Ausgründungen
Rekordzahl an Start-ups in Universitätsstädten
Die Gründungsaktivität in Deutschland nimmt trotz anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten weiter zu: Im ersten Halbjahr 2025 wurden bundesweit 1.500 Startups neu gegründet – ein Zuwachs von neun Prozent im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2024, meldet der Startup-Verband am 8. Juli auf Basis neuster Reportdaten.
Der generelle Anstieg macht sich dem Bericht des Verbands zufolge in fast allen Branchen bemerkbar, der stärkste Bereich bleibt jedoch der Software-Sektor, angetrieben vom Boom um Künstliche Intelligenz (KI). Dieser Sektor wachse auf hohem Niveau weiter um 16 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2024.
Mit dem Anstieg der Neugründungen in Deutschland erholt sich die Gründerbranche weiter von ihrer Krise nach dem Ende des durch Corona verursachten Booms Wurden 2021 noch fast 3.200 neue Start-ups gegründet, fiel die Zahl 2023 auf knapp 2.500, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa).
Universitätsstädte München und Berlin fast gleichauf
Regional zeige sich ein differenziertes Bild: Insgesamt seien die drei Bundesländer Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern hauptverantwortlich für das Wachstum der Startup-Neugründungen im ersten Halbjahr 2025. Sie stünden für einen Zuwachs um 128 neugegründete Startups – ohne diese Aktivität würde die Zahl der Neugründungen in Deutschland stagnieren.
Die Gründungsaktivität pro Kopf unterscheide sich auf Städteebene selbst in der Spitzengruppe stark: So werde in München pro Kopf doppelt so viel gegründet wie in der zehntstärksten Stadt Potsdam. Neben den Hotspots Berlin und München seien kleinere forschungsnahe Standorte "wie Heidelberg, Darmstadt oder Aachen die neuen Lokomotiven des Startup-Ökosystems", heißt es im Report des Startup-Verbands.
Im Umfeld vom Hochschulen entstehen immer wieder erfolgreiche Start-ups, zugleich gibt es immer mehr Lehrstühle für Unternehmertum, schreibt die dpa. Die Gründerbranche seit dadurch breiter aufgestellt, allerdings müssten Brücken zwischen beiden Welten geschlagen werden.
Schlaglichter: Infrastruktur für Gründungen im Hochschulumfeld
Entwicklungspotential ist noch da, wie das Beispiel Hamburg zeigt. An den Hochschulen der Hansestadt gibt es nur eine Professur für Entrepreneurship und entsprechend wenige systematisch verankerte Lehrveranstaltungen zu Entrepreneurship, Innovation und Produktentwicklung, meldet die dpa unter Berufung auf Äußerungen des CDU-Fachsprechers für Start-ups und Innovation, Julian Herrmann. Das Ergebnis: An allen staatlichen Hamburger Hochschulen gab es den Angaben zufolge im vergangenen Jahr nur 25 Ausgründungen – elf an der Universität Hamburg, zehn an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) und vier an der Technischen Universität Hamburg (TUHH).
Herrmann verwies gegenüber der dpa auf die Technische Universität München (TUM). Dort gebe es ein eigenes Department mit 13 Professuren im Bereich Innovation und Entrepreneurship – und allein im vergangenen Jahr habe die TUM mehr als 100 Ausgründungen verzeichnet. Auch Berlin verfüge über eine Vielzahl spezialisierter Lehrstühle an mehreren Hochschulen. "Selbst an kleineren Standorten wie Bayreuth, Coburg oder Bochum sind Professuren für Entrepreneurship längst etabliert", sagte Herrmann.
Blick nach Berlin und München
Science & Startups ist der gemeinsame Gründungsservice der Partner der Berlin University Alliance. Ziel der Initiative ist es nach eigenen Angaben, herausragende Forschungsergebnisse der Berliner Universitäten in innovative Startups zu überführen, deren Produkte und Dienstleistungen gesellschaftlich relevant, hoch skalierbar und nachhaltig sind. Potentiellen Gründerinnen und Gründern stünde dabei die gebündelte Infrastruktur des Exzellenzverbundes zur Verfügung – von hochmodernen Laboren und Werkstätten über spezialisierte Forschungseinrichtungen bis hin zu flexibel nutzbaren Arbeitsräumen und weiteren Ressourcen.
Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München verfügt nach eigenen Angaben über mehrere Angebote für Gründungsinteressierte und bestehende Start-ups. Das LMU Innovation & Entrepreneurship Center (LMU IEC) verstehe sich als Plattform für den wissenschaftlichen und praktischen Dialog zu Innovation und Entrepreneurship. Es unterstütze Forschende, Studierende und Start-ups bei ihrem Eintritt in das Münchner Start-up-Ökosystem. Das weitere Angebot namens Spin-off Service unterstützt demzufolge Studierende und Promovierende sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die aus der Hochschule heraus ein Unternehmen gründen oder eine selbstständige Tätigkeit aufnehmen wollen. Im Fokus stünden dabei Ausgründungen, die auf Forschungsergebnissen basierten (Spin-offs). Die Unterstützung erfolge durch Beratung und Coaching von Gründungsinteressenten sowie Hilfestellung bei Businessplänen und Förderanträgen.
cva/dpa