Patentanmeldungen
Ostdeutsche Hochschulen an der Spitze
Hochschulen in ostdeutschen Bundesländern melden im Durchschnitt 3,9 Patente pro 1.000 Studierende an. An Hochschulen in Westdeutschland sind es nur 1,8 Patente pro 1.000 Studierende. Das geht aus einem neuen Kurzbericht des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hervor, der am 28. April veröffentlicht wurde. Im Vergleich der Bundesländer liegen Sachsens Hochschulen mit 5,4 Patenten pro 1.000 Studierenden vor Thüringens Hochschulen mit 4,7 Patenten. Auf den hinteren Plätzen liegen Hochschulen in Berlin und Nordrhein-Westfalen mit nur etwas mehr als einem Patent pro 1.000 Studierenden.
Im Ranking der Einzelhochschulen führt die Technische Universität (TU) Dresden mit rund 300 Patentanmeldungen im Untersuchungszeitraum. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Technische Universität München (TUM) mit etwa 230 Patenten und die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen mit 220 Patenten. Wird die Patentaktivität größenbereinigt betrachtet, liegt die Technische Universität (TU) Bergakademie Freiberg mit etwa 24 Patentanmeldungen je 1.000 Studierenden vorne. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Technische Universität Ilmenau mit 18 Anmeldungen und die Medizinische Hochschule Hannover mit 13 Anmeldungen. Die TU Dresden kommt auf gut zehn Patente pro 1.000 Studierende.
Warum sind Hochschulen im Osten so innovativ?
"Im Ranking schneiden solche Hochschulen und Bundesländer besser ab, die einen Fokus auf MINT-Fächer legen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik" erläutert IW-Projektleiter Dr. Oliver Koppel gegenüber Forschung & Lehre die Ergebnisse. Daher hätte beispielsweise eine Hochschule wie die TU Bergakademie Freiberg eine bessere Ausgangsposition als eine Volluniversität, die über Fakultäten verfügt, die keine Patente anmeldeten. "Die Daten spiegeln Spezialisierungsmuster der Hochschulen wider", so Koppel. Diese lägen bei vielen Hochschulen in Ostdeutschland auf MINT-Fächern.
Ein weiterer Faktor sei die Schwerpunktsetzung der allgemeinbildenden Schulen im jeweiligen Bundesland. An Schulen in ostdeutschen Bundesländern würde der potentielle wissenschaftliche Nachwuchs besonders gut auf ein Studium der MINT-Fächer vorbereitet. Ein dritter Faktor, der die Innovationsleistung der Hochschulen beeinflusse, seien Incentivierungsvereinbarungen: Hochschulen wie die TUM oder die TU Dresden legten in den Dienstverträgen Bonuszahlungen für Patentanmeldungen fest, mit denen die Grundgehälter aufgebessert werden können.
Welche Hochschulen an Patentanmeldungen beteiligt waren
Im Untersuchungszeitraum waren 164 Hochschulen laut IW-Kurzbericht "patentaktiv", also mindestens an einer Patentanmeldung beteiligt. Darunter waren nur vier Hochschulen in privater Trägerschaft. Die große Mehrheit der Patentanmeldungen des Hochschulsystems stammen daher von staatlichen Einrichtungen. 56 Prozent der patentaktiven Hochschulen waren Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, früher bekannt als Fachhochschulen. Insgesamt haben deutsche Hochschulen fast 5.000 Patente angemeldet.
Fast jedes Hochschulpatent ist in Kooperation mit Partnern entstanden, so das IW. Bei nicht-hochschulischen Patentanmeldern in Deutschland ist das nur bei jedem zwanzigsten der Fall. Solche Kooperationsanmeldungen können laut IW als "Indikator für den Wissens- und Technologietransfer zwischen Hochschulen und anderen Akteuren, wie beispielsweise Unternehmen, verstanden werden". Dabei haben die Forschenden regionale Unterschiede festgestellt: Sie beziffern den Kooperationsanteil im Saarland mit 46,8 Prozent und in Bayern mit 42,9 Prozent am höchsten und in Mecklenburg-Vorpommern mit 11,5 Prozent am geringsten.
Bei der Analyse wurden alle Patentanmeldungen der Jahre 2018 bis 2022 berücksichtigt, bei denen mindestens eine Erstanmelderin oder ein Erstanmelder über einen Sitz in Deutschland verfügt. Der Begriff Hochschulen umfasst in der Auswertung immer auch alle angegliederten Einrichtungen wie Universitätskrankenhäuser und Transfereinrichtungen.
cpy