nickerchen unter ihrem Schreibtisch
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Forschung
Mittagsschlaf fördert die Lernfähigkeit des Gehirns

Ein kurzer Mittagsschlaf kann helfen, sich nach einer anstrengenden Arbeitsphase wieder besser zu konzentrieren. Eine neue Studie erklärt, warum.

16.02.2026

Kurze Schlafphasen zur Mittagszeit können das Gehirn entlasten und zu einem Anstieg der Lernfähigkeit führen. Das geht aus einer neuen Studie von Forschenden des Universitätsklinikums Freiburg und der Universität Genf hervor, die im Januar in der Fachzeitschrift NeuroImage veröffentlicht wurde. Das Forschungsteam um Christoph Nissen, Professor an der Universität Genf und Chefarzt am dortigen Universitätsklinikum, lieferte laut einer Meldung des Universitätsklinikums Freiburg die biologische Erklärung für den Leistungszuwachs nach einer Ruhepause.

Die Grundlage für die Leistungsfähigkeit des Gehirns bilden die Verbindungen zwischen neuronalen Nervenzellen, die Synapsen. Während das Gehirn Eindrücke verarbeitet, werden diese Verbindungen gestärkt. Je länger ein solcher Zustand andauert, desto höher ist die Auslastung des Gehirns, das mit der Zeit ermüdet. In einer früheren Studie von 2016 konnte Nissen bereits nachweisen, dass Schlaf diesem Ermüdungsprozess entgegenwirkt, indem er die Aktivität der Synapsen reduziert und sie so entlastet. Nach dem Schlaf ist das Gehirn demnach wieder fähig, neue Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten, während die zuvor aufgenommenen Informationen erhalten bleiben. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass der Erholungsprozess im Gehirn schon nach einer relativ kurzen Zeit angestoßen wird.

Im Rahmen der Studie wurden laut Mitteilung 20 junge, gesunde Erwachsene untersucht, die jeweils zwei Testtage absolvierten. Dabei hielten sie an einem Nachmittag einen circa 45-minütigen Mittagsschlaf und blieben am anderen wach. Das Forschungsteam nutzte nicht-invasive Verfahren wie die transkranielle Magnetstimulation (TMS) sowie Messungen der elektrischen Aktivität des Gehirns, um Rückschlüsse auf die Stärke und Flexibilität der Synapsen der Testpersonen zu ziehen. Nach dem Schlaf sei die synaptische Aktivität im Gehirn messbar reduziert gewesen, was die erholende Wirkung des Schlafes anzeige. Anders als nach einer gleich langen Wachphase sei das Gehirn so besser darauf vorbereitet, neue Lerninhalte aufzunehmen und zu verarbeiten.

Gegenüber der Zeitschrift DER SPIEGEL erklärte Nissen, dass die Studie keine Aussagen darüber treffen könne, ob kürzere Schlafphase von fünf bis zehn Minuten dieselben Ergebnisse erzielen würden. Für den Alltag allerdings seien Pausen von 15 bis 20 Minuten für die meisten Menschen zumindest praktikabler als die getesteten 45 Minuten.

Gelegentliche Schlafprobleme führen laut Meldung des Universitätsklinikums jedoch nicht automatisch zu Leistungseinbußen. Den Forschenden zufolge sei die Studie vor allem für Menschen mit hoher körperlicher oder geistiger Arbeitsbelastung relevant. Hier könne der Mittagsschlaf gezielt eingesetzt werden, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten.

hae