Mann ist parallel an Handy und Laptop
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Konzentration
Schlechtere Konzentration durch Medien-Multitasking

Die parallele Nutzung von digitalen Medien scheint die Konzentration zu verschlechtern. Forschende legten dazu neue Erkenntnisse auf den Tisch.

28.10.2020

Ein häufiges Medien-Multitasking kann die Konzentrationsfähigkeit verschlechtern. Hinweise auf diesen Zusammenhang stärken neue Forschungsergebnisse, die in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht wurden. Pupillenbewegungen und Hirnwellen ermöglichen demnach Vorhersagen darüber, ob sich jemand an eine bestimmte Sache erinnern wird oder nicht. Untersucht wurden zum Beispiel die Effekte von gleichzeitigem Surfen oder Texten und Fernsehen.

In ihrem Versuch führte das Forscherteam der US-amerikanischen Stanford Universität verschiedene Gedächtnisübungen mit 80 Probandinnen und Probanden im Alter zwischen 18 und 26 Jahren durch. Währenddessen wurden deren Pupillenreaktionen und Hirnwellen in einem Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet, vor allem die sogenannte Alpha-Aktivität. "Eine erhöhte Alpha-Aktivität im hinteren Bereich des Schädels wurde mit Unachtsamkeit, Abschweifen und Ablenkbarkeit in Verbindung gebracht", führt Psychologe und Hauptautor Dr. Kevin Madore aus.

"Wir wissen auch, dass Verengungen des Pupillendurchmessers – insbesondere vor der Ausführung verschiedener Aufgaben - mit Leistungsabfällen wie langsameren Reaktionszeiten und abschweifenden Gedanken zusammenhängen", ergänzt Madore.

Die Forscher bestimmte zudem die Fähigkeit der Versuchsteilnehmenden, aufmerksam zu bleiben. Dafür untersuchten sie, wie gut diese in der Lage waren, eine allmähliche Veränderung in einem Bild zu erkennen. Zusätzlich fragten sie die Medien-Multitasking-Gewohnheiten der Probandinnen und Probanden ab, also wie häufig sie etwa gleichzeitig fernsahen und SMS schrieben oder im Internet surften.

Das Ergebnis: Diejenigen mit kürzerer Aufmerksamkeitsspanne und intensiverem Medien-Multitasking-Verhalten schnitten auch schlechter in den Gedächtnisübungen ab. Allerdings handele es sich dabei zunächst um eine Korrelation, keine Kausalität, betonen die Autorinnen und Autoren der Studie.

Besseres Verständnis von Gedächtniserkrankungen erhofft

Nichtsdestotrotz liege die Hypothese nahe, dass Medien-Multitasking Einfluss auf das Gedächtnis nehme, erklärt der Psychologe und Kognitionswissenschaftler Professor Simon Hanslmayr von der Universität von Glasgow in einer unabhängigen Einordnung der Studie. Insgesamt sei jene dargestellte Korrelation ein Zusammenhang, der bislang noch nicht beschrieben wurde.

Ein weiterer Verdienst der Studie, sei, dass sie die Rolle von Aufmerksamkeit beim Erinnern untersuche, so Hanslmayr: "Wir wissen bereits viel darüber, wie Aufmerksamkeit das Einspeichern von Informationen lenkt, aber wenig darüber, wie Aufmerksamkeit das Abrufen dieser Informationen beeinflusst." Das Erinnern sei eine Fähigkeit, die Menschen jeden Tag nutzten und brauchten, um überhaupt zu funktionieren, sagt Hanslmayr. Wie fundamental wichtig dies sei, zeigten Erkrankungen, die das Gedächtnis beträfen wie etwa Alzheimer.

Die Autorinnen und Autoren der Studie hoffen, dass ihre Forschung zu einem besseren Verständnis von Gedächtniskrankheiten beiträgt. Sie unterstreichen weiter, dass das Gedächtnis in hohem Maße von zielgerichteter Kognition abhänge: Wir müssten bereit sein, uns zu erinnern, unsere Aufmerksamkeit an- und Ablenkungen ausschalten sowie ein Gedächtnisziel vor Augen haben – Faktoren, die noch vor dem eigentlichen Erinnern wirkten und bestimmten, ob man sein Gedächtnis aktivieren könne. Dafür seien gezielte Interventionen denkbar. Als Beispiel stellen sich die Forscher tragbare Augensensoren vor, die in Echtzeit anhand der Pupillengröße erkennen, ob ihr Träger unachtsam wird und dann ein entsprechendes Signal senden.

dpa/kas